Thema: China

 

Alle 13 Artikel zum Thema China auf medienlese.com:

6 vor 9

Ronnie Grob, 12. September 2008 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

1. “Springer wagt Tabubruch”
(ftd.de, Jennifer Lachman und Ulf Brychcy)
“Das wird die Zeitungsbranche erschüttern: Ausgerechnet Springer wirft in Berlin ein Gratisblättchen auf dem Markt. Dabei hatte sich der Konzern stets am stärksten gegen solche Publikationen gewehrt. Und Kooperationspartner ist auch noch die Post.”

2. “Polizistenmord Heilbronn: heiße Spur ganz kalt”
(badische-zeitung.de)
“Bild prescht vor und alle schreiben ab: Spiegel, dpa und dutzende Medien meldeten die angeblich heiße Spur zur Heilbronner Polizistenmörderin. Dabei ist das Ganze nur ein Lehrstück darüber, wie aus reiner Polizeiroutine eine Schlagzeile wird.”

3. “Wie leicht Film Wirklichkeit wird”
(freitag.de, Matthias Dell)
“Der Spiegel macht mit seiner Titelgeschichte der Einfühlung Marketing für Eichingers neuen Erfolgsfilm.”

4. “Aus dem Wertekanon”
(jungewelt.de, Volker Bräutigam)
“Weil ihre Beiträge nicht in die Anti-China-Berichterstattung paßten, wird eine Redakteurin der Deutschen Welle kaltgestellt.”

5. Jonathan Landman von der New York Times im Interview
(sueddeutsche.de, Stephan Weichert und Alexander Matschke)
“Beiträge von Amateuren sind nicht zu unterschätzen. Sie können sich Amateurfotos auf der Online-Plattform flickr ansehen, Texte von Amateuren in der Huffington Post lesen und so weiter. Und ein kleiner Teil davon ist gut, ein großer sehr schlecht. Die Trefferquote bei professionellen Journalisten ist naturgemäß höher, weil sie dafür entlohnt werden. Das ist bei Amateuren anders, was aber nicht heißt, dass sie nichts beitragen können.”

6. “Bang Bang Berlin” in der Video-Rezension
(achtmilliarden.wordpress.com, Oskar Piegsa, Video, 3:53 Minuten)
Oskar Piegsa testet die Zeitschrift “Bang Bang Berlin“. Fazit: “Sieht gut aus”, “Textqualität mittel”, “Aber: zukunftsweisend?”

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

Amnesty International:
Schicke Stadien, gesäuberte Fanzonen

David Bauer, 22. August 2008 um 9.21 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

“Ohne die eiserne Faust aufzumachen” sei es China gelungen, die Medien für die olympischen Spiele zu begeistern, sagt Amnesty-International-Sprecher Daniel Graf im Interview. Ein ehrliches Lob bleibt ihm im Halse stecken.

Daniel Graf

Daniel Graf
Daniel Graf, der Mediensprecher von Amnesty International in der Schweiz, zieht im Exklusivinterview mit medienlese.com Bilanz.

Die Olympischen Spiele gehen dieses Wochenende zu Ende. Aus der Sicht von Amnesty International: Wer hat gewonnen, wer verloren?

In Peking gab es sicher keine Goldmedaille für die Menschenrechte. Im Gegenteil: Viele Menschenrechtsaktivisten wurden vor und während der Spiele unter Hausarrest gestellt oder ins Gefängnis geworfen. Kein Wunder, dass die Parks für angemeldete Demonstrationen menschenleer blieben. Statt Proteste zu bewilligen, haben die chinesischen Behörden die Leute, die eine Demonstration anmelden wollten, einfach verhaftet. Die Olympischen Ringe sind für viele Chinesen zu Handschellen geworden.
 
In Peking wurde am Mittwoch ein britischer Fernsehjournalist verhaftet. Wie beurteilen Sie diesen Vorfall?

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Unverständnis deluxe:
Westliche Journalisten in Peking

Ronnie Grob, 16. August 2008 um 11.52 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Salopp gekleidete Pressevertreter werden von einer tausendjährigen Kultur freundlich und hilfsbereit empfangen. Doch die interessieren sich nur für eventuelle Proteste und Themen wie Umweltschutz. Sind die westlichen Journalisten zu hart zu China?

Tim Wu

Tim Wu
Über Zensur in China gibt es mehr als genug zu schreiben. Auch sonst läuft nicht alles zufriedenstellend im Land, das gerade Olympia ausrichtet, Umweltschutz, Menschenrechte, you name it.

Dennoch fragt sich Tim Wu, Professor an der “Columbia Law School”, in einem Artikel auf slate.com, ob westliche Journalisten nicht zu böse seien zu China, das zurzeit mehr oder weniger unbeholfen versucht, geliebt zu werden.

Die westliche Presse ist vor allem fasziniert von Umweltverschmutzung und Protesten. Als Dessert dazu ist alles willkommen, was mit tibetischer Unabhängigkeit, Zensur oder ausländischen Besuchern zu tun hat. Manchmal fliessen all diese Themen zusammen, wie letzten Mittwoch, als eine Horde Amerikaner eine “Free Tibet”-Flagge auf dem Tian’anmen-Platz hisste, an einem Tag mit viel Smog. Nun, das ist eine Story.

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China:
Britischer Journalist festgenommen

David Bauer, 13. August 2008 um 17.04 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Ein britischer Journalist wurde heute in Peking kurzzeitig verhaftet. Der Guardian sieht das Versprechen auf freie Berichterstattung gebrochen und veröffentlicht Video- und Audioaufzeichnungen.

Der Chinakorrespondent des englischen Fernsehnetworks ITV, John Ray, ist heute Vormittag von chinesischen Polizisten festgenommen worden, als er mit seinem Team eine Demonstation von “Students for a Free Tibet” filmen wollte. Gemäss Augenzeugen, zu denen auch ein Reporter der britischen Tageszeitung Guardian gehörte, sei er von Polizisten brutal zu Boden gerissen und über den Boden bis zu einem Fahrzeug geschleift worden.

» weiterlesen in unserem Olympia-Tagebuch “Medien unter Kontrolle”

Olympia 2008:
Wo laufen sie denn?

Felix Disselhoff, 11. August 2008 um 11.18 Uhr, 10 Kommentare Kommentare

Live-Bilder ohne Fernseher? Klar, das Internet macht’s möglich. Wie man auf dem Laufenden bleibt. Das komplette Olympia-Paket, alle Wettkämpfe, jederzeit.

Knapp vier Milliarden Menschen haben sich die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2008 angesehen. Durch die sechsstündige Zeitverschiebung finden die Wettkämpfe in Deutschland nachts oder während der Arbeitszeiten statt.

