Thema: Zensur

 

Alle 12 Artikel zum Thema Zensur auf medienlese.com:

6 vor 9

Ole Reißmann, 29. August 2008 um 8.54 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

1. Tiere!
(Matthias Breitinger, Netzeitung)
“Jeder dritte deutsche Haushalt besitzt ein Tier - und viele davon schauen dann womöglich auch gern einen entsprechenden TV-Sender, dachten sich zwei Fernsehmacher. Der Erfolg binnen eines Jahres gibt ihnen offenbar recht.”

2. Strib kündigt Associated Press
(paulgillin, Newspaper Death Watch)
Die Star Tribune, größte Zeitung um US-Staat Minneapolis, hat der Nachrichtenagentur AP gekündigt – zu teuer. In zwei Jahren ist dann Schluss. Medienblogs in den USA sehen schon einen Trend, weil die gedruckten regionalen Zeitungen immer mehr auf lokale und regionale Nachrichten setzen, brauchten sie den Service der Agentur nicht länger. Außerdem gebe es überregionale Nachrichten ja auch im Internet, zum Abdruck. (Gegen Geld, nicht so wie die Blogger.)

3. Internet macht Fernsehen den Garaus
(Lutz Hachmeister, Rheinischer Merkur)
“Tödliche Konkurrenz” ist der Artikel des Medienwissenschaftlers überschrieben, in dem das Ende des Fernsehens mit seinen riesigen Sendern und einem Programm nach Sendeplatz: “Das Fernsehen und seine Macher werden gemeinsam untergehen, wenn die Fragen nach Modernität und Zeitgenossenschaft nur technologisch beantwortet werden.”

4. YouTube in der Türkei zensiert
(Gerd Höhler, Frankfurter Rundschau)
“Jeder Provinzrichter” könne in der Türkei die Sperrung von Internetseiten veranlassen. In den vergangenen Jahren sei YouTube immer wieder betroffen gewesen, weil sich dort diffamierende Videos über Atatürk sind sehen lassen. Aber wie das mit dem Internet eben so ist: Zensur scheitert stets, weil man sich über “Umwege” einloggen kann.

5. Bild berichtet aus der Zukunft
(spYri, BildBlog)
Michelle Obama hielt am Montagabend eine Rede auf dem Nominierungsparteitag – um 4.36 Uhr unserer Zeit, Dienstagmorgen. Trotzdem schreibt Bild in der Ausgabe vom Dienstag schon von einer “mitreissenden Rede”.

6. Videos und Blogs vom Parteitag
(Beth Lawton, Digital News Blog)
Was amerikanische Zeitungen an neuen Medien auf dem Parteitag der Demokraten ausprobieren, beschreibt das offizielle Blog der Newspaper Association of America: “Newspapers Ramp Up Digital Media for Convention”.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien. Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

China:
Britischer Journalist festgenommen

David Bauer, 13. August 2008 um 17.04 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Ein britischer Journalist wurde heute in Peking kurzzeitig verhaftet. Der Guardian sieht das Versprechen auf freie Berichterstattung gebrochen und veröffentlicht Video- und Audioaufzeichnungen.

Der Chinakorrespondent des englischen Fernsehnetworks ITV, John Ray, ist heute Vormittag von chinesischen Polizisten festgenommen worden, als er mit seinem Team eine Demonstation von “Students for a Free Tibet” filmen wollte. Gemäss Augenzeugen, zu denen auch ein Reporter der britischen Tageszeitung Guardian gehörte, sei er von Polizisten brutal zu Boden gerissen und über den Boden bis zu einem Fahrzeug geschleift worden.

» weiterlesen in unserem Olympia-Tagebuch “Medien unter Kontrolle”

Beijing 2008:
Medien unter Kontrolle

Ole Reißmann, 8. August 2008 um 21.16 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

In China geht es nicht nur um Medaillen: Längst sind es die “politischen Spiele”, in denen Sieger und Verlierer nicht nur sportlich ausgemacht werden. Wird die freie Berichterstattung eingeschränkt oder behindert? Wie reagieren die Veranstalter auf Proteste? Wie gehen Journalisten mit der Situation um? Diesen Fragen gehen wir in unserem Olympia-Tagebuch nach.

Direkt zu Tag 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15

Machtlose Spiele

 
Unglaubliche Weltrekorde: Aber wer hier systematisches Doping vermutet, ist sofort ein Spielverderber und hat von Unschuldsvermutung nie etwas gehört. Oder ist einer der Sportler aus dem abgehängten Schlussfeld und regt sich über die strengen Doping-Kontrollen in seinem Land auf und vermutet, dass die Übermenschen aus dem Siegerfeld nicht einmal die Formulare der Doping-Tester verstehen. Zuschauer und Teilnehmer hätten das Vertrauen in die Spiele verloren, schreibt die taz. Einziger Ausweg: Die Anti-Doping-Agentur müsse zur ausführenden Behörde werden. Bisher vertraut sie auf die nationalen Verbände, die für Kontrollen und Sanktionen zuständig sind – oder für die Gold-Garantie.

Politische Machtlosigkeit: Ja gut, dann werden Demonstranten eben verhaftet, Interview-Partner eingeschüchtert und verhaftet. Überwachung total – dafür war die Show überwältigend. Die politischen Realitäten wurden konsequent ausgeblendet, das Versprechen auf freie Berichterstattung war schnell vergessen – für Olympia habe China “nur einen geringen politischen Preis bezahlen müssen”. Der neue Olympia-Kurs sei “Resignation”, schreibt die FAZ.

Mittlerweile räumt selbst das Internationale Olympische Komitee Machtlosigkeit ein. Dass zwei alte Damen wegen Protestplänen erstmal im Arbeitslager verschwinden, hätte man zwar angesprochen, wolle sich dann aber lieber doch nicht in die inneren Angelegenheiten Chinas einmischen. So einfach ist das.

Wenn dann auch noch ein Krieg ausbricht, während die Staatschefs den stilisierten weißen Tauben der Eröffnungszeremonie hinterher sehen, verkommt das Sportereignis endgültig zum “Maskenball”.

Mediales Großaufgebot: Das französische Fernsehen kam mit 160 Mitarbeitern in China aus, ARD und ZDF brauchten über 500 – mehr als die 436 Olympia-Teilnehmer aus Deutschland. Was das alles gekostet hat, möchte man den Gebührenzahlern lieber nicht verraten. Nur soviel: Eine zweistellige Millionensumme sei es schon gewesen, wird eingeräumt. Warum waren eigentlich ARD und ZDF mit eigenen Moderatoren und Reportern vor Ort? Mehr dazu auf Spiegel Online.

