Alle 105 Artikel zum Thema Wochenrückblick auf medienlese.com:
Flirtsprüche, Brummkreisel, Körpergerüche, Puff beim RBB.
“Ich trink Ouzo - was machst du so?” - Spiegel Online, das erfolgreichste Medienportal Deutschlands, glänzte mit den “Top Ten der schlechtesten Flirtsprüche“. Zwei Tage später auf 20 Minuten, dem erfolgreichsten Medienportal der Schweiz: “Die acht schlechtesten Anmachsprüche“. Urheber: “Eine Umfrage unter 4500 Usern des Onlinedienstes spin.de”.
Korrespondenten des ZDF kritisierten ihren Sender. Frankreich-Korrespondent Alexander Sobeck: “Seit sich der Präsident benimmt wie ein rasender Brummkreisel, bin ich froh, wenn ich in einem Beitrag über sein Privatleben fünf Halbsätze Politik unterbringe”. Balkan-Korrespondent Klaus Prömpers hingegen, der sich mal bei der F.A.Z. des Fernsehens wähnte, fühlt sich nun immer mehr wie bei der Bild-Zeitung. Als Beispiel führt er diesen Arbeitsvorschlag an: “Mach mal was über die Wahl in Bulgarien - aber ohne die Politiker. Die kennt ja sowieso kein Mensch.”
» weiterlesen
KleinBloggersdorfer, Patenkind Nirmala, Facebook-Sperre bei CS.
Teile der deutschsprachigen Bloggerszene hegten publizistische Gedanken, die über das Schreiben eines privaten Blogs hinausgingen. Jochen Hoff, am 12.03.2008: “Virtuell und als Wochenzeitung im Print. Dienstag ist der Tag der ‘Virtuell Times’ oder meinetwegen auch jeder andere Wochentag. Das Biest kann meinetwegen auch KleinBloggerdorfer Anzeiger heißen. Aber anfangen sollten wir. Mit dem Denken zuerst und dem sammeln von Menschen. Im Herbst sollte die Idee rund sein, im Winter die Technik rund gemacht werden und dann den ersten Januar als Starttag. Das wäre machbar.” Und Don Alphonso, am 07.03.2008: “Wisst ihr, Freunde der Blasmusik, ich trage mich ja selber ab und an mit dem Gedanken, was aufzuziehen. Ich hätte das Medium, die Zielgruppe, den Markt und die Region. Und ich denke mir immer: Ach ne, warum, muss eigentlich nicht sein, ich kann auch anders. Obwohl mir viele Leute in den Ohren liegen, es zu probieren. (…)”
» weiterlesen
Lieblingsfeind Springer, falsche Lottozahlen, Schweizer Wochen.
Basha Mika, Chefredakteurin der taz, stand in Berlin auf dem Dach eines hohen Hauses und zeigte mit dem Finger auf ein anderes hohes Haus. Sie sagte: “Da zum Beispiel haben wir unseren Lieblingsfeind deutlich zu erkennen und wir haben ihn immer im Blick - Springer”. Sie freute sich über den “Treppenwitz der Geschichte”, dass nach der Umbenennung der Kochstrasse in die Rudi-Dutschke-Strasse die kleine Axel-Springer-Strasse auf die grosse Rudi-Dutschke-Strasse führen wird.
Der Tages-Anzeiger druckte die Lottozahlen von der Vorwoche ab und stürzte damit eine Zürcher Wirtin zuerst ins Glück, dann ins Unglück.
Rainald Goetz verweigerte der langjährigen Freundin der langjährigen Freundin eines langjährigen Freundes von Johnny Häusler ein Pfefferminzbonbon.
» weiterlesen
Mohammed-Karikaturen, Schaffhausen-Lobbying, Weltwissen-Hauptquellen.
