Sind Makromedien lernfähig?
Ein Blog - das Mikromedium schlechthin - lebt und stirbt mit seinem Schreiber (oder seiner Schreiberin). Dessen Weltsicht und dessen Stil sind es, mit denen er - oder sie - Leser gewinnt. Könnte unter diesen Umständen die Anwendung auf den real existierenden Journalismus irgendwelchen Sinn machen?
Eindeutig sind diese Weblogs Medien, die freiwillig gelesen werden. Und zwar keineswegs wegen ihres Aktualitätsgehalts oder ihrer Recherchetiefe. Nur selten treffen wir auf einen Blogger aus Birma, der uns mit Vor-Ort-Bildern versorgt. In den meisten Fällen geben Blogger bloß ihren Senf zur existierenden Agenda hinzu. Dann sind es der individuelle Stil, der Witz und der Charakter des bloggenden Alter Egos, die für den Zuspruch sorgen.
Betrachten wir die Blogs versuchsweise als Vorbild, dann hieße die zwingende Folgerung für den Journalismus, dass er ebenfalls stärker ‘personenzentriert’ oder auch ’schriftstellerisch’ verfahren muss, statt ein obsolet gewordenes Objektivitätsideal noch länger so zu polieren, wie der Rentner seinen Opel Kadett. Die ‘Marke’ einer Zeitung, das wären unter heutigen Umständen gewissermaßen ‘die Namen, die sie im Schilde führt’.
Dieses Szenario ist weniger absurd, als es zunächst scheint: In einer Situation, wo Print gegen Online notorisch verliert, weil die drucktechnisch verspätete Holzausgabe nicht länger das ‘Novitätenmedium’ bleiben kann, böte ein solcher Strategiewechsel für einen ‘neuen Journalismus’ Chancen, wenn er sich auf eher ’schriftstellerische Stärken’ besinnt. Es käme darauf an, ‘die Welt mit anderen Augen zu sehen’. Das wären dann ‘Standpunkte’ oder ‘neue Perspektiven’, die für Leseinteresse und Abonnements zu sorgen hätten.
Dass dieses Leseinteresse prinzipiell existiert, bestreiten nur die Ignoranten und Selbstgerechten: Denn der Buchmarkt wächst und wächst, während gleichzeitig der Markt für periodische Printmedien schrumpft. Es liegt also nicht am Publikum, nicht an dessen unter Krokodilstränen beklagtem ’sekundärem Analphabetismus’, wenn der Journalismus ins Hintertreffen gerät. Im Gegenteil: Es ist der Journalismus, der unter dem Druck von Sachzwängen zunehmend so pr-ostituiert und interessengeleitet daherschreibt, dass das Publikum ihn einfach nicht mehr lesen mag. Der heutige Journalismus ist gewissermaßen selbst schuld, dass ihm die Tippfinger frieren, warum kauft ihm sein Verleger keine warmen Handschuhe …
Mit Dutzendschreibern aus dem Prekariat, die funktionell beliebig austauschbar sind, ist ein solcher Rollenwechsel zum Besseren natürlich nicht zu vollziehen. Denn man muss, um mit Döblin zu reden, schon ein Kerl sein, um eine Meinung zu haben. Es braucht also ‘Kerle’ (auch ‘Kerlinnen’) - und es braucht ‘Meinungen’. An diesen exklusiven Gütern herrscht nicht gerade ein Überangebot in Zeiten, wo alles im Mainstream plantscht. Deshalb gucken wir ja dorthin, wo Meinungsfreude noch zu finden ist, nämlich lieber in die Blogs als in die Zeitungen. In der Hoffnung, dass es sich bei den Besseren dieser Sorte dann auch um Kerle im Sinne Döblins handeln möge.
Allzu große Hoffnung auf Besserung sollten wir in Hinsicht auf den Dampfjournalismus trotzdem nicht hegen. Der ernüchternde Bericht des Kollegen Jakubetz aus diesem ‘absolut zeitgemäßen’ Münchner Presseclub zeigt, dass der ‘old journalism’ noch immer gern unter der Messlatte der Modernität durchzukrabbeln pflegt. Oder den Kopf ganz tief in die gute alte Vergangenheit steckt:
“Und noch etwas hat mich gestern abend erstaunt: nämlich dass wir, beinahe schon im Jahr 2008 angekommen, über das Web immer noch reden, als sei es ein kleines Schifflein, dessen Segel man schon schemenhaft am Horizont erkennt und auf dessen Ankunft man sich allmählich ja mal vorbereiten könnte.”
