Thema: Blogosphäre

 

Alle 168 Artikel zum Thema Blogosphäre auf medienlese.com:

Leserreporter auf der Titelseite

Ronnie Grob, 7. Oktober 2006 um 13.15 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

“BLICK-Leserreporter enthüllt: Lehrer auf dem Pausenplatz verprügelt.” So lautet die heutige Blick-Titelgeschichte, in der es um eine Auseinandersetzung zwischen einem Lehrer und einem Schüler geht. Der Ort des Ereignisses legt nahe, dass die den fantastischen Honorar von 100 Schweizer Franken einstreichende Person ebenfalls aus einer dieser beiden Gruppen kommt. Oder wars eine Polizistin? Ein Fensterputzer, der die Szene unmöglich übersehen konnte? Ein Hausabwart, eine Nachbarin? Watch out for quiet people typing short messages.

Nachdem es Weblogeinträge schon mindestens zweimal auf den Blick-Titel geschafft haben (im April die Geschichte rund um einen Eintrag über Panini-Bilder und Neandertaler im CR-Weblog von Ueli Haldimann und diese Woche das Blog der Freiheits-Partei), bringen das nun auch die Leserreporter fertig. Ob das erstmals geschieht oder nicht, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, denn eine lückenlose Lektüre ist ja wohl niemandem zuzumuten.

Schwester, die Pinzette bitte

Ronnie Grob, 7. Oktober 2006 um 10.04 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Blogs werden von deutschsprachigen Medien auch 2006 noch mit der Pinzette angefasst. Man will zwar etwas darüber schreiben, sich aber dabei auch nicht die Finger schmutzig machen. Der Standard zum Beispiel schafft es, in einem Text über das Kollektiv-Blog der Frankfurter Buchmesse nicht einmal die URL zu nennen. Um herauszufinden, wie und wo nun dieses Blog zu lesen ist, bleibt nichts anderes übrig, als ein neues Tab oder Fenster zu öffnen, “Buchmessen-Blog” zu suchen und zu finden: Das Blog der Frankfurter Buchmesse. Am Schluss der Geschichte steht etwas verloren das Wort “Link”. Der gute Wille war also da.

“Lustig oder dumm?”

Ronnie Grob, 4. Oktober 2006 um 10.47 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Das Thema lässt Blick nicht mehr los: nach der Ausländerwoche, in der nach dem deutlichen Ergebnis der Stimmbürger an den Wahlurnen eine Serie über Ausländer in der Schweiz lanciert wurde, versteckt sich die Zeitung nun wieder lieber hinter Aussagen und Aktionen klassischer Aushängeschilder. Nach den SVP-Politikern Blocher, Mörgeli und Maurer darf nun auch mal wieder ein alter und treuer Blick-Nachrichtenlieferant auf den Titel: Jürg Scherrer, Polizeidirektor von Biel, rechter Hardliner seit Jahrzehnten, sieht aus, als würde er in eine Tischbomben-Tröte blasen, doch der Text dazu sagt was anderes: “Polizei-Direktor frisst Minarett“. Daneben die Frage: “Lustig oder dumm?”. Gute Frage.

» weiterlesen

Watchblogs zu Zeitungen boomen

Ronnie Grob, 15. September 2006 um 9.37 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Nach dem Bildblog (Bild) und dem Pendlerblog (20 Minuten) gibt es nun auch das “Österreich”-Blog (Österreich) und das Krone-Blog (Kronen Zeitung). Es fällt auf, dass vor allem Boulevard-Zeitungen aufgegriffen werden. Warum, die Antwort ist leicht: diese Blätter schreiben leichter messbaren Unsinn als andere. Sogenannte Qualitätsblätter hingegen haben eine höhere Selbstzensur, die weniger Angriffsfläche bietet.

Von einem NZZ- oder F.A.Z.-Watchblog haben wir bisher noch nichts gehört, die Weltwoche aber ist bereits im Fokus. Eines dieser wenigen ambitiösen Projekte, die Weltwochenschau, hält sich nun aber noch zurück, bis Chefredaktor Roger Köppel am 1. Oktober die Führung wieder übernimmt. Die gestellten Aufgaben werden derweil von anderen übernommen: zum Beispiel von patpatpat bei Infamy, dem das heutige Titelblatt am Kiosk doch sehr bekannt vorgekommen ist. Er hat es nämlich schon mal gesehen und darüber berichtet (hier die beiden Titelblätter im Vergleich).

