Thema: Journalismus

 

Alle 27 Artikel zum Thema Journalismus auf medienlese.com:

Wellness-Texte ohne Substanz:
Hilfe, die Fluffies kommen!

Klaus Jarchow, 7. Mai 2008 um 16.26 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Sie bereiten nur Schaumspeisen zu: Die Fluffies, anzutreffen vor allem in der PR-Branche. Sie schreiben Sabbersätze mit scheinbarer Plausibilität, wollen bloß keinem weh tun und haben stets ihre Karriere im Blick.

Coffee
Mit Schaum kennen sich die Fluffies aus (Bild journeyscoffee)

Bei mir im Lehrgang war er der Sympathiko - mit viel Schlag bei den Frauen. Buchstäblich jede und jeder mochte ihn: “Genau das ist mein Problem“, gestand er mir dann auf der Abschlussfeier als gegen Mitternacht der Alkoholpegel die Promillegrenze durchbrach: “Jeder schätzt mich. Ich bin rundum beliebt, und ich stoße nirgends auf Kritik oder Ablehnung. Weißt du eigentlich, wie schlimm das ist?” Dabei heulte er dann fast. “Was manche Leute für Probleme haben“, dachte ich und erinnerte mich an Goethe: “Ein Lump, wer keine Feinde hat!“. Dann spielte ich aus pädagogischer Verantwortung solange den großen Tröster, bis ich jemanden fand, an den ich den Patienten weiterreichen konnte.

Seither aber fällt mir dieser Typus auf, den ich für mich ‘Fluffy’ nenne, nach dem amerikanischen Wort für ‘Schaumspeise’. Besonders in den Public Relations sind die Fluffies allgegenwärtig - und sie werden auch immer zeittypischer.

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Wie unabhängig ist die Tagesschau?

Ronnie Grob, 14. April 2008 um 10.58 Uhr, 17 Kommentare Kommentare

Der Medienwissenschaftler und -journalist Robin Meyer-Lucht dokumentiert in einem Video den Weg einer vom Berlin Institute eingelegten Rechtsaufsichtsbeschwerde gegen die Tagesschau der ARD vom 24. April 2007.

Robin Meyer-Lucht ist kein unbekannter Medienkritiker, wie es viele Blogger sind. Nein, er schreibt für Spiegel Online, für den Perlentaucher, für die Frankfurter Rundschau, für Cicero, für brand eins. Und er ist nicht nur Medienjournalist, sondern auch Medienwissenschaftler. Das Forschungs- und Beratungsinstitut Berlin Institute, dem er vorsteht, hat nun eine audiovisuelle Rechtsaufsichtsbeschwerde gegen die Sendung Tagesschau der ARD eingelegt. Hier das Video (12:40 Minuten, auch auf YouTube, Teil 1, Teil 2):

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Nochmal Blogger vs. Journalisten:
It’s not the form, stupid!

Ronnie Grob, 10. April 2008 um 15.22 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Auch wenn jedes Medium seine Vor- und Nachteile hat: Immer noch herrscht Streit zwischen Bloggern und Journalisten. Doch es wäre besser, wenn sich die Liebhaber von bemerkenswerten Inhalten gegenseitig fördern würden, statt sich zu bekriegen.

In einem Blogkommentar las ich diese Woche, medienlese.com pflege einen lächerlichen Hass gegenüber den “bösen Printmedien”. Was mich betrifft, möchte ich das dementieren. Ich liebe und hasse vieles, wenn der Tag lang ist, aber warum sollte ich etwas der Form wegen hassen? Jede Form hat ihre Vor- und Nachteile.

Ich liebe es zum Beispiel, in einem Sessel ein Print-Magazin durchzublättern, hasse es aber, wenn ich ein Zitat daraus abtippen muss, statt wie wie am Laptop Ctrl + C zu drücken und es woanders einzufügen.
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New York Times:
Rezeption Glückssache

Klaus Jarchow, 9. April 2008 um 10.49 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Was für ein Zitat: “If the news is that important, it will find me.” Aber Journalisten, Blogger und Netzberater hätten den zugehörigen Artikel in der New York Times ruhig lesen können. Stattdessen macht nur das Zitat die Runde und jeder liest, was er herauslesen möchte.

