6 vor 9

Von Florian Steglich, 28. Mai 2008 08:54 Uhr, 13 Kommentare Kommentare

Die Reise nach Japan – warum die Kanzlerin ohne Journalisten fliegt
(Tagesspiegel, M. Ehrenberg und K. Sagatz)
“Mythos Kanzlermaschine – wer hat sich bei Dienstreisen der deutschen Regierungschefs nicht schon über diese Bilder abends in den ?Tagesthemen? gewundert: Angela Merkel oder früher Gerhard Schröder locker mit Journalisten über dies und das plaudernd. Was wird da verraten? Wer darf da eigentlich rein? Sind das immer dieselben Journalisten? Und: Müssen die ihren Flug selber bezahlen?”

Die Top 100 der umsatzstärksten Medienunternehmen in Großbritannien (.pdf)
(guardian.co.uk, Studie von OC&C)
Der “Media Top 100 Index” bezieht auch Agenturen ein, auf Platz 1 findet sich darum die Werbeholding WPP. Erläuterungen zum Ranking in diesem Artikel.

Bikinimäuse außer Sicht
(taz.de, Jenni Zylka)
“Des überfälligsten Themas unter der Sonne nehmen sich nicht ARD und ZDF an, mit ihren stets stolz ausgestellten Dokumentarfilm-Sendeplätzen, nicht die ThemenabendspezialistInnen von Arte. Sondern das DSF” - Doku über Homophobie im Fußball.

New York Times API Coming
(readwriteweb.com, Josh Catone)
Die New York Times stößt die Tore weit auf: Sie wird eine Programmierschnittstelle (API) für ihre Inhalte anbieten, so dass Dritte Rezensionen, Restaurantkritiken und andere Daten für eigene Angebote verwenden können - außerhalb der NYT-Website.

Belgian Newspapers To Google: Pay Us $77M For Indexing Our News
(paidcontent.org, Rafat Ali)
Schon wieder? Bis zu 77 Mio. Dollar fordert der belgische Verlegerverband Copiepresse von Google als Entschädigung dafür, dass in der Google-Suche und bei Google News Inhalte der Zeitungen ohne Erlaubnis veröffentlicht werden.

Sag zum Abschied leise ?Werbung?
(werbeblogger.de, Patrick Breitenbach)
“Ich bin jetzt an einem Punkt, wo mich die Werbung so dermaßen langweilt, dass ich nicht länger gewillt bin darüber zu publizieren. [...] Mich interessieren schlechte Spots, doofe PR-Anschreiben und sonstiger Werbemüll einfach nicht mehr. Ich gehe den gleichen Schritt, den Millionen von anderen Menschen auch gehen: Scheuklappen auf und durch.” - Werbeblogger Patrick Breitenbach hört auf.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

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13 Kommentare zu diesem Artikel

  1. arbiter

    schrieb am 28. Mai 2008 um 12:00 Uhr (#)

    Huch, Jenni Zylka ganz mutig: `Schwule und Fußball´:
    Ginge ich noch ins Stadion, die sexuelle Vorliebe jedes einzelnen Kickers/Kickerin wäre mir wurscht, nein, sie interessierte mich nicht, geht mich nichts an! Wer mir auf der Tribüne ein Gespräch über das Sexualverhalten der Spieler aufdrängen wollte, hätte mit Zitronen gehandelt. Wichtig is aufm Platz!

    Wenn Sexualität Privatsache ist, niemandem Kritik daran zusteht, wozu dann die Diskussion? Als reiner Wissenszuwachs? Wenn Sexualität Privatsache ist, wieso müssen mir dann Schwule/Lesben an jeder Ecke ihre “Privatsache” reinwürgen, mir um die Ohren hauen, sich provozierend outen? Wer um seine Heterosexualität solchen Aufstand machte, würde nicht nur verlacht, sondern zum Psychiater geschickt. Solch Spott und die medizinische Frage ist Schwulen/Lesben, und wie uns Jenni Zylka belehrt, den nochmals umgepohlten Transen nicht zuzumuten.

