Thema: Österreich

 

Alle 39 Artikel zum Thema Österreich auf medienlese.com:

Österreichs neuer Presserat:
Vorsicht, bissiger Boulevard!

Markus Kirchsteiger, 11. Juli 2008 um 10.41 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Neustart in Österreich: Der wiederbelebte Presserat soll ab Herbst den Medien auf die Finger schauen. Ohne effektive Strafen muss er aber gegen die Bedeutungslosigkeit ankämpfen.

Obacht (Montage, Bild iStockphoto.com)Eigentlich gibt es ihn ja schon: Gegründet wurde der Presserat 1961 vom Verband Österreicher Zeitungen und Zeitungsverleger, dem heutigen Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ), und der Gewerkschaft Kunst, Medien, freie Berufe. Aufgabe war die Selbstkontrolle der Medien, indem man Beschwerden von Lesern, Zeitungen oder Betroffenen nachging und die kritisierte Berichterstattung auf Verstöße gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse überprüfte. Doch obwohl in den neunziger Jahren 88 Zeitungen und Magazine bei dieser medialen Selbstkontrolle mitmachten, wehrte sich die auflagen- und leserstärkste Zeitung, die Krone, mit Händen und Füßen gegen die Urteile des Presserates.

2002 zogen sich schließlich die Zeitungen aus dem Presserat zurück. Mit einer laschen Begründung: Die Kontrolle der Medien müsse von diesen selbst ausgeübt werden, die Gewerkschaft würde nur stören. Formal gibt es den Presserat zwar noch, de facto hat er aber keine Bedeutung mehr. Das soll sich mit einem Neustart des Presserats im Herbst ändern, getragen von Zeitungsverlegern, Gewerkschaft, Zeitschriftenverband, Presseclub Concordia, Verband der Regionalmedien und dem Verein der Chefredakteure.

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Österreich:
Auf Gedeih und Verderb mit der Krone

Markus Kirchsteiger, 8. Juli 2008 um 13.57 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Österreichs Regierung ist geplatzt: Die SPÖ war auf der Suche nach Wählergunst auf die EU-kritische Linie des Boulevardblatts Krone eingeschwenkt. Die Anbiederung geriet zum Fiasko.

Gusenbauer, Faymann, Bild KeystoneProvokanter als mit einem exklusiven Brief an die Kronen-Zeitung (medienlese.com: “Dichands neuester Coup”) konnte die Sozialdemokratische Partei (SPÖ) ihr Einlenken auf die Linie der größten Tageszeitung des Landes nicht verkünden. Auslöser für eine überfällige Koalitionskrise. Am Montag überschlugen sich die Ereignisse: Am Vormittag ließ die ÖVP die Koalition wegen des Kurswechsels der SPÖ platzen. Wenig später der nächste Paukenschlag aus der SPÖ-Zentrale: Der unbeliebte Bundeskanzler wird nicht SPÖ-Spitzenkandidat für die Neuwahlen sein. Stattdessen führt ein Liebling von Krone-Herausgeber Hans Dichand die Partei in die Wahlen.

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Literaturseite Mindestens haltbar:
Verfallsdatum abgelaufen?

Ole Reißmann, 3. Juli 2008 um 20.11 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Das Blog-Literaturmagazin Mindestens haltbar wird offenbar eingestellt. Wie der Chefredakteur mitteilte, habe die Agentur kein Interesse an einer Fortführung des Projekts.

Mindestens haltbar

Mindestens haltbar-Chefredakteur Don Dahlmann hat in seinem privaten Blog mitgeteilt, dass die österreichische Knallgrau New Media Solutions wohl plant, das Projekt nicht fortzusetzen: “Hier wurde mir vor einigen Tagen mitgeteilt, dass man die gesamte Seite nicht fortführen möchte.” Das “Magazin für Meinung” war jeden Monat mit einem anderen Schwerpunkt erschienen, zu denen im Vorfeld um Beiträge der Leser – vor allem aus der Blogosphäre und deren Umfeld – gebeten wurde. Bezahlt wurden die Autoren, im Gegensatz zur Chefredaktion, nicht.

