Alle 11 Artikel zum Thema Kreditkrise auf medienlese.com:
Grausamer November: Immer neue Schreckensmeldungen für die von Anzeigenkrise und Wirtschaftsflaute gebeutelte Journalisten – überall wird eingespart und abgebaut.
Die FHM verlässt München: Es spricht ja auch einiges für Berlin (savv, CC-Lizenz)
Es ist ohnehin keine einfache Zeit für Verlagshäuser: Leser schauen immer öfter online vorbei und zahlen nichts mehr für Nachrichten, Print-Produkte büßen Auflage ein – gleichzeitig lassen sich die großen Redaktionen aus dem Online-Geschäft nicht finanzieren. Auftritt Wirtschaftskrise: Die Folgen der weltweiten Finanz-Turbulenzen treffen die Verlage, es gibt weniger Anzeigen und weniger Geld, für das nächste Jahr wird keine Besserung erwartet, im Gegenteil. Wie ein Katalysator wirkt in dieser Übergangszeit die Finanzkrise.
Deutliche Worte zur Situation der Medienhäuser in Deutschland findet Götz Hamann in der Zeit: “Die alte Welt ist aus den Fugen. Süddeutsche Zeitung und Financial Times Deutschland , Zeitschriften wie stern und Capital – überall wird gespart, gekürzt, gekündigt.” Unsere Übersicht für den November:
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(Siobhan Curran, CC-Lizenz)
‘Jede Krise hat ihre Phrasen’, so lässt sich jener taz-Artikel zusammenfassen, der uns auf die Labersäcke und Sprücheklopfer aufmerksam macht, die uns jetzt in jeder Kolumne mit breitgetretenem Quark belästigen. Michael Ringel schreibt:
“Das jedenfalls verstand ich, und ich wusste in diesem Moment: Nicht meine Ohren rebellierten, sondern mein Verstand sollte mürbe gemacht werden durch die dauernde Wiederholung der dümmsten Phrase der Welt: “Jede Krise ist immer auch eine Chance.”
Warum aber ist das so? Ich meine, warum leiden gerade ‘unerhörte Zeiten’ unter einem Übermaß von Plattitüden und Gemeinplätzen. Vermutlich liegt es genau an dieser Unübersichtlichkeit einer Krisenzeit: In ihr kann es eben noch keine neuen Gewissheiten geben, die sprachlich ihren zutreffenden und bewährten Ausdruck gefunden hätten. » weiterlesen
Kleiner Leitfaden für Manager: So zeigen sie Journalisten, dass sie aus der Krise gelernt haben – mit ein wenig Sprachkosmetik vom windigen Finanzjongleur zur verlässlichen Spitzenkraft.
Rechtzeitig Farbe bekennen (iStockPhoto)
Wir leben in Wendezeiten. Bestimmte altgewohnte Begriffe fallen plötzlich aus dem gewohnten Sprachraster heraus. Wer sich nicht als BOF (’Boring Old Fart’) outen will, sondern auch in Zeiten der Rezession an seinem unaufhaltsamen Aufstieg häkelt, der verabschiedet daher besser die sprachlichen Liebchen vom vergangenen Jahr:
1. Maximieren: Igitt - was ist das ‘old fashioned’, so etwas, das geht nun gar nicht mehr! Seit den Zeiten der IKB-Bank und der frustrierten ‘Broker Boys’ wissen wir doch, dass dieser Wille zum ‘Maximieren’ die erste Vorbedingung eines maximalen Minimierens ist. Sinngemäß müssen Sie heutzutage natürlich auch das sachverwandte Verbalgemüse vermeiden: ‘Maximum’, ‘maximal’, ‘Maxi-Rendite’ usw. Kaprizieren Sie sich stattdessen auf Worte wie ’stabil’, ‘ordentlich’, ’solide’, ‘maßvoll’ usw.