New York Times
Web 2.0: Auch die New York Times wandelt sich (Bild Keystone)

Niemand weiß, was aus einem Artikel wird, erblickt er erst einmal das Licht der Öffentlichkeit. So erging es auch jenem Artikel aus der New York Times vom 27. März, in dem sich jener Satz fand; der bei vielen Medienjournalisten für Furore sorgte: “If the news is that important, it will find me“, hieß es dort aus dem Mund eines pubertierenden Netzbewohners. Dieser Satz sollte das typische Rezeptionsverhalten der jungen Generation illustrieren, einer - so schien es - ‘Abhänger-Generation’, die im Grunde ihre Information zukünftig ans Bett serviert bekommen möchte. Überall folgten daraufhin die genreüblichen Abgesänge auf den alten Pull-Journalismus (oder aber die empörten Proteste dagegen). Blogpolitisch zum Beispiel so:

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US-Wahlkampf im Netz:
«Politics at the speed of light»

Wolf-Dieter Roth, 8. April 2008 um 14.29 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Der US-Wahlkampf findet heute online statt: Im US-Konsulat in München erläuterten US-Vertreter und Professor Jeremy D. Meyer, Autor des Buchs «Wired Politics: Journalism and Governance», die Rolle von Blogs und Web 2.0 im Wahlkampf – und wie sie diesen verändert haben.

Professor Jeremy D. Meyer W.D.Roth
Professor Jeremy D. Meyer zeigt im Münchner US-Konsulat das “Vote Different”-Video gegen Hillary Clinton (Bild: W.D.Roth)

Eine kleine, unbedeutende Szene: Die Hymne der Vereinigten Staaten erklang - und Präsidentschaftskandidat Barack Obama legte seine Hand nicht aufs Herz. Es gibt unzählige Bilder vom singenden Obama mit handbehütetem Herzen - an diesem Tag im vergangenem September in Iowa ließ er die Hand unten. Dieses Bild wurde von konservativen Bloggern aufgegriffen: Obwohl es nicht verpflichtend ist, beim Singen der Nationalhymne die Hand aufs Herz zu legen, werteten sie Obamas Versäumnis als großen Fauxpas und fluteten das Internet mit Bildern und Videos des Ereignisses.

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Reporter über Reportagen

Ole Reißmann, 1. April 2008 um 10.00 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Jetzt anmelden: Das Reporter-Forum lädt zu einem Workshop nach Hamburg ein. Journalisten vom Spiegel, der Zeit, Geo, brand eins, Stuttgarter Zeitung und der Agentur Zeitenspiegel geben ihr Wissen weiter.

Journalistin
Schließlich schreiben (Bild Bombardier)

Der Fahrstuhl fährt nur bis in den elften Stock, danach geht es über eine kleine Treppe weiter, vorbei an einem Bild Rudolf Augsteins. Hamburg, Spiegel-Hochhaus, 12. Stock. Der Große Konferenzsaal. Hier soll am 23. Mai stilvoll der zweite Workshop des Reporter-Forums beginnen. Am Freitag und Sonneband gibt es in 18 Workshops Tipps für die Reporter-Praxis und gute Reportagen. Moderiert und geleitet werden die Workshops von bekannten Journalisten. Die Teilnehmer sind ausdrücklich eingeladen, ihre eigenen Reportagen mitzubringen – gerade auch, wenn sie noch nicht ausgefeilt und fertig zum Druck sind. Seit heute 10 Uhr kann man sich für die Veranstaltung anmelden.

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Auslandsberichterstattung:
Wen interessiert’s schon

Ole Reißmann, 26. März 2008 um 9.26 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Über welche Länder steht etwas in der Zeitung? Worüber berichtet die New York Times, woher die Sun? Worüber die Blogosphäre? Aus diesen Daten haben Nicolas Kayser-Bril und Gilles Bruno eine Infografik erstellt.

Screenshot observatoiredesmedias.com
Screenshot

Die Nähe macht’s, und je weiter weg ein Ereignis stattfindet, desto größer, verheerender muss es für die Berichterstattung sein. Warum es eine Nachricht in ein Medium schafft, versucht die Wissenschaft anhand der Nachrichtenfaktoren zu erklären. Denn diese journalistische Binsenweisheit lässt sich nicht nur “fühlen”, sondern auch empirisch überprüfen. Genau das hat Nicolas Kayser-Bril in seiner Dissertation getan, indem er online verfügbare Artikel verschiedener Zeitungen auf das Land der Berichterstattung untersucht hat.

