Schweizer Promiblogger:
Teleblocher vs. Leuenberger
Das Blog von Moritz Leuenberger und das wöchentliche Video-Interview mit Christoph Blocher. Wo liegen die Stärken und Schwächen der beiden Schweizer Vorzeige-Politblogger?
Moritz Leuenberger wird zudem an diesem Freitag, am 29.08.2008, am BlogCamp Switzerland 3.0 in Zürich teilnehmen. Auch Matthias Ackeret, der wöchentliche Befrager von Christoph Blocher, wird einen Vortrag halten. Plätze sind noch immer verfügbar, soweit das vorläufige Programm.
Nun aber zu den beiden Blogs und was sie zu bieten haben. Gelb unterlegt ist jeweils, wer es besser macht:
Aktualität
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Blocher Alle schweizer Tugenden befolgend erscheint die jeweils neue Folge pünktlich am Samstag, um 14 Uhr. Sie erscheint auch, wenn der Protagonist der Sendung mal für vier Wochen in Chile in den Ferien ist. Dann wird halt voraufgezeichnet. |
Leuenberger Ein typischer Blogger, der sonst auch noch viel zu tun hat. Schreibt über Wochen nichts und überrascht dann plötzlich mit einem langen Beitrag. Punkt, weil er ein echter Blogger ist. Vorteil Leuenberger |
Inhalt
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Blocher Inhaltlich meist brillant und fast immer sehenswert, aber, wie bei älteren Herren üblich, manchmal in der Wiederholschlaufe. Beeindruckend dennoch die eloquente Einfachheit, die sich der Milliardär, Villa und Schloss zum Trotz, bewahrt hat. Vorteil Blocher |
Leuenberger Inhaltlich frisch und mit persönlicher Note. Ein begabter Blogger, dem man leider etwas zu häufig anmerkt, dass er, seiner Position durchaus angemessen, etwas auf der Bremse steht. |
Kommunikation mit den Rezipenten
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Blocher Wenn es nach der Wahrnehmung des Machers geht, dann ist TeleBlocher, was die Relevanz betrifft, vermutlich gleich nach dem Staatssender die Nummer 1. Für die Zuschauerbindung wird aber gar nichts gemacht. Keine Kommentarmöglichkeit, kein einsehbarer Dialog mit den Zusehern, kein RSS: Klassisches Verlautbarungsfernsehen ohne Rückkanal. Das ist schwach, denn am Willen des Protagonisten, der immer wieder erzählt, wie er Briefe beantwortet, liegt es nicht. |
Leuenberger In seinem bisher neuesten Beitrag fragt sich Leuenberger, wie er denn am besten die Kommentare anordnen soll und ob er in den Kommentaren auf einzelne Leserkommentare antworten soll. Antworten kommen prompt, wie auch, als er einen Chanson im Ohr hat und wissen möchte, was für einer das ist. Hier zapft einer die Weisheit der Vielen an. Vorteil Leuenberger |
Website
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Blocher Die Website ist eine Katastrophe. Links eine endlose Reihe von bisher erschienen Videos, die dann alle in einem neuen Fenster öffnen müssen. In der Mitte das aktuelle Video, umrahmt von Aufforderungen, ein Buch zu bestellen. Und weiter unten zu finden ist seit Beginn des Projekts die Anmassung, dass sich Ackeret als “Dr. Matthias Ackeret” vorstellt, Blocher aber, der bekanntlich ebenfalls Dr. ist, als “Alt-Bundesrat” beschreibt. |
Leuenberger Einen Schönheitspreis gewinnt die Seite nicht, sie ist aber auch nicht hässlich, eher schlicht. Für die Bebilderung der Beiträge gibt man sich Mühe, sucht schräge Bilder von sich, übernimmt Blick-Leserbilder, gräbt dafür im eigenen Archiv oder bastelt auch mal etwas neues zusammen. Vorteil Leuenberger |
Technik
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Blocher Überraschend ist es schon, dass der weitgehend unbekannte Anbieter Kewego gewählt wurde. Doch der tut seinen Dienst durchaus, auch wenn es keine Vollbildfunktion gibt. Falls das Ziel gewesen sein sollte, dem Zuschauer eine seriösere Umgebung als zum Beispiel YouTube vorzugeben, kann man das als nur teilweise gelungen bezeichnen. Vorteil Blocher |
Leuenberger Es war sicherlich nicht die dümmste Idee, auf dem kleinen schweizer blueblog.ch ein Blog zu eröffnen. Doch viele Blogger wenden wohl zurecht ein, dass Wordpress einfach die bessere Software als Kaywa ist. So sieht das Blog zwar nett aus, aber auch nicht viel mehr. Leuenberger ist aber vermutlich bei Bluewin, weil das Swisscom ist. |
Setting