Olympiafernsehen ohne Fernseher

ARD und ZDF haben die exklusiven Übertragungsrechte für Liveberichte. Um dann ruckelfreie Bilder aus Peking zu bekommen, braucht man nur eine halbwegs schnelle Internetanbindung, für unterwegs reicht auch eine UMTS-Datenkarte für Ihr Notebook. Doch was hat das Netz sonst noch zu bieten?

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Beijing 2008:
Medien unter Kontrolle

Ole Reißmann, 8. August 2008 um 21.16 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

In China geht es nicht nur um Medaillen: Längst sind es die “politischen Spiele”, in denen Sieger und Verlierer nicht nur sportlich ausgemacht werden. Wird die freie Berichterstattung eingeschränkt oder behindert? Wie reagieren die Veranstalter auf Proteste? Wie gehen Journalisten mit der Situation um? Diesen Fragen gehen wir in unserem Olympia-Tagebuch nach.

Direkt zu Tag 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15

Machtlose Spiele

 
Unglaubliche Weltrekorde: Aber wer hier systematisches Doping vermutet, ist sofort ein Spielverderber und hat von Unschuldsvermutung nie etwas gehört. Oder ist einer der Sportler aus dem abgehängten Schlussfeld und regt sich über die strengen Doping-Kontrollen in seinem Land auf und vermutet, dass die Übermenschen aus dem Siegerfeld nicht einmal die Formulare der Doping-Tester verstehen. Zuschauer und Teilnehmer hätten das Vertrauen in die Spiele verloren, schreibt die taz. Einziger Ausweg: Die Anti-Doping-Agentur müsse zur ausführenden Behörde werden. Bisher vertraut sie auf die nationalen Verbände, die für Kontrollen und Sanktionen zuständig sind – oder für die Gold-Garantie.

Politische Machtlosigkeit: Ja gut, dann werden Demonstranten eben verhaftet, Interview-Partner eingeschüchtert und verhaftet. Überwachung total – dafür war die Show überwältigend. Die politischen Realitäten wurden konsequent ausgeblendet, das Versprechen auf freie Berichterstattung war schnell vergessen – für Olympia habe China “nur einen geringen politischen Preis bezahlen müssen”. Der neue Olympia-Kurs sei “Resignation”, schreibt die FAZ.

Mittlerweile räumt selbst das Internationale Olympische Komitee Machtlosigkeit ein. Dass zwei alte Damen wegen Protestplänen erstmal im Arbeitslager verschwinden, hätte man zwar angesprochen, wolle sich dann aber lieber doch nicht in die inneren Angelegenheiten Chinas einmischen. So einfach ist das.

Wenn dann auch noch ein Krieg ausbricht, während die Staatschefs den stilisierten weißen Tauben der Eröffnungszeremonie hinterher sehen, verkommt das Sportereignis endgültig zum “Maskenball”.

Mediales Großaufgebot: Das französische Fernsehen kam mit 160 Mitarbeitern in China aus, ARD und ZDF brauchten über 500 – mehr als die 436 Olympia-Teilnehmer aus Deutschland. Was das alles gekostet hat, möchte man den Gebührenzahlern lieber nicht verraten. Nur soviel: Eine zweistellige Millionensumme sei es schon gewesen, wird eingeräumt. Warum waren eigentlich ARD und ZDF mit eigenen Moderatoren und Reportern vor Ort? Mehr dazu auf Spiegel Online.

– Tag 15 –

 
Kein Platz für die Pressefreiheit?
Besorgniserregendes hat der Guardian festgestellt. In einer Liste von “100 Dingen, die wir in Peking gelernt haben” steht an zehnter Stelle: “The world’s sports journalists aren’t getting any healthier-looking. A lot of them need two seats.” (Die Sportjournalisten sehen immer noch gleich ungesund aus. Viele brauchen zwei Sitzplätze.) dba, 12 Uhr

Medienfreiheit: Keine Medaille für China
Der Club der Auslandkorrespondenten in China stellt dem Gastgeberland der Olympischen Spiele laut einem Bericht im Tagesanzeiger ein schlechtes Zeugnis aus. Mindestens 30 Fälle seien bekannt, bei denen Reporter bei der Berichterstattung zu den Spielen behindert worden seien. In zehn Fällen wurden Journalisten körperlich bedrängt und geschlagen oder ihre Kameras zerstört. Das Fazit der Auslandkorrespondenten: «China verpasst in der Medienfreiheit das olympische Siegertreppchen». Der Guardian hat sich bei britischen Medienschaffenden umgehört und einiges an Kritik gesammelt. dba, 11 Uhr

– Tag 14 –

 
Eclat an Pressekonferenz
Der Generalsekretär des chinesischen Olympia-Organisationskomitees Bocog, Wang Wei, ist sauer auf die Medien. Laut einem Bericht von Spiegel Online kritisierte er an einer gemeinsamen Pressekonferenz von IOC und Bocog die internationalen Presse. Die Medien seien voreingenommen und verstünden wenig von China. “Die Geschichte wird zeigen, wie korrekt die Entscheidung des IOC war, die Spiele an China zu vergeben.”, sagte Wang. Die Journalisten sollten “die Wahrheit schreiben”. dba, 10 Uhr

Vergesst Breitband, jetzt kommt Boltband
Neben Michael Phelps war er der grosse Star dieser Spiele: Usain Bolt, der sowohl den 100 Meter- wie den 200 Meter-Sprint in Weltrekordzeit gewann. Kein Wunder, wird er nun zum begehrten Werbeträger. Eine besondere Idee hat die britische Kabelnetzbereiberin Virgin Media. Sie will den mit Abstand schnellsten Internetzugang Englands anbieten und mit dem Doppelolympiasieger bewerben. Und nicht nur dies. Das superschnelle Breitband-Angebot soll nach ihm benannt werden: Boltband. dba, 10 Uhr

Immer diese Politik
Wie weltfremd Olympische Spiele ohne Politik sind, zeigte sich gestern bei den Speerwerferinnen: Barbora Spotakova gewann für Tschechien vor der Russin Mariya Abakumova – am vierzigsten Jahrestag der russischen Invasion ihres Landes. Sie weinte vor Glück, berichtet die New York Times, und erzählte den Reportern von dem speziellen Datum. ore, 9 Uhr

Schicke Stadien, gesäuberte Fanzonen
“Ohne die eiserne Faust aufzumachen” sei es China gelungen, die Medien für die olympischen Spiele zu begeistern, sagt Amnesty-International-Sprecher Daniel Graf im Interview auf medienlese.com. Trotzdem bleibt ihm ein Lob im Halse stecken.

