Thema: Finanzjournalismus

 

Alle 8 Artikel zum Thema Finanzjournalismus auf medienlese.com:

5. Deutscher Derivate Tag:
War was?

Klaus Jarchow, 18. Oktober 2008 um 11.19 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Derivate: Das Gold vor Augen (Keystone)

Gelegentlich ist schon die Wortwurzel erhellend: ‚Derivare‘ bedeutet im Lateinischen ‚ableiten‘, ‚abfließen lassen‘ oder ‚etwas auf jemand anderen abwälzen‘. Den privaten Anlegern, deren ersparte Werte in den letzten Tagen auf den Deponien des internationalen Bankwesens zu Kompost zerfallen sind, denen kann dies semantische Wissen leider nichts mehr nutzen, jetzt, wo ihr Vermögen dahingeflossen ist.

Festhalten aber lässt sich an dieser Stelle, wie artistisch die Banken mit Euphemismen und mit unverständlichen Begriffen alle Risiken verniedlicht haben und den Flohzirkus ihrer Produkte als Rennstall zum Reichtum ‚aufhübschten‘. Nicht nur, aber auch, indem sie ihre Wettscheine auf den Hochsicherheit suggerierenden Namen eines zertifizierten ‚Zertifikats‘ getauft haben: ‘Certum facere’ - auch das kann höchst doppeldeutig ’sicher machen’ heißen, aber auch ‘in Sicherheit wiegen’ …

» weiterlesen

Mr.-Dax-Video:
“Das fliegt uns um die Ohren”

Ole Reißmann, 12. Oktober 2008 um 11.08 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Börse brutal: Der Lieblingshändler der Fotografen an der Frankfurter Wertpapierbörse hat dem Deutschen Anleger Fernsehen ein Interview gegeben – demnach steht es sieben zu drei für den Untergang.

Dirk Müller: Die Frisur sitzt (Keystone)

Das Gesicht der Frankfurter Börse: Wenn Fotografen ein aktuelles Bild vom Parkett schießen, stehen die Chance gut, dass Dirk Müller darauf zu sehen ist. Lustige Frisur, deutliche Mimik, er ist Mr. Dax. Am Freitagabend hat Müller ein beunruhigendes Interview gegeben. Im Deutschen Anleger Fernsehen, dem Win-win-Sender (mehr dazu in der FAZ) aus Kulmbach, warnte vor einer Verschärfung der Krise und fordert die Zuschauer auf, doch mal “Dankesbriefe” an all die Kommentatoren und Analysten zu schreiben, die vor nicht all zu langer Zeit noch von einer kurzfristigen Krise sprachen und weiter auf Aktien setzten.

Jetzt wird das Video “viral”, verbreitet sich im Internet – und verschreckt nicht nur die Zuschauer des Anleger-Fernsehens: “Der Mann kloppt gegen Ende zunehmend stark auf die Scheiße, da läuft es einem richtig schön gruselnd den Rücken runter”, schreibt Felix von Leitner. Also Vorsicht, wer überhaupt keine Ahnung von der Materie hat, sollte sich das folgende Video sparen. Verdirbt sonst nur den Sonntag, dann lieber Frank Schirrmacher in der FAZ lesen.

» Video ansehen

FTD, Welt, FAZ:
Schlachtschiffe in der Zeitenwende

Klaus Jarchow, 10. Oktober 2008 um 13.12 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Was schreiben die ideologischen Leitmedien des Neoliberalismus? Die Richtung, in der ihre Schreiber jetzt das untergehende Schiff zu verlassen trachten, ist ganz unterschiedlich …

Die Financial Times Deutschland, die Frankfurter Allgemeine und Die Welt durfte man mit Fug und Recht allesamt als ideologische Schlachtschiffe des Neoliberalismus in Deutschland bezeichnen. Ganz unterschiedlich aber ist die Richtung, in der ihre Schreiber jetzt das untergehende Schiff zu verlassen trachten.

Wolfgang Münchau ist Associate Editor der Financial Times und gründete Anfang des Jahrtausends die Financial Times Deutschland mit. Er vertraut primär auf das sprichwörtlich kurze Gedächtnis des Publikums. So, wenn er behauptet, dass er als untrügliches Finanzorakel die große Krise immer schon geweissagt habe. Dass er nur ihre Heftigkeit unterschätzt habe:

» weiterlesen

All about the Benjamins:
Oh du schreckliche Krisenzeit

Ole Reißmann, 7. Oktober 2008 um 11.28 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Überstunden und Nachtschichten in den Redaktionen, Angst bei Sparern und Anlegern: Hintergrundinfos, Comic-Analyse und fetter Soundtrack - drei Links zur Finanzkrise.

sinfest.com

sinfest.com
Dieser Tage nimmt man eine Zeitung in die Hand – nur um festzustellen, dass die Informationen alle längst überholt sind. Besonders deutlich wurde das am Wochenende: Während die Hypo Real Estate auf dem Papier noch gerettet war, lief schon die Eilmeldung über die Fernsehsender und Online-Portale: Der Deal war geplatzt. Mittlerweile ist die Bank wieder aufgefangen – aufatmen bis zur nächsten Hiobsbotschaft.