“Schäuble will mehr Mohammed-Karikaturen“, hiess es am 27.02.2008. Doch schon einige Stunden später, am 28.02.2008, lautete der Titel “Karikaturen-Streit: Schäuble ruft nicht zum Abdruck auf“. Der Grund dafür? Die Zeit informierte die anderen Medien in einer Vorabmeldung und riss, jedenfalls gemäss Ansicht von Schäubles Pressesprecher, einen Satz aus einem längeren Streitgespräch aus dem Zusammenhang. Er nannte die Vorabmeldung der Zeit “sehr verantwortungslos”, konnte aber immerhin zugeben, dass Schäuble “im Wesentlichen” diesen Satz gesagt habe: “Eigentlich müssten jetzt alle europäischen Zeitungen diese Karikaturen abdrucken, und zwar mit der Erklärung: Wir finden sie auch miserabel, aber die Inanspruchnahme von Pressefreiheit ist kein Grund, Gewalt zu üben.”
Jörg Ziercke, Chef des deutschen Bundeskriminalamts BKA, freute sich, bald mit Online-Durchsuchungen loslegen zu können und überraschte mit Informationen über Mittel, die genutzt werden: “Einerseits arbeiten wir an eigenen Programmen. Andererseits gibt es kommerzielle Produkte, die genutzt werden könnten.”
» weiterlesen
Diekmann mit Videoblog, Blogger und Sex, Einkaufsbummel der Publigroupe.
Der Chefredakteur der deutschen Bild-Zeitung, Kai Diekmann, produzierte eine erste Folge eines Videoblogs. Mit einer nicht sehr grossen Handykamera stellte er sich an einem “Media-Get-Together” vor allerlei Leute aus Medien und Politik und überraschte seine Gesprächspartner mit der Aussicht, bald im Internet zu sehen zu sein. Sein gleich am Anfang des Videos verkündetes Motto lautet “Jetzt wird immer zurückgeschossen” und hört sich an wie eine Kampfansage gegen das Bildblog, dem der Springer-Verlag absurderweise verbieten will, Beschwerden beim deutschen Presserat einzureichen (ebenso repressiv die taz: “Nehmt dem Mann die Kamera weg!“). Der “journalistische Anstandswauwau” des Springer-Verlags (Die Presse), nach einer Leserbefragung aus 4/5 Lesern bestehend, die ihre “kritische Haltung gegenüber Bild” (Vorurteile?) gerne untermauert haben möchten, vermeldete Diekmanns neue Tätigkeit (noch) nicht.
» weiterlesen
Post Tower gesprengt, Colbert vs. Pocher, Echtheitsdebatten, Erwachsene fauler.
Am Valentinstag wurde der Post-Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel “von der Polizei zu Hause abgeholt“, nachdem sie sein Büro und sein Haus durchsucht hatte. Später in der Woche trat dann der 64jährige “Top-Manager, dem Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vorgeworfen wird“, zurück. In der gleichen Woche zog sich die deutsche Post auch aus der Onlinewelt “Second Life” zurück. Der “Post Tower” auf der “Post Island” wird wohl irgendwie sterben, ob er tatäschlich gesprengt wird, wie das CIO Weblog vermutet, sei mal dahingestellt. Nach dessen Angaben habe die Post mit dem Ein- und Ausstieg bei “Second Life” einen “mittleren sechsstelligen Betrag” verpulvert.
Stephen Colbert ärgerte sich über die deutsche Ausgabe von GQ und machte wegen Oliver Pocher den Hitler (war dann aber so schlau, zu glauben, dass Alphörner und Ricola klar Deutschland zuzuordnen sind).
» weiterlesen
Klagen, Plagiate, Recherchen bei Wikipedia.
Es wurde geklagt diese Woche. Der Verleger der Gratiszeitung .ch, Sacha Wigdorovits, klagte gegen den SonntagsBlick des Ringier-Verlags. Er warf der Zeitung “zahlreiche Unwahrheiten” vor, “die den Werbemarkt verunsichert haben” sollen und nannte einen Artikel “besonders heimtückisch”.