    Warum müssen sich Menschen, die Schwule und Schwulsein ablehnen, stigmatisieren lassen? Sie heben sich doch nicht einmal aus der Masse ab, auch wenn interessierte Kreise anderes behaupten. Warum muß sich ein Christoph Daum, den ich ganz und gar nicht mag, anrempeln lassen, weil er auf gewisse Funktionsmechanismen im edukativen Bereich diskreter hinweist, als sich Wowereit und Co. outen? Weil nicht die Mehrheit, weil nicht Heterosexualität das berichtenswerte Ereignis ist, und weil es Berichterstatter mit einem “Gespür” für das Besondere gibt, das sich medial verwursten läßt. Ganz nebenbei fällt dabei auch noch Macht ab, Medienmacht zur Veränderung der öffentlichen Meinung. Auch zu diesem Thema sind Medien, was sie schon immer waren: undemokratisch! Sie gestatten nicht das Recht, Homosexualität abzulehnen.

    Schön, daß sich das DSF des Themas angenommen hat, jetzt, wo Olympia vor der Tür steht. Vielleicht schafft es das Thema ja bis auf die Agenda des IOC: `Schwulsein als Olympische Disziplin´. Für das drohend sich abzeichnende Sommerloch bleibt das Thema ein nicht weniger drohender Pausenfüller. Ins Fußballstadion gehe ich trotzdem nie wieder, gerade wegen solchen Leuten Ch. Daum .

  2. Florian Steglich

    schrieb am 28. Mai 2008 um 16:05 Uhr (#)

    Ginge ich noch ins Stadion, die sexuelle Vorliebe jedes einzelnen Kickers/Kickerin wäre mir wurscht, nein, sie interessierte mich nicht, geht mich nichts an!

    Nun, weil genau das nicht die herrschende Meinung in den Stadien zu sein scheint, ist das Thema ein Thema.

    Wenn Sexualität Privatsache ist, niemandem Kritik daran zusteht, wozu dann die Diskussion?

    Vielleicht, weil Kritik daran niemandem zustehen sollte, aber geübt wird, weswegen homosexuelle Fußballer ihre Sexualität geheimhalten? Ich würde sagen, zwischen “Privatsache” und “Geheimhalten müssen” gibt es einen nicht unwesentlichen Unterschied.

    Die Haltung “Du magst homosexuell sein, aber wehe, ich kriege etwas davon mit” halte ich für relativ unerträglich.

  3. arbiter

    schrieb am 28. Mai 2008 um 16:50 Uhr (#)

    Wer bestimmt, daß etwas gegen “herrschende Meinung” ein Thema werden muß? Mediendiktatur? `Vielleicht´ ist vielleicht ein schwaches, eher gar kein Argument, allenfalls Rechtfertigungsversuch. Spekulationsjournalismus ist zwar kein Börsenliebling, aber durchaus gängies Berichterstattungsmuster. Wer schnüffelt `der in Stadien herrschenden Meinung´ in welchem Interesse nach? Scheint es die Meinung in den Stadien zu sein, oder ist sie es? Gehen die Leute für Fußball ins Stadion, oder machen Sie eine Umfrage unter den Spielern zu deren sexuellen Vorlieben. Was haben solche Leute, die der Allgemeinheit solche `Meinung´ unterstellen für Sorgen?!

    Ist ein(e) FußballspielerIn verpflichte, vor allem ein(e) homosexueller/lesbische SpielerIn, seine/ihre Neigung vor Anstoß zu bekennen. Wem? Wer hat einen Anspruch darauf?

    Was ist dagegen einzuwenden, nach dem Motto, `sage mir, mit wem du gehst, und ich sage dir wer du bist´ keinen gesteigerten Wert auf den Umgang mit Homosexuellen zu legen? Das Coming out zur Bedienung eines Voyeurismus, der damit erhobene Anspruch auf `Sonderstellung´ sind das, was im Grunde unerträglicher ist.

    Im übrigen werde ich einen Teufel tun, über rein sachliche Diskussion hinaus in einem Blog-Forum persönliche An- und Einsichten zum Thema und den damit behafteten Personen abzugeben. So, wie mich die sexuellen Verhaltensmuster anderer nichts angehen, möchte ich doch beansprüchen dürfen, meine Vorlieben nicht outen zu müssen.

