Schweinejournalismus ist ein Wort, das ich zunächst strikt privat verwendete. In der Öffentlichkeit ist es üblicher, von der ‘Boulevardisierung des Journalismus’ zu reden. Dieser honorige Ausdruck trifft aber nicht den Punkt, er wickelt die Faust, die endlich mal auf den Tisch hauen müsste, unnötigerweise in Watte.
In der Regel geht es beim ‘Schweinejournalismus’ darum, dass jemand mit einer vorgefassten Story im Kopf sich ein paar wohlgewählte Fakten passend recherchiert, um dann den Balg seiner erfundenen Geschichte damit zu stopfen. Er hat sich sich seine Vorurteile sozusagen selbst bestätigt. Anzutreffen ist dies Verfahren längst bei privaten und öffentlich-rechtlichen Medien gleichermaßen.
Ein besonders krankes Beispiel, veranstaltet von einigen Kollegen Journalisten Schreiberlingen bei “RTL Explosiv”, stellt Stefan Niggemeier zur Zeit in seinem Blog an den Pranger. Es ging in diesem RTL-Beitrag um das ewig aktuelle Thema der ‘bekanntlich’ an jeder Ecke lauernden Kinderschänder, die immer für die höchst erwünschte Quote gut sind. Obwohl gesellschaftlich die Zahl der Fälle von Gewalterfahrungen von Kindern seit Jahrzehnten rückläufig ist, steigt gegenläufig dazu die journalistische Berichterstattung über dies Thema unaufhörlich an:
2. “Parteitage haben keinen Nachrichtenwert” (zeit.de, Oskar Piegsa)
15.000 Medienleute besuchen den demokratischen Parteitag. Eine Verschwendung, sagt Journalistikprofessor Jeff Jarvis: “Die Parteitage haben keinen Nachrichtenwert. Sie sind Events, die nur inszeniert werden, um Medienaufmerksamkeit zu gewinnen.”
3. “Die China-Expertin ist verstummt” (ksta.de, Thomas Gehringer)
“Aus der Schusslinie genommen: Der Redakteurin und China-Expertin Danhong Zhang wurde kurzerhand das Mikrofon abgedreht. Offenbar wurde der Deutschen Welle der Rummel um Zhang und ihre teils provokanten Äußerungen über China zu viel.”
4. “Einen töten, Tausend retten” (stefan-niggemeier.de)
Rtl.de kombiniert einen Bericht über den ersten Schultag nach der Ermordung eines Mädchens mit Werbung für den Film “Wanted” (Tagline: “Lass die Kugeln sprechen!”).
5. “Politische Kulturen im Vergleich: USA, Deutschland, Schweiz” (blog.hogenkamp.com)
Peter Hogenkamp macht anhand von drei Beispielen (E-Mail von Barack Obama, Hubertus Heil twittert und Moritz Leuenberger spricht über Blogs) unterschiedliche politische Kulturen aus in den USA, in Deutschland und in der Schweiz.
6. “PeterLicht im Interview” (jetzt.sueddeutsche.de, Johannes Graupner)
“Ich möchte nicht mehr sehen, dass Regenschirm-Produzenten jemanden ins Fernsehen setzen, der blank gezogen hat. Jede Pappschachtel wird heute irgendwie sexuell vermarktet, das hat mich genervt. Ich dachte, ich schreibe dazu mal ein Protestlied und verbessere damit die Welt.”
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.
Sie sind jung, sie wollen was von der Welt sehen, sie werden zu begeisterten Soldaten – und am Ende sind sie desillusioniert. RTL zeigt das Anti-Kriegs-Drama “Jarhead - Willkommen im Dreck”.
Krieg am Golf. Die Sonne brennt auf eine Gruppe US-Soldaten, die mitten im Nichts herumirren und vor allem mit Warten beschäftigt sind. Warten und trainieren, hin und wieder streifen sie ihre Gasmasken über, nur für den Fall. Eigentlich hatten sie sich mehr Action erhofft und keinen drögen Urlaub im Sand. Als es schließlich knallt, pisst sich der Protagonist in die Hose.
Den tausendfachen Werdegang vom naiven Zivilisten zum desillusionierten Soldaten zeit RTL Samstag Abend zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Der Protagonist Marine Swoff, gespielt von Jake Gyllenhall, befindet sich einer brutalen Lage: Aufs Töten gedrillt in einem Krieg, den er nicht versteht – für eine Sache, die er und seine Kumpels kaum begreifen.
