Thema: Journalismus

 

Alle 26 Artikel zum Thema Journalismus auf medienlese.com:

Quo vadis:
Richtung Schund oder Qualität?

Ronnie Grob, 20. September 2008 um 16.26 Uhr, 12 Kommentare Kommentare

Den Satz “Qualität muss man sich leisten können” wird man wohl in Zukunft vermehrt hören. Die Medienlandschaft ist auf dem besten Weg, sich endgültig zu einer Zweiklassengesellschaft zu entwickeln.

Tyler Brûlé, Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift Monocle, äusserte vor einiger Zeit folgende Sätze:

“In zwanzig Jahren wird es noch zwei Arten von Publikationen geben: Boulevardtrash mit gigantischer Auflage und elitä­re Tageszeitungen und Magazine mit klugen Analysen und Meinungen. Alles, was publizistisch dazwischen ist, bricht weg. Überleben werden die primitiven oder supersmarten Printprodukte.”

Nehmen wir an, diese Vision trifft zu - auf alle Medien. Könnte es sein, dass sich dann unsere Gesellschaft in eine “Schund-” und eine “Qualitätsgruppe” aufteilt?

Um die beiden Gruppen voneinander abzugrenzen, listen wir mal auf, was schon jetzt in Ansätzen bei den beiden Extremen zu beobachten ist:

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PR = Journalismus minus X

Klaus Jarchow, 21. August 2008 um 11.38 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Nicht in der sprachlichen Qualität liegt der Unterschied zwischen PR und Journalismus. Er liegt vielfach noch nicht mal in dem, was gesagt wird - sondern in dem, was nicht gesagt wird.

Vorn ist alles weiss. (key)

Wer irgendwo die regionale oder nationale Wirtschaft ankurbeln will, der gründet vielleicht eine kleine Gesellschaft und stattet sie mit Geld für ihre Pressearbeit aus. Denn sonst könnte diese Gesellschaft ihren Satzungszweck ja nicht erfüllen. Dann lädt der Verein - neben anderem Allotria - auch geneigte Journalisten ein, um sein mehr oder minder sittliches Anliegen mit deren Hilfe in die Öffentlichkeit zu tragen. Die vor Ort nach Strich und Faden verwöhnten Edelfedern wiederum berichten zumeist höchst freundschaftlich über ihre generösen Gastgeber. Dieser Vorgang in seiner klassischen Form heißt nach allgemeiner Übereinkunft Public Relations - bzw. ‘eine Hand wäscht die andere’. Oder aber - weil Latein noch vornehmer klingt: Do ut des. Spitze Zungen sprechen von der ‘Schnittchen-Kultur’.

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Entfesselte Bürger-Paparazzi:
Steve ist nicht Michael

Peter Sennhauser, 21. August 2008 um 10.49 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Was eine Welt voller Bürger-Journalisten für Prominente bedeutet, erlebt Steve Parry aus England derzeit in Peking: Passanten halten ihn für den achtfachen Medalliengewinner Michael Phelps.

Steve Parry, nicht Michael Phelps.

Steve Parry, nicht Michael Phelps.
Wer die Hollywood-TV-Show “TMZ” kennt, hat eine Vorstellung davon, wie widerlich die marodierenden Banden von Paparazzi sich in Los Angeles aufführen. Und auch wenn die meisten Stars und Sternchen insgeheim mit den Hyänen zusammenarbeiten - man wünscht seinem schlimmsten Feind dieses Rudel nicht an den Hals. Steve Parry, britischer Sportkommentator und Ex-Schwimmer, hat jetzt ähnliche Erfahrungen in Peking gemacht (Video weiter unten). Dabei ist Steve nicht wirklich prominent. Aber seine Fans wussten das nicht und wollten es auch nicht wissen.

Wie der “Bürgerjournalismus” zur wahren Hatz auf Prominente ausufern kann, hat die Celebrity-Sighting-Site Gawker Stalker längst bewiesen, die in Echtzeit Sichtungen von “Prominenten” in Manhattan auflistet.

Und wie es sich anfühlt, wenn Dutzende von Sportbegeisterten, kamerabewehrten Passanten einen für eine solche Figur des öffentlichen Lebens halten, das hat der englische Sportjournalist Steve Parry dieser Tage in Peking auf dem Platz des himmlischen Friedens erlebt: Parry ist zwar Schwimmer, und sogar ein olympischer - in Athen hat er vor vier Jahren auf der 200 Meter Distanz Butterfly die Bronzemedaille gewonnen.

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Investition Journalismus:
Wer nimmt Geld in die Hand?

Ronnie Grob, 23. Juli 2008 um 11.10 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

10 Millionen Dollar investiert das amerikanische Milliardärs-Ehepaar Sandler jährlich in investigativen, unabhängigen, nicht profitorientierten Journalismus. Ein Vorbild?