  4. Florian Steglich

    schrieb am 28. Mai 2008 um 18:11 Uhr (#)

    Scheint es die Meinung in den Stadien zu sein, oder ist sie es?

    Ich habe zu dem Thema nicht recherchiert, ich behaupte auch nicht, dass die Mehrheit der Fußballfans homophob sei (korrigiere oben “herrschende” durch “selbstverständliche Meinung”). Das ist aber auch egal. Es gibt Fußballer, die wegen homophober Tendenzen ihre Sexualität geheimhalten. Ich halte es für plausibel, dass sie sich das nicht bloß einbilden.

    Ist ein(e) FußballspielerIn verpflichte, vor allem ein(e) homosexueller/lesbische SpielerIn, seine/ihre Neigung vor Anstoß zu bekennen.

    Ich wüsste nicht, dass das irgendjemand fordert. Es geht darum, dass sie ihre Neigung bekennen können, wenn sie das denn möchten, ohne gravierende Nachteile befürchten zu müssen.

    So, wie mich die sexuellen Verhaltensmuster anderer nichts angehen, möchte ich doch beansprüchen dürfen, meine Vorlieben nicht outen zu müssen.

    Auch das hat ja niemand gefordert.

  5. arbiter

    schrieb am 28. Mai 2008 um 22:53 Uhr (#)

    Ach, was für ein Rumgeeiere für ein Thema, das keines ist! Durch Wörterklauben wird es auch nichts. Wenn ein Homophiler es für richtig hält, seine Sexualität geheim zu halten, aus welchen Gründen auch immer, hat er das Recht dazu. Derjenige, der sich outen will, kann das sicher, wie prominente Beispiele ausreichend beweisen. Etliche der lauthals Selbstbekenner haben nicht nur keinen Nachteil davon, sondern ziehen Vorteil daraus. Auch sind unsere Medien so aufgestellt, daß im Falle von “Nachteilen” der Hund von der Kette gelassen wird. Er klefft ja schon, wenn jemand bekennt, er lehne die homosexuell Lebensweise in seinem Lebensumfeld ab.

    Der Veganer, der mit seinen Freunden/Bekannten oder mit einer x-beliebigen Gruppe ins Steakhaus geht, darf gerne seinen Salat essen und auf alles andere verzichten. Verlangt er für den Verzicht Lob oder Anerkennung, gereicht ihm der fällige Spott zum Nachteil. Das ändert nichts daran, daß er sich wissentlich und willentlich in die Situation begeben hat.

    Warum so tun, als gäbe es Tausende, nur Hunderte oder wenigstens doch Dutzende von Ballttretern, die von der bösen Gesellschaft der großen Fußballfamilie an ihrem Coming out gehindert werden? Eine solche Diskriminierung haben die Fußballfans nicht verdient.

  6. Florian Steglich

    schrieb am 28. Mai 2008 um 23:32 Uhr (#)

    Ach, lieber Wörterklauben als so ein in jedem Punkt unzutreffender Vergleich wie der Veganer im Steakhaus.

    Derjenige, der sich outen will, kann das sicher, wie prominente Beispiele ausreichend beweisen.

    Welche? Fußballer, bitte. Wir reden nicht übers Showbusiness.

  7. arbiter

    schrieb am 29. Mai 2008 um 00:31 Uhr (#)

    Klar, ein unzutreffender Vergleich, vor allem was die Freiwilligkeit betrifft! Und Regeln sind nur für die Mehrheit der anderen, nie für Minderheiten. Auch reden wir nur vom Showbiz, zu dem Fußball gar nie nicht gehört, oder von Politik, oder von allen anderen Lebensbereichen. Wo ist die besondere Schwierigkeit beim Fußball, außer derjenigen, was elitere Köpfe denken, was Fußballanhänger denken könnten?! Ist doch einfach, eigenes Vorurteil auf `Masse´ zu projezieren. Dann darf man nämlich das eigene Vorurteil behalten und mit dem Finger auf andere zeigen.

