Minister Faymann:
In der Sonne der Bahn-PR
Seit über einem Jahr plaudert der österreichische Verkehrsminister und SPÖ-Vorsitzende in einer PR-Serie auch über private Kleinigkeiten - auf Kosten der Steuerzahler, ätzen nun viele Medien.
Erste Wolken am Horizont zogen auf, als Faymann mit einem Brief an die Krone die neue Parteilinie der SPÖ in der Europapolitik verkündete. Sogar viele Parteimitglieder erfuhren vom 180-Grad-Schwenk der SPÖ, die plötzlich für statt gegen Volksabstimmungen bei EU-Verträgen war, zuerst aus der Krone. Peinliche Anbiederung an den Boulevard warfen entrüstete Parteimitglieder und entsetzte Journalisten der neuen SPÖ-Führung vor. Und plötzlich fällt kritischen Edelfedern der nächste Skandal ein:
Im „aktuellen Interview“ zu einer PR-Serie der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) in der Krone gibt Faymann nicht nur Lobeshymnen zu verbesserten Fahrplänen und rekordverdächtige Passagierzahlen zum Besten. Wie das österreichische Nachrichtenmagazin profil berichtet, plaudere der SPÖ-Vorsitzende auch über seine Urlaubspläne und zusätzliche Sitzplätze für gewisse Bahnstrecken. Wahlwerbung auf Kosten der Steuerzahler, tönt die Qualitätspresse.
Dabei sollen die ÖBB seit 2007 schon rund zwei Millionen Euro für Medienkooperationen ausgegeben haben. Eine halbe Million ist laut profil der Krone zugeflossen. Und im Laufe der PR-Serie im Boulevardblatt hat Faymann immer wieder ein paar private Geschichten unterbringen können. Bekannt ist das also seit über einem Jahr – und ab und zu äußerten Journalisten auch vereinzelt Kritik.
Doch anscheinend braucht es vorgezogene Neuwahlen im Herbst, damit sich auch die breite Masse der Medien – von ORF bis OÖN – dafür interessiert. Mehr als eine ungute Optik wird an Faymann jedoch kaum hängen bleiben. Denn die ÖBB betonen, dass die Entscheidung für die Medienkooperationen schon gefallen sei, bevor Faymann Verkehrsminister wurde.
Und die – laut Eigenangabe – drei Millionen Leser der Krone, was immerhin rund die Hälfte der Wahlberechtigten ausmacht, werden davon ohnehin wenig mitbekommen. Ebenso wie die Leser von Österreich: Denn diese Medien berichten einfach nicht über die Causa. Dafür darf Faymann in diesen Blättern als Sozial-Fighter gegen Preiserhöhungen bei den ÖBB auftreten (siehe hier und hier). Kritische Journalisten würden das wohl Hofberichterstattung nennen.
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