– Tag 13 –

 
China schliesst iTunes Store
Ein Protest-Album, das in den USA beheimatete Tibet-Aktivisten auf iTunes veröffentlicht haben und das von einigen Olympia-Athleten heruntergeladen wurde, habe dazu geführt, dass China den Zugang zum iTunes Store gesperrt habe. Dies berichtet heute der Guardian. Rund 40 Athleten hätten die Gratis-Compilation mit Songs von Künstlern wie Sting, Damien Rice und Alanis Morissette heruntergeladen, zitiert der Guardian aus einer Medienmitteilung der verantwortlichen Art of Peace Foundation. dba, 11 Uhr

Endlich Krieg
“Sie knacken Server und platzieren ihre patriotischen Botschaften auf offiziellen Webseiten wie denjenigen von CNN und Carrefour”, meldet die “Tagesschau” des Schweizer Fernsehens. Während die olympischen Spiele friedlich ablaufen, befinden sich angeblich “300.000 chinesische Hacker” im Cyberspace-Krieg. Inklusive der Warnung, ein Hacker könne in ein sensbiles Netzwerk eindringen und das “Stromnetz eines ganzen Landes lahmlegen”. Das Internet werde “immer mehr zum Kriegsschauplatz zwischen Ost und West”. Also nochmal: Während die Ahnungslosen noch Olympia feiern, befinden sich “der Osten” und “der Westen” längst im Krieg. So etwas kann man natürlich denken und schreiben, aber doch eher in einem dieser Blogs – und nicht in den Qualitätsmedien. ore, 9 Uhr

“Zapp” bringt Journalisten in Gefahr
Verfolgt von schwarzen Karossen filmt die NDR-Mediensendung “Zapp” einen freien, offenbar bloggenden Journalisten, der in China den Auswirkungen von Umweltschäden nachgeht. (Heute bei “6 vor 9″, unserer wochentäglichen Presseschau)

– Tag 12 –

 
BBC entschuldigt sich für fehlende Zensur
Die Möglichkeit von chinesischer Zensur beschäftigt die westlichen Medien seit über die Olympischen Spiele berichtet wird. Für einmal wäre die BBC froh um rechtzeitige Zensur gewesen. In einem Interview mit der BBC zeigte sich die englische Windsurferin Bryony Shaw dermassen erfreut über ihre Bronzemedaille, dass ihr ein unerwünschtes four-letter-word über die Lippen ging. Wie The Telegraph heute berichtet, sah sich die BBC genötigt, sich dafür zu entschuldigen. dba, 14 Uhr

Politischer Zwerg, kommende Konkurrenz
Olympia 1988 in Seoul diente der “Selbstbefreiung und Selbstfindung Südkoreas”, schreibt die NZZ. Der Westen konnte damals “nachsichtig und aufmunternd” gegenüber dem “politischen Zwerg” sein. In China sehe es ganz anders aus. ore, 14 Uhr

Deutsche Welle muss sich rechtfertigen
Kaum sagt mal jemand etwas freundliches über China – schon kontrollieren sich die Medien selbst, in diesem Fall ärgert sich die Berliner Zeitung, die mit den Ex-Stasi-Mitarbeitern in nicht mehr leitenden Funktionen, über den deutschen Auslandssender. Eine chinesische Mitarbeiterin des Senders hatte sich positiv über China geäußert und auch noch die Sperrung von Falun Gong und “Free Tibet”-Internetsites verteidigt. Soviel Meinung ruft auch die Politik auf den Plan, der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion wettert – während sich die angegriffene Journalisten wehrt, ihre Äußertungen seien aus dem Kontext gerissen. Findet man auch bei der Deutschen Welle und stellt sich hinter die Mitarbeiterin. ore, 14 Uhr

– Tag 11 –

 
Chefsache Markenschutz
Menschenrechte stehen auf der Liste des Olympischen Komitees nicht an vorderster Stelle – dafür der Schutz der Sponsoren. “Tausende Klebestreifen”, berichtet persoenlich.com unter Berufung auf die Washington Post, verdecken demnach Logos von Herstellern, die nicht als Sponsor der Spiele auftreten. Abgeklebt seien selbst Seifenspender, Kühlschränke und Lichtschalter. ore, 17 Uhr

“Protestbanner”: Leichtathletikchef nach Hause geschickt
Der technische Direktor der senegalesischen Leichtathletikdelegation in Peking, Amadou Diao, ist laut einer Meldung der senegalesischen Zeitung Le Quotidien von den Olympischen Spielen ausgeschlossen und nach Hause geschickt worden. Grund: Er hatte an der Eröffnungszeremonie ein Banner mit der Aufschrift «Amitié d’abord, compétition ensuite» (frei übersetzt: Freundschaft vor Wettkampf) entrollt. Der senegalesische Verband habe ihn daraufhin auf Druck des IOC nach Hause geschickt, wie Reporters Without Borders schreibt. Interview mit Amadou Diao in Le Quotidien. dba, 12 Uhr

– Tag 10 –

 
Tränen wegen Liu Xiang
Ungewohnte Bilder für westliche Journalisten gab es heute an einer Pressekonferenz in Peking zu sehen. Der chinesische Superstar der Olympischen Spiele, der Hürdensprinter Liu Xiang, hatte im Vorauf verletzt aufgeben müssen. An der Pressekonferenz, in der sein Ausscheiden erklärt wurde, flossen bei einigen chinesischen Journalistinnen Tränen. “China weint”, wie der Tagesanzeiger schreibt, gilt offenbar auch für Journalisten. Allzu sehr sollte dies aber nicht überraschen, haben doch Sportjournalisten auch hierzulande den Ruf, eher leidenschaftliche Fans denn kritische Beobachter zu sein. dba, 23 Uhr

Laure Manaudou: Dem NDR nicht nackt genug (Keystone)

Investigative Sportjournalisten
Sie kämpfen für die Menschenrechte und nutzen das wundervolle Sportereignisse für ihre schonungslose Kritik an der chinesischen Staatsführung: Unsere Sportjournalisten, die investigativen Helden des Journalismus. Wenn sie nicht gerade die Privatsphäre einer französischen Schwimmerin verletzen: “Rosenkrieg der besonderen Art” kündigte Reinhold Beckmann den “so klebrigen wie voyeuristischen” Fernsehbeitrag an, wie die Berliner Zeitung berichtet. Gezeigt wurden dazu Nacktfotos aus dem Internet – zumindest diese Zurschaustellung bedauert der NDR mittlerweile. ore, 13 Uhr

Völkerverständigungs-TV á la CNN
Der Spiegel hat sich die tägliche Olympia-Show des chinesischen Staatsfernsehens CCTV-9 angeschaut. 17 Days verbreite viel “linientreue PR für Völkerverständigung”, manchmal wehe aber auch Subversion durchs Studio. Das “Völkerverständigungs-TV im CNN-Stil” wolle mehr Harmonie zwischen der westlichen Welt und China herstellen. Oft würden daher fröhliche Touristen und stolze Olympioniken-Eltern als Talkgäste eingeladen. kir, 10 Uhr