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Derivate: Das Gold vor Augen (Keystone)
Gelegentlich ist schon die Wortwurzel erhellend: ‚Derivare‘ bedeutet im Lateinischen ‚ableiten‘, ‚abfließen lassen‘ oder ‚etwas auf jemand anderen abwälzen‘. Den privaten Anlegern, deren ersparte Werte in den letzten Tagen auf den Deponien des internationalen Bankwesens zu Kompost zerfallen sind, denen kann dies semantische Wissen leider nichts mehr nutzen, jetzt, wo ihr Vermögen dahingeflossen ist.
Festhalten aber lässt sich an dieser Stelle, wie artistisch die Banken mit Euphemismen und mit unverständlichen Begriffen alle Risiken verniedlicht haben und den Flohzirkus ihrer Produkte als Rennstall zum Reichtum ‚aufhübschten‘. Nicht nur, aber auch, indem sie ihre Wettscheine auf den Hochsicherheit suggerierenden Namen eines zertifizierten ‚Zertifikats‘ getauft haben: ‘Certum facere’ - auch das kann höchst doppeldeutig ’sicher machen’ heißen, aber auch ‘in Sicherheit wiegen’ …
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Nicht die Blogs sind in der Krise, aber die Krise ist überall in den Blogs. Hier eine Zusammenstellung virtueller Klorollen, die sich mit dem derzeitigen Finanzdesaster auseinandersetzen.

(M, iStockPhoto)
1. Der Spiegelfechter: Natürlich führt in Deutschland zunächst kein Weg am ‘Spiegelfechter‘ vorbei, dann, wenn es um eine dezidierte (wirtschafts-)politische Berichterstattung in der Blogosphäre geht. Solch einen Artikel zum Thema ‘isländischer Staatsbankrott’ suchen wir beispielsweise in ganz Holzhausen vergebens. Der Mann ist dabei kein Linker, auch kein Kapitalismuskritiker oder so etwas, er arbeitet an verantwortlicher Stelle für ein kommunales Unternehmen mit beiden Beinen im Marktgeschehen - er ist eben einfach nur anders: Indem er bspw. Argumenten bis zu ihren Quellen nachsteigt, statt sie einfach nur bei den Kollegen abzuschreiben. Oft genug sind dort dann gar keine seriositätshaltigen Quellen mehr zu finden. Kurzum - ein gepflegter Anti-Mainstream gewissermaßen, ein Vademecum für den großen Überdruss des gebildeten Lesers an den journalistischen Klippschulen von ‘Holzhausen’…
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Börse brutal: Der Lieblingshändler der Fotografen an der Frankfurter Wertpapierbörse hat dem Deutschen Anleger Fernsehen ein Interview gegeben – demnach steht es sieben zu drei für den Untergang.
Dirk Müller: Die Frisur sitzt (Keystone)
Das Gesicht der Frankfurter Börse: Wenn Fotografen ein aktuelles Bild vom Parkett schießen, stehen die Chance gut, dass Dirk Müller darauf zu sehen ist. Lustige Frisur, deutliche Mimik, er ist Mr. Dax. Am Freitagabend hat Müller ein beunruhigendes Interview gegeben. Im Deutschen Anleger Fernsehen, dem Win-win-Sender (mehr dazu in der FAZ) aus Kulmbach, warnte vor einer Verschärfung der Krise und fordert die Zuschauer auf, doch mal “Dankesbriefe” an all die Kommentatoren und Analysten zu schreiben, die vor nicht all zu langer Zeit noch von einer kurzfristigen Krise sprachen und weiter auf Aktien setzten.
Jetzt wird das Video “viral”, verbreitet sich im Internet – und verschreckt nicht nur die Zuschauer des Anleger-Fernsehens: “Der Mann kloppt gegen Ende zunehmend stark auf die Scheiße, da läuft es einem richtig schön gruselnd den Rücken runter”, schreibt Felix von Leitner. Also Vorsicht, wer überhaupt keine Ahnung von der Materie hat, sollte sich das folgende Video sparen. Verdirbt sonst nur den Sonntag, dann lieber Frank Schirrmacher in der FAZ lesen.