– Tag 15 –

 
Kein Platz für die Pressefreiheit?
Besorgniserregendes hat der Guardian festgestellt. In einer Liste von “100 Dingen, die wir in Peking gelernt haben” steht an zehnter Stelle: “The world’s sports journalists aren’t getting any healthier-looking. A lot of them need two seats.” (Die Sportjournalisten sehen immer noch gleich ungesund aus. Viele brauchen zwei Sitzplätze.) dba, 12 Uhr

Medienfreiheit: Keine Medaille für China
Der Club der Auslandkorrespondenten in China stellt dem Gastgeberland der Olympischen Spiele laut einem Bericht im Tagesanzeiger ein schlechtes Zeugnis aus. Mindestens 30 Fälle seien bekannt, bei denen Reporter bei der Berichterstattung zu den Spielen behindert worden seien. In zehn Fällen wurden Journalisten körperlich bedrängt und geschlagen oder ihre Kameras zerstört. Das Fazit der Auslandkorrespondenten: «China verpasst in der Medienfreiheit das olympische Siegertreppchen». Der Guardian hat sich bei britischen Medienschaffenden umgehört und einiges an Kritik gesammelt. dba, 11 Uhr

– Tag 14 –

 
Eclat an Pressekonferenz
Der Generalsekretär des chinesischen Olympia-Organisationskomitees Bocog, Wang Wei, ist sauer auf die Medien. Laut einem Bericht von Spiegel Online kritisierte er an einer gemeinsamen Pressekonferenz von IOC und Bocog die internationalen Presse. Die Medien seien voreingenommen und verstünden wenig von China. “Die Geschichte wird zeigen, wie korrekt die Entscheidung des IOC war, die Spiele an China zu vergeben.”, sagte Wang. Die Journalisten sollten “die Wahrheit schreiben”. dba, 10 Uhr

Vergesst Breitband, jetzt kommt Boltband
Neben Michael Phelps war er der grosse Star dieser Spiele: Usain Bolt, der sowohl den 100 Meter- wie den 200 Meter-Sprint in Weltrekordzeit gewann. Kein Wunder, wird er nun zum begehrten Werbeträger. Eine besondere Idee hat die britische Kabelnetzbereiberin Virgin Media. Sie will den mit Abstand schnellsten Internetzugang Englands anbieten und mit dem Doppelolympiasieger bewerben. Und nicht nur dies. Das superschnelle Breitband-Angebot soll nach ihm benannt werden: Boltband. dba, 10 Uhr

Immer diese Politik
Wie weltfremd Olympische Spiele ohne Politik sind, zeigte sich gestern bei den Speerwerferinnen: Barbora Spotakova gewann für Tschechien vor der Russin Mariya Abakumova – am vierzigsten Jahrestag der russischen Invasion ihres Landes. Sie weinte vor Glück, berichtet die New York Times, und erzählte den Reportern von dem speziellen Datum. ore, 9 Uhr

Schicke Stadien, gesäuberte Fanzonen
“Ohne die eiserne Faust aufzumachen” sei es China gelungen, die Medien für die olympischen Spiele zu begeistern, sagt Amnesty-International-Sprecher Daniel Graf im Interview auf medienlese.com. Trotzdem bleibt ihm ein Lob im Halse stecken.

– Tag 13 –

 
China schliesst iTunes Store
Ein Protest-Album, das in den USA beheimatete Tibet-Aktivisten auf iTunes veröffentlicht haben und das von einigen Olympia-Athleten heruntergeladen wurde, habe dazu geführt, dass China den Zugang zum iTunes Store gesperrt habe. Dies berichtet heute der Guardian. Rund 40 Athleten hätten die Gratis-Compilation mit Songs von Künstlern wie Sting, Damien Rice und Alanis Morissette heruntergeladen, zitiert der Guardian aus einer Medienmitteilung der verantwortlichen Art of Peace Foundation. dba, 11 Uhr

Endlich Krieg
“Sie knacken Server und platzieren ihre patriotischen Botschaften auf offiziellen Webseiten wie denjenigen von CNN und Carrefour”, meldet die “Tagesschau” des Schweizer Fernsehens. Während die olympischen Spiele friedlich ablaufen, befinden sich angeblich “300.000 chinesische Hacker” im Cyberspace-Krieg. Inklusive der Warnung, ein Hacker könne in ein sensbiles Netzwerk eindringen und das “Stromnetz eines ganzen Landes lahmlegen”. Das Internet werde “immer mehr zum Kriegsschauplatz zwischen Ost und West”. Also nochmal: Während die Ahnungslosen noch Olympia feiern, befinden sich “der Osten” und “der Westen” längst im Krieg. So etwas kann man natürlich denken und schreiben, aber doch eher in einem dieser Blogs – und nicht in den Qualitätsmedien. ore, 9 Uhr

“Zapp” bringt Journalisten in Gefahr
Verfolgt von schwarzen Karossen filmt die NDR-Mediensendung “Zapp” einen freien, offenbar bloggenden Journalisten, der in China den Auswirkungen von Umweltschäden nachgeht. (Heute bei “6 vor 9″, unserer wochentäglichen Presseschau)

– Tag 12 –

 
BBC entschuldigt sich für fehlende Zensur
Die Möglichkeit von chinesischer Zensur beschäftigt die westlichen Medien seit über die Olympischen Spiele berichtet wird. Für einmal wäre die BBC froh um rechtzeitige Zensur gewesen. In einem Interview mit der BBC zeigte sich die englische Windsurferin Bryony Shaw dermassen erfreut über ihre Bronzemedaille, dass ihr ein unerwünschtes four-letter-word über die Lippen ging. Wie The Telegraph heute berichtet, sah sich die BBC genötigt, sich dafür zu entschuldigen. dba, 14 Uhr

Politischer Zwerg, kommende Konkurrenz
Olympia 1988 in Seoul diente der “Selbstbefreiung und Selbstfindung Südkoreas”, schreibt die NZZ. Der Westen konnte damals “nachsichtig und aufmunternd” gegenüber dem “politischen Zwerg” sein. In China sehe es ganz anders aus. ore, 14 Uhr

Deutsche Welle muss sich rechtfertigen
Kaum sagt mal jemand etwas freundliches über China – schon kontrollieren sich die Medien selbst, in diesem Fall ärgert sich die Berliner Zeitung, die mit den Ex-Stasi-Mitarbeitern in nicht mehr leitenden Funktionen, über den deutschen Auslandssender. Eine chinesische Mitarbeiterin des Senders hatte sich positiv über China geäußert und auch noch die Sperrung von Falun Gong und “Free Tibet”-Internetsites verteidigt. Soviel Meinung ruft auch die Politik auf den Plan, der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion wettert – während sich die angegriffene Journalisten wehrt, ihre Äußertungen seien aus dem Kontext gerissen. Findet man auch bei der Deutschen Welle und stellt sich hinter die Mitarbeiterin. ore, 14 Uhr

– Tag 11 –

 
Chefsache Markenschutz
Menschenrechte stehen auf der Liste des Olympischen Komitees nicht an vorderster Stelle – dafür der Schutz der Sponsoren. “Tausende Klebestreifen”, berichtet persoenlich.com unter Berufung auf die Washington Post, verdecken demnach Logos von Herstellern, die nicht als Sponsor der Spiele auftreten. Abgeklebt seien selbst Seifenspender, Kühlschränke und Lichtschalter. ore, 17 Uhr