Deutscher Journalist staunt über allzu euphorische chinesische Kollegen
Sportreporter Ino Kohlmann erzählt in Markos Medien-Podcast über seinen Arbeitsalltag als Peking-Korrespondent für die Radioagentur BLR und RadioDienst. Er könne sich frei bewegen bei seinen Recherchen, zumindest im Großraum der Hauptstadt. Erstaunt ist er über seine chinesischen Journalistenkollegen, die total euphorisch seien, lautstark von der Bühne jubelten und sich über “falsche” Entscheidungen des Schiedsrichters beschweren würden. kir, 9 Uhr

– Tag 9 –

 
Propaganda
Einer der drei Medien-Protest-Parks (Keystone)

Der Sidney Morning Herald hat die Verhaltensregeln veröffentlicht, an die sich chinesische Medien angeblich zu halten haben. Darunter der Erlass, nicht über die extra für die ausländische Presse eingerichteten Protest-Parks zu berichten: “In regard to the three protest parks, no interviews and coverage is allowed.” Oder bloß nicht über krebserregendes Mineralwasser. ore, 21 Uhr

Verhaltensregeln für chinesische Journalisten aufgetaucht
Ein Dokument, in dem chinesische Offizielle den nationalen Medien “empfehlen”, wie die Berichterstattung rund um die Olympischen Spiele auszusehen habe, ist an die Öffentlichkeit gelangt. Laut einem Bericht des Guardian enthalten diese “Guidelines” eine Liste mit 21 Dos und Don’ts für chinesische Journalisten. Demonstrationen seien zu ignorieren, nur gute Worte zu verlieren über die Eröffnungszeremonie, keine von der offiziellen Haltung abweichenden Meinungen zu Tibet oder Sudan zu publizieren. Im Falle eines unvorhergesehenen Ereignisses sei das Aussenministerium zu kontaktieren. dba, 10 Uhr

Keine Pressekonferenzen mehr
Die chinesischen Olympia-Verantwortlichen haben die täglichen Pressekonferenzen gestrichen. Laut einem Bericht des Sydney Morning Herald wurde zunächst einmal die Pressekonferenz von heute Samstag gestrichen mit der Begründung, dass “die Olympischen Spiele reibungslos ablaufen”. Die Zeitung vermutet, dass in Wahrheit zu kritische Fragen zur Absage geführt hätten. In Verlauf der letzten Woche und insbesondere am Freitag sei die Stimmung an den Konferenzen angespannt gewesen, weil auf kritische Fragen keine Antworten gegeben wurden. dba, 10 Uhr

– Tag 8 –

 
Schauspieler spielten Minderheiten
Die kostümierten Kinder, die bei der Eröffnungszeremonie ins Stadion einzogen, sollten die föderalistische Eintracht der 52 ethnischen Gruppen in der Volksrepublik darstellen. Keines von ihnen gehörte jedoch einer Minderheit an, wie der Vize-Präsident des Olympia-Organisationsteams, Wang Wei, am Freitag einräumte, so das Wall Street Journal . Die Zeremonie stand unlängst in der Kritik, nachdem bekannt wurde, dass Teile des Feuerwerks am Computer erstellt und live eingespielt worden waren und die “Ode ans Vaterland” nur als Playblack eingespielt wurde. fdi, 20 Uhr

Deutsche Athletin kritisiert das IOC
Die deutsche Degenfechterin Imke Duplizer übt in einem Interview mit Zeit Online deutliche Kritik am IOC und den chinesischen Ausrichtern der Olympischen Spiele. Sie spricht unter anderem über mögliche Boykott-Aktionen von Sportlern, das Versagen des mächtigen IOC im Umgang mit China und warum sie ihren Unmut nicht in einem Olympia-Blog öffentlich macht. dba, 15 Uhr

– Tag 7 –

 
Die emotionale Achterbahnfahrt eines Peking-Korrespondenten
Marcel Grzanna ist seit anderthalb Jahren freier Korrespondent in Peking. In einem Text auf DerWesten beschreibt er, wie er den Alltag in China erlebt. Er schildert ein Erlebnis, wie während einer Recherche zum Thema Aids Sicherheitsbeamte seinen Fahrer mit dem Tod bedroht und die Herausgabe von journalistischem Material gefordert haben. “Hier zu leben bedeutet, die Freiheit schätzen zu lernen, die meine Generation in Deutschland auf dem Silbertablett serviert bekommen hat”, schreibt Grzanna. Das Fazit eines eindrücklichen Textes: “Und so ist man hin- und hergerissen in diesem Land zwischen Faszination und Wut, zwischen Begeisterung und Hilflosigkeit. Eine emotionale Achterbahnfahrt, während der man vernünftige journalistische Arbeit leisten muss.” dba, 21 Uhr

Reporter ohne Grenzen: Schlechtes Zwischenzeugnis für China
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisiert in einer heute veröffentlichten Medienmitteilung die Festnahme des britischen Journalisten John Ray. “Dies zeigt, dass die ausländische Presse nach wie vor nicht ungestört arbeiten kann”, teilt ROG mit. Der Club ausländischer Korrespondenten in China zählt laut ROG sieben solcher Übergriffe seit Beginn der Olympischen Spiele. Polizisten verhafteten Ende vergangener Woche zwei Reporter der Nachrichtenagentur AP in der nordwestlichen Provinz Xinjiang und löschten Digitalfotos. Sicherheitskräfte hielten zudem zwei skandinavische Journalisten davon ab, Bauern in der Provinz Hebei zu den Auswirkungen der Olympischen Spiele auf deren Leben zu befragen. ROG zitiert eine europäische Journalistin, die seit mehreren Jahren in China arbeitet: “Die Sicherheitskräfte folgen mir ständig und überall hin, filmen und fotografieren mich. Ich denke zweimal darüber nach, Chinesen über heikle Themen zu interviewen. Denn ich fürchte, man könnte sie festnehmen.” dba, 17 Uhr

Warum die Wahrheit nur einen Briten interessiert
“Warum die Wahrheit nicht interessiert”, fragt behauptet 20 Minuten-Olympiakorrespondent Klaus Zaugg und erklärt mit einem langen Artikel. Die Antwort fällt ernüchternd aus und schwankt zwischen Zynismus, Resignation und einer guten Portion Naivität. Zaugg schreibt: “Hey, es ist die grösste Sportparty der Welt! Und niemand stört gerne eine Party.” Und weiter: “Die Olympischen Spiele eignen sich denkbar schlecht für eine kritische Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse … Die Wahrheit interessiert die Welt während der Olympischen Spiele nicht.” Anders sieht das ein britischer Reporter, der die IOC-Pressesprecherin während einer Medienkonferenz zu einer Antwort drängt auf seine Frage, ob sich das IOC für Chinas Verhalten schäme. Erfolglos. Video und Transkript ebenfalls bei 20 Minuten. Die Zeit zum gleichen Thema. dba, 14 Uhr

