Thema: Facts

 

Alle 10 Artikel zum Thema Facts auf medienlese.com:

Jahresrückblick 2008:
Januar bis April

Ole Reißmann, 28. Dezember 2008 um 18.27 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Wahn in der Datenbahn, Scheiß-Privatfernsehen, Friedhof für Freie und noch viel mehr: Wir blicken zurück auf ein lesenswertes Jahr medienlese.com.


Jeden Sonntag blicken wir zurück auf die vergangene Woche, schreiben auf, was die Blogosphäre bewegt und worüber in der Medienszene gesprochen wird – keinesfalls erschöpfend, aber immer ausgewählt. Diesmal blicken wir auf uns selbst zurück und haben bemerkenswerte Artikel aus unserem Archiv ausgegraben. Der erste Teil unseres Jahresrückblicks, von Januar bis April, nach dem Klick:

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Tamedia:
Vom Seriös- zum Boulevard-Verlag

Ronnie Grob, 13. Oktober 2008 um 0.03 Uhr, 18 Kommentare Kommentare

Schleichender Wandel: Tamedia hat sich in den letzten Jahren zum führenden Schweizer Boulevard-Verlag gemausert und damit das von Ringier angebotene, weil nicht verteidigte Heft aus der Hand genommen.


Was ist das am besten gemachte schweizer Boulevard-Portal im Internet? Die Antwort lautete bis vor kurzem: 20min.ch. Doch seit einigen Monaten steht Konkurrenz aus dem eigenen Haus da. Das vorher kreuzbrave, aber mehr oder weniger seriöse Portal tagesanzeiger.ch hat sich durch den Einfluss von Newsnetz stark verändert. Wer steht hinter beiden Werken? Newsnetz-Chefredaktor Peter Wälty, kürzlich auf dem Titelbild des Schweizer Journalist und Tamedia, ein Verlag, der bisher nichts mit Boulevard am Hut zu haben schien.

Dank Wälty geht es rund in der Redaktion. Die Website rotiert ständig, der geneigte Leser kriegt den Eindruck, es werde ständig an allen Storys gleichzeitig rumgeschneidert, aktualisiert vor fünf Minuten, aktualisiert vor 36 Minuten, aktualisiert vor 57 Minuten. Doch diese laufenden Änderungen sind intransparent und sorgen beim Leser für Verwirrung: Hinter welcher Version steht nun Newsnetz? Wie kann man einen Artikel zitieren, der vielleicht schon Minuten später anders lautet?

» weiterlesen: Was auf der Strecke bleibt

6 vor 9

Ronnie Grob, 28. Juli 2008 um 8.54 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Internet, Fernsehen, Radio. Alle müssen bedient werden.
(amerikawaehlt.de, mit Video, 6:33 Minuten)
“Nun haben wir endlich unsere Beweise: Das Weiße Haus hat Fox News quasi mit Scripts für ihre konservativen Shows versorgt und der Sender hat diese dankend angenommen und so getan, als ob sie Journalismus betreiben. Zugegeben, manchen ihrer Show wurde schon seit Jahren kein journalistischer Anklang zugesprochen, doch die Wahrheit kann dennoch schmerzvoll sein.”

Blödsinn am Sonntag
(meedia.de, Jens Schröder)
“Minutenlanges Kopfschütteln hat die aktuelle ‘Bild am Sonntag’ bei mir erzeugt. Unter der Headline ‘Die 50 besten Schauspieler’ wird schon auf der Titelseite eine ‘Quoten-Studie’ angekündigt, die zweifelhafter kaum sein könnte.”

Selbst schuld, wer im Netz verblödet
(faz.net, Oliver Jungen)
“Der Netzkritiker Nicholas Carr hat in einem vielbeachteten Essay beklagt, dass die Konzentrationsfähigkeit durch das Internet sinke. Kein Grund zum Pessimismus, meint Oliver Jungen. Wer das mentale Großkunstwerk Internet nicht zu nutzen wisse, trage dafür selbst die Verantwortung.”