“Protestbanner”: Leichtathletikchef nach Hause geschickt
Der technische Direktor der senegalesischen Leichtathletikdelegation in Peking, Amadou Diao, ist laut einer Meldung der senegalesischen Zeitung Le Quotidien von den Olympischen Spielen ausgeschlossen und nach Hause geschickt worden. Grund: Er hatte an der Eröffnungszeremonie ein Banner mit der Aufschrift «Amitié d’abord, compétition ensuite» (frei übersetzt: Freundschaft vor Wettkampf) entrollt. Der senegalesische Verband habe ihn daraufhin auf Druck des IOC nach Hause geschickt, wie Reporters Without Borders schreibt. Interview mit Amadou Diao in Le Quotidien. dba, 12 Uhr

– Tag 10 –

 
Tränen wegen Liu Xiang
Ungewohnte Bilder für westliche Journalisten gab es heute an einer Pressekonferenz in Peking zu sehen. Der chinesische Superstar der Olympischen Spiele, der Hürdensprinter Liu Xiang, hatte im Vorauf verletzt aufgeben müssen. An der Pressekonferenz, in der sein Ausscheiden erklärt wurde, flossen bei einigen chinesischen Journalistinnen Tränen. “China weint”, wie der Tagesanzeiger schreibt, gilt offenbar auch für Journalisten. Allzu sehr sollte dies aber nicht überraschen, haben doch Sportjournalisten auch hierzulande den Ruf, eher leidenschaftliche Fans denn kritische Beobachter zu sein. dba, 23 Uhr

Laure Manaudou: Dem NDR nicht nackt genug (Keystone)

Investigative Sportjournalisten
Sie kämpfen für die Menschenrechte und nutzen das wundervolle Sportereignisse für ihre schonungslose Kritik an der chinesischen Staatsführung: Unsere Sportjournalisten, die investigativen Helden des Journalismus. Wenn sie nicht gerade die Privatsphäre einer französischen Schwimmerin verletzen: “Rosenkrieg der besonderen Art” kündigte Reinhold Beckmann den “so klebrigen wie voyeuristischen” Fernsehbeitrag an, wie die Berliner Zeitung berichtet. Gezeigt wurden dazu Nacktfotos aus dem Internet – zumindest diese Zurschaustellung bedauert der NDR mittlerweile. ore, 13 Uhr

Völkerverständigungs-TV á la CNN
Der Spiegel hat sich die tägliche Olympia-Show des chinesischen Staatsfernsehens CCTV-9 angeschaut. 17 Days verbreite viel “linientreue PR für Völkerverständigung”, manchmal wehe aber auch Subversion durchs Studio. Das “Völkerverständigungs-TV im CNN-Stil” wolle mehr Harmonie zwischen der westlichen Welt und China herstellen. Oft würden daher fröhliche Touristen und stolze Olympioniken-Eltern als Talkgäste eingeladen. kir, 10 Uhr

Deutscher Journalist staunt über allzu euphorische chinesische Kollegen
Sportreporter Ino Kohlmann erzählt in Markos Medien-Podcast über seinen Arbeitsalltag als Peking-Korrespondent für die Radioagentur BLR und RadioDienst. Er könne sich frei bewegen bei seinen Recherchen, zumindest im Großraum der Hauptstadt. Erstaunt ist er über seine chinesischen Journalistenkollegen, die total euphorisch seien, lautstark von der Bühne jubelten und sich über “falsche” Entscheidungen des Schiedsrichters beschweren würden. kir, 9 Uhr

– Tag 9 –

 
Propaganda
Einer der drei Medien-Protest-Parks (Keystone)

Der Sidney Morning Herald hat die Verhaltensregeln veröffentlicht, an die sich chinesische Medien angeblich zu halten haben. Darunter der Erlass, nicht über die extra für die ausländische Presse eingerichteten Protest-Parks zu berichten: “In regard to the three protest parks, no interviews and coverage is allowed.” Oder bloß nicht über krebserregendes Mineralwasser. ore, 21 Uhr

Verhaltensregeln für chinesische Journalisten aufgetaucht
Ein Dokument, in dem chinesische Offizielle den nationalen Medien “empfehlen”, wie die Berichterstattung rund um die Olympischen Spiele auszusehen habe, ist an die Öffentlichkeit gelangt. Laut einem Bericht des Guardian enthalten diese “Guidelines” eine Liste mit 21 Dos und Don’ts für chinesische Journalisten. Demonstrationen seien zu ignorieren, nur gute Worte zu verlieren über die Eröffnungszeremonie, keine von der offiziellen Haltung abweichenden Meinungen zu Tibet oder Sudan zu publizieren. Im Falle eines unvorhergesehenen Ereignisses sei das Aussenministerium zu kontaktieren. dba, 10 Uhr

Keine Pressekonferenzen mehr
Die chinesischen Olympia-Verantwortlichen haben die täglichen Pressekonferenzen gestrichen. Laut einem Bericht des Sydney Morning Herald wurde zunächst einmal die Pressekonferenz von heute Samstag gestrichen mit der Begründung, dass “die Olympischen Spiele reibungslos ablaufen”. Die Zeitung vermutet, dass in Wahrheit zu kritische Fragen zur Absage geführt hätten. In Verlauf der letzten Woche und insbesondere am Freitag sei die Stimmung an den Konferenzen angespannt gewesen, weil auf kritische Fragen keine Antworten gegeben wurden. dba, 10 Uhr

– Tag 8 –

 
Schauspieler spielten Minderheiten
Die kostümierten Kinder, die bei der Eröffnungszeremonie ins Stadion einzogen, sollten die föderalistische Eintracht der 52 ethnischen Gruppen in der Volksrepublik darstellen. Keines von ihnen gehörte jedoch einer Minderheit an, wie der Vize-Präsident des Olympia-Organisationsteams, Wang Wei, am Freitag einräumte, so das Wall Street Journal . Die Zeremonie stand unlängst in der Kritik, nachdem bekannt wurde, dass Teile des Feuerwerks am Computer erstellt und live eingespielt worden waren und die “Ode ans Vaterland” nur als Playblack eingespielt wurde. fdi, 20 Uhr

Deutsche Athletin kritisiert das IOC
Die deutsche Degenfechterin Imke Duplizer übt in einem Interview mit Zeit Online deutliche Kritik am IOC und den chinesischen Ausrichtern der Olympischen Spiele. Sie spricht unter anderem über mögliche Boykott-Aktionen von Sportlern, das Versagen des mächtigen IOC im Umgang mit China und warum sie ihren Unmut nicht in einem Olympia-Blog öffentlich macht. dba, 15 Uhr

– Tag 7 –

 
Die emotionale Achterbahnfahrt eines Peking-Korrespondenten
Marcel Grzanna ist seit anderthalb Jahren freier Korrespondent in Peking. In einem Text auf DerWesten beschreibt er, wie er den Alltag in China erlebt. Er schildert ein Erlebnis, wie während einer Recherche zum Thema Aids Sicherheitsbeamte seinen Fahrer mit dem Tod bedroht und die Herausgabe von journalistischem Material gefordert haben. “Hier zu leben bedeutet, die Freiheit schätzen zu lernen, die meine Generation in Deutschland auf dem Silbertablett serviert bekommen hat”, schreibt Grzanna. Das Fazit eines eindrücklichen Textes: “Und so ist man hin- und hergerissen in diesem Land zwischen Faszination und Wut, zwischen Begeisterung und Hilflosigkeit. Eine emotionale Achterbahnfahrt, während der man vernünftige journalistische Arbeit leisten muss.” dba, 21 Uhr

