Blond aufgefrischt:
N’Euro

Ole Reißmann, 12. Februar 2008 16:47 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Die Vanity Fair hat es getan, OK! macht’s, die Blond auch: Verkaufspreis n’Euro. Mit dem Kampfpreis will das optisch renovierte Magazin Leser locken.

Blond Mag & Cheeseburger
Wo ist der Nährwert? (Bild r. McDonalds)

Die aktuelle Blond kostet genau einen Euro. Für diesen rebellischen Preis gibt es das Heft mit Titelthema “Rebellion”. Aufmerksame Zeitschriftenverkäufer präsentieren das Magazin gleich neben der Kasse und sorgen für reißenden Absatz (zum Beispiel am Bahnhof von Hildesheim). Was gibt es schon noch für einen Euro, von Cheeseburgern abgesehen?

Blond Mag vorher
Blond vorher: Ausgabe 9/07

Die Blond ist brav geworden. Weniger optische Spielereien, weniger visuelle Grätschen. Bislang fanden sich durchaus verschiedene Schriften in einem Text wieder, mittlerweile haben Text und Fotos mehr Platz auf den Seiten. Ruhiger wirkt das Heft, ernster, geradezu flach. Im Layout, wohl gemerkt, nicht im Inhalt. Der ist auch in reduzierter Neon-Optik so wild und tollkühn wie vorher. Schon Passend zur rebellischen Attitüde ist der Titel der aktuellen Ausgabe dann auch die Rebellion, sich wehren und dabei noch Spaß haben - wunderbar.

Spaß mit Ernst - diese Einstellung trifft das so genannte “Lebensgefühl” der aktuell umhergeisternden Zielgruppen-Definitionen, ganze Generation sind gegen etwas (Klimakatastrophe) oder für etwas (Klima), Hauptsache: Spaß dabei. Bei Burda macht man mit dieser Erkenntnis schon Zeitschriften, Ivy freut sich über “Eco-Style. Sexy? Korrekt! Grün ist das neue cool”.

In der Blond aber geht es mehr um (Jugend-) Kultur und nicht um ökologischen Konsum. Charlotte Roche redet über ihren Arsch, Jana Pallaske wird porträtiert, in der Titelgeschichte kommen die hedonistische Internationale und die Front deutscher Äpfel vor - das ist schon alles nett zu lesen. Auch Politik kommt vor, alles über den Terror-Paragraf, bebildert mit Schäuble in Schablonen-Optik, “Stasi 2.0″. Um wieder den Neon-Vergleich zu bemühen: Es geht hier engagierter zur Sache, deutlicher - und deswegen manchmal auch recht plump.

Rumgenörgel: Schon die Überschrift des Titels kommt daher wie das Filmplakat von “Die fetten Jahre sind vorbei”, und “Containering” und die Piraten-Partei sind so neu nun auch wieder nicht. Dass gegen die “Service-Nieten” der Post in einer Kolumne angeschrieben wird, ist auch alles andere als originell und erfrischend.

Highlights: Die Modestrecke, schicke Anzüge für Snowboarder, fotografiert am digital kräftig ent- und eingefärbtem Sandstrand. Bilder von einem anderen Planeten! Charlotte Roche, sowieso immer. Ein kleiner Text über einen Hamburger Künstler, der mit einer Sauna durch die Gegend fährt. Eintritt: Ein Euro.

Blond Mag IVW
Zweites und Drittes Quartal 2007 liefen schlecht, seitdem geht es schon wieder bergauf.

Also, mit einem Euro kann man hier nicht viel falsch machen, wenn nicht gerade der Magen drückt oder die mobile Sauna an der Ecke steht…

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3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Jochen Hoff

    schrieb am 12. Februar 2008 um 17:29 Uhr (#)

    Ich hätte dann doch lieber den Cheeseburger, meinetwegen auch kalt am Kiosk.

  2. Mark S

    schrieb am 13. Februar 2008 um 01:06 Uhr (#)

    Ein Magazin, das reißenden Absatz am Bahnhof von Hildesheim findet? Komisch, das macht mich jetzt sowas von gar nicht neugierig…

  3. Frank

    schrieb am 14. Februar 2008 um 00:18 Uhr (#)

    Also, für n Euro erwarte ich, daß da ne CD drin ist, mindestens jedoch ne DVD mit Spülfilm.


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