Wochenrückblick Nr. 36

Ronnie Grob, 7. September 2008 19:29 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Google feiert Geburtstag, Carl Just stand vor dem Arbeitsgericht, Springer war einkaufen und in Österreich kämpft “Onkel Hans” für Meinungspluralismus.

Das Bild der Woche: Diese beiden sympathisch aussehenden jungen Herren haben heute vor zehn Jahre die Suchmaschine Google gegründet. Mittlerweile sucht jeder zweite im Internet mit Google und das Medienunternehmen weiß praktisch alles über alles und jeden, dominiert das Werbegeschäft im Internet, bietet diverse praktische Programme und Dienste an – und hortet das Wissen der Welt sowie die Daten der Google-Nutzer in riesigen Computeranlagen rund um den Globus, die Unmengen Energie benötigen. Die schiere Konzentration von Datenmacht läßt sich nur noch wegen des inoffiziellen Firmenmottos ertragen: “Don’t be evil.”

Carl Just, ein ehemaliger Kriegsreporter stand mit seinem ehemaligen Arbeitgeber Ringier diese Woche vor Arbeitsgericht - was viele Berichte von schweizer Medien nach sich zog. Die Rundschau des Schweizer Fernsehens zeigte einen Bericht (Video, 11:37 Minuten), der sich damit begnügte, ausschliesslich die Version des Reporters darzustellen. Was Marc Walder, Chef von Ringer Schweiz, zurecht eine “eine äusserst bescheidene journalistische Leistung” nannte. Der Journalist, der vom als äusserst sozial bekannten Verlag “Schadenersatz und Genugtuung in Höhe von 200′000 Franken wegen Verletzung der Fürsorgepflicht” verlangte, erlangte vor Gericht einen Vergleich. Obwohl dieser noch keine Rechtskraft hat, wusste tagesanzeiger.ch bereits, dass es sich um eine hohe Entschädigung handelt (ohne diese Behauptung im Text näher zu erläutern). Das Video dazu:

Die Schweizer Bundesrätin Micheline Calmy-Rey intervenierte “in Paris offiziell wegen eines Journalisten der Agentur AFP”. Dieser hatte “ihre Rede an der Botschafterkonferenz ihrer Meinung nach falsch interpretiert”. Ihr Departement, das EDA, spielte in einem Brief an die AFP-Direktion auf die Akkreditierung des Mitarbeiters an und forderte, “die Konsequenzen zu ziehen”.

In Österreich wurde unter der Domain onkel-hans.org eine “Initiative für Meinungspluralismus in Österreichs Medienlandschaft” gegründet, die sich gegen die “Verkronisierung der Republik” wendet. Gemeint damit ist die Kronen Zeitung, das Boulevardblatt von Hans Dichand, das für viele zu aktiv in die Politik eingreift: “Wir wenden uns an alle, die der Meinung sind, dass Wähler und nicht Zeitungen Kanzler bestimmen. Für die Trennung von Staat und Krone!”

Axel Springer Schweiz “übernahm” die Ausgeh-Portale partyguide.ch und usgang.ch und ein bisheriger Tamedia-Manager wurde erster CEO der altehrwürdigen NZZ. Das Online-Jugendmagazin ChiLLi.cc wurde eingestellt und wartet auf Kaufangebote.

Meistgelesen die letzte Woche wurde Klaus’ Abhandlung über den Schweinejournalismus und meistgeklickt bei “6 vor 9″ wurde eine TV-Kritik über eine Sendung mit dem georgischen Präsidenten und “drittklassigen Talkshow-Hoppern”.

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