IOC lässt YouTube-Protest sperren
Aktivisten haben ein Video auf YouTube gestellt, in dem Handschellen in Form des olympischen Logos auf die Außenwände des chinesischen Konsulats in New York projiziert werden – das Internationale Olympische Komitee hat das Video offenbar auf Basis des verfremdeten Logos sperren lassen. Jetzt läuft der Protestfilm eben auf der Videoseite Vimeo, wie intern.de berichtet. ore, 10 Uhr

Nichts zu sehen hier, einfach weitergehen bitte
Marina Hyde schreibt in einem der Olympia-Blogs des Guardian über die skurril anmutenden täglichen Pressekonferenzen der Olympiaveranstalter. Das Motto dieser Meetings sei wohl, so schreibt sie, “Move along, nothing to see here”. Es sei frustrierend, immer den selben gut gelaunten Auskunftspersonen vom IOC und des Organisationskomitees Bocog zu begegnen. Die fänden nur alles “fantastic”. Zum Schluss folge jeweils das, was Hyde den “final question freakout” nennt. Der verzweifelte Versuch eines Journalisten, auf eine drängende Frage eine ernste Antwort zu erhalten. Die lautet dann zum Beispiel: “Wir werden die zuständigen Behörden kontaktieren und kommen wieder auf sie zu, wenn es Neuigkeiten gibt”. dba, 8 Uhr

Wie schwimmen die das nur?
Nicht nur der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten, Michael Phelps, schwimmt Rekordzeiten: In diesem Jahr wurden ganze 51 neue Weltrekorde im Schwimmen aufgestellt. Im Watercube werden Bestzeiten um Sekunden unterboten und die Medien jubeln wie von Sinnen. “Wie kann das sein”, fragt sich Marc Scheloske im ScienceBlog “Neurons” angesichts der Leistungsexplosionen. Aus dem Staunen wird bald Zweifel, systematisch wird nach Antworten gesucht – am Schwimmanzug soll es nicht liegen. Derweil erinnert Dopingforscher Wilhelm Schänzer im Interview mit der taz an die Unschuldsvermutung. ore, 0 Uhr

– Tag 6 –

 
Verschärfte Zensur in China
Nach den terroristischen Anschlägen im Nordwesten des Landes und dem Tod eines amerikanischen Touristen soll für chinesische Medien offenbar die Zensur verschärft werden. Genehmigt werden müssen nach einem neuen 21-Punkte-Plan der Zensoren “Artikel über problematische Vorgänge abseits der Sportstätten wie Unfälle, Demonstrationen oder Protestaktionen”, schreibt das Hamburger Abendblatt unter Berufung auf die Hongkonger South China Morning Post. In Einzelfällen seien auch ausländische Journalisten bei ihrer Arbeit behindert und eingeschüchtert worden, heißt es weiter. Angeblich wurden dabei Notizblöcke fotografiert. ore, 23 Uhr

Britischer Journalist festgenommen
Der Chinakorrespondent des englischen Fernsehnetworks ITV, John Ray, ist heute Vormittag von chinesischen Polizisten festgenommen worden, als er mit seinem Team eine Demonstation von “Students for a Free Tibet” filmen wollte. Gemäss Augenzeugen, zu denen auch ein Reporter der britischen Tageszeitung Guardian gehörte, sei er von Polizisten brutal zu Boden gerissen und über den Boden bis zu einem Fahrzeug geschleift worden.

Diese Aussagen bestätigt nun auch ein Video vom Vorfall, das der Guardian heute Nachmittag veröffentlicht hat. Darin sieht man wie Ray festgehalten wird und sich mit Worten verteidigt. “Ich habe versucht, Ihnen zu erklären, dass ich ein britischer Journalist bin, aber sie wollten mich nicht einmal meine Ausweisdokumente zeigen lassen”, zitiert der Guardian Ray, der 30 Minuten lang in einem Restaurant festgehalten wurde. Acht Demonstranten wurden ebenfalls festgenommen.

Der Guardian kritisiert die Verhaftung des Journalisten als “bisher eindeutigsten Bruch mit dem Versprechen von Pressefreiheit”. Die britische Botschaft, so ist bei sueddeutsche.de zu lesen, zeigte sich gegenüber den chinesischen Behörden besorgt über den Zwischenfall. Auch ITN, der Arbeitgeber des verhafteten Journalisten, und der Verein der Auslandskorrespondenten (FCC) in Peking wollen laut Guardian und sueddeutsche.de eine “schärftsmögliche” Beschwerde bei den zuständigen Behörden einreichen oder haben dies bereits getan. dba, 16 Uhr

Tibetischer Dok-Film feiert Erstaufführung in Zürich
Morgen Donnerstagabend wird in Zürich ein Dok-Film zum ersten Mal öffentlich gezeigt, der in China für einigen Unmut gesorgt hatte. Zwei Tibeter haben in Tibet Landsleute “zu ihrem Alltag unter chinesischer Herrschaft und ihrer Meinung zu Olympia” befragt, wie der Tagesanzeiger schreibt. Als im März die Unruhen in Tibet ausbrachen, gelang es ihnen, das Rohmaterial ausser Landes zu schmuggeln, der in der Schweiz lebende Cousin des einen Amateurfilmers hat daraus einen 25-minütigen Film zusammengeschnitten. Kurz vor den Olympischen Spielen wurde der fertige Film nach Peking, wo er - in einer streng geheimen Aktion - in einem Hotel einigen Medienschaffenden präsentiert wurde. Eine zweite Aufführung wurde von Zivilpolizisten verhindert. Von den beiden Filmemachern fehlt seit Mitte Juli angeblich jede Spur. “Leaving Fear Behind” ist am 14. August um 18 Uhr im Kino Xenix in Zürich zu sehen. dba, 9 Uhr

China füllt Tribünen mit Stimmungsmachern
Die portugiesischen Fussballstadien an der Europameisterschaft 2004 hatten bunte Sitzschalen, damit leere Tribünen im Fernsehen nicht ganz so leer erschienen. China löst das Problem nicht ausverkaufter Events auf seine Art. Man bietet, so schreibt die New York Times, Truppen von Freiwilligen auf, die dann bei mittelpopulären Sportarten wie Bogenschiessen, Ringen oder Wasserball für Stimmung sorgen. Offenbar besteht das Problem nicht darin, dass sich zu wenige Chinesen für die Spiele interessieren würden, sondern dass Tickets aus verschiedenen Gründen nicht erhältlich sind, scheibt die NY Times weiter. dba, 9 Uhr