Die Weltwoche vom 14.9.2006 bringt zwar nicht die gleiche Story wie die Business Week am 14.8.2006, aber einen nahezu identischen Titel. Wir nehmen an, das Magazin schläft sich gründlich aus und startet im Oktober wieder, alles neu, als sei es Mai.

Algorithmen

Ronnie Grob, 10. September 2006 um 13.06 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Bei SLUG arbeiten keine Redakteure, die Artikel auswählen oder entscheiden, welche Artikel erscheinen. Die Einträge werden mit Computer-Algorithmen ausgewählt. Diese Seite wertet derzeit täglich ca. 600 Schweizer Blog-Beiträge von über 1′400 Autoren aus.

Computer-Algorithmen also entscheiden, welche Blog-Beiträge auf media.slug.ch, dem sehr nützlichen Zusammenzug von Schweizer Weblogeinträgen, die im Zusammenhang mit Medien stehen, erscheinen. Rechnen konnte ich noch nie, darum verstehe ich auch nicht, wie 1400 Autoren täglich 600 Beiträge schreiben können, ohne sich mindestens zu halbieren. Wie auch das Rätsel, dass jeweils einer unserer Beiträge dort erscheint und dann der nächste wieder nicht, noch nicht gelöst ist.

Sobald es geschafft ist, das sperrige Wort meistens richtig zu schreiben, findet man heraus: die Algorithmen sind geheim. So geheim wie der Microsoft-Quellcode oder der Google-Algorithmus. Nicht einmal eine neugierige Mailanfrage konnte bisher Aufschluss darüber geben. Wenn auch dieser Dienst jetzt schon gut ist, sind wir für eine Perfektionierung, und sei es im Geheimen, dankbar. Könnte das nicht jemand auch für Österreich und Deutschland anbieten? Wir üben unterdessen weiter: Algorhythmen, Algorhytmen, Algorythmen, Algorytmen, Algoritmen, …

Blogkritik und -recycling

Ronnie Grob, 4. September 2006 um 15.35 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Die NZZ am Sonntag sagt oder besser schreibt “der Blog” statt, wie empfohlen, “das Blog”. So betitelt wird im Sportteil der Ausgabe von gestern ein langer Text von henusode über Evelyne Binsack in einer 19zeiligen Blogkritik zusammengefasst.

Ob hingegen Blog-Recycling als Content in Ordnung ist, mit nachfragen oder ohne, mit Honorar oder ohne - das wurde schon vor zwei Jahren ausführlich verhandelt - und ist doch noch nicht beantwortet.

Der Blogger, das unbekannte Wesen

Ronnie Grob, 30. August 2006 um 12.23 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Wie es um die Eigenständigkeit und Unverwechselbarkeit von Webportalen deutscher (Print)medien steht, zeigt uns Google News mit Der Blogger, das unbekannte Wesen.

Dieser Text mit dem nicht ganz taufrischen Titel ist seit gestern nachmittag nicht weniger als 33 mal erschienen, vom ersten Eintrag des Reutlinger General-Anzeigers bis zum zurzeit aktuellsten der Lübecker Nachrichten. Mal wird Caroline Bock als Autorin angegeben, mal soll es Thomas Cloer sein. Mal wird die Geschichte pageimpressionsrelevant auf drei Seiten verteilt, mal werden einzelne Wörter verlinkt, mal werden Zwischentitel kopiert und eingefügt, mal wird unter “Übrigens” noch ein selbstgeschriebener Absatz angehängt, mal werden zur besseren Lesbarkeit die Absätze herausgenommen. » weiterlesen

copy / lie

Ronnie Grob, 9. August 2006 um 14.26 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Findet man im Internet einen Text und drüber oder drunter steht “Von Bert Brecht”, dann denkt man, dieser Text habe Bertolt Brecht geschrieben. Dem ist nicht immer so, wie Constantin Seibt im NZZ Folio enthüllt. Er gibt zu, im September 1997 in der gleichen Publikation einen Text als Bert Brecht deklariert, ihn jedoch selbst geschrieben zu haben. Ob dieses Geständnis schon damals oder erst heute öffentlich wird, geht daraus nicht hervor. Gebeichtet oder nicht, im Internet steht ein Text “Von Bert Brecht” und auf den wird man auch aufmerksam.

Dem Geständnis (Folio lügt!) folgend die sich in den letzten Jahren angesammelten, sich auf die Fälschung beziehenden Links zum nachlesen: » weiterlesen

 
slug blogoscoop