Spätestens der mittelprächtige Serienstart von “Sleeper Cell” am Freitagabend auf RTL2 zeigt: US-Serien sind keine Quotengaranten – und deutsche Serien sogar auf dem Vormarsch.
Nur 520.000 Zuschauer im Alter zwischen 14 und 49 Jahren wollten den Pilot der neuen Terrorismus-Terror-Serie sehen, in der zur Abwechslung smarte Splittergruppen die Hauptrollen spielen. Das reichte in der Zielgruppe nur für mäßige 6,5 Prozent Marktanteil. Bei einer eher unbekannten Schauspieler-Crew sind solche Tiefschläge mitunter einkalkuliert. Für ein weit schlimmeres Quoten-Desaster sorgte die brilliant inszenierte und mit Glenn Close hochkarätig besetzte US-Serie “Damages”. So schauten zeitweise nur noch 220.000 Zuschauer ab drei Jahren zu. Das reichte beim Gesamtpublikum nur noch für bittere 0,9 Prozent Marktanteil.
Der einzige wirkliche amerikanische Quotenerfolg der letzten Monate?
Klischee-Sieger: Die fünfte Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” ist endlich vorbei – medienlese.com blickt zurück auf Gemeinheiten, Fehltritte und Bußgelder.
“Deutschland sucht den Superstar”. Nein, Deutschland hat seinen Superstar gefunden: Thomas Godoj, frischgekrönte Rockröhre aus Recklinghausen. Und was bleibt? Eine beliebige fünfte Staffel, der übliche Mix an Kandidaten und eine Jury, die ihresgleichen sucht. Nicht, weil sie sich durch qualifizierte Kommentare zum Gesang der rund 30.000 Kandidaten auszeichnete. Da nannte der bitterböse Bohlen die Vorsinger lieber “Vollschwuchtel”.
Den Castingvogel schoss Bohlen ab, als der 17-jährige Raymund R. für sein großes Vorbild den Titel “Die perfekte Welle” zum Besten gab: “Ich glaub, wenn Du in die Berge gehst und Du rufst, da kommt da kein Echo, weil Echos haben auch Geschmack”, so Dieter Bohlens qualifizierter Kommentar zu den misslungenen Auftritt. Raymund wurde nach einem Zusammenbruch von seinen Eltern abtransportiert.
Geissen gegen Alsmann, Pop- gegen Hochkultur, RTL gegen ZDF: Wir machen zum musikalischen Einklang ins Wochenende den Programmcheck.
Über 50 Folgen der “Ultimativen Chartshow” durfte Fernsehdeutschland jetzt schon über sich ergehen lassen. 50 Mal die Top 100. Der 80er, 90er, New Wave, One-Hit-Wonder, Rock- und Pop, DDR. Dieses Mal quält uns RTL ab 21.15 Uhr mit den hundert besten Grand-Prix-Songs. Ultimativ!
Nicht unlängst sorgte die ultimative Quotengarantie für Aufsehen, als absichtlich ein fünf Jahre alter Auftritt von Chris de Burgh als Live-Auftritt verkauft wurde. Wer an diesem Freitag-Abend trotzdem musikalisch und showtechnisch gut unterhalten sein möchte, sollte ins Zweite wechseln.
Talkgäste verunsichern? Erst befragen, wenn sie ordentlich Wein gebechert haben? Ein Rückblick auf den schmalen Grat zwischen journalistischem Mumpitz und frischem Fernsehformat.
Es gibt Formate, die journalistisch so hart und unerbittlich wirken wollen, dass es fast schon lustig ist. Da wird ein Gast, der “in die Zange genommen” werden soll auf einen Stuhl gesetzt, der so heiss sein soll, dass es ihm ungemütlich wird. Oder der Fragende umrundet den Befragten so, dass dieser nicht mehr weiss, wo vorne und wo hinten ist.
“Explosiv - der heisse Stuhl” lief von 1989 bis 1994 auf RTLplus und tatsächlich, der Stuhl sieht aus wie ein Marterpfahl oder Scheiterhaufen, ein kalter, hoher Bau aus Stahl, an dem nur aus Gründen der Menschlichkeit noch ein paar Kissen angebracht wurden:
Heute Abend strahlt RTL den Echo 2008 aus. Zum 17. Mal trifft sich die Musikbranche zur alljährliche Lobhudelei in Berlin. Moderiert wird die Sendung von RTL-Zugpferd Oliver Geissen und Nazan Eckes. Auf der Gästeliste stehen internationale Stars wie Alicia Keys, Kylie Minogue und James Blunt.