Reporter ohne Grenzen: Schlechtes Zwischenzeugnis für China
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisiert in einer heute veröffentlichten Medienmitteilung die Festnahme des britischen Journalisten John Ray. “Dies zeigt, dass die ausländische Presse nach wie vor nicht ungestört arbeiten kann”, teilt ROG mit. Der Club ausländischer Korrespondenten in China zählt laut ROG sieben solcher Übergriffe seit Beginn der Olympischen Spiele. Polizisten verhafteten Ende vergangener Woche zwei Reporter der Nachrichtenagentur AP in der nordwestlichen Provinz Xinjiang und löschten Digitalfotos. Sicherheitskräfte hielten zudem zwei skandinavische Journalisten davon ab, Bauern in der Provinz Hebei zu den Auswirkungen der Olympischen Spiele auf deren Leben zu befragen. ROG zitiert eine europäische Journalistin, die seit mehreren Jahren in China arbeitet: “Die Sicherheitskräfte folgen mir ständig und überall hin, filmen und fotografieren mich. Ich denke zweimal darüber nach, Chinesen über heikle Themen zu interviewen. Denn ich fürchte, man könnte sie festnehmen.” dba, 17 Uhr

Warum die Wahrheit nur einen Briten interessiert
“Warum die Wahrheit nicht interessiert”, fragt behauptet 20 Minuten-Olympiakorrespondent Klaus Zaugg und erklärt mit einem langen Artikel. Die Antwort fällt ernüchternd aus und schwankt zwischen Zynismus, Resignation und einer guten Portion Naivität. Zaugg schreibt: “Hey, es ist die grösste Sportparty der Welt! Und niemand stört gerne eine Party.” Und weiter: “Die Olympischen Spiele eignen sich denkbar schlecht für eine kritische Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse … Die Wahrheit interessiert die Welt während der Olympischen Spiele nicht.” Anders sieht das ein britischer Reporter, der die IOC-Pressesprecherin während einer Medienkonferenz zu einer Antwort drängt auf seine Frage, ob sich das IOC für Chinas Verhalten schäme. Erfolglos. Video und Transkript ebenfalls bei 20 Minuten. Die Zeit zum gleichen Thema. dba, 14 Uhr

IOC lässt YouTube-Protest sperren
Aktivisten haben ein Video auf YouTube gestellt, in dem Handschellen in Form des olympischen Logos auf die Außenwände des chinesischen Konsulats in New York projiziert werden – das Internationale Olympische Komitee hat das Video offenbar auf Basis des verfremdeten Logos sperren lassen. Jetzt läuft der Protestfilm eben auf der Videoseite Vimeo, wie intern.de berichtet. ore, 10 Uhr

Nichts zu sehen hier, einfach weitergehen bitte
Marina Hyde schreibt in einem der Olympia-Blogs des Guardian über die skurril anmutenden täglichen Pressekonferenzen der Olympiaveranstalter. Das Motto dieser Meetings sei wohl, so schreibt sie, “Move along, nothing to see here”. Es sei frustrierend, immer den selben gut gelaunten Auskunftspersonen vom IOC und des Organisationskomitees Bocog zu begegnen. Die fänden nur alles “fantastic”. Zum Schluss folge jeweils das, was Hyde den “final question freakout” nennt. Der verzweifelte Versuch eines Journalisten, auf eine drängende Frage eine ernste Antwort zu erhalten. Die lautet dann zum Beispiel: “Wir werden die zuständigen Behörden kontaktieren und kommen wieder auf sie zu, wenn es Neuigkeiten gibt”. dba, 8 Uhr

Wie schwimmen die das nur?
Nicht nur der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten, Michael Phelps, schwimmt Rekordzeiten: In diesem Jahr wurden ganze 51 neue Weltrekorde im Schwimmen aufgestellt. Im Watercube werden Bestzeiten um Sekunden unterboten und die Medien jubeln wie von Sinnen. “Wie kann das sein”, fragt sich Marc Scheloske im ScienceBlog “Neurons” angesichts der Leistungsexplosionen. Aus dem Staunen wird bald Zweifel, systematisch wird nach Antworten gesucht – am Schwimmanzug soll es nicht liegen. Derweil erinnert Dopingforscher Wilhelm Schänzer im Interview mit der taz an die Unschuldsvermutung. ore, 0 Uhr

– Tag 6 –

 
Verschärfte Zensur in China
Nach den terroristischen Anschlägen im Nordwesten des Landes und dem Tod eines amerikanischen Touristen soll für chinesische Medien offenbar die Zensur verschärft werden. Genehmigt werden müssen nach einem neuen 21-Punkte-Plan der Zensoren “Artikel über problematische Vorgänge abseits der Sportstätten wie Unfälle, Demonstrationen oder Protestaktionen”, schreibt das Hamburger Abendblatt unter Berufung auf die Hongkonger South China Morning Post. In Einzelfällen seien auch ausländische Journalisten bei ihrer Arbeit behindert und eingeschüchtert worden, heißt es weiter. Angeblich wurden dabei Notizblöcke fotografiert. ore, 23 Uhr

Britischer Journalist festgenommen
Der Chinakorrespondent des englischen Fernsehnetworks ITV, John Ray, ist heute Vormittag von chinesischen Polizisten festgenommen worden, als er mit seinem Team eine Demonstation von “Students for a Free Tibet” filmen wollte. Gemäss Augenzeugen, zu denen auch ein Reporter der britischen Tageszeitung Guardian gehörte, sei er von Polizisten brutal zu Boden gerissen und über den Boden bis zu einem Fahrzeug geschleift worden.

Diese Aussagen bestätigt nun auch ein Video vom Vorfall, das der Guardian heute Nachmittag veröffentlicht hat. Darin sieht man wie Ray festgehalten wird und sich mit Worten verteidigt. “Ich habe versucht, Ihnen zu erklären, dass ich ein britischer Journalist bin, aber sie wollten mich nicht einmal meine Ausweisdokumente zeigen lassen”, zitiert der Guardian Ray, der 30 Minuten lang in einem Restaurant festgehalten wurde. Acht Demonstranten wurden ebenfalls festgenommen.