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Kronen-Zeitung:
Dichands neuester Coup

Markus Kirchsteiger, 27. Juni 2008 um 16.52 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Das neue Führungsduo der Regierungspartei SPÖ erklärt eine 180-Grad-Drehung ihrer EU-Politik – ausgerechnet exklusiv vorab in der Kronen-Zeitung, die genau das seit Monaten fordert.

Kronen-Zeitung

Beim Blick in die gestrige Kronen-Zeitung blieb wohl nicht nur einigen Journalisten und Bloggern das Frühstückskipferl im Hals stecken. Praktisch ganz Österreich ist vom abrupten Positionswechsel der stimmenstärksten österreichischen Regierungspartei überrascht. Entsetzt waren viele darüber, wie diese plötzliche Meinungsänderung an die Öffentlichkeit getragen wurde: nämlich in einem Brief an Hans Dichand, den Herausgeber der reichweitenstärksten Tageszeitung Österreichs, der Krone:

Auf der Basis einer kontinuierlichen Information und einer offenen Diskussion sind wir der Meinung, dass zukünftige Vertragsänderungen, die die österreichischen Interessen berühren, durch eine Volksabstimmung in Österreich entschieden werden sollen.

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Weblogs auf Onlineportalen:
Sie können es immer noch nicht

Ronnie Grob, 24. Juni 2008 um 17.30 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Der Kurier hat ein Medienblog – nur wird es nicht wahrgenommen. Keine Links nach aussen, keine Diskussion mit dem Publikum, nicht per RSS zu abonnieren, kein vernünftiges Archiv.

Das Kurier-Weblog «Webweiser» - ganz schön ist es ja ...
Das Kurier-Weblog «Webweiser» - ganz schön ist es ja …

Manchmal reicht es, eine Website eine Minute anzusehen. Und schon weiss man, warum man bisher nie auf sie gestossen ist, warum sie kaum Erfolg hat und warum sie, Änderungen vorbehalten, niemals Erfolg haben wird. Das Medienblog Webweiser Weblog der österreichischen Tageszeitung Kurier ist so ein Fall.

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Hans Dichand:
Österreichs Kronfolger

Klaus Jarchow, 3. Juni 2008 um 12.17 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Krude Zeitung mit klarem Ziel: Bei dem österreichischen Boulevardblatt Kronenzeitung wird Meinung gemacht, erst dann kommt die Rendite.

Gibt es auf dem Boulevard überhaupt Unterschiede? Oder ist es überall der gleiche Zucker, der dem großen Affen ‘Publikum’ zu schmecken hat? Ich denke, diese Unterschiede gibt es - ein Gedanke, der mir vor allem immer dann kommt, wenn ich - allerdings nur sporadisch mal - Dichands Kronenzeitung neben die Bild-Zeitung halte.

Die Bild ist ein typisches ‘Push-Medium’, um es marketingtechnisch auszudrücken: Die hochweise Redaktion beschließt, was der mindere Pöbel morgen denken soll, und dann wird mit allen Tricks der Rhetorik, der Headline-Gestaltung und der Propaganda die ideologische Leimrute mit der patentierten Mixtur aus dem entsprechenden Honigtopf bestrichen. Ein Verfahren, das sich seinen Markt erst schaffen will, das regelmäßig auch mal schief geht, siehe zuletzt die Bundestags- oder Hessenwahlen, das aber unverdrossen als der Weisheit letzter Schluss den Mantraschrein der Redaktion schmücken darf. Dort halten sich alle unverdrossen für große ‘Meinungsmacher’, egal, was die depperten Gehirnforscher ihnen zum Thema der Unvorhersagbarkeit jeder Manipulation erzählen.

Dichand verfährt anders - seine Kronenzeitung ist ein typisches Pull-Medium:

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Das Erfolgsgeheimnis von orf.at

Markus Kirchsteiger, 27. Mai 2008 um 11.38 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Am Design hat sich über die Jahre hinweg aber kaum etwas geändert – trotzdem bleibt das Portal des ORF unangefochtener Sieger in der Gunst der Internetuser. Was ist das Erfolgsgeheimnis von orf.at?

