Kommentare und Verantwortung
Gratulation an den Spreeblick: In bemerkenswerter Freundlichkeit wirft Malte dort die Frage in die Runde, wie mit verwirrten, “tobenden” Kommentatoren in Blogs umzugehen sei, und ob man durch die “virtuelle Nähe” als Blogbetreiber nicht auch eine Verantwortung habe, seelisch kranke Kommentar-Spammer bei der Hand zu nehmen und zum Arzt zu führen.
Hintergrund ist eine Serie äusserst ausführlicher Kommentarpostings, welche eine Weltverschwörung aller üblichen Verdächtigen gemeinsam prophezeien – so ganz genau habe ich das alles nicht kapiert.
So menschenfreundlich es ist, die Überlegung anzustellen, ob man sich nicht geradezu unterlassener Hilfeleistung schuldig macht, solchen Autoren nicht Platz einzuräumen oder wenigstens eine freundliche Email zu schicken – eine Antwort auf die Fragestellung besagt, dass man dazu verpflichtet sei, wo sich die kranke Seele doch vertrauensvoll an das Spreeblick wende – ich muss widersprechen.
Zum einen nämlich hat sich der besagte Kommentar-Autor keineswegs vertrauensvoll an den Spreeblick gewandt. Zum andern ist die Vermutung, es handle sich um einen psychisch kranken Menschen ziemlich gewagt. Und eine entsprechende Aussage möglicherweise als Rufmord justiziabel.
Was wir wissen ist hingegen, dass der betreffende Autor seit Tagen zahllose Blogs mit seinen Texten “bedient”, die in keinem Zusammenhang mit den Inhalten des Blogs stehen. Sie tun dies noch am ehesten an jener Stelle, wo der Spreeblick sie hat stehenlassen – in einem Posting über die abstruse amerikanische Aussenpolitik zwischen Kurden und Türken. Anderswo sind sie (noch mehr) deplaziert oder störend. Die Hoffnung, dass er mit der Veröffentlichung im Spreeblick eine Plattform gefunden hat und sein Bedürfnis nach Öffentlichkeikt erfüllt ist, hat sich heute morgen zerschlagen, nachdem ich weitere sieben Postings – diesmal mit einer Präambel ausgestattet, die ich als Drohung auslegen könnte – löschen musste.
Mit Verlaub: Wir schätzen das Gespräch mit Euch, und wir tolerieren viel in den Kommentarspalten, weil wir überzeugt sind, dass in dieser Diskussionsmöglichkeit die Zukunft und eine Chance dieses Mediums liegt, welche die Zeitungen bisher ganz einfach nicht hatten. Ausserdem: Warum sollen wir unsere Ansichten kundtun und unsere Leserschaft diese nur konsumieren dürfen? Wir wollen ein Gespräch, keinen Sermon.
Aber ein Gespräch verlangt, dass die beiden Partner ein Minimum an Respekt voreinander haben. Wir stehen mit unseren Namen zu unseren Ergüssen und erwarten das noch nicht mal von denen, die kommentieren – auch wenns nett wäre. Wir beschimpfen niemanden, und wir versuchen, beim Thema zu bleiben. Durch einen Austausch entsteht Nähe – und sei sie auch nur virtuell. Aber sie entsteht eben erst durch den Austausch.
Wenn uns hingegen jemand als Plattform für irgendwelche Äusserungen zu nutzen versucht, die in keinem Zusammenhang zu dem stehen, was wir an dieser Stelle grundsäzlich behandeln, dann hat er uns ganz offensichtlich nicht gezielt als Partner ausgesucht, sondern versucht lediglich unsere Reichweite auszunutzen. Daraus entsteht meiner Meinung nach überhaupt keine Verpflichtung oder gar Verantwortung ausser derjenigen, die absolut grundlegendsten Regeln des Anstands in der Diskussion zu wahren und alle andern vor dem Spam zu schützen. Wir tun das gleiche mit kommerziellem Spam, Hassmails und persönlichen Beleidungungen. Wir löschen sie.
Würde man uns aus jeder unverlangten Zusendung eine Verantwortung aufbürden ausser jener, sie gegebenfalls nicht zu veröffentlichen oder eben die Verantwortung für die Veröffentlichung zu übernehmen, dann müssten wir uns bei jedem Hass-Posting überlegen, die Opfer zu kontaktieren und zu warnen; bei jedem Spam nachdenken, ob vielleicht der Absender Opfer einer elektronischen Rufmordkampagne ist und informiert werden müsste und bei jedem möglichen Offizialdelikt (und in der Schweiz gehört Spam meines Wissens dazu) die Behörden benachrichtigen.
Wir haben dazu nicht nur keine Lust und keine Zeit. Wir halten es vor allem auch für eine Anmassung, solche Beurteilungen durchzuführen. Diese Verantwortung ist definitiv zu schwerwiegend.


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malte
da hast du wohl recht. in mir lebt halt ein sozialpädgoge, der rauswill.
Peter Sennhauser
Ich fand Deine Fragestellung nicht völlig daneben. Aber die Antwort ist meiner Meinung nach schnell gegeben.
bambi
toll, dann lass es mit einem urschrau raus (mit videopodcast bitte!)