Geo-Reportage:
New York Times, das unsichere Imperium

Ole Reißmann, 2. September 2008 19:21 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Eine Zeitung im “Übergang”: Auf 16 Seiten berichtet Geo vom Innenleben der New York Times, von Fälschungen, Blog-Konkurrenz, Anzeigenkrise und Aktionären.

Eine fast schon epische Geschichte erzählen Norbert Neumann (Text) und Jonathan Torgovnik (Fotos) in der September-Ausgabe von Geo. Wie verändert sich die ehrwürdige NY Times in Zeiten des Internets? Denn während die Redakteure im “page one”-Konferenzraum noch über die gedruckte Zeitung des nächsten Tages beraten, erscheinen die Nachrichten der Stunde auf der Website: “Für die Reporter ist es eine erschöpfende Zeit. Sie können nicht Stillstehen im Laufrad der Nachrichten.”

Wie geht die 1851 gegründete Zeitung mit der aktuellen Zeitungskrise in den USA um? Wie verhält es sich mit der Rolle der vierten Gewalt in Zeiten, in denen nur noch jeder zehnte Amerikaner die Zeitung als wichtigstes Informationsmedium angibt? Auf 16 Seiten ist genug Platz, um von allen Seiten aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen eine Zeitung entsteht und vor welchen Herausforderungen sie steht. Das mag für Medien-Insider wenig überraschend sein – umfassend und gut geschrieben ist die Reportage über die “‘Modern’ Times” trotzdem.

Natürlich kommen auch Blogger vor:

Die “teuren Sätze” der NY Times werden von “Bloggern” und “Kopisten” schließlich einfach in die eigene Homepage eingebaut. Das erfolgreiche Blog Huffington Post zeigt, wohin die Reise geht: Meinungen wird hier veröffentlicht, Zeitungen abgeschrieben, die Autoren bekommen kein Geld. Auch die NY Times hat sich von Bezahlmodellen im Netz verabschiedet und verschenkt “ihr wertvollstes Gut” im Internet, in der Hoffnung auf mehr Leser und Anzeigen. Die Leser haben sie, die Anzeigen müssen noch nachkommen.

Langweilig? Alles schon tausendmal gelesen? Ändert nichts an der Brisanz dieser Beobachtung für den Jornalismus – in den USA wie diesseits des Atlantiks.

Nun fehlt nur noch der Hinweis, dass die Reportage längst im Netz steht, auf der Geo-Seite. Zwar nur mit 8 statt 21 Fotos – dafür kostenlos. Nicht am Kiosk. Was darauf hindeutet, dass die Kernzielgruppe von Geo nicht unbedingt lange Texte im Netz lesen mag und nicht maßlos enttäuscht ist, wenn die teuer erstandenen Inhalte nahezu zeitgleich auch kostenlos zu haben sind. Bereue ich deshalb die sechs für das Printmagazin ausgegebenen Euro?

Nein.

» Mehr lesen: New York Times (12), Zeitungskrise (3), Zukunft der Zeitung (24)

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. ben_

    schrieb am 3. September 2008 um 11:20 Uhr (#)

    Die Geschichte in der GEO hat ja fast Züge eine antiken Tragödie. Denn GEO ist selber kaum in der Lage sich ins Netz zu bewegen. 5 Millionen Visits eine scheintote Reise-Community und eine Seite, die weit, weit, weit hinter dem Anspruch und der Qualität des Printausgabe bleibt. GEO.de ist mir ein Rätsel. Scheinbar herrscht dort jene Überzeugung, die auch aus dem Artikel sickert - das Netz ist irgendwie nicht die Zukunft, die man sich gewünscht hätte. Dabei hätte GERADE die GEO alle Möglichkeiten Online Zeitung und Online Magazine auf höchsten Niveau neu zu definieren. Tragisch.

  2. Jens Rehländer

    schrieb am 3. September 2008 um 13:29 Uhr (#)

    @ Ben: Einerseits freut es mich, dass Sie sich mit GEO.de auseinandersetzen. Andererseits bedauere ich, dass Ihnen GEO.de “ein Rätsel” ist. Denn das hieße ja, dass wir richtig schlechten Journalismus publizieren. Aber so schlimm kann es doch nicht sein. Denn mit sechs, sieben Millionen Seitenabrufen p.M. sind wir in unserem Segment der Wissensseiten ganz weit vorn. Und selbst wenn Sie es GEO.de nicht recht zutrauen: Auch internetspezifische Darstellungsformen sind uns nicht völlig unbekannt. Kennen Sie z.B. die aktuelle Audio-Slide-Show zum 3. Jahrestag des Hurrikans “Katrina”? Mit einem noch aufwendigeren Projekt (”Raja Ampat”) wurden wir 2008 übrigens für den Grimme Online Award nominiert. - Aber ich gebe Ihnen recht: Auch GEO.de könnte immer noch besser werden. Wenn Sie mögen, mailen Sie mir doch Ihre persönliche Mängelliste. Oder konstruktive Verbesserungsvorschläge. Ich schätze den kreativen Austausch. Ehrlich! - Jens Rehländer, Redaktionsleiter (rehlaender.jens@geo.de)


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