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Kredit wurden der amerikanischen Mittelschicht nicht bloß aufgedrängt – sie gierte förmlich danach. Anlässlich des Deutschen Soziologenkongresses, der gestern in Jena zu Ende ging, hat Heinz Bude eine interessante These vertreten – über die Welt Online berichtet. Weil viele Amerikaner eine gute Ausbildung wollen, müssen sie in teure Wohngegenden ziehen und nehmen Kredite auf, berichtet Welt Online. Weiter heißt es:
Denn nur in jenen Gegenden seien die Schulen so, dass auch die Kinder dieser Leute noch die Chance auf ein Leben nach Art ihrer Eltern haben. Weil der öffentliche Sektor in den USA für die Weitergabe des Mittelschichtstatus wenig leistet, mussten die Leute es auf eigene Faust auf den Immobilien- und somit Kreditmärkten versuchen. So produzierte die Deregulierung der amerikanischen Gesellschaft Ausweichstrategien: Was der Staat nicht gab, sollten die Finanzmärkte liefern. Die es dann ebenfalls nicht hergaben.
Also schreibt Welt Online über den Artikel: “Soziologen: Wie die Mittelschicht die Krise ausgelöst hat” und provoziert mit dieser Überschrift wütende Reaktionen. Schon wird “Abbitte” bei den Bankstern geleistet und sich bei den Soziologen beschwert.
Dabei könnte die Überschrift auch heißen: “Soziologen: Wie die Mittelschicht in die Krise gedrängt wurde” – was natürlich nicht ganz so sexy gewesen wäre. Sachlich falsch ist die von Welt Online gewählte Version keinesfalls. Allerdings wäre die Fassung “Soziologen: Wie die Regierung die Krise verursacht hat” nach der These von Bude noch viel besser.
Was schreiben die ideologischen Leitmedien des Neoliberalismus? Die Richtung, in der ihre Schreiber jetzt das untergehende Schiff zu verlassen trachten, ist ganz unterschiedlich …
Die Financial Times Deutschland, die Frankfurter Allgemeine und Die Welt durfte man mit Fug und Recht allesamt als ideologische Schlachtschiffe des Neoliberalismus in Deutschland bezeichnen. Ganz unterschiedlich aber ist die Richtung, in der ihre Schreiber jetzt das untergehende Schiff zu verlassen trachten.
Wolfgang Münchau ist Associate Editor der Financial Times und gründete Anfang des Jahrtausends die Financial Times Deutschland mit. Er vertraut primär auf das sprichwörtlich kurze Gedächtnis des Publikums. So, wenn er behauptet, dass er als untrügliches Finanzorakel die große Krise immer schon geweissagt habe. Dass er nur ihre Heftigkeit unterschätzt habe:
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Dramatische Szenen spielten sich gestern an der Frankfurter Börse ab – und die Fotografen hielten eifrig drauf. Wir zeigen Bilder voller Trauer und Verzweiflung.
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Überstunden und Nachtschichten in den Redaktionen, Angst bei Sparern und Anlegern: Hintergrundinfos, Comic-Analyse und fetter Soundtrack - drei Links zur Finanzkrise.
sinfest.com
Dieser Tage nimmt man eine Zeitung in die Hand – nur um festzustellen, dass die Informationen alle längst überholt sind. Besonders deutlich wurde das am Wochenende: Während die Hypo Real Estate auf dem Papier noch gerettet war, lief schon die Eilmeldung über die Fernsehsender und Online-Portale: Der Deal war geplatzt. Mittlerweile ist die Bank wieder aufgefangen – aufatmen bis zur nächsten Hiobsbotschaft.
Während sich Verlagsmanager um die Anzeigen sorgen – und bei der FAZ schon ein Einstellungsstopp verhängt wurde – schieben die Kollegen in den Online-Redaktionen Nachtschichten. Die Investment-Banker schlottern auf der Wall Street, die Redakteure reiben sich die Hände: Der Newsroom brummt.
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