medienlese - der Wochenrückblick

Ronnie Grob, 18. Februar 2007 20:36 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Thomas Knüwer gab zu, dass er mit Lyrik noch nie etwas anfangen konnte. Anlass dazu gab die Lektüre des neuen Vanity-Fair-Blogs KLAGE von Rainald Goetz. Dieser wiederum wusste, dass Tyler Brulé das Netz als ein Medium der Bilder und nicht der Buchstaben sieht. Kanzlerin Angela Merkel musste lesen, dass sie Zwietracht säe, nur weil die Süddeutsche eine Studie über Blogs gelesen hatte. Umgekehrt musste sich die Süddeutsche von einem aufmerksamen Leser eine Leseschwäche konstatieren lassen. Aus irgendwelchen Gründen (vielleicht, weil Fasnacht ist?) schwärzte die Basler Zeitung einen Fussballspieler ein. Es wurde um Vorschläge für den Grimme-Online-Award 2007 gebeten und Karnevalspsychologen psychologisierten den Karneval . Stefan Niggemeier versammelte einige Super-Symbolfotos aus deutschen Newsportalen.

Das für Werbekunden erfundene NZZ-Magazin Z startete, was mit einer Party in der von einem Gast als Bruchbude bezeichneten «Villa Maria» am noblen Parkring gefeiert wurde. Auf den Bildern vom Event ist von einer Bruchbude nichts zu erkennen - stattdessen gut angezogene Menschen, die sich an stilvollem Nachtisch laben. Der SonntagsBlick lachte über die nur 286 Menschen, die sich das YouTube-Video von Politiker Reto Nause ansehen wollten. Am Abend waren es dann schon deren 293, was unzweifelhaft der SoBli-Meldung anzulasten ist. Die Weltwoche analysierte die Sozialabgaben der Stadt Zürich und fand heraus, dass es sich für Fürsorge-Empfänger nicht lohne, zu arbeiten. Der Stern konstatierte sexuelle Verwahrlosung und Unverständnis für Liebe wegen Porno.

Don Dahlmann kürte die 10 besten Bloganbieter und New York kämpfte gegen Ipod-Träger. Internet-Benützer versuchten, mit ihren Download-Aktivitäten historische Hitparaden-Ungerechtigkeiten auszubügeln und in Dänkemark stellten sich bezahlte Journalisten unbezahlten Bloggern zum Schreibduell. Nach dem frechsten Pensionskassenverwalter der Schweiz fand der Blick endlich auch die nervigste Nachbarin der Schweiz . Allem Anschein an wird nun folgende Woche der Versuch unternommen, auch noch die nervigste Bevölkerungsgruppe der Schweiz zu küren. Wallpaper-Erfinder Tyler Brûlé lancierte ein neues Magazin mit dem die Kioskverkäuferinnen verwirrenden Namen Monocle und nannte “diese Blogosphäre” eine “Umweltverschmutzung”. Eine gewagte Aussage, denn damit beleidigte er nicht nur Niklaus Meienberg, sondern auch Martin Luther. Oder wenigstens deren Nachkommen.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. mds

    schrieb am 18. Februar 2007 um 21:29 Uhr (#)

    Wer liest Werbebeilagen wie «Z» eigentlich? Gibt es dafür wirklich ein relevantes Publikum?

  2. Ronnie Grob

    schrieb am 18. Februar 2007 um 22:30 Uhr (#)

    Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass die Werbekunden ihre Anzeigen platzieren können. Markus Spillmann sagte (gemäss unserem Leser ANO: “Dieses Heft richtet sich an unsere Inserenten.”


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