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8 Kommentare zu diesem Artikel
1 Trackback
- Journalismus kann von Bloggern lernen | trice.de
(11. Oktober 2007 22:24)
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Jean-Claude
Baslsam, Klaus, Balsam! Mir geht diese alberne Konfrontation Print gegen/oder Digital schon lange auf den Keks. Dabei ist klar, dass beide sich in einer Symbiose entwickeln.
Was du anregst, müsste eigentlich Journalisten zu Hauf hinterm Ofen hervorlocken. Aber die bleiben offenbar lieber dort. Die Verleger werden nicht von sich aus in diese Richtung gehen. Da müssen schon die Journalisten Druck machen, in dem sie brauchbare Ideen liefern. Sie müssen sich einmischen.
Ich komme vom Print her. Aber ich bin weder in der Papier- noch in der Holzindustrie. Mir ist es egal, in welcher Form meine Produktion erscheint, Print oder Digital, Hauptsache es wird von möglichst vielen gelesen, es gibt Rückkopplung mit dem Leser und es ist finanziell einigermassen attraktiv.
“Die Marke einer Zeitung sind die Name, die sie im Schilde führt.” Ein schöner Satz und eine gute Zielformulierung.
Du erwähnst das nicht totzukriegende Medium Buch. Beispiel:
Zufällig entdeckte ich in Deutschland den Re Di Roma Verlag. Der produziert so: Ich liefer komplett druckfertig gesetzt den Text, bis aufs letzte Komma. Umbruch, Titel, Korrektur, Lektorat, alles. Ist ja heute keine Hexerei mehr. Das übermittle ich elektronisch.
Der Verlag produziert das Buch on demand in sehr kurzer Zeit. In Druckqualität und Ausstattung sind diese Bücher von konventionell produzierten nicht zu unterscheiden, inkl. ISBN-Registratur und allem Drum und Dran. Zuerst in Kleinstauflage von ein paar Dutzend Stück. Die Kosten : vielleicht 120 Euro. Jetzt kann ich den Vertrieb selber übernehmen oder den Buchhandel einschalten.
Nachgedruckt wird immer genausoviel, wie ich absetzen kann. Die Nachdrucke, immmer genau nach Bedarf in kleinen Schüben, werden praktisch über Nacht produziert, fast wie eine Zeitung. Ebenso ist der Versand organisiert.
Der grosse Vorteil: Die Kosten und das finanzielle Risiko sind, sehr viel geringer als bei einem konventionellen Buch. Das Copyright bleibt beim Verlag, aber das muss man dann halt mit geschickten Verträgen lösen. Und: Es geht sehr, sehr viel schneller. Es ist kaum teurer als zwei Spiegel-Exemplare.
Das eignet sich natürlich nicht für 600 Seiten-Wälzer. Aber ein Buch von 100 Seiten ist schon was. Sowas wird auch gekauft und gelesen, es ist verdaulich. Insbesondere kann man sehr schnell zu aktuellen Themen produzieren.
Nun sitzen in Zeitungsverlagen ein Haufen talentierter und unterforderter Leute, die auf Bergen von Material sitzen, dass sie aber in immer kürzeren Stories in den Zeitungen nicht unterbringen.
Die Zeitung könnte den Vertrieb dieser brandaktuell und zum raschen Vertrieb und Verkauf produzierten Bücher via Zeitungen und Internet in grösserem Stil produzieren.
Beispiel: Bei uns in der Schweiz sind gerade Wahlen. Daraufhin hätte man so ein Buch lancieren können, mit Hintergrund, Analysen, Portraits, Kommentare, Interviews , Statistik etc.etc., zu einem Bruchteil der üblichen Kosten. Gedruckt wird genau nach Bestellung. Der Besteller hat das Buch innerhalb weniger Tage. Wenn jemand das Buch online will, kriegt er es online.
Es gibt x Themen, wozu sich das eignen würde. Kombinationen mit Blogs sind jederzeit möglich. Die Leser könnten sich z.B. sofort in einem speziellen Blog zum Buch äussern, Ideen einbringen etc.
Pietro Stromboli
Herr Jarchow, von was waren Sie den Pressesprecher? Von einer Firma vielleicht. Ich kann es in Ihrem Lebenslauf nicht finden.
Jan
“In den meisten Fällen geben Blogger bloß ihren Senf zur existierenden Agenda hinzu.”