“Die Zukunft des Bürgerjournalismus ist glänzend”
(cicero.de, Sophie Diesselhorst)
Interview mit Markus Beckedahl: “Ein großes Problem, das wir in Deutschland haben, ist das Urheberrecht. Es verträgt sich nicht mit dem digitalen Zeitalter – trotzdem wird es immer noch verschärft. Bald dürfen wir wahrscheinlich noch nicht mal mehr Links setzen. Meiner Meinung nach befinden wir uns in einer Remix-Kultur, und das Urheberrecht ist auf eine ganz andere Kultur abgestimmt. Man sollte es nicht abschaffen, aber es muss an die Gegebenheiten angepasst werden.”

Angriff auf den Platzhirsch
(sonntagszeitung.ch, Michael Soukup)
“Wie das ‘Wall Street Journal’ die ‘New York Times’ online bedrängt.”

Facts 2.0: “Vielleicht sollten wir immer zuerst den Chef, Dr. Bugsierer, fragen.”
(henusodeblog.blogspot.com)
Ein langer Text zu den kürzlich wieder aufgeflammten Problemen des Nachrichtenaggregators Facts 2.0 im Umgang mit seinen Nutzern.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

6 vor 9

Ole Reißmann, 2. Juni 2008 um 8.54 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Interviews zur Zukunft des Journalismus (Video)
(MAZ)
Statt hochtrabender (und seien wir ehrlich: leicht peinlicher) High-Tech-Träumereien zeigt der Beitrag der Schweizer Journalistenschule MAZ zur Springer-Tagung “Journalismus 2018″ drei kluge Interviews. Mathias Menzl (78s.ch), Christoph Lüscher (Facts 2.0) und Stefan Seydel (Rebell.tv) erzählen, was sie im Internet machen und was noch kommen wird.

Aufklärung für Intellektuelle: 20 Jahre Lettre
(taz, Nina Apin)
“Sperriges Format, anspruchsvoller Inhalt, sehr viel Text. [...] Kosmopolitisches mit europäischem Akzent heißt das Konzept, alle Texte sind deutsche Erstveröffentlichungen. Rein publizistisch ein Wahnsinn.”

Google News mit Nazi-PR
(Neues Deutschland, Carsten Hübner)
“Faschistische Seiten im Internet sind endlos zahlreich. Doch bei einem scheinbar neutralen Nachrichtenportal wie Google News?”

Comedia gegen Verleger im Presserat
(persoenlich.com)
Weil die Schweizer Verleger nicht über einen Gesamtarbeitsvertrag verhandeln, sollen sie auch nicht in den Presserat, fordert die Mediengewerkschaft Comedia.

Blogs sind auch nicht mehr das, was sie mal waren
(Süddeutsche Zeitung, Niklas Hofmann)
Gerade noch an der Blogbar, schon in der Zeitung: “Selbstreflexion als Daseinszweck? Die Stars der deutschen Blogszene schmoren im eigenen Saft, diagnostiziert ausgerechnet der meinungsstarke Don Alphonso.” Und klar: Bloß keine Links setzen, das schadet noch der Qualität.

Auslandskorrespondenten unzufrieden
(Frankfurter Rundschau, Daniel Bouhs)
Eine 533-Seiten Studie über Deutsche Korrespondenten im Ausland wird vorgestellt – die ihre Heimatredaktionen heftig kritisieren. “In den Zentralen heißt es hingegen, viele dieser Kollegen seien nicht in der Lage, Entwicklungen auf den Punkt zu bringen.”

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

Vor zehn Jahren:
«Wahn in der Datenbahn»

Ole Reißmann, 26. Februar 2008 um 14.14 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Ärgernis, Zeitvergeudung, Schrottplatz: Vor genau zehn Jahren schimpfte das Nachrichtenmagazin Facts über das Internet. Wir sehen uns an, was seitdem passiert ist und sprechen mit Peter Hossli, dem Autor der Internet-Schmähschrift.

Wahn in der Datenbahn, Seite 1
Facts 1998: «Wahn in der Datenbahn», Artikel bei Hossli.com, Bilder aus dem Heft mit freundlicher Genehmigung von Tamedia auf medienlese.com

«Das Internet ist ein Ärgernis. Wer etwas sucht, ertrinkt im Datenmeer. Das Netz vergeudet die Zeit der Surfer sinnlos. Ohne technisches Fachwissen schafft niemand den Anschluss. Geld ist im World Wide Web nicht zu machen. Das globale Dorf ist in Wahrheit ein titanischer Schrottplatz.» Sechs Thesen von Peter Hossli, erschienen als Einstieg in einen Artikel des Schweizer Nachrichtenmagazin Facts im Februar 1998. Überschrift: «Wahn in der Datenbahn.»