Der ehemalige Chef der Swissfirst Bank, Thomas Matter, reichte eine Zivilklage über 10 Millionen Franken gegen den NZZ Verlag ein. Die NZZ am Sonntag habe “mehrfach Unwahrheiten” verbreitet. Während sich der Ringier-Verlag demütig zeigte und sich zweifach auf der Titelseite bei Thomas Matter entschuldigte, zeigte der NZZ Verlag kein Entgegenkommen und stellte nun den Antrag, das Verfahren aufzuteilen. Persoenlich.com schreibt: “Die Klage gegen den Verlag soll separat von der Klage gegen die Journalisten behandelt werden.” Die beiden Journalisten, Charlotte Jacquemart und Daniel Hug, gewannen für ihre Berichterstattung zum Fall den Zürcher Journalistenpreis 2007 und damit 7000 Franken. Das neuste Gerücht lautet nun, dass Thomas Matter als Grossaktionär bei der NZZ eingestiegen sei.
» weiterlesen
Nazi-Skandale, Wasserspiele, Promisaufen.
Die Liste der Woche erstellte das Blog Coffee and TV: Ein unmöglich vollständige, aber doch sehr aufschlussreiche Auflistung der “skandalösesten Skandale und der empörenswertesten Entgleisungen”. Studiert man die “Nazi-Skandale”, fällt vor allem auf, dass sie in immer kürzeren Abständen vorfallen (was an der Zusammenstellung liegen kann, aber auch an der zunehmenden Hysterie der Medien, die sich auf solche Äusserungen wie verhungerte Tiere stürzen). Falls jemand nicht ins Dschungelcamp eingeladen wurde und nicht komplett unbekannt ist: es ist eine ziemlich sichere Methode, um mal wieder in die Schlagzeilen zu kommen.
20min.ch testete erfolgreich die Weisheit der Massen und fand so heraus, dass das seit kurzem im Internet an allen Ecken und Enden auftauchende Bild von ein paar Jungs im Pool, die mittels Badelatschen eine schwimmende Stromleiste gebastelt haben, gestellt war. Andreas Wessels aus Nordwalde: “Natürlich war da kein Strom drauf. So verrückt sind wir nicht.” Die Bilder “seien am Nachmittag des 1. Juli 2007 während einer Lan-Party” entstanden.
» weiterlesen
935 unwahre Behauptungen, Premiumblogger, Luegmol.
Die Regierung von US-Präsident Bush sah sich mit einer Studie konfrontiert, die ihr bescheinigte, 935 “unwahre Behauptungen” gemacht zu haben, um den Einmarsch in den Irak rechtzufertigen. Schuld sind aber auch die Medien. Lee Hamilton, früherer Vorsitzender der Irak-Komission des Kongresses, gemäss tagesschau.de: “Die allermeisten Medien haben den Krieg regelrecht bejubelt, dabei ist es ihre Aufgabe, jede öffentliche Äußerung auf den Wahrheitsgehalt zu prüfen. Das haben sie nicht getan.”
Beim Schweizer Lokalsender Telebasel stellte der Chef höchstpersönlich seinen Sender aus - aus Versehen. Eigentlich wollte er “die Klimaanlage ausschalten, die ihrer lauten Geräusche wegen die Redaktion störte. Statt der Klimaanlage erwischte Surbeck aber den Generalschalter von Telebasel.”
» weiterlesen
Roger Köppels Kleider, das Inhaltsverzeichnis des Internet, Peter Turi beinahe Preisträger.
Die Kleider des Chefredaktors der Weltwoche, Roger Köppel, scheinen zu interessieren. Nachdem im September 2007 eines seiner Gewänder als Konfirmandenanzug eingestuft wurde, konstatierte der Stylewatcher von wision.ch, dass Köppel innert einem Monat drei mal im selben Anzug in Fernsehsendungen aufgetreten ist. Ob Marie von Ebner-Eschenbach eine Hilfe sein kann? Sie sagte, gemäss zitate.net: “Man darf anders denken als seine Zeit, aber man darf sich nicht anders kleiden.”
» weiterlesen