Der Guardian kritisiert die Verhaftung des Journalisten als “bisher eindeutigsten Bruch mit dem Versprechen von Pressefreiheit”. Die britische Botschaft, so ist bei sueddeutsche.de zu lesen, zeigte sich gegenüber den chinesischen Behörden besorgt über den Zwischenfall. Auch ITN, der Arbeitgeber des verhafteten Journalisten, und der Verein der Auslandskorrespondenten (FCC) in Peking wollen laut Guardian und sueddeutsche.de eine “schärftsmögliche” Beschwerde bei den zuständigen Behörden einreichen oder haben dies bereits getan. dba, 16 Uhr

Tibetischer Dok-Film feiert Erstaufführung in Zürich
Morgen Donnerstagabend wird in Zürich ein Dok-Film zum ersten Mal öffentlich gezeigt, der in China für einigen Unmut gesorgt hatte. Zwei Tibeter haben in Tibet Landsleute “zu ihrem Alltag unter chinesischer Herrschaft und ihrer Meinung zu Olympia” befragt, wie der Tagesanzeiger schreibt. Als im März die Unruhen in Tibet ausbrachen, gelang es ihnen, das Rohmaterial ausser Landes zu schmuggeln, der in der Schweiz lebende Cousin des einen Amateurfilmers hat daraus einen 25-minütigen Film zusammengeschnitten. Kurz vor den Olympischen Spielen wurde der fertige Film nach Peking, wo er - in einer streng geheimen Aktion - in einem Hotel einigen Medienschaffenden präsentiert wurde. Eine zweite Aufführung wurde von Zivilpolizisten verhindert. Von den beiden Filmemachern fehlt seit Mitte Juli angeblich jede Spur. “Leaving Fear Behind” ist am 14. August um 18 Uhr im Kino Xenix in Zürich zu sehen. dba, 9 Uhr

China füllt Tribünen mit Stimmungsmachern
Die portugiesischen Fussballstadien an der Europameisterschaft 2004 hatten bunte Sitzschalen, damit leere Tribünen im Fernsehen nicht ganz so leer erschienen. China löst das Problem nicht ausverkaufter Events auf seine Art. Man bietet, so schreibt die New York Times, Truppen von Freiwilligen auf, die dann bei mittelpopulären Sportarten wie Bogenschiessen, Ringen oder Wasserball für Stimmung sorgen. Offenbar besteht das Problem nicht darin, dass sich zu wenige Chinesen für die Spiele interessieren würden, sondern dass Tickets aus verschiedenen Gründen nicht erhältlich sind, scheibt die NY Times weiter. dba, 9 Uhr


– Tag 5 –

 
Mini Playback Show an der Eröffnungszeremonie
Der Bluff mit dem Feuerwerk war offenbar nicht der einzige Trick, den die Organisatoren bei der Eröffnungsfeier genutzt haben, um alles perfekt erscheinen zu lassen. Wie die NZZ heute schreibt, habe die 7-Jährige Chinesin, die die “Ode ans Vaterland” gesungen hat, nur die Lippen bewegt. Die Stimme gehört einem anderen Mädchen, das aber den Organisatoren angeblich für den Auftritt nicht hübsch genug für den Auftritt war. Der musikalische Leiter der Zeremonie bestätigte den Milli Vanilli-Trick, chinesische Blogger sind empört. dba, 20 Uhr

China geht auf Nummer sicher
Die Terroranschläge in der westchinesischen Provinz Xinjiang würden dem kommunistischen Regime helfen, noch schärfer gegen Dissidenten und Kritiker vorzugehen - berichtet das Nachrichtenmagazin Time (leider nur in der europäischen Printausgabe). Allein die Sicherheitsmaßnahmen in Peking seien gigantisch: Neben 110.000 Polizisten und Soldaten, kommen demnach rund 290.000 Zivilisten - so genannte “street patrolers” - zum Einsatz. Für Chinas Tourismusbranche seien die Olympischen Spieler aber keine Goldgrube. Offizielle Stellen schätzten laut Time, dass im August zwischen 400.000 und 500.000 Touristen nach China kommen würden, was vergleichbar mit den Zahlen des Vorjahres sei. Grund dafür: strengere Visabestimmungen seit Juni. 16 Uhr, kir

Geschnatter aus Peking
Eine Übersicht über Blogs, Kolumnen und Tagebücher von Journalisten bei den olympischen Spielen gibt es auf onlinejournalismus.de. ore, 12 Uhr

Panzer vor dem Pressezentrum
Die Sicherheitsvorkehrungen bei den olympischen Spielen werden verschärft. Nach den Anschlägen in der westchinesischen Provinz Xinjiang zogen am Dienstag paramilitärische Einheiten vor dem Pressezentrum und um das olympische Dorf auf – woraufhin die feierliche Atmosphäre merklich abkühlte, wie die australische Zeitung The Age schreibt. Es wird aber auch daran erinnert, dass Panzer kein ungewohnter Anblick bei Olympia seien. In Barcelona 1992 hätte vor jedem Hotel einer gestanden. ore, 12 Uhr

– Tag 4 –

 
Was wirklich dran ist an der versprochenen Meinungsfreiheit
Drei offizielle Protest-Orte gibt es im Peking der Olympischen Spiele, wo demonstriert werden darf. Andreas Lorenz vom Spiegel wollte herausfinden, was “wirklich dran ist an der versprochenen Meinungsfreiheit”. Wenig überraschend das Ergebnis: Proteste scheiterten oft schon an den bürokratischen Vorschriften. Fünf Tage vorher müssten Demos bei der Polizei angemeldet werden, schriftlich und gegen Vorlage des Ausweises. Außerdem dürften nicht die “Interessen das Landes und der Gesellschaft” verletzt werden. kir, 18 Uhr 30

Dopingkontrollen nur “Beschiss am Fan”?
Wie das österreichische Nachrichtenmagazin profil in seiner neuesten Ausgabe berichtet, hat die chinesische Anti-Dopingagentur im vergangenen Jahr über 10.000 Kontrollen bei Sportlern durchgeführt, davon 74 Prozent unangemeldet. Die ehemalige DDR-Sprinterin Ines Geipel bezeichnet das Antidopingprogramm trotzdem als „Farce“ und spricht von „Beschiss am Fan“. profil bringt Chinas Dilemma jedenfalls treffend auf den Punkt: „Gibt es keinen Dopingfall, hat man sich eben nicht erwischen lassen. Gibt es einen, hat es ohnehin schon jeder vorher gewusst.“ kir, 18 Uhr

Journalisten als “Teil der Spiele”
Die NZZ-Korrespondenten in Peking beantworten auf der Website der NZZ Leserfragen. So etwa fragt ein Leser, der zurzeit in Peking weilt, ob sie als Journalisten die Absprerrungen und die Polizeipräsenz auch so negativ empfänden. Der Journalist anwortet ausführlich und findet nur lobende Worte für die gute Organisation. Interessant ist seine einleitende Bemerkung: “Wir Journalisten erleben die Spiele ganz anders als die Zuschauer, weil wir quasi ein Teil der Spiele sind.” Solche Reporter mag China bestimmt: Die sich als Teil der Spiele verstehen und nicht als kritische Beobachter. dba, 16 Uhr

Skurrile Unterschriftenaktion für österreichischen Medaillengewinner
Kurz nachdem der Judoka Ludwig Paischer die erste Medaille für Österreich ergattert hatte, verfiel das Internetportal oe24.at in einen ekstatischen Siegesrausch. Dazu gehört natürlich eine Bildergalerie “So feierte Silber-Lupo”, die Extra-Kategorie namens “Olympia-Jubel” und ein Portrait des Olympioniken mit Babyfoto. Bis dahin alles ganz normale Olympia-Hysterie. Doch oe24.at setzt noch ein besonders skurriles Extra drauf: eine Unterschriftenliste, mit der man dem Athleten online zu seiner Medaille beglückwünschen kann. Allein: bisher haben sich erst sieben Gratulanten am Olympia-Siegesrausch von oe24.at beteiligt. kir, 12 Uhr
 
Chinas “Deutsche Welle”
Augenwischerei: China Radio International präsentiert sich vielsprachig, modern, weltoffen – staatlich verordnet und kontrolliert, schreibt Spiegel Online.