Während sich Verlagsmanager um die Anzeigen sorgen – und bei der FAZ schon ein Einstellungsstopp verhängt wurde – schieben die Kollegen in den Online-Redaktionen Nachtschichten. Die Investment-Banker schlottern auf der Wall Street, die Redakteure reiben sich die Hände: Der Newsroom brummt.

» weiterlesen: Hörfunk-Tipp, Rap-Video und Krisen-Comic

Finanzkrise:
Wieso, weshalb, warum?

Ole Reißmann, 3. Oktober 2008 um 22.12 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Wall Street: Die Krise 2007 - ? (othermore(other), CC-Lizenz)

Die Nachrichtenseiten quellen über vor Krisen- und Untergangsmeldungen: Wie es derzeit um die Wirtschaft bestellt ist und wie die Kreditkrise einzuordnen ist, zeigt “The Money Meltdown”. Auf einer Seite werden lesenswerte Artikel (in Englisch) präsentiert. Zum Hintergrund, den “key facts”, der künftigen Entwicklung und zur Sicherheit der eigenen Geldanlage werden Artikel empfohlen. Wer nicht soviel lesen mag, kann auch einen kurzen, kürzeren und kürzesten Bericht auswählen.

Bereitgestellt wird “The Mondey Meltdown” von Online-Journalist Matt Thompson, der auf Suche nach einem Überblick einfach kein passendes Angebot gefunden - und deshalb die Seite ins Leben gerufen hat. Gibt es eine ähnlich pointierte Sammlung auch für den europäischen Finanzmakrt? Oder in deutscher Sprache? Welche Nachrichtenseite bietet den besten Überlick? Den besten Krisen-Liveticker?

(via Kottke)

Lied vom Ende:
Aus aktuellem Anlass

Ole Reißmann, 29. September 2008 um 17.15 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Der Kommentar zum Montag, eingesungen von Sonnendeck-Popbarde und Bachmann-Preisträger PeterLicht. Über die Auswirkungen der Finanzkrise auf das Web – ohnehin der Zeitung Zukunft – haben unsere Kollegen auf netzwertig.com schon vor ein paar Tagen nachgedacht.

Public Relations:
Höherer Blödsinn im narrativen Raum

Klaus Jarchow, 4. August 2008 um 12.32 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Es ist alles nur eine Frage des richtigen “Framings”: Heerscharen aufgeregter PR-Berater wollen aus Katastrophen Glücksfälle und aus Heuschrecken zirpende Grillen zaubern.

Dem PR-Schwadroneur ist nichts zu schwör (iStockphoto.com)

Nehmen wir mal an, Sie hätten – wie Millionen anderer Anleger weltweit – in der derzeitigen Bankenkrise Ihr ganzes Vermögen verloren, das doch so mündelsicher angelegt schien. Was empfänden Sie da einem Menschen gegenüber, der sich rühmt, sein Berufsstand habe diese Krise vorsätzlich herbeigeschrieben? – Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Dem PR-Schwadroneur ist bekanntlich nichts zu schwör:

“Was derzeit am Kapitalmarkt passiert, ist großartig für die Kommunikationsbranche! Während sich mancher PR-Stab den Kopf darüber zerbricht, wie er seinen Wertschöpfungsbeitrag gegenüber dem Vorstand mit Kennzahlen belegen kann, werden anderswo Milliarden-Werte mit Kommunikation bewegt. Einfach so.”

Das schreibt dort bei media coffee, im zentralen Blogportal der deutschen Kommunikationsbranche, Daniel Krolzik für die LPRS, für die Leipziger PR-Studenten. Sein Text lässt einerseits gewisse Rückschlüsse darauf zu, was den karrierebeflissenen jungen Leuten dort wohl inhaltlich über den Sinn und Zweck der Public Relations täglich beigebracht werden dürfte - dem verstaubten Code d’Athène auf dem Dachboden zum Trotz. Und auch nicht von irgendwem, denn dort tummeln sich u.a. der Pressesprecher des Bundespräsidenten oder der Ehrenpräsident der GPRA:

» weiterlesen

Wolfgang Münchau:
Nebeneinander geht’s durcheinander

Klaus Jarchow, 31. März 2008 um 15.50 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Mehr Markt und weniger Staat – oder angesichts von Finanzkrisen plötzlich doch lieber andersherum? Keine einfache Frage für Finanz-Kolumnisten.

Wall Street (Bild Keystone)
Stürzen die Kurse, freut sich der Fotograf: Fünf Krisenbilder (Bilder Keystone)

Das ‘Adenauer-Syndrom’ grassiert. Schon der erste Bundeskanzler soll verkündet haben: ‘Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“. Viele Wirtschaftskolumnisten, welche die Finanzkrise aus der Bahn des gewinngewohnten Künders ewigen Wachstums warf, müssen nolens volens jetzt leicht errötend auf Adenauers Spuren wandeln.

Ein erzwungener Schwenk, der besonders komisch wirkt, wenn seit dem dicken Wälzer, der kategorisch eine unregulierte Marktwirtschaft sans phrase forderte, und den jetzigen neo-ökonomischen Unkereien über plötzlich doch notwendigen Staatsinterventionismus nur einige Monate liegen. Erblickt man solche Texte plötzlich nebeneinander, wird’s eben widersprüchlich. Wie im Falle von Wolfgang Münchau, des Associate Editor der Financial Times und des langjährigen Chefredakteurs der Financial Times Deutschland.

» weiterlesen

 
slug blogoscoop