    Wenigstens in der Aporie scheinen sich die Meinungen wieder zu treffen. Der eine kann nicht beweisen, was der einzelne Fußballfan allgemein und die Fangemeinde denken, und ich sollte nicht `den´ Fußballer benennen können. Letzteres ist allerdings nicht die Schwierigkeit, sondern es bleibt dabei, daß es mich nichts angeht. Schwule Fußballer leben ihre Sexualität nun mal nicht beim Elfmeter. Wieso soll ihre Homosexualität im Zusammenhang mit ihrer Sportlertätigkeit von Interesse sein? Dazu paßt, daß die Holzmedien im Sportteil(!!!) über die Heirat des gewiß heterosexuellen Sepp Meier berichten, wobei nie klar ist, was davon ist das Eigentor. Trotzdem: Schönen Gruß ans Sommerloch!

  8. Florian Steglich

    schrieb am 29. Mai 2008 um 01:10 Uhr (#)

    Wieso soll ihre Homosexualität im Zusammenhang mit ihrer Sportlertätigkeit von Interesse sein?

    Ganz recht, sie soll es nicht, aber dass sie es leider doch wäre, würde man sie offenlegen, das ist das Thema des oben verlinkten Artikels und der DSF-Doku. Du glaubst das nicht, auch gut, aber irgendein Elton John ist kein Gegenargument. Ein paar prominente Beispiele bekennend homosexueller (v.a. noch lebender und spielender) Fußballer wären eines gewesen, dass es die nicht gibt, ist ein Indiz für die These der Doku - nur ein Indiz, ja, aber dem neige ich (zusammen mit etwa den zahlreichen Zitaten in diesem Artikel) eher zu als der Verdrehung von “Fußballer hält seine Sexualität aus Angst geheim” in “Fußballer übt sein Recht aus, seine Sexualität Privatsache sein zu lassen”.

  9. arbiter

    schrieb am 29. Mai 2008 um 02:45 Uhr (#)

    Negative Beweisführung ist zumindest juristisch nicht verwertbar. Nur weil bei den Ausgrabungen in Troja Kupferdraht gefunden wurde, müssen die Trojaner wohl doch nichts von Telegraphie verstanden haben und die Karthager, bei denen keiner gefunden wurde, waren nicht Weltmeister, zumindest nicht in drahtloser Nachrichtenübermittlung.

    Aus welchen Gründen ein Fußballer seine wie auch immer geartete Sexualität `geheim´ hält, zunächst einmal darf er das. Er darf es auch dann, wenn andere gerne sähen, er würde sich outen. Auch seine `Angst´ ist die seine, die Spekulation über die Gründe Sache anderer, aber keine Befreiung von Angst. Im Kicker-Archiv finden sich interessante Namen zum Thema. Selbst dort im Springer-Reich klingelt nicht das Alarmglöckchen, werden weder die Namen, noch die `Tatsache´ zum Thema.

    Mit noch so vielen Links und/oder ahnungsvollen Zitaten, in keinem der Profifußballvereine im Umkreis von sechzig Kilometern zu meinem Wohnort besteht vereinsseitig das hier diskutierte `Problem´, auch kein Diskussionsbedarf. Als Tribünenplatzmeider kann ich für die Fangemeinde nicht sprechen. Im Familien- und Bekanntenkreis ist das vermutete Denken nicht anzutreffen. Was bringt es dem Fußball, wenn sich ein Spieler zu seinen sexuellen Vorlieben outet? Was bringt es dem Spieler? Was hat es all den Homosexuellen gebracht, die Rosa von Praunheim gegen deren erklärten Willen geoutet hat? Eine Gehaltserhöhung? Was tun gegen die Angst des Tormanns beim Elfmeter? Wie wird der seine Ängste lo`s?

    Leute, die Stammtische wie die Pest meiden, besonders solche Tische in Dorfgasthäusern oder Arbeitervierteln, maßen sich ein Urteil über das an, was an solchen Tafeln gedacht wird, über das, was sie Stammtischhoheit nennen, beanspruchen die Hoheit für sich. Dafür eine Diskussion über ein `Problem´ vom Zaun brechen, das sich jeder konkreten Wahrnehmung entzieht, ist so überflüssig wie ein Kropf. Und wenn nun ein prominenter Fußballer sein Coming out aus Angst oder in Wahrnehmung eines persönlichen Rechtes `geheim´ hält, bleibt immer noch die Frage, was hat Persönliches in der Öffentlichkeit zu suchen? Es gibt das Bankgeheimnis, Steuergeheimnis, Beichtgeheimnis. Nur für die sexuellen Vorlieben, vor allem, wenn sie nicht dem Heterostandard entsprechen, scheint Anspruch auf öffentliches Eingeständnis zu bestehen. Warum auch nicht? Es geht das Gerücht, ein oder zwei Heteros arbeiten heftig an der Gründung einer Gwerkschaft für homosexuelle Profifußballer. Ob das noch was wird vor der EM?