– Tag 5 –

 
Mini Playback Show an der Eröffnungszeremonie
Der Bluff mit dem Feuerwerk war offenbar nicht der einzige Trick, den die Organisatoren bei der Eröffnungsfeier genutzt haben, um alles perfekt erscheinen zu lassen. Wie die NZZ heute schreibt, habe die 7-Jährige Chinesin, die die “Ode ans Vaterland” gesungen hat, nur die Lippen bewegt. Die Stimme gehört einem anderen Mädchen, das aber den Organisatoren angeblich für den Auftritt nicht hübsch genug für den Auftritt war. Der musikalische Leiter der Zeremonie bestätigte den Milli Vanilli-Trick, chinesische Blogger sind empört. dba, 20 Uhr

China geht auf Nummer sicher
Die Terroranschläge in der westchinesischen Provinz Xinjiang würden dem kommunistischen Regime helfen, noch schärfer gegen Dissidenten und Kritiker vorzugehen - berichtet das Nachrichtenmagazin Time (leider nur in der europäischen Printausgabe). Allein die Sicherheitsmaßnahmen in Peking seien gigantisch: Neben 110.000 Polizisten und Soldaten, kommen demnach rund 290.000 Zivilisten - so genannte “street patrolers” - zum Einsatz. Für Chinas Tourismusbranche seien die Olympischen Spieler aber keine Goldgrube. Offizielle Stellen schätzten laut Time, dass im August zwischen 400.000 und 500.000 Touristen nach China kommen würden, was vergleichbar mit den Zahlen des Vorjahres sei. Grund dafür: strengere Visabestimmungen seit Juni. 16 Uhr, kir

Geschnatter aus Peking
Eine Übersicht über Blogs, Kolumnen und Tagebücher von Journalisten bei den olympischen Spielen gibt es auf onlinejournalismus.de. ore, 12 Uhr

Panzer vor dem Pressezentrum
Die Sicherheitsvorkehrungen bei den olympischen Spielen werden verschärft. Nach den Anschlägen in der westchinesischen Provinz Xinjiang zogen am Dienstag paramilitärische Einheiten vor dem Pressezentrum und um das olympische Dorf auf – woraufhin die feierliche Atmosphäre merklich abkühlte, wie die australische Zeitung The Age schreibt. Es wird aber auch daran erinnert, dass Panzer kein ungewohnter Anblick bei Olympia seien. In Barcelona 1992 hätte vor jedem Hotel einer gestanden. ore, 12 Uhr

– Tag 4 –

 
Was wirklich dran ist an der versprochenen Meinungsfreiheit
Drei offizielle Protest-Orte gibt es im Peking der Olympischen Spiele, wo demonstriert werden darf. Andreas Lorenz vom Spiegel wollte herausfinden, was “wirklich dran ist an der versprochenen Meinungsfreiheit”. Wenig überraschend das Ergebnis: Proteste scheiterten oft schon an den bürokratischen Vorschriften. Fünf Tage vorher müssten Demos bei der Polizei angemeldet werden, schriftlich und gegen Vorlage des Ausweises. Außerdem dürften nicht die “Interessen das Landes und der Gesellschaft” verletzt werden. kir, 18 Uhr 30

Dopingkontrollen nur “Beschiss am Fan”?
Wie das österreichische Nachrichtenmagazin profil in seiner neuesten Ausgabe berichtet, hat die chinesische Anti-Dopingagentur im vergangenen Jahr über 10.000 Kontrollen bei Sportlern durchgeführt, davon 74 Prozent unangemeldet. Die ehemalige DDR-Sprinterin Ines Geipel bezeichnet das Antidopingprogramm trotzdem als „Farce“ und spricht von „Beschiss am Fan“. profil bringt Chinas Dilemma jedenfalls treffend auf den Punkt: „Gibt es keinen Dopingfall, hat man sich eben nicht erwischen lassen. Gibt es einen, hat es ohnehin schon jeder vorher gewusst.“ kir, 18 Uhr

Journalisten als “Teil der Spiele”
Die NZZ-Korrespondenten in Peking beantworten auf der Website der NZZ Leserfragen. So etwa fragt ein Leser, der zurzeit in Peking weilt, ob sie als Journalisten die Absprerrungen und die Polizeipräsenz auch so negativ empfänden. Der Journalist anwortet ausführlich und findet nur lobende Worte für die gute Organisation. Interessant ist seine einleitende Bemerkung: “Wir Journalisten erleben die Spiele ganz anders als die Zuschauer, weil wir quasi ein Teil der Spiele sind.” Solche Reporter mag China bestimmt: Die sich als Teil der Spiele verstehen und nicht als kritische Beobachter. dba, 16 Uhr

Skurrile Unterschriftenaktion für österreichischen Medaillengewinner
Kurz nachdem der Judoka Ludwig Paischer die erste Medaille für Österreich ergattert hatte, verfiel das Internetportal oe24.at in einen ekstatischen Siegesrausch. Dazu gehört natürlich eine Bildergalerie “So feierte Silber-Lupo”, die Extra-Kategorie namens “Olympia-Jubel” und ein Portrait des Olympioniken mit Babyfoto. Bis dahin alles ganz normale Olympia-Hysterie. Doch oe24.at setzt noch ein besonders skurriles Extra drauf: eine Unterschriftenliste, mit der man dem Athleten online zu seiner Medaille beglückwünschen kann. Allein: bisher haben sich erst sieben Gratulanten am Olympia-Siegesrausch von oe24.at beteiligt. kir, 12 Uhr
 
Chinas “Deutsche Welle”
Augenwischerei: China Radio International präsentiert sich vielsprachig, modern, weltoffen – staatlich verordnet und kontrolliert, schreibt Spiegel Online.

– Tag 3 –

 
“Da war es also, das andere China”
Nachts stürmen Polizisten ein Hotel, schauen sich in den Zimmern um und verlangen Ausweise. Jens Fischer schreibt die Kolumne “Als Journalist in Peking” für Stern.de – und wurde Opfer einer nächtlichen Polizeirazzia. Eine ganz normale Kontrolle, wie ihm eine Hotelangestellte versicherte. ore, 21 Uhr

Pimp my Feuerwerk an der Eröffnungsfeier
Das Feuerwerk an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele war wahrlich imposant. Ein bisschen zu imposant, offenbar. Eine kleine Sequenz, in der mit Raketen Fussabdrücke im Nachthimmel über dem Nationalstadion erzeugt wurden, sei am Computer animiert und in die Fernsehübertragung hineingeschnitten worden. Aufgedeckt hat diese Retouche die chinesische Zeitung «Peking Shibao», wie verschiedene Agenturen übereinstimmend melden (siehe auch sueddeutsche.de). Eine kleine Korrektur um der Kunst willen, und doch eine Demonstration des chinesischen “Yes, we can!”. dba, 18 Uhr

Natalia Paderina aus Russland (l.) und Nino Salukvadze aus Georgien (Keystone)