Das ist eine Behauptung von Journalisten, die zwar gern wiederholt, aber nie bewiesen wird. Und ich weiß auch, warum: Weil sie falsch ist.
Wir können gern einmal “die Blogs” durchgehen, z.B. bei blog.de, und dann schauen wir mal, wie oft Blogger ihren Senf zur “existierenden Agenda” hinzugeben. Oder wir schauen auf große Blogs wie designtagebuch.de und suchen nach Bezügen zu alten Medien. Oder wie wäre es mit einem Ausflug in das Universum der Lawblogs?
Wir können uns die Zeit auch sparen und ich kann das Ergebnis der Suche vorwegnehmen, behaupte ich einmal: Blogs beziehen sich zu 99,9 Prozent überhaupt nicht auf alte Medien und deren Agenda, weil ihre Themen dort einfach nicht stattfinden. Stattdessen werden alte Medien gelegentlich durch Blogs darauf aufmerksam, dass es neben den Inhalten von Pressemitteilungen und des dpa-Nachrichtentickers noch andere Dinge gibt, über die sich Menschen unterhalten.
Das nur mal als Ergänzung. Die oben zitierte Behauptung gehört zu den vielen, vielen Sprüchen, mit denen sich Journalisten gegenseitig Mut machen, anstatt auf die Entwicklungen der Gegenwart und Zukunft zu reagieren.
Klaus Jarchow
Mich erstaunt es oft, an welchen Sätzen sich die Diskussionen entzünden. Klar macht der Text doch wohl, dass ich als Gedankenexperiment den umgekehrten Weg vorschlage: Nicht, wie üblich, den Bloggern (à la Ulli Jörges) vorzuwerfen, wie viel sie als geborene Kanalratten doch vom ‘Qualitätsjournalismus’ noch lernen müssten. Sondern stattdessen mal zu schauen, was eigentlich Journalisten von den Bloggern lernen könnten (in den nächsten Tagen dazu noch ein wenig mehr). Der Text ist also gewissermaßen ‘pro-bloggerisch’. Dass ein ‘Metadiskurs’ auf beiden Seiten des Grenzzauns zu finden wäre, bin ich gern bereit zuzugeben - auch, dass es Themenblogs gibt. Ich führe ja selber eins, das sich nicht auf andere Medien bezieht - bzw. diese Medien nur als sprachlichen Steinbruch benutzt. Ich bin aber der Ansicht, dass die ‘Novität’ und das ‘unerhörte Thema’ längst nicht mehr jene überragende Rolle spielen, die ihnen immer zugeschrieben wurde, der ‘rasende Reporter’ darf sich mal wieder einkriegen. In einer Welt mit Web 2.0 sind Neuigkeiten das Alltäglichste von der Welt geworden, Me-Too-Produkte, der Markt dafür schwappt über. Um es am Beispiel der angesprochenen Lawblogs zu illustrieren: Weshalb ist denn das eine unter den Top 10 zu finden - und das andere nicht, trotz hohen ‘Novitätenanteils’ in jedem? Da kommt also wohl etwas mehr hinzu, als bloß das Rechtsanwaltliche. Vielleicht ja ein Stil ganz ohne Kanzleistil? …
Jean-Claude
@Klaus, wenn es dich “oft” erstaunt, an welchen deiner Sätze “sich die Diskussion entzündet”, liegt das womöglich daran, dass deine Sätze und Gedankengänge unpräzis sind.
Dass du “pro-bloggterisch” bist, ist mir natürlich klar. Dass ich nicht “anti-bloggerisch” bin, sollte ebenso klar sein. Ich halte diesen künstlichen Gegensatz Print gegen Blogs und umgekehrt für albern, weil die Realität schon heute deutlich macht, wie sehr die beiden Medienarten
in eine Syymbiose übergehen.
Das heisst nicht, dass der Print verschwindet, sondern dass er das Internet immer stärker einbezieht und auch, dass das Internet ohne Print, in welcher Form auch immer, nicht auskommt. Das eine bedingt das andere: Das heisst Symbiose.
Mein Beispiel mit dem Buch on demand ist ein Beispiel - nur eins von vielen - wie das geschehen kann, und zwar im Sin n der Weiterentwicklung des Prints in enger Verbindung mit dem Netz. Ich habe es genannt, weil es mir als origineller Ansatz erscheint, der sich mit Blogs und Internet generell kombinieren lässt.