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6 zum Tod von Facts und Cash

Ronnie Grob, 28. Juni 2007 um 9.34 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Das Aus für FACTS – die Meinungen
(facts.ch)
Heute werden FACTS und «Cash» zum letzten Mal ausgeliefert – was bedeutet das für den Recherchierjournalismus? 12 Antworten.

Abenteuer mit Sushi
(woz.ch, Susanne Zahnd)
Nicht, dass man dem Nachrichtenmagazin «Facts» auch nur eine halbe Träne nachweinen würde, aber dass diese Publikation per Ende Juni eingestellt wird, erfüllt einen auch nicht mit Jubel. Ist es doch ein weiteres Zeichen dafür, dass sich (nicht nur) Tamedia wenig dar­um kümmert, was Journalismus im Printbereich heute noch sein könnte.

Wogen bei Facts noch nicht geglättet
(werbewoche.ch)
Unter anderem mit einer Stellungnahme von Tamedia-Mediensprecher Christoph Zimmer.

Die Hexenküche
(handelsblatt.com, Hans-Peter Siebenhaar und Ewald Stein)
In der Schweiz erscheinen heute zwei Magazine sozusagen mit Trauerrand: Die Wirtschaftstitel ?Cash? und ?Facts? bringen ihre jeweils letzte Ausgabe unter die Leute. Die Verlage Ringier und Tamedia stellen diese Blätter ein. Sie lohnen sich offenbar nicht mehr.

Wenn der Sensenmann kommt
(werbewoche.ch, Josefa Haas)
Mit jeder Publikation, die eingeht, verschwindet auch eine spezielle Form des Journalismus.

«Cash»/«Facts»: Die einen feiern, die andern protestieren
(kleinreport.ch)
Die zeitgleiche Einstellung der Wochenpublikationen «Cash» (Ringier) und «Facts» (Tamedia) hat in den beiden Verlagshäusern zu höchst unterschiedlichen «Schlussbildern» auf der Medienbühne geführt. Während die «Cash»-Redaktion das letztmalige Erscheinen der Wirtschaftszeitung am Mittwoch mit einer Schifffahrt auf dem Zürichsee und einem Nachtessen in der Erlenbacher «Schönau» feierte, war bei den «Facts»-Kolleginnen und -Kollegen gleichzeitig Kampf und Protest an

href=”http://www.facts.ch/dyn/magazin/schweiz/766387.html”>Das Aus für FACTS – die Meinungen
(facts.ch)
Heute werden FACTS und «Cash» zum letzten Mal ausgeliefert – was bedeutet das für den Recherchierjournalismus? 12 Antworten.

Abenteuer mit Sushi
(woz.ch, Susanne Zahnd)
Nicht, dass man dem Nachrichtenmagazin «Facts» auch nur eine halbe Träne nachweinen würde, aber dass diese Publikation per Ende Juni eingestellt wird, erfüllt einen auch nicht mit Jubel. Ist es doch ein weiteres Zeichen dafür, dass sich (nicht nur) Tamedia wenig dar­um kümmert, was Journalismus im Printbereich heute noch sein könnte.

Wogen bei Facts noch nicht geglättet
(werbewoche.ch)
Unter anderem mit einer Stellungnahme von Tamedia-Mediensprecher Christoph Zimmer.

Die Hexenküche
(handelsblatt.com, Hans-Peter Siebenhaar und Ewald Stein)
In der Schweiz erscheinen heute zwei Magazine sozusagen mit Trauerrand: Die Wirtschaftstitel ?Cash? und ?Facts? bringen ihre jeweils letzte Ausgabe unter die Leute. Die Verlage Ringier und Tamedia stellen diese Blätter ein. Sie lohnen sich offenbar nicht mehr.

Wenn der Sensenmann kommt
(werbewoche.ch, Josefa Haas)
Mit jeder Publikation, die eingeht, verschwindet auch eine spezielle Form des Journalismus.