– Tag 3 –

 
“Da war es also, das andere China”
Nachts stürmen Polizisten ein Hotel, schauen sich in den Zimmern um und verlangen Ausweise. Jens Fischer schreibt die Kolumne “Als Journalist in Peking” für Stern.de – und wurde Opfer einer nächtlichen Polizeirazzia. Eine ganz normale Kontrolle, wie ihm eine Hotelangestellte versicherte. ore, 21 Uhr

Pimp my Feuerwerk an der Eröffnungsfeier
Das Feuerwerk an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele war wahrlich imposant. Ein bisschen zu imposant, offenbar. Eine kleine Sequenz, in der mit Raketen Fussabdrücke im Nachthimmel über dem Nationalstadion erzeugt wurden, sei am Computer animiert und in die Fernsehübertragung hineingeschnitten worden. Aufgedeckt hat diese Retouche die chinesische Zeitung «Peking Shibao», wie verschiedene Agenturen übereinstimmend melden (siehe auch sueddeutsche.de). Eine kleine Korrektur um der Kunst willen, und doch eine Demonstration des chinesischen “Yes, we can!”. dba, 18 Uhr

Natalia Paderina aus Russland (l.) und Nino Salukvadze aus Georgien (Keystone)

Politisches Symbol
Armbänder sind verboten, T-Shirts mit Sprüchen sowieso: Keine politische Botschaft soll die olympischenn Spiele stören. Ganz weltfremd soll nur der Sport im Mittelpunkt stehen. Als sich eine russische und eine georgische Sportlerin bei den Wettkämpfen auf dem Siegertreppchen begegneten, setzten sie trotzdem ein starkes Symbol: Die Athleten (ausgerechnet Schießen!) aus den Ländern, die sich gerade im Krieg befinden, umarmeten und herzten sich. ore, 17 Uhr

Britischer Sportblog zensiert?
Simon Barnes, der Sportchef von The Times, siniert in seinem Olympia-Blog über die Tatsache, dass er möglicherweise zensiert wird. Als Grund vermutet er, dass er über die Politisierung der Olympischen Spiele geschrieben und die Spiele in Peking mit denjenigen von Berlin 1936 verglichen hat. Gleichzeitig schreibt er, dass die junge, gebildete Generation, “the computer literate chinese”, wisse, wie man die Zensur leicht umgeht. dba, 11 Uhr

– Tag 2 –

 
Propaganda auf ARD und ZDF
Die äußerst positive Dokumentation “Beijing 2008: Opening the Gates to the East”, eine Auftragsproduktion des IOC, lief heute Abend auf dem Digitalkanal EinsFestival und gestern Abend auf zdf.doku. Die Selbstdarstellung musste als Teil einer Vereinbarung mit öffentlich-rechtlichen Sendern und dem IOC auf europäischer Ebene ausgestrahlt werden – ein der Programmautonomie widersprechender Sendezwang, wie die taz kritisiert. ore, 23 Uhr

Proteste finden Medienecho
Auf dem Platz des himmlischen Friedens und bei den Reitwettkämpfen kam es heute zu kleinen Protestaktionen, wie unter anderem die FAZ berichtet. Außerdem meldete die Gruppe Chinese Human Rights Defenders die Dissidentin und Bloggerin Zeng Jinyan und deren Tochter als vermisst. Wie Spiegel Online weiter berichtet, wollten die Behörden offenbar verhindern, dass sie mit Jornalisten spreche. ore, 23 Uhr

Piratensender für Pressefreiheit in Peking
Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat gestern mit mobilen Radiostationen einen Priatensender in Peking installiert. 20 Minuten lang wurde über Kurzwelle ein Beitrag zur Presse- und Meinungsfreiheit ausgestrahlt, wie ROG berichtet. Auf Englisch, Französisch und Mandarin wurde die chinesische Regierung ermahnt: “Ganz egal welche Maßnahmen Sie auch ergreifen, es wird Ihnen nicht gelingen, das Recht auf freie Meinungsäußerung abzuschaffen”. Das ganze Programm in allen drei Sprachen ist hier zu hören. dba, 15 Uhr

Zensur oder nicht Zensur?
Tageszeitungen aus Deutschland, so wurde berichtet, liegen erst Tage später im “Deutschen Haus” für die Athleten aus. Grund sei die Zeitungszensur in China, erklärte demnach der Deutsche Olympische Sportbund. Der chinesische Botschafter in Deutschland beschwerte sich über die Berichterstattung in deutschen Medien. Die Zeitungen seien bis Peking zwei bis drei Tage unterwegs. “Das haben die Journalisten nicht berichtet”, sagte er im Deutschlandfunk. ore, 12 Uhr

Die BBC setzt Prioritäten
“Then someone decides a war is more important and switches off the opening ceremony.” Der Guardian bringt es schön auf den Punkt und lobt die BBC für ihren Entscheid, im 24-Stunden News-Channel die Ereignisse in Südossetien der Eröffnungszeremonie der olympischen Spiele vorzuziehen. Die ARD blieb die ganze Zeit bei der Zeremonie und nutzte den Einmarsch der georgischen SportlerInnen für eine politische Randbemerkung. dba, 10 Uhr

Die Spiele als politische Werbeplattform
Olympia-Sponsoren der besonderen Art bekommen dieser Tage die amerikanischen Fernsehzuschauer zu sehen. Neben üblichen Sponsoren von Grossevents wie McDonalds und Coca Cola haben sich nämlich beide Präsidentschaftskandidaten bei der Senderkette NBC das Recht erkauft, im Umfeld der olympischen Spiele für sich zu werben. Obama hat als erster den Coup gelandet und investiert rund 5 Millionen Dollar, McCain hat nun nachgezogen und überweist laut Mediaweek gar 6 Millionen an NBC. Klares Bekenntnis zu China oder schlicht unverfrorene Suche nach Aufmerksamkeit? Noch vor einem Monat hatte Obama Bush dafür kritisiert, dass er die Eröffnungszeremonie besuchen wird. dba, 9 Uhr

– Tag 1 –

 

Rekordausgaben für Überwachung
12 Milliarden Dollar soll China für die Sicherheit der olympischen Spiele ausgegeben haben, schreibt Globalisierungskritikerin Naomi Klein (”No Logo”) auf Huffington Post. Das ist mehr als zehnmal soviel, als die Sicherheit der Spiele in Athen gekostet hat. Mit dem Geld hat China auch modernste Überwachungstechnik angeschafft, darunter 300.000 Kameras und Systeme zur biometrischen Erkennung. Durch die staatliche Kontrolle, so Klein, werde China zum “Police State 2.0″. ore, 23 Uhr

Badelatschen für Journalisten
Kein freies Internet aber ein Rucksack voller Geschenke: Für Zeit Online berichtet Christoph Siemes aus Peking. Immerhin: Die Seite von amnesty international sei erreichbar, schreibt Siemes. ore, 21 Uhr

Armbändchen für alle
Bunte Armbändchen wurden ganz offiziell zur Eröffnungszeremonie an die Zuschauer verteilt, berichtet die ARD. Nicht nur zur Feier des Tages, sondern auch, damit die rund 100.000 farbigen Silikon-Armbänder von “Sports for Human Rights” (und ähnlichen Protestaktionen) nicht auffallen, die in Peking seit Wochen verteilt wurden. Der ehemalige Slalom-Kanute Stefan Pfannmöller hatte die Aktion als Zeichen des Protests gegen Menschenrechtsverletzungen in Tibet initiiert. Den Athleten ist das Tragen des Armbandes – wie jede andere politische Meinungsäußerung – verboten. ore, 17 Uhr

David Bauer (dba), Felix Disselhoff (fdi), Markus Kirchsteiger (kir) und Ole Reißmann (ore) beobachten das mediale Geschehen um die Spiele 2008. Hinweise gerne an tipps-punkt-medienlese-at-blogwerk-punkt-com.