Peter Sennhauser
Jean-Claude: Books on demand gibts seit rund zehn Jahren. Dass sich die Konvergenz zuerst in den Medien ausdrückt, bevor sie die Autoren überhaupt erst bemerken, ist eine Peinlichkeit ohnegleichen. Die Energien, die hierzulande im Kampf zwischen Journalisten, A-Bloggern, B-Bloggern und weiss ich wem verpuffen, fliessen in den USA seit Jahren meist schnurstracks in neue Formen des Publishings. Hier kommt kaum mehr ein Sachbuch zu Stande, ohne dass es von einem Blog begleitet wird und damit das Publikum gewissermassen als Lektorat UND Expertenbeirat für die Autorenschaft mitwirkt. Medien finden Quellen und Fakten in Blogs und Betrachten die Blogger zunehmend als Pool von teilweise ausserordentlich begabten Kolumnisten. Berührungsängste gibt es kaum, und die meisten zeitungen stehen der Leserschaft online genauso offen wie die Blogs - schliesslich machen sie Ihr Geld mit Werbung und nicht mit dem kaum die Druck-, geschweige denn die Distributionskosten deckenden Verkaufspreis. Das mag mit einem Mangel an Standesdenken zusammenhängen, in dem ein Funke des American Dream weiterexistiert: Hier drüben brauchte man noch nie eine Ausbildung oder ein Diplom, um etwas zu tun - man tut es einfach, entweder schlecht und dann wohl nicht lange oder gut und mit entsprechendem, auch finanziellem, Erfolg. Ende der Diskussion.
In Europa fragen Journalisten allen Ernstes, wer denn plötzlich all diesen Schreiberlingen mit ihren Blogs “das Recht” zum Publizieren verliehen habe - als ob das ein bisher von einer überirdischen Instanz verliehenes recht und nicht ganz einfach die Willkür der Druckereibesitzer gewesen wäre. Die Blogger dieweil feiern mit lautem Geheul ihren Siegeszug gegen die Massenmedien, statt endlich anzupacken, was diese offenbar vermasselt haben.
Klaus’ Aufsatz setzt dieweil meiner Ansicht nach etwas gar sehr auf Meinungsjournalismus. Ich glaube auch, dass das “Newshandwerk” heute keinen Journalisten mehr ausmacht - denn Zugang zu Agenturen, Quellen und Experten, aber auch zu den Publikationsmitteln hat die halbe Welt.
Mich interessiert indes nicht so sehr die Meinung anderer Leute als ein aus einer überraschenden Perspektive und mit viel Aufwand und Tiefgang gemachter Hintergrund zu einem der viel zu vielen Themen, mit denen wir uns heute auseinandersetzen sollen. Statt 20 Minuten in den schnellen Überblick über die weder relevante noch erfassbare Masse der sogenannten “News” investiere ich längst lieber ein paar Stunden täglich in möglicherweise total abseits liegende, aber hervorragend aufbereitete, verständlich analysierte und in einen Kontext gestellte Themen. An diesen Werten guten Journalismus hat sich seit Egon Erwin Kisch nichts geändert.
Klaus Jarchow
@Peter: Um mit dem Etikett ‘Meinungsjournalismus’ hier nicht missverstanden zu werden: Ich ziele damit nicht auf jene trendsüchtigen Figuren, die immer die jeweils neueste Meinung zu Markte tragen. Meine Intention träfe das schlichte Wort ‘Stilbewusstsein’ besser, in dem Sinne, dass man, um gut zu schreiben, auch etwas zu sagen und zu meinen haben muss …
@ Jean Claude: Ich bin da erheblich pessimistischer. Eine Welt aus lauter Offline-Online-Fusionsgewinnern scheint mir fremd. Aber - mögest du recht haben!
Jean-Claude
@Peter, du hast gut reden in deinem warmen Kalifornien. Wir hier in Old Europe brauchen etwas länger - aber nicht in allem.
Das Book on demand war als Beispiel für die Symbiose gedacht. Das mag es schon seit zehn Jahren geben, aber richtig leicht nutzbar ist es noch nicht lange.Ich glaube, die wenigsten Journalisten wissen das.
Die spezielle Software erlaubt es, sozusagen direkt auf die Buchseite zu schreiben, mit allen nötigen Tools und Layouts etc. Der Drucker erhält es elektronisch genaus so formatiert, wie er es braucht. Ich schreibe praktisch in die Druckmaschine und hinten kommt das Buch raus und wird sofort versandt. Und alles in sehr kurzer Zeit. Mich fasziniert sowas und ich frage mich, warum z.B. Zeitungsverlage nix daraus machen.