Politisches Symbol
Armbänder sind verboten, T-Shirts mit Sprüchen sowieso: Keine politische Botschaft soll die olympischenn Spiele stören. Ganz weltfremd soll nur der Sport im Mittelpunkt stehen. Als sich eine russische und eine georgische Sportlerin bei den Wettkämpfen auf dem Siegertreppchen begegneten, setzten sie trotzdem ein starkes Symbol: Die Athleten (ausgerechnet Schießen!) aus den Ländern, die sich gerade im Krieg befinden, umarmeten und herzten sich. ore, 17 Uhr

Britischer Sportblog zensiert?
Simon Barnes, der Sportchef von The Times, siniert in seinem Olympia-Blog über die Tatsache, dass er möglicherweise zensiert wird. Als Grund vermutet er, dass er über die Politisierung der Olympischen Spiele geschrieben und die Spiele in Peking mit denjenigen von Berlin 1936 verglichen hat. Gleichzeitig schreibt er, dass die junge, gebildete Generation, “the computer literate chinese”, wisse, wie man die Zensur leicht umgeht. dba, 11 Uhr

– Tag 2 –

 
Propaganda auf ARD und ZDF
Die äußerst positive Dokumentation “Beijing 2008: Opening the Gates to the East”, eine Auftragsproduktion des IOC, lief heute Abend auf dem Digitalkanal EinsFestival und gestern Abend auf zdf.doku. Die Selbstdarstellung musste als Teil einer Vereinbarung mit öffentlich-rechtlichen Sendern und dem IOC auf europäischer Ebene ausgestrahlt werden – ein der Programmautonomie widersprechender Sendezwang, wie die taz kritisiert. ore, 23 Uhr

Proteste finden Medienecho
Auf dem Platz des himmlischen Friedens und bei den Reitwettkämpfen kam es heute zu kleinen Protestaktionen, wie unter anderem die FAZ berichtet. Außerdem meldete die Gruppe Chinese Human Rights Defenders die Dissidentin und Bloggerin Zeng Jinyan und deren Tochter als vermisst. Wie Spiegel Online weiter berichtet, wollten die Behörden offenbar verhindern, dass sie mit Jornalisten spreche. ore, 23 Uhr

Piratensender für Pressefreiheit in Peking
Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat gestern mit mobilen Radiostationen einen Priatensender in Peking installiert. 20 Minuten lang wurde über Kurzwelle ein Beitrag zur Presse- und Meinungsfreiheit ausgestrahlt, wie ROG berichtet. Auf Englisch, Französisch und Mandarin wurde die chinesische Regierung ermahnt: “Ganz egal welche Maßnahmen Sie auch ergreifen, es wird Ihnen nicht gelingen, das Recht auf freie Meinungsäußerung abzuschaffen”. Das ganze Programm in allen drei Sprachen ist hier zu hören. dba, 15 Uhr

Zensur oder nicht Zensur?
Tageszeitungen aus Deutschland, so wurde berichtet, liegen erst Tage später im “Deutschen Haus” für die Athleten aus. Grund sei die Zeitungszensur in China, erklärte demnach der Deutsche Olympische Sportbund. Der chinesische Botschafter in Deutschland beschwerte sich über die Berichterstattung in deutschen Medien. Die Zeitungen seien bis Peking zwei bis drei Tage unterwegs. “Das haben die Journalisten nicht berichtet”, sagte er im Deutschlandfunk. ore, 12 Uhr

Die BBC setzt Prioritäten
“Then someone decides a war is more important and switches off the opening ceremony.” Der Guardian bringt es schön auf den Punkt und lobt die BBC für ihren Entscheid, im 24-Stunden News-Channel die Ereignisse in Südossetien der Eröffnungszeremonie der olympischen Spiele vorzuziehen. Die ARD blieb die ganze Zeit bei der Zeremonie und nutzte den Einmarsch der georgischen SportlerInnen für eine politische Randbemerkung. dba, 10 Uhr

Die Spiele als politische Werbeplattform
Olympia-Sponsoren der besonderen Art bekommen dieser Tage die amerikanischen Fernsehzuschauer zu sehen. Neben üblichen Sponsoren von Grossevents wie McDonalds und Coca Cola haben sich nämlich beide Präsidentschaftskandidaten bei der Senderkette NBC das Recht erkauft, im Umfeld der olympischen Spiele für sich zu werben. Obama hat als erster den Coup gelandet und investiert rund 5 Millionen Dollar, McCain hat nun nachgezogen und überweist laut Mediaweek gar 6 Millionen an NBC. Klares Bekenntnis zu China oder schlicht unverfrorene Suche nach Aufmerksamkeit? Noch vor einem Monat hatte Obama Bush dafür kritisiert, dass er die Eröffnungszeremonie besuchen wird. dba, 9 Uhr

– Tag 1 –

 

Rekordausgaben für Überwachung
12 Milliarden Dollar soll China für die Sicherheit der olympischen Spiele ausgegeben haben, schreibt Globalisierungskritikerin Naomi Klein (”No Logo”) auf Huffington Post. Das ist mehr als zehnmal soviel, als die Sicherheit der Spiele in Athen gekostet hat. Mit dem Geld hat China auch modernste Überwachungstechnik angeschafft, darunter 300.000 Kameras und Systeme zur biometrischen Erkennung. Durch die staatliche Kontrolle, so Klein, werde China zum “Police State 2.0″. ore, 23 Uhr

Badelatschen für Journalisten
Kein freies Internet aber ein Rucksack voller Geschenke: Für Zeit Online berichtet Christoph Siemes aus Peking. Immerhin: Die Seite von amnesty international sei erreichbar, schreibt Siemes. ore, 21 Uhr

Armbändchen für alle
Bunte Armbändchen wurden ganz offiziell zur Eröffnungszeremonie an die Zuschauer verteilt, berichtet die ARD. Nicht nur zur Feier des Tages, sondern auch, damit die rund 100.000 farbigen Silikon-Armbänder von “Sports for Human Rights” (und ähnlichen Protestaktionen) nicht auffallen, die in Peking seit Wochen verteilt wurden. Der ehemalige Slalom-Kanute Stefan Pfannmöller hatte die Aktion als Zeichen des Protests gegen Menschenrechtsverletzungen in Tibet initiiert. Den Athleten ist das Tragen des Armbandes – wie jede andere politische Meinungsäußerung – verboten. ore, 17 Uhr

David Bauer (dba), Felix Disselhoff (fdi), Markus Kirchsteiger (kir) und Ole Reißmann (ore) beobachten das mediale Geschehen um die Spiele 2008. Hinweise gerne an tipps-punkt-medienlese-at-blogwerk-punkt-com.

Olympia:
Die politischen Spiele von Beijing

Ole Reißmann, 8. August 2008 um 17.52 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Während der Olympischen Spiele in China sammeln wir Meldungen rund um Einschränkungen der freien Berichterstattung und Maßnahmen gegen freie Meinungsäußerungen.

