Kampagne mit Ente:
Zeitungsmaskottchen Paula Print
Kampagne mit Stofftier: Es liegt schweigend herum – und soll den Wert der Zeitung transparent machen. Aber wie bloss soll das mit den aktuellen Kampagnen gelingen?
Handelt es sich bei einem Grossteil der Leser von pnp.de, dem Onlineauftritt der Passauer Neuen Presse, um Kinder? Es muss so sein, denn anders kann man sich den Auftritt der “Zeitungsente” Paula Print nicht erklären (Video auf pnp.de, 15 Minuten).
Paula Print ist ein schweigendes, etwas faul rumliegendes Tier mit einem Gefieder aus Buchstaben, dessen Wünsche von der Umgebung erraten werden müssen. Das perfekte Image für die ermattet daliegende Zeitungsbranche? Wohl schon. Wenn auch der Beitrag aufwändig erarbeitet und durchaus informativ ist (man verzeihe mir, dass ich es nur bis zur Hälfte ausgehalten habe), ist er für die Positionierung einer Zeitung eher Gift als von Nutzen. Glaubt man wirklich, dass erwachsen gewordene Kinder eines Tages die PNP abonnieren werden, aus Dankbarkeit, dass sie damals so gut eingeschlafen sind mit Paula?
Keine Frage, es ist wichtig, dass Journalisten aufmerksam machen auf die Unabdingbarkeit von Journalismus in einer kritischen Demokratie. Aber doch nicht mit einer verpennten Ente. Und auch nicht mit einer Initiative, die sich weniger für Inhalt als mehr für dessen Träger einsetzt.
Auch der Journalistenverband DJV hat unter dem Motto “Unsere Arbeit ist mehr wert” ein Kampagnenvideo gebastelt (Video auf djv.de, 1:46 Minuten).
Die ersten 15 Sekunden wirken wie die Aufnahmen von einer Branche, über die gleich etwas Furchtbares ausgepackt wird, doch dann kommen je zwei männliche und weibliche Aushängeschilder zu Wort. Fritz Pleitgen (*1938), Tita von Hardenberg (*1968), Ulrich Wickert (*1942), Marietta Slomka (*1969).
Uli Wickert zum Schluss:
Ein Tach ohne Tageszeitung ist wie in der Wüste verdursten - und kein Bier haben.
Äh ja.
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4 Kommentare zu diesem Artikel
2 Trackbacks
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(16. November 2008 13:36) - Geschenke für Journalisten: Nützlich bis heiter » medienlese.com
(3. Dezember 2008 13:33)
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Sk
Wickert ist mittlerweile wohl völlig verkalkt…
Mara
Die Passauer Neue Presse wirbt für Ihre journalistische Qualität? Wenn ichs grad nicht lesen würde, würd ich es ins Reich der Satire sperren. Entweder es hat sich sehr viel an diesem äussersten rechten Eck der Republik getan - oder die Selbstverblendung hat zugenommen. Ich habe noch nie vorher und nachher eine Regionalzeitung erlebt die so unkritisch mit den Stadtherren umgegangen ist.
Fiete Stegers
Ausgerechnet eine Zeitungsente als Maskottchen für journalistische Qualität - das scheint doch verunglückte Selbstironie zu sein. Oder bodenlose Dummheit.
Stephan
Nicht verkehrt, wenn Zeitungen neue Nutzer/Leser erreichen wollen. Nicht sonderlich clever, wenn dies nur über die Kanäle passiert, für die man die Menschen wieder begeistern möchte.
“Hätte ich die PNP gelesen hätte ich gelesen, warum ich die PNP lesen sollte!” - oder wie?
Das vermutlich reichlich investierte Geld dürfte also grandios nutzlos verpuffen…
Und wenn die “Schauspielerin” wenigstens bayrisch reden und die Ente überhaupt einen Ton von sich geben würde…dann würden die niederbayrischen Kinder das alles vielleicht auch besser verstehen… ;-)