Olympia:
Die politischen Spiele von Beijing

Ole Reißmann, 8. August 2008 um 17.52 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Während der Olympischen Spiele in China sammeln wir Meldungen rund um Einschränkungen der freien Berichterstattung und Maßnahmen gegen freie Meinungsäußerungen.

“Noch immer herrschen Nachrichten- und Internetzensur, rund 80 Journalisten und Internetdissidenten sind hinter Gittern, ausländische Reporter müssen weiterhin mit Einschränkungen rechnen”, erklärte die Organisation Reporter ohne Grenzen zur Eröffnung der Olympischen Spiele. In China werden, entgegen der offiziellen Zusicherung, nach wie vor ausländische Journalisten bei ihrer Arbeit behindert. “Redet nicht mit ausländischen Journalisten”, so werden nach einem Bericht der FAZ Oppositionelle und Kritiker eingeschüchtert – wenn sie nicht gleich verhaftet und verurteilt wurden.

» zu unserer Seite “Beijing 2008: Medien unter Kontrolle”

6 vor 9

Ronnie Grob, 17. Juli 2008 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Bitte hier klicken!
(stefan-niggemeier.de)
Brillanter FAS-Artikel, in dem Stefan Niggemeier das Problem, das die Messung mit Page Impressions im Online-Journalismus mit sich bringt, festnagelt: “Sollen wir die schönsten Zahlen zwischen 1 und 10 000 bringen? Oder hundert Bauchnabel? Wie der Online-Journalismus seine Autorität verspielt.” Lesen!

Verändern Blogs das Leben?
(debatte.welt.de, Don Dahlmann)
“Das Internet ist nun eine ganz nette Nummer für kontaktschwache Menschen wie mich. Man kann Kontakt halten, ohne dass man sich sehen muss. Und Blogs ermöglichen einen die neuesten Dinge zu berichten, ohne dass man reden muss. Ich mag es am Leben anderer auf diesen Weg teilzunehmen, ich mag es etwas von mir zu berichten. Ich mag es, dass ich das nicht am Telefon tun muss, denn ich telefoniere nicht so gern wenn es nichts dringendes ist und bin sowieso besser, wenn ich es aufschreiben kann.”

Medien-Ausverkauf
(medienspiegel.ch, Martin Hitz)
“Nicht nur Finanztitel scheinen das Vertrauen der Anleger verloren zu haben. Auch Medienunternehmen stehen - zumindest in den USA - derzeit nicht hoch im Kurs. So ist etwa die Marktkapitalisierung der untenstehenden zehn amerikanischen Medienunternehmen laut Alan D. Mutter inzwischen auf 3,6 Mia. US Dollar abgesunken.”

ARD und ZDF denken nicht an erneuten Boykott der Tour de France
(neues-deutschland.de, Oliver Händler)
“Die üblichen Dopingbeiträge sendet die ARD nun auch nicht mehr am Anfang der Sendung, sondern nach dem Zieleinlauf, um die vom Dopingthema müde gewordenen Fans nicht sofort an Eurosport zu verlieren. Das führte zu so skurrilen Momenten, als etwa der Zuschauer nach dem Sturz von Stefan Schumacher auf der 6. Etappe rätselte, ob sich nun der Deutsche oder Kim Kirchen aus Luxemburg das Gelbe Trikot überstreifen darf, das Erste aber eine Reportage aus einem Jugendcamp ausstrahlte, in dem französische und deutsche Talente über Doping aufgeklärt wurden.”

Zensur: Der kleine Unterschied
(ef-magazin.de, Marco Kanne)
“Es grenzt fast an Comedy. Ausgerechnet Mitglieder der SPD krähen ‘Zensur, Zensur!’ in einem der wirklich wenigen Fälle, in denen ihre Partei mal nichts mit mit der staatlichen Einschränkung der Meinungsfreiheit zu tun hat.”

Simon’s Cat ‘TV Dinner’
(youtube.com, Video, 2:35 Minuten)
Simons grausame Katze hat wieder zugeschlagen. Diesmal guckt sie mit ihrem Ernährer gemeinsam TV.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

Ecuador:
Comedy statt Nachrichten

Ole Reißmann, 8. Juli 2008 um 19.50 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Gebäude besetzt, Nachrichten zensiert: Zwei private TV-Sender in Ecuador wurden wegen Millionenschulden der Besitzer unter staatliche Verwaltung gestellt.

Senderbesetzung in Ecuador (Bild Keystone)In Ecuador haben Polizisten am Morgen zwei private Fernsehstationen besetzt und zur Sicherung von Bankeinlagen vorläufig unter staatliche Kontrolle gestellt, berichten BBC News und der Standard. Die Sender TC Televisión und Gamavisión gehören zur Familienholding Isaias, zwei Mitglieder der Familie werde in Ecuador wegen unsauberer Geschäfte während der Bankenkrise gesucht und halten sich in den USA auf. Ecuador fordert ihre Auslieferung, um an über 400 Millionen Euro zurückzugelangen. Der Schlag galt insgesamt 195 Unternehmen der Familienholding, darunter die beiden kritischen TV-Sender. Die Besitzer der Sender bestreiten eine Verbindung zu den beiden Gesuchten und werfen der Regierung einen Angriff auf die Pressefreiheit vor. Als eine Nachrichtensprecherin über die Beschlagnahmung berichtete, wurde die Sendung unterbrochen und durch eine Comedy-Konserve ausgetauscht.

6 vor 9

Ronnie Grob, 7. Juli 2008 um 8.54 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Hans Dichand und seine ‘Krone’
(profil.at, Marianne Enigl und Christa Zöchling)
“Hans Dichand, Herausgeber der ‘Kronen Zeitung’, scheint der mächtigste Mann der Republik zu sein, jedenfalls glauben das die meisten Politiker. Dem designierten SPÖ-Chef Werner Faymann kann das nur recht sein.”