Zusammen mit Gilles Bruno hat er aus den Daten außerdem eine interaktive Weltkarte erstellt. Das Ergebnis wird auf der Seite L?Observatoire des médias gezeigt. Herausgekommen ist eine kleine Flash-Anwendung, in der die Staaten der Erde entsprechend ihres Vorkommens in der Berichterstattung verschiedener Zeitungen größer oder kleiner dargestellt werden:

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Wir haben uns vertan

Ole Reißmann, 25. März 2008 um 10.18 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Wired hat sich grundlegend geirrt – und gibt die falsche Einschätzung heute, mehr als zehn Jahre später, unumwunden zu: “We Were Wrong”. Leider ist so eine transparente und ehrliche Berichterstattung noch die Ausnahme.

Wired was wrong (Screenshot wired.com)
Wired was wrong (Screenshot)

Es war 1997, die Computerfirma Apple stand am Abgrund – da gab Wired, das nerdige amerikanische Technologieheft, der maroden Firma ein paar Tipps mit auf den Weg. Schließlich wussten die Redakteure ganz genau, was eine erfolgreiche Firma im Silicon Valley ausmacht. Gönnerhaft schrieben sie auf, wie Apple in Zukunft Geschäfte machen sollte.

Der zwischenzeitlich geschasste Apple-Gründer Steve Jobs war gerade zurück auf dem Chefsessel. Er tat das genaue Gegenteil von dem, was Wired ihm geraten hatte. Äußerst erfolgreich. Wired lag vollkommen daneben – und kann das Jahre später, anlässlich einer großen Geschichte über den Erfolg von Apple, auch augenzwinkernd zugeben:
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Heute keine Zeitung

Ole Reißmann, 21. März 2008 um 9.36 Uhr, 19 Kommentare Kommentare

Es passiert nicht weniger, doch auf die gedruckte Zeitung muss heute verzichtet werden: Karfreitag. Feiertag, die Läden geschlossen, die Zeitung erst am Sonnabend wieder. Wie ist so ein Tag ohne Zeitung? Fehlt da nicht was?

DiskussionWas wäre, wenn es plötzlich keine Tageszeitung geben würde? Ist Print so tot, wie Steffen Büffel es behauptet? Stehen der gedruckten Qualitätspresse goldene Zeiten bevor, angesichts der ständig fließenden Online-Meldungen? Oder reicht die Informationsflut der Nachrichtenportale aus, bleibt nur Platz für Zeitschriften und wöchentlich erscheinende Zeitungen? Wer liest eigentlich noch eine Tageszeitung?

Wir möchten von unseren medienlese.com-Lesern wissen: Fehlt heute nicht etwas? Und natürlich sind auch alle Zeitungsredakteure eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen und eine Lanze für ihr Produkt zu brechen. Wenn sie mögen.

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Inhalt war gestern:
Die Contentlieferanten

Klaus Jarchow, 20. März 2008 um 9.55 Uhr, 32 Kommentare Kommentare

Dieses Wort hat es in sich. Wer den Begriff Contentlieferanten verwendet, degradiert Autoren nicht selten zu bloßen Erfüllungsgehilfen seiner Anzeigenabteilung.

Content (Bild Keystone)
Content? (Bild Keystone)

Irgendwann in den 90er-Jahren ging es los: Statt von ‘Medieninhalten‘ sprachen Menschen, die sich als besonders hip und nerdig verstanden, plötzlich vom ‘Content’ eines Mediums, womit sie die Text-, Sprach- und Bildinhalte meinten. Und aus Blogs und Wikis wurden ‘Content Management Systeme‘.

Gut - könnte man sagen - das kennen wir ja: Das ist die überdrehte Sprache einer technischen Avantgarde, die sich kein Butterbrot mehr in den Rachen stopfen kann, ohne lauthals von ‘Fingerfood’ zu schwätzen. Dann aber kam das Marketing dahergeschlendert, jene geldnasigen Schnüffels mit den flinken Augen also, die hier, in der Neusprachlichkeit, lukrative Geschäftsmodelle witterten. Denn jedes Wort, das wissen sie schließlich am besten, verändert die Welt. Daher ihr unaufhörliches, marketing-typisches Neu-Babbelonisch, ‘damit nicht gleich ersichtlich sei, wo irgendein Profit dabei‘.

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