Im Test:
Das katholische YouTube

Florian Steglich, 19. Dezember 2007 18:26 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

kathtube.pngWeb-2.0-Projekte können nicht nur 13-jährige BWL-Studenten und New-Economy-Nostalgiker anschieben, oh nein: Auch katholische Institutionen mischen mit. Das heißt dann nicht Ratzingr oder kathol.icio.us, aber doch immerhin kathTube.com. Wir haben uns das mal angesehen.

Seit dem 12. Dezember ist es online, das “katholische Medienportal” kathTube.com mit dem Petersdom im Logo. Dieser 12. Dezember war übrigens der “Tag der Muttergottes von Guadalupe!”, wie das insgesamt nicht ausrufezeichenschwache Portal betont.

Bisher sind 250 Bilder, 119 Audiodateien, 71 Videos und zwei Handvoll Dokumente online. Und vor allem unter den Videos finden sich zahlreiche Perlen, wie man sie im Dschungel des Originals gar nicht mehr entdecken würde:

Mit nur wenigen Versuchen habe ich etwa diesen beruhigenden Werbespot für den “Altöttinger Liebfrauenboten” gefunden (unter dem als Beschreibung geschätzt zweihundertmal die Bezugsadresse angegeben wurde). Und natürlich auch so etwas: Ein devotes Interview mit Eva Herman. An dieser Stelle des Erwartbaren könnte man nun abbrechen und weiterziehen, was dem Ganzen aber nicht gerecht würde.

Denn schließlich gibt es auch sowas hier: Pleiten, Pech und Pannen mit Würdenträgern als Protagonisten. Die Aufnahme des Priesters, dem die Oblade in den Ausschnitt der vor ihm Knienden fällt (und der sie da wieder herauszuholen versucht), dürfte zwar nicht gerade auf dem Index Librorum Prohibitorum stehen, aber auch nicht die gängigste PR-Maßnahme christlicher Institutionen sein. Und das aktuell populärste Video (1922 Abrufe) zeigt einen Werbespot von Coca-Cola, in dem eine Badehose mit nacktem männlichen Oberkörper drumherum den Fluten des Meeres entsteigt.

User “goetterfunki” beschwert sich zwar in den Kommentaren darunter bereits, die Bilder seien “unpassend” fürs kathTube, die Betreiber haben aber sichtlich kein Problem damit.

Die Betreiber, das sind der österreichische Verein kath.net und die Firma DIP3. Diverse katholische Medien unterstützen das Portal. In der Pressemitteilung zum Start heißt es außerdem:

“Im Musikbereich hat Gerth-Medien, der größte christliche Musikvertrieb im deutschen Sprachraum, die Zusage gemacht, ausgewählte Audio- und Videobeiträge zur Verfügung zu stellen.”

Für mich klingt das alles nach dem nächsten heißen Übernahmekandidaten des Web-2.0-Zirkus’. Weltbild sitzt doch sicher auf gut gefüllten Kriegskassen, oder?

Nur das mit dem viralen Marketing, das müssten die Betreiber von kathTube.com zuvor noch lernen. Denn obwohl man prominent und youtube-üblich einen Code zum Einbetten der Videos (”Embedded Link”) anbietet, heißt es schon auf der Startseite:

“Bei Einbindung von Elementen von KATHTUBE in anderen Websites muss vorher bei KATHTUBE eine Genehmigung eingeholt werden!”

Das geht irgendwie nicht zusammen, finden wir. Halb schwanger gibt es nicht. Ausrufezeichen.

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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Nico

    schrieb am 19. Dezember 2007 um 22:06 Uhr (#)

    Na, das Konzept tönt mir viel versprechend – immerhin ist GodTube mit einem ganz ähnlichen Angebot angeblich die am schnellsten wachsende Internet-Seite, die es gibt.

  2. lasti

    schrieb am 26. April 2008 um 22:47 Uhr (#)

    Und die “Evangelisten” kriegen keine eigene Plattform zusammen, oder was? :D


2 Trackbacks

  1. Im Test: Das katholische YouTube | ok
    (19. Dezember 2007 19:47)
  2. [i:rrhoblog] » links for 2007-12-20
    (20. Dezember 2007 23:17)

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