ProPublica

“Kultivierter Millionär gesucht” titelte kürzlich die Süddeutsche Zeitung zur Suche des insolventen Berliner Aufbau-Verlags nach einem Investor. Und genau das hätten auch viele Zeitungen gerne. Jemanden, der Geld liefert und somit Journalismus ermöglicht – aber nicht reinredet in die Ausrichtung und den Inhalt des Produkts. Doch will ein Investor im sterbenden Zeitungsgeschäft mit seinem Investment Geld verdienen, wird er sofort mit einer die fruchtbaren Felder kahlfressenden Heuschrecke verglichen, gehasst und bekämpft.

Folglich bleibt dem Journalismus in Zukunft nur mehr eine Lösung: Er benötigt Investoren, die Geld liefern und dafür nichts mehr als hervorragenden Journalismus erwarten. Die Geld geben, weil “kritischer Journalismus die Voraussetzung für eine lebendige, funktionierende Demokratie ist” (Thomas Leif). Wie die Sandlers, die mit einer erfolgreichen Bank zu Milliardären wurden und im Oktober 2007 die gemeinnützige Organisation ProPublica vorstellten. Hier sollen Journalisten ohne die Finanzsorgen eines Verlages investigativ arbeiten können – zum Wohl der Allgemeinheit.

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Fakten? Check!

Ole Reißmann, 30. Juni 2008 um 18.47 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Google verändere die Recherche, steht im Tagesspiegel. Das stimmt. Außerdem steht dort, in Deutschland gebe es keine “fact checkers”. Das stimmt nicht.

Im Tagesspiegel wird eine Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) über “journalistische Online-Recherche” vorgestellt. Die Ergebnisse sind nicht überraschend: Über Google und Spiegel Online wird recherchiert, das Telefon ist auch sehr wichtig. Aha. Okay. Gut. Weil die Informationen aus dem Netz natürlich sehr verdächtig sind, sollte das Berufsbild des Dokumentationsjournalisten nach anglo-amerikanischem Vorbild gefördert werden. Sagen die Autoren der Studie, und so steht es auch im Tagesspiegel.

Der Artikel fährt fort mit der Feststellung, “fact checkers” gebe es “hierzulande noch nicht”.

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Euro 2008:
“Wenn das die Chinesen täten”

Ronnie Grob, 22. Juni 2008 um 13.10 Uhr, 14 Kommentare Kommentare

Nur ausgewählte Bilder bekommen Zuschauer von der Euro 2008 zu sehen. Journalisten meiden das Thema, fürchten um ihre VIP-Karten. In Sachen Zensur kritisiert man lieber China.

Euro-2008-Krawalle (Bild Keystone/Alessandro Della Bella)Das doch eher als provinziell angesehene St. Galler Tagblatt spricht aus, wie viele Journalisten die nicht gezeigten Bildern von der Fussball-EM 2008 wahrnehmen. Das lesenswerte Werk heisst Sport und Medien: Ein Anpfiff:

Eigentlich müsste ein Aufschrei durch die Medienlandschaft gehen, ja, durch ganz Europa. Denn die journalistische Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Doch es sind nur einige wenige Stimmen, die auf Anfrage Stellung nehmen (…). Wieso aber sollte man reagieren? Nun, ersetzen Sie doch mal die Euro durch Olympia und «Uefa» durch «chinesische Regierung»: «Wer die Olympia-Wettkämpfe am Fernsehen verfolgt, sieht nicht alles: Die Bilderauswahl trifft die chinesische Regierung als Veranstalter gleich selber – und achtet darauf, dass keine ihr unliebsamen Szenen in die guten Stuben flimmern.»

Doch es geht kaum ein Aufschrei durch die Medienlandschaft. Und Marlis Prinzing, Verfasserin des Anpfiffs, weiss auch wieso:

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Die graue Welt des gemeinen Redakteurs

Wolf-Dieter Roth, 18. Juni 2008 um 12.17 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Den Autor eines Artikels erkennt man am Namen darunter, richtig? Dem so identifizierten Autor kann man dann in Leserbriefen und Online-Foren schön die Meinung sagen …

Auf den Punkt: Viele Texte gewinnen erst durch Bearbeitung (Bild Mykl Roventine, Creative-Commons-Lizenz)Ganz so einfach ist es nicht. Doch der Reihe nach: Ich bin in den Journalismus eher ungeplant geraten - eigentlich wollte ich Elektronik-Hardwareentwickler werden. Dort irritierte mich jedoch das “im Kämmerchen weggesperrt sein” und das mangelhafte Anerkennen der geleisteten Arbeit - wenn etwas gut lief, heimste der Chef das Lob ein, nur wenn es nicht funktionierte, bekam der Entwickler eins auf den Deckel.

Ich glaubte, dies sei im Journalismus anders. Eine unbürokratische Branche ohne Zugangsbeschränkungen, wo der eigene Name direkt unter dem eigenen Werk steht. Vollkommen transparent, weil jeder schwarz auf weiß lesen kann, was man zu leisten imstande ist. Eine Fehleinschätzung: Schließlich versah doch schon in der Schülerzeitung der Chefredakteur regelmäßig meine Artikel mit technisch unsinnigen Ergänzungen oder dummen Kommentaren – oder ließ sie bei Nichtgefallen einfach spurlos verschwinden.

