Sprachpflege vom rechten Rand
Eine Splittergruppe bekommt Gegenwind bei Wikipedia, gründet ein eigenes, geschlossenes Wiki und schreibt eine Pressemitteilung. Die nahm Radio Eins, anscheinend ungeprüft, zur Vorlage einer Nachricht.
Weil mehrere Einträge über sprachpflegende Vereinigungen in der deutschen Wikipedia mangels Relevanz auf der Abschussliste stehen und die mitunter kritischen Inhalte den Sprachbewahrern nicht immer genehm sind, stellen die Betroffenen mit sprachpflege.info nun ein eigenes Wiki ins Netz. Schließlich ist es nicht so einfach, “bei der großen Vielfalt an Sprachvereinen und sprachpflegerischen Tätigkeiten den Überblick zu behalten”. In der Tat landet man bei einer Webrecherche schon Mal auf den Seiten von Blick nach rechts oder den antifaschistischen nachrichten.

Unfreiwillige PR für die Sprachpfleger (pixelio.de)
Auf sprachpflege.info möchte man vorsichtshalber ungestört sein. “Zur Gewährleistung guter Arbeit” muss man sich zur Mitarbeit bei der Redaktion bewerben. Die neue Seite startet pünktlich zum “Tag der Deutschen Sprache”, den der “Verein Deutsche Sprache” jährlich feiert. Die Pressemitteilung wurde von Radio Eins (Rundfunk Berlin-Brandenburg) gleich zur Nachricht geadelt und ging am Freitagabend mehrfach über den Sender.
Hinweise zu schicker Sprache finden sich dort entgegen der Ankündigung bei Radio Eins aber nicht. Ob man sich die Mühe gemacht hat, die Seite zu besuchen oder sich den Chefredakteur von sprachpflege.info einmal näher anzusehen?
Wohl kaum, denn dann hätte man nachlesen können, in welch illustren germanophilen Blättchen Thomas Paulwitz publiziert. Die Organe des Preußeninstituts, der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft und der Gesellschaft für freiheitliches Denken sind darunter. Für sein Wirken bekam er 2006 den Gerhard-Löwenthal-Preis der Jungen Freiheit verliehen.
Seit Freitagabend kam auf unsere Anfrage keine Antwort von Radio Eins.
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1 Kommentar zu diesem Artikel
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Anglizismenmuffel
Naja, da hat sich die Deutsche Sprachwelt (DSW) wieder einmal an eine Aktion des Vereins Deutsche Sprache (VDS) angehängt. Der VDS hat nichts mit sprachpflege.info zu schaffen und sich oft von der DSW distanziert - nicht zuletzt wegen der rechtslastigen Biografie des umtriebigen DSW-”Schriftleiters” Thomas Paulwitz.