  10. Florian Steglich

    schrieb am 29. Mai 2008 um 07:36 Uhr (#)

    Aus welchen Gründen ein Fußballer seine wie auch immer geartete Sexualität `geheim´ hält, zunächst einmal darf er das.

    Wer will ihm das absprechen?

    Was bringt es dem Fußball, wenn sich ein Spieler zu seinen sexuellen Vorlieben outet?

    Warum sollte er es nicht dürfen, wenn er es möchte?

    Leute, die Stammtische wie die Pest meiden

    Wen meinst Du, die Erst- und Zweitligaspieler, die sich (persönlich betroffen oder auch nicht) in Doku + Artikeln zum Thema äußern?

    bleibt immer noch die Frage, was hat Persönliches in der Öffentlichkeit zu suchen?

    Ist Persönliches auf die eigenen vier Wände beschränkt? Gibt es nichts zwischen “Pressekonferenz + 1. Reihe CSD-Parade” und “Freundin faken und vermummt in die Schwulenbar fahren”? Wäre z.B. eine männliche Begleitung eines Fußballers beim Ball des Sports für Dich schon ein penetrantes Unter-die-Nase-Reiben von Homosexualität “an jeder Ecke”? Oder ist das irgendwie “anders persönlich-öffentlich” als der Handballer mit weiblicher Begleitung?

    Wenn Du mir die Stelle zeigst, an der von einer sexuellen Offenlegungspflicht für homosexuelle Fußballspieler die Rede ist, wär ich dankbar. Dass ich Deine Argumentation nicht verstehe, muss wohl daran liegen, dass ich diese Stelle übersehen habe.

  11. arbiter

    schrieb am 29. Mai 2008 um 12:21 Uhr (#)

    Ach je, für “kein Thema” so eine Diskussion mit tierischem Ernst!!! Und nur wir Zwei diskutieren das, so wichtig finden das Blogger, ungefähr wie Bräunungscreme für Schwarzafrikaner. Sei es drum, auf ein letztes:
    Also Item für Item abgearbeitet:
    1.Diejenigen, die so verzweifelt nach geeigneten Objekten suchen, aber nicht fündig werden und ihre Vergeblichkeit als Beweis für ihre Hypothese nehmen, sind die, welche den Outing-Zwang propagieren und erzeugen.
    2.Der Theorie der negativen Beweisführung nach, die ja hier Anwendung findet,auch der hier von Dir gesetzten Antwort nach bringt es dem Fußball nichts, wenn ein Spieler sich outet. Der Lesart der gleichen Theoretiker nach hat ein Spieler, der sich outet, nur Nachteile. Warum sollte sich ein Spieler unter solchen Umständen outen `wollen´? Er ist schwul, nicht blöd! Vielleicht hat er sogar bei Schopenhauer was über den Willen gelesen, oder bei Habermas über kommunikatives Handeln.
    3. Wie die Pest meiden unsere Elitejournalisten und Meinungsbildner die Stammtische. Aber sie jagen dem Privatleben Dritter nach, werden ganz narrisch, weil sie nicht ins Schlafzimmer homosexueller Spieler gelangen und nicht finden, was sie suchen, wie auch DER SPIEGEL gelernt hat. Also erzeugt man jenen öffentlichen Druck, den man nachher, wenn es funktioniert hat, dem `Stammtisch´ ankreidet. Verdächtigt hat man ihn vorsorglich ja schon mal und klopft sich hinterher rechthaberisch anerkennend auf die Schulter. Wo sind denn die Erst- und Zweitligaspieler, die sich reihenweise äußern? Die Frage macht schon deutlich, die Kreisklasse ist nicht gefragt, bekommt keine Medienaufmerksamkeit. Gesucht wird “Sensation”. Eine elende Heuchelei!
    Und natürlich findet sich eher selten ein Elitekicker im Stammtischmilieu.
    3. Zur Erinnerung: Es geht hier nicht um meine persönliche Haltung und ob und wie richtig/falsch ich es finde, wenn Homophile sich mit irgendwelchen Begleitern in der Öffentlichkeit zeigen. Für den Fußball muß das Runde ins Eckige. Das Privatleben bleibt privat. Dort habe ich als Zuschauer/Fan nichts zu suchen, auch nicht bei Kerkelingen, Bioleken, Wowereiter. Wenn Medien geschäftstüchtig einen Personenkult entwickeln, hebt das keinerlei Rechte auf, auch nicht das von Fußballern, vor allem nicht das Recht, ungestört, unbeobachtet seinen sexuellen Neigungen nachgehen zu dürfen, ohne darüber morgen im Vierbuchstabenblatt lesen zu müssen.
    4. Nachdem also niemand Fußballer findet, die sich outen wollen, ist nach Deiner Theorie die Gesellschaft schuld. Entsprechend wird über Medien und/oder Blog Druck erzeugt, selbstverständlich “nur” auf die Gesellschaft. Knickt die Gesellschaft wunschgemäß ein, müssen sich nach solcher Theorie alle homophilen Elitekicker jubelnd outen wollen. Und wehe, es vergißt einer oder unterläßt es! Ganz zu schweigen von dem, der partout nicht will, sich outen! Der Boulevard hat ihn sofort, denkt Boulevard.