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Blocher Klarer Punkt für Blocher. Bisher wurde kaum eine Folge an der selben Stelle gedreht. Kamin, Garten, Schlossbalkon, Gartenbeiz, Flughafen, sogar im Keller, da, wo die Original-Bilder von Albert Anker und anderen hängen, wurde gefilmt. Eigentlich wartet man in der beeindruckenden Besitzschau des vom Bauernknecht zum mehrfachen Millionär aufgestiegenen nur noch auf die Folge, in der beim Frühsport im Hallenbad oder im Park gedreht wird. Aber vielleicht ist ja Ackeret nicht fit genug. Vorteil Blocher |
Leuenberger Ein Blog passt hervorragend zu jedem, der sich für demokratische Belange wie Politik und Gesellschaft interessiert und darüber schreiben möchte. Und es sieht auch ganz so aus, als hätte Blogger Leuenberger die Vorzüge der unverstellten Rede kennen- und schätzengelernt. Es würde mich nicht überraschen, wenn das Blog auch nach einem Rücktritt aus dem Bundesrat weitergeführt würde, dann vielleicht mit mehr Zeit dafür und etwas schärferen Themen. |
Assistenz
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Blocher Ackeret war gleich ab der ersten Folge massiv unter Beschuss, zu recht und zu unrecht. Man sprach von Berlusconisierung, nannte ihn Mikrofonhalter und perfekten Enkel. Die Unterwürfigkeit der ersten Folgen ist nun aber etwas verflogen, mitunter sind einige Fragen sogar kritisch. Die Assistenz ist mit der Zeit gewachsen - es haben sich da schlicht zwei gefunden, die einander im Gespräch gut ergänzen. Die Fähigkeit, jemandem zum Sprechen zu bringen, kann man Ackeret nicht absprechen. |
Leuenberger Zu Beginn waren viele Beobachter überzeugt, dass Leuenberger sein Blog von Ghostwritern schreiben lässt, was meiner Meinung nach nicht oder höchstens unterstützenderweise (Tippfehler, etc.) geschieht. Spätestens mit dem Eintrag über die mit 93 Jahren verstorbene Tante Roseli hat Leuenberger gezeigt, dass es ihm ernst ist mit persönlichen Beiträgen. Die Kommentare werden zudem moderiert, was eine seriöse Unterhaltung fördert. |
Logo
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Blocher Ich glaube nicht, dass eine Sonne mit einer konservativen Brille der Weisheit letzter Schluss ist. |
Leuenberger Ich glaube nicht, dass ein 48 x 50 Pixel grosses Profilbild der Weisheit letzter Schluss ist. |
Mehrsprachigkeit
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Blocher Deutsche Untertitel (und zusätzlich französische, englische, …) wären mehr als angebracht. Eine Sendung, die sich nur an Dialekt beherrschende Deutschschweizer richtet, beraubt sich ihrer Möglichkeiten. |
Leuenberger Dass jeder Beitrag auch auf französisch übersetzt wird, ist schlicht vorbildlich und grossartig. Doch wer bezahlt eigentlich die Übersetzungen? Das PR-Team von Leuenberger, mit Steuergeldern? Doch sollte es auch so sein - es wäre ein winziger Betrag im Vergleich zu sonstigen Ausgaben. Vorteil Leuenberger |
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10 Kommentare zu diesem Artikel
1 Trackback
- Blogcamp Switzerland 3.0: Alle echt und mit Namen » medienlese.com
(30. August 2008 15:13)
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Nico
Sind eure gelben Hinterlegungen auch von Rivella gesponsert?
Peter Sennhauser
Wenn bei uns etwas gesponsert ist, dann wird das deklariert.
Peter Hogenkamp
Finde das aber eine super Idee, Nico. Ich ruf die mal an und sage, wir machen einen Tag lang alles gelb für 50% des Preises, den es gestern bei 20 Minuten gekostet hat.
bugsierer
erstklassige aufdröselung wiedermal von herrn grob, danke danke.
Klaus Jarchow
Hut ab vor euch Schweizern: Ich versuchte mir vorzustellen, dass bei uns im Land der Stellvertreter - sagen wir mal - ein Verkehrsminister Tiefensee oder der Michel Glos ernsthaft bloggen wollten. Ich kam aus dem Gniggeln gar nicht mehr heraus …
N.N.
Es wurde vergessen einen weiteren Punkt - Vor- oder Nachteil sei dahingestellt - aufzuzeigen: Wer sich “Teleblocher” angesehen hat, kann es sich sparen ein paar Tage später weite Teile der “Weltwoche” zu lesen …
Peter Sennhauser
Klaus: Kannst Du mich in die Geheimnisse des wunderbaren Wortes “Gniggeln” einweihen?
Titus
@ Peter Sennhäuser
“Sein Lächeln weitete sich in ein kindisches Gniggeln aus…” oder “…und kichern und gniggeln”. Ich tipp’ mal auf grinsen.
Klaus Jarchow
@ Peter: ‘Gniggeln’ bedeutet im Norddeutschen so viel, wie ‘leise vor sich hin kichern’, dann, wenn der andere es nicht merken soll, dass man über ihn lacht, weil er zum Beispiel ‘Chef’ heißen könnte … ;-)
Peter Sennhauser
Nee, ich kommentier dort nicht ;-) Aber ich schildere Dir gerne mal, was ich alles so mach den lieben langen Tag… und drei Viertel der Nacht.