Gute Frage:
Kann Blick Online bis fünf zählen?
Der SonntagsBlick illustriert die Rücktrittsforderungen eines Parlamentariers mit durchgestrichenen Bundesräten. Auf Blick Online erscheint zum gleichen Bericht überraschenderweise ein anderes Bild.
Screenshot blick.ch
In der SonntagsBlick-Story “Fünf Bundesräte müssen weg!” vom 7. September darf ein SP-Nationalrat seine Meinung dazu äussern, welche Minister im Bundesrat bleiben sollen dürfen. Und welche rausmüssen. Während in der Printausgabe sowohl SP-Bundesrat Moritz Leuenberger als auch SP-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey durchgestrichen sind, ist Calmy-Rey online nicht durchgestrichen. Ob da vielleicht online eine ältere Version der Vision durchgerutscht ist?
Für mich wirft das weitere Fragen auf. Wenn mehrere Versionen bestehen – wurde dann mit dem SP-Nationalrat verhandelt? Auf mich wirkt das Bild nicht wie ein Flüchtigkeitsfehler, sondern wie eine von mehreren Möglichkeiten – ein passender Titel dazu wäre: “Alle Männer raus aus dem Bundesrat!”.
Nach dem von Andrea Hämmerle “exklusiv” erarbeitetem Papier sollen die fünf amtsältesten Bundesräte gemeinsam zurücktreten. Das wären:
- Moritz Leuenberger, gewählt am 27. September 1995
- Pascal Couchepin, gewählt am 11. März 1998
- Samuel Schmid, gewählt am 6. Dezember 2000
- Micheline Calmy-Rey, gewählt am 4. Dezember 2002
- Hans-Rudolf Merz, gewählt am 10. Dezember 2003
Wieso auf dem Bild von Blick Online Calmy-Rey nicht durchgestrichen ist, kann nur vermutet werden. Am Dienstalter kann es nicht gelegen haben, denn von den fünf Amtsältesten der Amtsjüngste ist Hans-Rudolf Merz.
Ebenfalls fragwürdig ist, weshalb ein Text, der zu grossen Teilen aus den Ergüssen des SP-Nationalrats Andrea Hämmerle besteht, gleich von zwei Journalisten betreut werden muss. Die Begleitzeile “von Marcel Odermatt und Christof Moser”, die zusammen höchstens mit 20 Prozent zum Text beitragen, gerät so zur Farce.



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christof
du bist ein verschwörungstheoretiker, ronnie grob. immer schon gewesen.
im produktionsprozess einer zeitung passieren manchmal fehler, die aufbereitung für online läuft parallel, und da rutscht manchmal was ins web, was im print noch korrigiert wird. es ist einfach eine nicht fertige version im web. sollte nicht passieren, kann aber.
viel spass beim weitergrübeln.
Ole Reißmann
Interessant, ich hätte es ja genau andersherum vermutet – ein kleiner Fehler rutscht noch in die Zeitung, wird aber im Internet schnell ausgebügelt …
Ronnie Grob
@Christof: Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, ich bin ein Leser, der sich Gedanken macht und die äussert. Der letzte Kommentar zum Artikel online ist übrigens vom 07.09.2008, 15:14 Uhr. Er fragt, so wie ich, wieso Calmy-Rey nicht durchgestrichen ist. Dann wurde offenbar die Kommentarmöglichkeit zu diesem Artikel gesperrt. Auf die Kritik reagiert wurde nicht, denn das Bild ist auch heute nachmittag noch unverändert falsch drin.
Ich kann dazu nur sagen: Wäre ich in der Blick-Redaktion tätig oder hätte ich gar am Artikel mitgeschrieben, dann würde ich aktiv werden, diesen Fehler zu korrigieren. Wer offensichtlich angebrachte Kritik ignoriert, macht den Eindruck, dass ihm die Leser herzlich egal sind.
christof
@ reissmann: ich habe letzte woche für die holzverarbeitende presse genug gearbeitet, als dass ich mich danach noch kümmern würde, was online publiziert wird. different business.
@ grob: natürlich ists ein fehler. aber deine these von wegen ausgehandelt und so ist doch recht strub. abgesehen davon: gehört ihr nicht zur fraktion, die sagen, journalismus ist auch im internet gut? warum ruft ihr dann nicht einfach an und recherchiert, bevor ihr irgendwelche thesen verbreitet? hab ich nie verstanden. es grüsst, c.