    Eigentlich kann man ganz zufrieden sein, daß es ist, wie es ist und Presse ums Verrecken in der Bundesliga nicht fündig wird. Das will ja schon was heißen, wenn die Investigativen genervt aufgeben! Die Sensationsgier der Presse? Der Voyeurismus interessierter Kreise? Der Gutmenschgestus der Gesellschaftsveränderer? Über solchem Mumpiz bis zum Abpfiff heiter darüber stehen! Jedenfalls finde ich es nach Rauchverbot direkt fortschrittlich, daß sich niemand `gesetzlich´ outen muß. Noch schöner wäre es, die Zwangsouter ereilte das Artensterben. Wäre duchaus sozialverträglich.

  12. Florian Steglich

    schrieb am 29. Mai 2008 um 13:05 Uhr (#)

    Ach ja. Insgesamt ziemlich beeindruckend drumherumgeschwurbelt, arbiter. Der Medienzirkus um homosexuelle Stars hat Dich offenbar selbst ziemlich geblendet, sonst sähest Du vielleicht einen Unterschied zwischen öffentlichkeitswirksamen Pomp-Outing und unaufdringlichem Nicht-Verstecken einer sexuellen Neigung. Bizarr, wie Du je nach Diskussionsstand in diesem Medienzirkus mal nur vorteilsverschaffende PR und mal nur Druck auf die Privatsphäre erkennst. Wir könnten jetzt hier bestimmt noch eine ganze Weile weitertanzen, aber ich bin nur wieder bei meinem ersten Kommentar angelangt, es wurde ja irgendwie nicht spannender seitdem. K.O. durch Ermüdung, vielleicht im November wieder, wenn es nicht so schwül ist draußen.

  13. arbiter

    schrieb am 29. Mai 2008 um 17:09 Uhr (#)

    Wie man eine Bundesliga-Outing in den Medien sorgfältig versteckt, das ist das Geheimnis, um das hier wer rumeiert, ohne einen Ansprechpartner zu finden, der sich outen WILL.(Oder bin ich hier nicht bei `medienlese´?) Weil aber jemand WILL, daß sich Kicker outen wollen müssen und sich keiner findet, ist die Gesellschaft schuld. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Das Thema ist keines! -Das hat im übrigen Gründe! Aber die interessieren die am Outing Interessierten gar nicht erst.- Und danke fürs Kompliment, daß wenigstens mein Geschwurbel Eindruck gemacht hat. Muß ich das jetzt zurückgeben? Hat sicher Zeit bis mindestens November, wenns nicht mehr so schwül ist, weder drinnen noch draußen.


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