medienlese - der Wochenrückblick
Internet-Angst, Spiegel-Geschichten und Profi-Blogger
Während Claus Kleber lieber doch in Mainz beim ZDF bleibt und nicht die Nachfolge von Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust antritt, schreibt Joachim Lottmann - der gerade sein aktuelles Buch “Auf der Borderline nachts um halb eins” verschenkt - in der Welt am Sonntag eine Ode an den ebenso geschassten Kultur-Chef des Spiegels, Matthias Matussek. Wegen der Quereleien um die Aust-Nachfolge drohe nun, schreibt die Welt, Zwist zwischen den Gesellschaftern. Peter Turi analysiert solange die Gerüchteküche und destilliert aus der Medienberichterstattung Spiegel-Online-Chef Blumencron als möglichen Nachfolger heraus.
Blogger I: Das Medium Magazin hat Stefan Niggemeier zum Journalisten des Jahres gekürt: Mit seinem Weblog setze er ein Zeichen für den Qualitätsjournalismus.
Angst I: Nachdem die Süddeutsche letzte Woche die Kommentarfunktion auf der eigenen Seite eingeschränkt hat und der stellvertretende Chef eine Streitschrift gegen das so genannte “Web 0.0″ veröffentlich hat, gibt es allerorten heftige Reaktionen. Don Dahlmann, Blogger-Urgestein aus Berlin, kündigt unterdessen entnervt sein Abonnement der Süddeutschen. Auch in der FAZ wird gegen das Internet geschossen, Jürgen Kaube meldet sich zu Wort. Frank Schirrmacher auch, aber das Kress-Interview können nur Abonnenten lesen, und vernünftig verlinken geht auch nicht. Web 0.0?
Blogger II: Andere hadern noch, DerWesten macht ernst mit Internet und engagiert Bloggerin Ingeborch Schubiak für die eigene Seite.
Angst II: Das StudiVZ möchte endlich ordentlich Geld verdienen mit den Datenschätzen der Benutzer, handelt sich aber sofort gewaltigen Netz-Protest ein. Auf einen Schnüffel-Passus wird nun verzichtet, trotzdem müssen sich die Verzeichneten am 20. Dezember entscheiden: Werbung oder Weggang.
“Alles, was der Junge begehrt”: In der taz weisen Lana Stille und Klaus Uhrig in zwei Artikeln auf das fragwürdige Rollenverständnis von Mädchenmagazinen wie Bravo Girl hin. Klaus Uhrig kommt zu dem Schluss: “Attraktiv bist du, das suggeriert Bravo Girl, für ihn vor allem als Objekt. Wenn du dich hübsch verpackst und dann ein bisschen ficken lässt. Jungs wollen das so, sagt Bravo Girl. Und du willst das doch auch.”
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2 Kommentare zu diesem Artikel
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Jean-Claude
@ Thema “Spiegel”:
Mir hat der Link zu turi2.de sehr gut gefallen. Erstens weiss ich jetzt über de Hintergründe beim “Spiegel” jetzt wesentlich mehr, weil ich es aus verschiedenen Blickwinkeln serviert kriege. Das kann kein Print.
Zweitens die Gestaltung des Portals: Die arbeiten optisch stark mit Köpfen. Das ist etwas ganz wichtiges: Es nimmt der Internet-Kommunikation einen Tei der Anonymität - und es wirkt einfach sofort seriöser, wenn ein Kopf dahinter steht.
Ich will medienlese nicht ins Handwerk pfuschen, aber in diese Richtung müsste es gehen. Ich will z.B. wissen, wie Ole Reissmann und alle andern ausschauen, und zwar nicht irgendwo versteckt, sondern mit Foto unmittelbar zum Text. Das stärkt die Authentizität (Himmel, was für ein Wort!).
Bei turi2.de (das ich hier zum ersten Mal angeklickt habe) hatte ich spontan den Eindruck: That’s it! Das ist die Antwort auf den Print - und nicht das dauernde Rumgemosere , wer nun wo den echten Qualitätsjournalismus macht…
Florian Steglich
» Jean-Claude: Danke für die Anregung, in ähnliche Richtungen denken wir, etwa was das Autorenfoto angeht. Beim “That’s it” stimme ich Dir allerdings nicht zu.