“Noch immer herrschen Nachrichten- und Internetzensur, rund 80 Journalisten und Internetdissidenten sind hinter Gittern, ausländische Reporter müssen weiterhin mit Einschränkungen rechnen”, erklärte die Organisation Reporter ohne Grenzen zur Eröffnung der Olympischen Spiele. In China werden, entgegen der offiziellen Zusicherung, nach wie vor ausländische Journalisten bei ihrer Arbeit behindert. “Redet nicht mit ausländischen Journalisten”, so werden nach einem Bericht der FAZ Oppositionelle und Kritiker eingeschüchtert – wenn sie nicht gleich verhaftet und verurteilt wurden.

» zu unserer Seite “Beijing 2008: Medien unter Kontrolle”

Wochenrückblick Nr. 31

Ronnie Grob, 3. August 2008 um 16.25 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Vor den olympischen Spielen wird klar: Freie Berichterstattung wird es nicht geben. Teilnehmer bekommen strenge Regeln auferlegt, auch für Journalisten wird das Internet zensiert.

Bild der Woche: Reporter aus Hongkong werden von chinesischen Offiziellen daran gehindert, für Olympia-Tickets anstehende Chinesen zu filmen. IOC-Präsident Rogge steht zunehmend in der Kritik, weil er die Zensur der Presse hinnehme. Entgegen der Zusicherungen gibt es für Journalisten keinen freien Zugang zum Internet.

» weiterlesen

6 vor 9

Ronnie Grob, 7. Juli 2008 um 8.54 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Hans Dichand und seine ‘Krone’
(profil.at, Marianne Enigl und Christa Zöchling)
“Hans Dichand, Herausgeber der ‘Kronen Zeitung’, scheint der mächtigste Mann der Republik zu sein, jedenfalls glauben das die meisten Politiker. Dem designierten SPÖ-Chef Werner Faymann kann das nur recht sein.”

China hält die Hand davor
(vanity-care.de, Timo)
“Willkommen im Reich der Mitte der Medienzensur. Dass Journalisten einen schweren Stand haben in der Volksrepublik, war bekannt. Dass nicht alles gezeigt werden darf, was ein Team filmen möchte auch. Das ZDF lieferte nun ein Dokument [Video, 6:26 Minuten], wie es aussieht, wenn die Obrigkeit einschreitet. Und das live im Frühstücksfernsehen.” (Dazu: Von chinesischer Stasi festgehalten, tz-online.de)

“In Erinnerung bleiben - traurigerweise - die schlimmsten Ereignisse”
(persoenlich.com, David Vonplon)
Caspar Selg, langjähriger Chefredaktor der Sendung “Echo der Zeit“, gibt die Redaktionsleitung ab: “Die Geschwindigkeit hat sich im ganzen Geschäft enorm erhöht. Ein Korrespondent hat bei einem Ereignis früher zwei, vielleicht auch drei Beiträge geschrieben. Heute sind es fünf, sieben, neun. Erfuhr ein Korrespondent früher über ein Ereignis, reichte es, wenn er in der nächsten Primetime einen Beitrag brachte. Heute muss man sofort zu schreiben beginnen, kaum hat man vom Ereignis gehört.”

Fox News airs altered photos of NY Times reporters
(mediamatters.org)
Fox News verändert in einem Bericht über Journalisten der New York Times die Portraitbilder. Das heisst: macht aus kleinen Nasen grosse Nasen, aus weissen Zähnen gelbe Zähne, verändert den Haaransatz und baut Augenringe ein.

Mit dem ZDF auf Expedition in “Feuchtgebiete”
(welt.de, Antje Hildebrandt)
“In der Reihe ‘Sommernachtsfantasien’ versorgt das Zweite seine Zuschauer ab morgen mit ‘erotischen’ Betthupferln. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr die Lust der Frau. Mindestens ein Film schrammt jedoch haarscharf an der Grenze zur Pornografie vorbei. Gehören explizite Sexszenen jetzt auch schon zur Grundversorgung?”

Elvis und das Gegenteil
(informationarchitects.ch, Oliver Reichenstein)
“Fred, ein 14-jähriger Video-Blogger hat?s irgendwie geschafft, eine Fangemeinde von 45 Millionen Usern um sich zu scharen. Statt das Phänomen Fred zu analysieren und zu verstehen, versuchen die Vermarktungs- und Internet-Onkel den surrealen Triumph des Teenagers klein zu reden.”

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

6 vor 9

Ronnie Grob, 1. Juli 2008 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

In eigener Sache (Bemerkungen zum Blog)
(moritzleuenberger.blueblog.ch, Moritz Leuenberger)
Der schweizer Medienminister gibt seine Leserzahlen bekannt: “Durchschnittlich 2780 Besucherinnen und Besucher pro Tag, 70 Beiträge, 5230 Kommentare, über eine Million Besucher seit Juli 2007.”

PANIC
(arndtbeck.com, Bildergalerie, 30 Bilder)
Bild fragte: “Wer macht das schönste Foto von BILD liebt Berlin?” - Arndt Beck antwortete. Siehe auch bildblog.de, “Schatten der Liebe“.

Lasst 1500 Blumen blühen
(tagesspiegel.de, Harald Maass)
Die Chinesen halten die europäischen Reporter auf Trab: “Wer als Reporter über Pekings Vorbereitung für die Sommerspiele berichtet, wird von einer Flut von Terminen überschüttet. Fast jeden Tag organisieren Chinas Olympiaplaner Pressekonferenzen, Rechercheausflüge und Hintergrundgespräche. Mal werden Medienvertreter über die ‘Standardisierung der englischen Übersetzung der öffentlichen Schilder in Peking’ informiert. Mal reisen Journalisten zur Recherche zur örtlichen Qinghe-Kläranlage. Die Vielzahl der Pressetermine ist umso erstaunlicher, als Chinas Regierung bislang mit ausländischen Journalisten möglichst wenig zu tun haben wollte.”

Marianne und die Kellerkinder
(sueddeutsche.de, Ralf Wiegand)
“Für uns Fans des Sportjournalismus ist es eine unglaubliche menschliche Tragödie mitansehen zu müssen, dass der Sport im Fernsehen nun endgültig präsentiert wird wie das Frühstücksradio auf Antenne Bayern.”

Journalisten im Sommerschlaf?
(heute.de)
“Die FAS fragt bei den ‘lieben Kollegen’ lieber nicht nach.”

Heute kein Aufmacher bei turi2.
(turi-2.blog.de, FlorianTreiß)
“Sommerhoch, Sommerloch: Am Dienstag, 1. Juli 2008, gibt es in der weiten Welt der Medien keine Neuigkeit, die einen Aufmacher wert wäre. Möglicherweise liegt es daran, dass viele Medienmacher urlaubsbedingt die Beine hochlegen und die Seele baumeln lassen. Quellen: alle versiegt.”

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

 
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