Screenshot ORF

Seit zehn Jahren veröffentlicht die österreichische Web-Analyse (ÖWA) die Reichweiten der am besten besuchten Onlinedienste Österreichs. Laut ÖWA surfen 40,1% der 4,57 Mio. Internetuser in Österreich orf.at an. Weit abgeschlagen folgen Krone.at (15,7%) und derstandard.at (14,9%).

Obwohl orf.at so erfolgreich ist, hat sich das Erscheinungsbild des Portals seit Jahren kaum geändert. Eyecatcher auf der Startseite sind immer noch rechteckige Bildchen mit weißen Headlines, die auf die Topstories verlinken. Darunter platziert sind Schlagzeilen aus verschiedenen Ressorts in schlichtem Design: schwarz und fett die Ressorts, weiß und unterstrichen die Headlines.

Was also ist das Erfolgsgeheimnis von orf.at? Sechs Thesen:

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Rewes neue Frauenzeitschrift:
Kein Grund zur Sorge

Markus Kirchsteiger, 20. Mai 2008 um 11.12 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Rewe will in Deutschland ein eigenes Frauenmagazin in den Supermärkten verkaufen – genau wie in Österreich. Wir haben uns Maxima, das Vorbild von Rewe Austria, angesehen.

Wie die Branchendienste berichten, soll das 80 Cent teure Magazin in allen 3000 deutschen Rewe-Märkten verkauft werden und Titeln wie Maxi, Petra, Freundin und Für Sie Konkurrenz machen. Müssen die deutschen Verlage nun Zittern?

Schauen wir mal: Maxima - die besten Seiten der Frau heißt das Magazin, dass in allen österreichischen Merkur-, Bipa- und Billa-Filialen aufliegt. Der Titel des Magazins ist Programm. Maxima hält, was es verspricht: ein typisches Frauenmagazin, wie es sie schon massenhaft gibt. Ein Großteil der Geschichten ist Servicejournalismus. Viele große und kleine Bilder, wenig Text und ein einfaches Layout:

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Puls 4:
Privatsender ohne Quote

Markus Kirchsteiger, 14. Mai 2008 um 11.37 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Drei Monate auf Sendung, Marktanteil knapp über ein Prozent – und Natascha Kampuschs Talkshow lässt auf sich warten, bekannte Journalisten kündigen, der Reporter-Nachwuchs schuftet unter umstrittenen Arbeitsbedingungen.

Logo Puls 4

Mit Paukenschlag und Trommelwirbel startete Ende Januar Österreichs viertes Privat-TV namens Puls 4. Den Zuschauern haben die Senderchefs das Blaue vom Himmel versprochen und der Konkurrenz wollten sie das Fürchten lernen. Stattdessen fällt Puls 4 nach drei Monaten on air vor allem durch Negativschlagzeilen auf.

Die Video-Journalisten (VJ?s) von Puls 4 machen nämlich alles selbst. Sie planen, drehen, schneiden und vertonen ihre Beiträge ohne Hilfe von Kameramännern, Cuttern oder Assistenten. VJ?s sind die eierlegende Wollmilchsau des neuen journalistischen Prekariats. In der einen Hand die Kamera, in der anderen das Mikro – was dabei rauskommt, zeigt täglich Puls 4. Außerdem hat der Sender die Ausbildung seiner Videojournalisten an die Firma News on Video ausgelagert. Diese verlangt für einen zehnwöchigen Basiskurs 4800 Euro.

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Fall Amstetten:
Ohne Gewissen, ohne Moral

Markus Kirchsteiger, 3. Mai 2008 um 15.49 Uhr, 13 Kommentare Kommentare

Der Inzest-Fall im niederösterreichischen Amstetten ist ein gefundenes Fressen für Medien aus der ganzen Welt. Gewissenlose Journalisten und eine sensationsgeile Öffentlichkeit stehen kurz davor, das zweite Leben der Opfer zu vernichten.

Titelseiten am 28. April
Bildstrecke: Presserummel in Amstetten (Bild Keystone)

Was für eine Story! Ein gefundenes Fressen für die Medien. Journalisten und Fernsehteams aus Australien, Japan und Amerika reisen nach Niederösterreich und machen das bis dato unbekannte Amstetten zum Nabel der Welt.

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