Kreditkrise:
Vom Drängen und gedrängt werden
Kredit wurden der amerikanischen Mittelschicht nicht bloß aufgedrängt – sie gierte förmlich danach. Anlässlich des Deutschen Soziologenkongresses, der gestern in Jena zu Ende ging, hat Heinz Bude eine interessante These vertreten – über die Welt Online berichtet. Weil viele Amerikaner eine gute Ausbildung wollen, müssen sie in teure Wohngegenden ziehen und nehmen Kredite auf, berichtet Welt Online. Weiter heißt es:
Denn nur in jenen Gegenden seien die Schulen so, dass auch die Kinder dieser Leute noch die Chance auf ein Leben nach Art ihrer Eltern haben. Weil der öffentliche Sektor in den USA für die Weitergabe des Mittelschichtstatus wenig leistet, mussten die Leute es auf eigene Faust auf den Immobilien- und somit Kreditmärkten versuchen. So produzierte die Deregulierung der amerikanischen Gesellschaft Ausweichstrategien: Was der Staat nicht gab, sollten die Finanzmärkte liefern. Die es dann ebenfalls nicht hergaben.
Also schreibt Welt Online über den Artikel: “Soziologen: Wie die Mittelschicht die Krise ausgelöst hat” und provoziert mit dieser Überschrift wütende Reaktionen. Schon wird “Abbitte” bei den Bankstern geleistet und sich bei den Soziologen beschwert.
Dabei könnte die Überschrift auch heißen: “Soziologen: Wie die Mittelschicht in die Krise gedrängt wurde” – was natürlich nicht ganz so sexy gewesen wäre. Sachlich falsch ist die von Welt Online gewählte Version keinesfalls. Allerdings wäre die Fassung “Soziologen: Wie die Regierung die Krise verursacht hat” nach der These von Bude noch viel besser.

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