China hält die Hand davor
(vanity-care.de, Timo)
“Willkommen im Reich der Mitte der Medienzensur. Dass Journalisten einen schweren Stand haben in der Volksrepublik, war bekannt. Dass nicht alles gezeigt werden darf, was ein Team filmen möchte auch. Das ZDF lieferte nun ein Dokument [Video, 6:26 Minuten], wie es aussieht, wenn die Obrigkeit einschreitet. Und das live im Frühstücksfernsehen.” (Dazu: Von chinesischer Stasi festgehalten, tz-online.de)

“In Erinnerung bleiben - traurigerweise - die schlimmsten Ereignisse”
(persoenlich.com, David Vonplon)
Caspar Selg, langjähriger Chefredaktor der Sendung “Echo der Zeit“, gibt die Redaktionsleitung ab: “Die Geschwindigkeit hat sich im ganzen Geschäft enorm erhöht. Ein Korrespondent hat bei einem Ereignis früher zwei, vielleicht auch drei Beiträge geschrieben. Heute sind es fünf, sieben, neun. Erfuhr ein Korrespondent früher über ein Ereignis, reichte es, wenn er in der nächsten Primetime einen Beitrag brachte. Heute muss man sofort zu schreiben beginnen, kaum hat man vom Ereignis gehört.”

Fox News airs altered photos of NY Times reporters
(mediamatters.org)
Fox News verändert in einem Bericht über Journalisten der New York Times die Portraitbilder. Das heisst: macht aus kleinen Nasen grosse Nasen, aus weissen Zähnen gelbe Zähne, verändert den Haaransatz und baut Augenringe ein.

Mit dem ZDF auf Expedition in “Feuchtgebiete”
(welt.de, Antje Hildebrandt)
“In der Reihe ‘Sommernachtsfantasien’ versorgt das Zweite seine Zuschauer ab morgen mit ‘erotischen’ Betthupferln. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr die Lust der Frau. Mindestens ein Film schrammt jedoch haarscharf an der Grenze zur Pornografie vorbei. Gehören explizite Sexszenen jetzt auch schon zur Grundversorgung?”

Elvis und das Gegenteil
(informationarchitects.ch, Oliver Reichenstein)
“Fred, ein 14-jähriger Video-Blogger hat?s irgendwie geschafft, eine Fangemeinde von 45 Millionen Usern um sich zu scharen. Statt das Phänomen Fred zu analysieren und zu verstehen, versuchen die Vermarktungs- und Internet-Onkel den surrealen Triumph des Teenagers klein zu reden.”

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Euro 2008:
“Wenn das die Chinesen täten”

Ronnie Grob, 22. Juni 2008 um 13.10 Uhr, 14 Kommentare Kommentare

Nur ausgewählte Bilder bekommen Zuschauer von der Euro 2008 zu sehen. Journalisten meiden das Thema, fürchten um ihre VIP-Karten. In Sachen Zensur kritisiert man lieber China.

Euro-2008-Krawalle (Bild Keystone/Alessandro Della Bella)Das doch eher als provinziell angesehene St. Galler Tagblatt spricht aus, wie viele Journalisten die nicht gezeigten Bildern von der Fussball-EM 2008 wahrnehmen. Das lesenswerte Werk heisst Sport und Medien: Ein Anpfiff:

Eigentlich müsste ein Aufschrei durch die Medienlandschaft gehen, ja, durch ganz Europa. Denn die journalistische Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Doch es sind nur einige wenige Stimmen, die auf Anfrage Stellung nehmen (…). Wieso aber sollte man reagieren? Nun, ersetzen Sie doch mal die Euro durch Olympia und «Uefa» durch «chinesische Regierung»: «Wer die Olympia-Wettkämpfe am Fernsehen verfolgt, sieht nicht alles: Die Bilderauswahl trifft die chinesische Regierung als Veranstalter gleich selber – und achtet darauf, dass keine ihr unliebsamen Szenen in die guten Stuben flimmern.»

Doch es geht kaum ein Aufschrei durch die Medienlandschaft. Und Marlis Prinzing, Verfasserin des Anpfiffs, weiss auch wieso:

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6 vor 9

Ole Reißmann, 19. Mai 2008 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Verleger dürfen in den Presserat
(werbewoche.ch)
“Nach langer Bedenkzeit hat der Journalisten-Berufsverband Impressum dem Beitritt der Arbeitgeber zum Presserat zugestimmt.” Jetzt hofft Impressum, dass die Verlegerschaft einen Gesamtarbeitsvertrag für die Deutschschweizer und Tessiner Pressejournalisten akzeptiert.

Wider die Gratiskultur
(Financial Times, Edwy Plenel)
“Wenn journalistische Inhalte verschenkt werden, dominieren überall dieselben Agenturformate, schnelle Wegwerftexte ohne Haltbarkeit und ohne Hintergrund”, schreibt der Gründer der französischen Online-Zeitung Mediapart und ehemalige Leiter der Le-Monde-Redaktion.

Blog auf Augenhöhe
(Tagesspiegel, Leonard Novy)
“Die ‘Huffington Post’ entwickelt sich zur zentralen Informationsquelle für Millionen Amerikaner, und auch die Politik kommt nicht mehr an ihr vorbei. Als Obama sich nach öffentlichem Druck von seinem Ex-Pastor distanzieren musste, tat er dies in der ‘Huffington Post’.”

Vanity Fair kippt Anspruch
(Medienrauschen, Thomas Gigold)
“Von einem Magazin mit Inhalt ist man zum Magazin zum Durchblättern geworden.” Übrig bleibt “eine Kopie von Gala und Bunte“.

Filmzensur 1968
(SF 1 Kulturplatz, Markus Imhoof)
“In meinem zweiten Studentenfilm ‘Rondo’ rekonstruierte ich mit Strafgefangenen den Alltag im Zuchthaus (…) Der Regierungsrat des Kanons Zürich verbot nach der Premiere öffentliche Vorführungen des Films mit der Begründung, ein Studentenfilm sei nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.”

Amok (Lesetipp)
(Das Magazin, David Grann)
“Ein Mann, ein Buch, ein Mord. Ist der Autor der Täter? Wie ein Kommissar einen Fall zu seiner Obsession macht.” Übersetzung aus dem New Yorker.

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Olympische Fackel in San Francisco:
Das chinesische PR-Paradox

Peter Sennhauser, 10. April 2008 um 9.35 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Die Stadtverwaltung in San Francisco hat den Olympischen Fackellauf “ohne Zwischenfälle” über die Bühne gebracht. Oder vielmehr an der Bühne vorbei: In einer Grotesken sondergleichen mied die Karawane, Haken schlagend, jegliches Publikum.

Mehr Cops als was anderes

Irgendwas ist ganz gewaltig schiefgelaufen, wenn eine PR-Aktion vom pompösen Ausmass des olympischen Fackellaufs das stundenlang wartende, mehrtausendköpfige Publikum meidet wie der Teufel das Weihwasser. Genau das ist gestern in San Francisco passiert. Die längst zum politischen Spiessrutenlauf für die chinesische Regierung verkommene und von offiziöser Seite der Handelspartner nur noch mit zusammengebissenen Zähnen geförderte Werbeaktion strebte nach möglichst wenig “Relations” zu jenem Teil der Öffentlichkeit, der in den Strassen seine Meinung kundtut – statt nur brav vor dem Fernseher zu hocken.

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