Beispiel: Klimadiskussion. (Da sind wir in Old Europe übrigens weiter als ihr in eurem Kalifornien …). Was ist der aktuelle Stand? Wie stark sind die Zweifel in der Wissenschaft, was ist völlig gesichert, was vage, was rerewiesener Bullshit usw. Im Internet finde ich dazu endloses Material . Aber ich bin völlig überfordert. Ich kann die Quellen nur teilweise checken, ich habe nicht wirklich einen aktuellen Ueberblick. Auch nicht als Zeitungs- oder Magazinleser. Ich bin eher verwirrt.
Man muss auch mal die Psychologie einbeziehen: Die nglaubliche Masse an Information verunsichert die meisten Menschen mehr als dass sie ihnen nützt. Wie reagieren Medienmacher darauf?
Hier kommt das Book on demand ins Spiel (hier wirklich nur als wenig spektakuläres Beispiel): Eine fähige Zeitungsredaktion, die mir das lesbar aufarbeitet, verschiedene Thesen einander gegenüberstellt, die Gegenchecks macht und für sie greifbare Experten einbezieht, ebenso Verweise auf zuverlässige bez. unzuverlässige web.adressen etc. Ein Buch von nicht mehr als 50 Seiten: Stand der Diskussion am 13.Okt.07.
Die Produktion müsste eine darauf getrimmte Zeitungsredaktion innerhalb von ein, zwei Wochen schaffen. Nach dem Nobelpreis an Al Gore wäre sofort ein aktueller Anlass gegeben. Vertrieb und Werbung geschieht konventionell über die Zeitungsverlage bez. durch deren websites.
Damit lässt sich Geld verdienen, denn nur dann setzt sich eine neue Medienidee durch. Im Netz allein wird immer noch und auf lange Sicht zu wenig verdient.
Ich bin überzeugt, die meisten an dem Thema Klimawandel Interessierten würden dieses Buch (zum Preis von einem Spiegel-Exemlar) das sie immer wieder zur Hand nehmen können, dem endlosen Surfen im Internet vorziehen. Wenn man’ s nicht mehr braucht wirds weggeschmissen bez. die aktualisierte Fasssung besorgt. Wie jede Zeitung. Alls das unterscheided das Book on demand vom bisherigen Sachbuch.
Die Bücher werden erst nach Bestellung genau nach Bedarf gedruckt. Jede Kleinauflage kann sofort aktualisiert werden. Das ist Symbiose. Da liegt doch Musik drin.
Anderes Beispiel: Parlamentswahlen. Wer ist das überhaupt, der gewählt wird? Kurzbiografien, Verwaltungsratsmandate, wer macht Lobbying für welche Interessen, Gerichtsurteile etc. Wer stimmt jeweils wie ab? Kann man natürlich auch aus dem Internet runterladen. Aber versuchs mal!
Ein book on demand, zwei Wochen nach den Wahlen auf dem Markt, 50 Seiten. Wird im Verlauf einer Legislaturperiode permanent aktualisiert. Das würde, nebenbei, die Transparenz im Parlament schlagartig erhöhen.
Das ganze könnte man natürlich im Internet machen. Aber es hätte nicht die gleiche Glaubwürdigkeit, weil im Buch der professionelle Filter einer Redaktion drinstecken muss. Diese Leute kann ich notfalls packen, wenn Mist drin steht. Versuch das mal im Netz.
Darum müsste Glaubwürdigkeit von Redaktionen heute absolute Priorität haben. Die Verleger haben das noch nicht begriffen, weil Glaubwürdigkeit Geld kostet.
Books on demand, auf diese Art produziert, liessen sich hervorragend mit dem Internet koppeln., Bolgdebatten liessen sich zusätzlich strukturieren etc. Symbiose eben!
Ich glaube einfach: Die Medien werden sich künftig nicht durch grosse Innovationsschübe verändern, sondern durch solche winzigen, aber permanenten Schritte. Manchmal klappts, oft halt nicht. Dann eben: nähster Versuch.
Dass es im Netz hervorragende Kolumnisten gibt, wie du schreibst, glaub ich gern. Aber es sind ganz wenige im deutschsprachigen Raum. Und Blogs - die gibts ja nun auch schon lange -, wo man mehr als zwei Sätze schreiben will, sind nach wie vor eine Rarität. Ich sehe auch nicht, dass sich das gross ändert.