Nazan Eckes und Oliver Geissen moderieren – wir kommentieren (Bild RTL)
Doch es kommt noch dicker: Bierzeltbarde DJ Ötzi hat gute Chancen auf zwei Echos, Rolf Zuckowski wird für sein Lebenswerk geehrt, und die Kastelruther Spatzen könnten ihren 15. Echo abholen. Grund genug für medienlese.com sich das Spektakel genauer anzuschauen. Also werden wir heute Abend live mitbloggen. Gleich hier. Um 20.15 Uhr geht`s los.
Nathalie ist einfach der Hammer und Bohlens neuer Sidekick Andreas “Bär” Läsker gibt Vollgas. Heute startet “Deutschland sucht den Superstar” in die fünfte Runde - und wir haben zehn fiese Bohlen-Sprüche zum anhören.
Bohlen-Spruch 5/10: “Kelly Family”
Bohlen-Spruch 1/10: “Nachgelassen”
Dieter Bohlen: Können diese Augen lügen? (Bild RTL / Stefan Menne)
“Du hast schwach angefangen … und mit der Zeit noch stärker nachgelassen”, so watscht DSDS-Juror Bohlen entrückte Castingnovizen ab. Tjaja. Aber immerhin hört sich Fernsehdeutschland derlei persönliche Seitenhiebe gerne an. Heute startet die fünfte Staffel der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”. Der Richtige scheint also noch immer nicht gefunden zu sein.
Und wenn der Pop-Titan nicht so harsch mit Übergewichtigen und Unhübschen umgehen würde, müssten wir uns ja auch nicht einmischen.
Die dritte Staffel von “Ich bin ein Star - holt mich hier raus” steht in den Startlöchern. Grund genug für medienlese.com, sich Klamauk und Kandidaten etwas genauer anzuschauen.
Lisa Bund (Bild RTL)
Als Pseudo-Prominente oder (in Anlehnung an B-Movie) B-Prominente - in der Schweiz auch Cervelatprominente - werden in der Alltagssprache solche Personen bezeichnet, die durch öffentliche Skandale, spektakuläre Fernsehauftritte oder andere Ereignisse – häufig nur für kurze Zeit – schlagzeilenträchtiges Aufsehen erregen, ohne dabei auch Ansehen zu gewinnen.
Womit wir schon im tiefsten Dschungel deutscher Aufschnittsprominenz wären, genauer im australischen Dschungel. Dem Drehort von ?Ich bin ein Star – Holt mich hier raus?. Heute Abend um 22.15 Uhr zeigt RTL nach vier Jahren Pause die dritte Staffel der Trash-Show mit Sonja Zietlow und Dirk Bach. Sintflutartige Unwetter hin, tausende von den Fluten eingeschlossene Menschen her. ?Land unter in Australien. Das RTL-Dschungelcamp steht noch, doch die Straßen rundherum sind überflutet und mit viel Pech regnet es sich jetzt erst so richtig ein?, lässt uns RTL.de wissen. Wer mitmacht, wurde bis kurz vor Sendebeginn geheim gehalten. Man wollte vermeiden, dass die Kandidaten sich absprechen. Jetzt ist es raus.
Bild-Blattkritik mit Broder, die Zukunft des Journalismus als brotlose Kunst, erbarmungslose, verächtliche Urteile und Hugo Bütler mit dem noch fast unbenutzten Wort "Freischützentum". Die Presseschau. » weiterlesen
Die Wirtschaftskrise kommt ungebremst in den Anzeigenabteilungen der Verlage an. Nachrichten über entlassene Mitarbeiter oder eingestellte Titel werden mittlerweile im Tagesrhythmus verkündet. Jetzt hat es auch die Park Avenue erwischt. » weiterlesen
Hans-Jürgen Jakobs beleuchtet mit einem Buch Probleme bei sueddeutsche.de, Ueli Haldimann will sich vom Tages-Anzeiger nichts vorschreiben lassen und "die Bild-Zeitung führt sich auf, als ob ihr die Bundesrepublik gehört". Die Presseschau. » weiterlesen