«Cash»/«Facts»: Die einen feiern, die andern protestieren
(kleinreport.ch)
Die zeitgleiche Einstellung der Wochenpublikationen «Cash» (Ringier) und «Facts» (Tamedia) hat in den beiden Verlagshäusern zu höchst unterschiedlichen «Schlussbildern» auf der Medienbühne geführt. Während die «Cash»-Redaktion das letztmalige Erscheinen der Wirtschaftszeitung am Mittwoch mit einer Schifffahrt auf dem Zürichsee und einem Nachtessen in der Erlenbacher «Schönau» feierte, war bei den «Facts»-Kolleginnen und -Kollegen gleichzeitig Kampf und Protest angesagt.

Eine nicht gehaltene Rede aus der Facts-Redaktion

Ronnie Grob, 27. Juni 2007 um 16.18 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Heute protestierte die kürzlich in Corpore entlassene Redaktion der Zeitschrift Facts vor dem Kongresshaus gegen die Tatsache, dass ihr Verlag, Tamedia, der Redaktion bisher keinen Sozialplan in Aussicht gestellt hat.

Redaktor Christof Moser schreibt uns dazu:

die tamedia wollte jemandem aus der redaktion an der gv redezeit einräumen, wenn dafür die gewerkschaften das wort nicht ergreifen. ich wurde als sprecher ausgewählt. leider ging ich dann als redner vergessen und konnte die rede nicht halten. in der beilage sende ich ihnen das, was ich sagen wollte.

Hier also die Rede, die er halten wollte, aber nicht konnte:

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Hat “der Markt” entschieden?

Peter Sennhauser, 20. Juni 2007 um 22.55 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Nach der Schliessung von Facts gibt es in der Schweiz noch nicht einmal mehr ein Produkt mit dem Potential, den Bedarf nach qualitativ hochwertigem Hintergrund-Journalismus zu decken. Vielleicht ist der Markt dafür wirklich zu klein. Dagegen spricht die offensichtliche Lust der Deutschen Verleger, sich den reich garnierten Inseratekuchen einzuverleiben.

wewo

Im Augenblick ist der grosse Gewinner in der helvetischen Medienlandschaft der Ex-Tamedia-Journalist Roger Köppel mit der auf strengen Rechtskurs getrimmten “Weltwoche” - und das, nachdem den Facts-Mitarbeitern jahrelang gesagt worden war, dass sich alles ändern werde, wenn nur eines der Wochenblätter den Kampf um die Leser aufgebe - was mit Ringiers Entscheid zur Schliessung von Cash vor rund drei Wochen passiert ist.

Das ist doppelt ironisch, indem ausgerechnet Köppels Blatt, das ständig den freien Markt predigt, von den “wirtschaftlichen Zwängen” Ringiers oder dem “Shareholder-Value” einer Tamedia weitgehend befreit ist - stehen hinter ihm doch Financiers, denen mehr an einem politischen Sprachrohr als an einem blühenden Verlagshaus liegt.

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Facts:
Nach Börsenschluss wurde zur Sitzung gebeten

Peter Sennhauser, 20. Juni 2007 um 22.10 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Nach Börsenschluss kam die Einladung zur “Mitarbeiterversammlung”, und aus der Ahnung wurde Gewissheit: Facts macht dicht. Der Verlag stellt der Redaktion trotz deren “Gegenvorschlagsrecht” keine Zahlen zur Verfügung. Ein Insiderbericht zu den Abläufen.

Bereits an der morgendlichen Sitzung, sagt ein Mitglied der Facts-Redaktion, sei irgendwie die Ahnung aufgekommen, dass dies der Tag X ist, an dem Einstellung von “Facts” verkündet werde.

In den vergangenen Tagen hatte die Redaktion von der “Bereichsleiterin Zeitschriften”, Uli Rubner, offenbar mehrfach per Email eine Aussprache zu den anderswo vermeldeten Gesprächen mit dem deutschen “Spiegel” über eine Kooperation verlangt und die Antwort erhalten, zu Gerüchten nehme sie nicht Stellung, es werde zu gegebener Zeit Informationen geben.

