Alle 4 Artikel zum Thema niklaus meienberg auf medienlese.com:
Heute erhält man Kommentare, doch früher erhielt man richtige Post - und dabei war nicht immer nur Papier, sondern manchmal auch Fäkalien im Glas. Niklaus Meienberg schildert seine Gefühle beim Erhalt dieser Rückmeldungen.
“Gefühle beim Öffnen der täglichen Post und Hinweis auf das ‘Interstellar Gas Experiment’ (Ein Tagebuch)”, so heisst der gesamte Titel des Artikels, der sich zwischen den Seiten 74 bis 85 im Sammelband Reportagen I entspinnt. Gleich zu Beginn wird ein Beispiel eines Leserbriefs, wie ihn Meienberg erhielt, erwähnt. Die durchaus witzige Zuschrift lautet so:
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Auch über die Schweizer Boulevardzeitung Blick schrieb Niklaus Meienberg. Den Chefredaktor nannte er “Übersack”, geißelte die Beliebigkeit des Blattes - und fand trotzdem noch Positives.
Die 80er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts waren die Blütezeit der Schweizer Boulevardzeitung Blick, riesige Auflage, breite Aufmerksamkeit. Nicht Bluck, wie der Titel glauben macht, das ist eine Erfindung von Meienberg, die zurückgeht auf ein Blick-Werbeplakat mit einem Tippfehler drin: “BLICK hat solchen Erfolg, weil Hunderttausende von Schweizerinnen und Schweizern wissen: Über das, was WIRKLKLICH interessiert, wird man im BLICK am schnellsten und besten informiert.”
Der damalige Chefredaktor Peter Übersax, von Meienberg in der kurzen Geschichte (Reportagen I, Seiten 38 bis 43) meistens “Übersack” genannt, rief Meienberg gleich nach dem Erscheinen des Artikels an und bot ihm eine Kolumne an (so ist es am Schluss vermerkt). Er dürfe über alles schreiben, ausser über Religion und Militär, für Meienberg offenbar keine Option. Er vermerkt ironisch “schöne Offerte!” und mokiert sich, wie sehr Übersax in Harmonie mit seinem Ideal, dem Zynismus, lebe. Sogar der Ausdruck “Glitschiger Ringier-Aal” glitsche ihm mühelos runter.
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Korrespondenten liefern oft kaum mehr, als man selbst vor dem Fernsehgerät erfahren könnte. Niklaus Meienberg beschreibt das Leben eines Pariser Mitarbeiters.

Niklaus Meienberg:Am Rande der Redaktionen (Bild: Keystone)
Niklaus Meienberg lebte einige Zeit in Paris und bekam dort unter anderem die Studentenunruhen im Jahr 1968 mit. Dazu gleich ein erstes Zitat aus dem Text (Reportagen I, Seite 22 bis 28). Meienberg fragt sich, wer denn überhaupt noch rausgeht, um zum Beispiel “einen Artikel über Willkür und Allmacht der französischen Polizei” zu liefern und antwortet gleich selbst. Es seien “nicht jene gepflegten Herren, welche noch nie erlebten, wie man nach einer friedlichen Demonstration zusammengedroschen” werde “und wie man auf den Kommissariaten behandelt wird”.
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Große Geister dürfen erst dann als groß gelten, wenn sie tot sind. Solange sie noch leben, mag kaum jemand die Wahrheit ertragen, die sie äußern. So ging es auch Niklaus Meienberg, der seiner eigenen Art wegen ein Schreiberleben am Rande der Redaktionen zubrachte. Jetzt, 14 Jahre nach seinem Tod, wird er als einer der größten Journalisten gehandelt, den die Schweiz je hatte.

Niklaus Meienberg 1983 in Zürich (Foto: Keystone)
Wer Meienbergs Text “Wer will unter die Journalisten - eine Berufsberatung 1972″ heute liest, merkt schnell, dass sich, was die Abschottung des Berufsstandes der Journalisten gegenüber Neulingen in 35 Jahren nicht viel geändert hat. Wie schrieb es Bernd Graff von der Süddeutschen Zeitung? “Die etablierten Medien verfügen über rigide Aufnahmeverfahren und praktizieren bei journalistischem Fehlverhalten im besten Fall Sanktionierungen.” Dabei garantiert es doch das Grundgesetz, dass jeder Idiot Journalist werden darf (Stefan Niggemeier in der taz).
Niklaus Meienberg schrieb dazu, nachzulesen im Sammelband “Reportagen I“:
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