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Jolly statt angry

Ronnie Grob, 9. Juni 2008 um 15.33 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Nach dem “Angry Journalist” kommt nun der “Jolly Journalist” – und etwas mehr Optimismus würde der sich in den Wechseljahren befindenden Branche tatsächlich gut tun.

Journalisten sind gar nicht zynisch ... (Bild mahalie, Creatice-Common-Lizenz)Journalisten sind gar nicht zynisch und dauernd schlecht gelaunt, wie man es beim Lesen der Seite “Angry Journalist” vermuten könnte. Nein, sie freuen sich ihres Jobs und sind einfach jolly. Jolly, wie das Pferd von Lucky Luke, Jolly Jumper. Jolly im Sinne von fröhlich, munter, ausgelassen, fidel, gar quietschfidel, wie uns leo.org verrät.

Die Seite “Jolly Journalist” will jetzt Journalisten dazu bringen, positiv zu denken und nicht immer nur Angst vor der Zukunft zu haben:

Although many people are telling us that journalists are an endangered species, we think that these are the most exciting times to work in journalism. We want to collect your reasons why this is the case.

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Journalismus in der ersten Person:
Ich? Ich!

Klaus Jarchow, 30. Mai 2008 um 11.05 Uhr, 21 Kommentare Kommentare

Mit lauter “es” und “man” an den Rand der Unzuordnung: Journalisten verstecken sich zu oft hinter Passivkonstruktionen, wo eine klare, pointierte Meinung erfreuen würde.

New-Journalism-Begründer Hunter S. Thompson (Bild Keystone)Mein Lieblingsantiquar legt mir gern Dinge beiseite, die mir überhaupt nichts sagen - wohl aber ihm. So bin ich seit gestern stolzer Besitzer eines Buches, das ‘Ende der Jagdzeit’ heißt und von einem gewissen David Mamet ist. Der Mann ist - sagte mir dann Google - ein preisgekrönter amerikanischer Theater- und Drehbuchautor, der für Kassenerfolge wie ‘The Untouchables’ oder ‘The Postman always rings twice’ verantwortlich zeichnet. Und als Pulitzer-Preisträger trägt er eben auch journalistisch einen Lorbeerkranz.

Ich schlug also dieses Buch mit Pressetexten von ihm auf und las als erstes:

“Ich hatte Liebeskummer und brauchte dringend Beistand.”

In diesem Artkel geht es übrigens um Malt Whiskey - den erwünschten ‘Beistand’ schenkt ihm natürlich der Barkeeper randvoll ein - und im Folgenden porträtiert Mamet jene spezielle Gesellschaft, die in den USA einen irren Kult um den schottischen Single Malt zelebriert.

Hej - aber hatte ich nicht mal gelernt, dass man als Journalist alles darf, nur nicht den Text mit einem ‘Ich’ beginnen? Würde mich nicht sofort der Wolf Schneider mit der großen Rute verwamsen und auf ewig aus dem Reporterhimmel verstoßen? Selbst als Briefbeginn, so wurde mir das noch beigebracht, sei jeder Einstieg mit ‘Ich’ verpönt. Ach, hätte ich jetzt diesen Mamet doch wenigstens als schlechten Schreiber abschreiben können! Das konnte ich aber nicht. Der Mann schreibt richtig gut, ich meine, RICHTIG GUT!

Also gut, Ausreißer gibt es immer, dachte ich, Ausnahmen bestätigen die Regel - und ich suchte Trost bei Tom Wolfe, dem Idol aller amerikanischen Journalisten. Was aber las ich da gleich im ersten Satz, dort wo das Lesezeichen steckte:

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Wellness-Texte ohne Substanz:
Hilfe, die Fluffies kommen!

Klaus Jarchow, 7. Mai 2008 um 16.26 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Sie bereiten nur Schaumspeisen zu: Die Fluffies, anzutreffen vor allem in der PR-Branche. Sie schreiben Sabbersätze mit scheinbarer Plausibilität, wollen bloß keinem weh tun und haben stets ihre Karriere im Blick.

Coffee
Mit Schaum kennen sich die Fluffies aus (Bild journeyscoffee)

Bei mir im Lehrgang war er der Sympathiko - mit viel Schlag bei den Frauen. Buchstäblich jede und jeder mochte ihn: “Genau das ist mein Problem“, gestand er mir dann auf der Abschlussfeier als gegen Mitternacht der Alkoholpegel die Promillegrenze durchbrach: “Jeder schätzt mich. Ich bin rundum beliebt, und ich stoße nirgends auf Kritik oder Ablehnung. Weißt du eigentlich, wie schlimm das ist?” Dabei heulte er dann fast. “Was manche Leute für Probleme haben“, dachte ich und erinnerte mich an Goethe: “Ein Lump, wer keine Feinde hat!“. Dann spielte ich aus pädagogischer Verantwortung solange den großen Tröster, bis ich jemanden fand, an den ich den Patienten weiterreichen konnte.

Seither aber fällt mir dieser Typus auf, den ich für mich ‘Fluffy’ nenne, nach dem amerikanischen Wort für ‘Schaumspeise’. Besonders in den Public Relations sind die Fluffies allgegenwärtig - und sie werden auch immer zeittypischer.

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