Im Laufe des Tages hätten sich die Anzeichen gemehrt, dass etwas im Gange sei, sagt unsere Quelle. Zuerst habe sich wie ein Lauffeuer die Information verbreitet, dass die Inserenten von “Facts” über Veränderungen informiert worden seien, dann, dass der “Tages-Anzeiger”, das Flaggschiff der Tamedia, angehalten worden sei, sechzig Zeilen auf der Front frei zu halten - damit, sagt unsere Facts-Informantin, sei die Sache am frühen Nachmittag intern gegessen gewesen.

Die Gewissheit kam nach Börsenschluss um 17.30, als zu einer Mitarbeiterversammlung eingeladen wurde.

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Tatsache:
Jetzt erwischt es auch FACTS

Peter Hogenkamp, 20. Juni 2007 um 19.38 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Von 17:52:44 Uhr heute Abend datiert das PDF der Medienmitteilung, in der der Zürcher Tamedia-Verlag die Einstellung des Nachrichtenmagazins FACTS bekannt gibt.

Titel in Grossbuchstaben scheinen ein schlechtes Omen zu sein: Nach dem 18 Jahre alten “CASH” von Ringier vor fast genau drei Wochen hat es nun also das 12 Jahre alte “FACTS” erwischt. Einerseits ist es sicher kein Zufall, dass diese beiden derben Einschläge die Schweizer Medienlandschaft so kurz nacheinander trafen - wenn die das machen, sollten wir vielleicht auch noch schnell - andererseits wundert man sich als Beobachter schon etwas, weil man denken sollte, auf dem Wochenzeitungsmarkt habe trotz generell anderer inhaltlicher Ausrichtung zwischen den beiden am Donnerstag erscheinenden Blättern ein gewisser Wettbewerb um Leser und Inserenten geherrscht.

Die Fakten zur Einstellung von der Tamedia:

  • In den 12 Jahren nur in einem Jahr keine Verluste geschrieben - das haben wir bei CASH schon so ähnlich gehört, obwohl das immerhin in den fetten Neunzigern schwarze Zahlen geschrieben haben soll.
  • Insgesamt 53 Stellen, 64 Mitarbeitende betroffen, interne Lösungen werden gesucht - das klang vor drei Wochen auch zuerst sehr ähnlich, wobei die Redaktion hier im Blog anderes berichtete.
  • Letzte Ausgabe am Donnerstag, 28. Juni - hier hat Tamedia die sportliche Vorlage von Ringier (vier Rest-Ausgaben nach Einstellungsmeldung) noch halbiert; neben dem schon fertigen Blatt von morgen darf/muss die Redaktion nur noch eine einzige weitere Ausgabe machen. Am 28. Juni begehen beide Magazine ihren “Letzten” gemeinsam.
  • Die Abonnenten werden verhökert und kriegen neue Angebote für die Restlaufzeit, die Inserenten kriegen attraktive andere Platzierungen - mit dem Teil kriegen wir bald schon Routine.

Einen einzigen Pluspunkt verbuchen die aus der Werdstrasse gegenüber denen aus der Dufourstrasse: Tamedia versucht nicht, das dauerhafte kaufmännische Debakel als strategisch-zukunftsträchtige Neuerung zu verschwurbeln. Das Communiqué heisst “Einstellung des Nachrichtenmagazins FACTS” (im Gegensatz zu “CASH Gruppe setzt auf die digitalen Kanäle”). Ein schwacher Trost, aber trotzdem Dank im Namen aller Euphemismusgeschädigten.

Aus den Schweizer Online-Redaktionen sind noch nicht viele Kommentare zu lesen, vorerst begnügt man sich mit Copy/Paste der Agenturmeldung. (”Immerhin streckt das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» seine Fühler in die Schweiz aus”, steht daher in allen Texten.) Ein paar eigene Gedanken haben bisher nur die Büronachbarn von “20 Minuten” gemacht, aber die hatten vermutlich auch etwas Vorsprung.

Was hört man sonst noch? Wir sind dran.

(Aufmerksame Leser von medienlese.com erfuhren die Breaking News schon 21 Minuten nach der Mitteilung, als unser Leser mds in einem knappen Kommentar darauf hinwies; immerhin eine halbe Stunde vor dem Newsletter-Versand des Klein Reports von 18.39 Uhr.)

 
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