Alle 9 Artikel zum Thema Blogger-Blues auf medienlese.com:
Schweinchen Schlau, jede Menge Journalisten und ein einsamer Medienforscher: Wir zeigen die 13 Hauptcharaktere des bitterbösen Spiegel-Artikels über die deutsche Blogosphäre.
Da verfasst ein missgelauntes Spiegel-Trio ein dreiseitiges Elaborat über die Armutsästhetik in den klapprigen Fischerhütten “deutscher Online-Schreiber”, vergleicht ihr proletarisches Ambiente mit den blankpolierten Glaspalästen deutscher Offline-Schreiber, aber auch mit den inkommensurablen Wolkenkratzern amerikanischer Spitzenblogger. Das Trio der Spiegleins stellt uns dann sogar einige dieser darbenden ‘Blogger’ in persona vor, die natürlich genau das nicht können sollen, was die professionellen Mitglieder der Journalistenzunft täglich so akkurat beherrschen - und am Ende erweist es sich, dass sämtliche Beteiligte in diesem redaktionellen Kasperltheater allesamt auch wiederum nur Journalisten gewesen sind. Kurzum: Bullenkrieg in Büttenwarder. Hier die Hauptdarsteller in der Reihenfolge ihres Auftretens:
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Deutsche Online-Schreiber können nicht richtig bloggen, nicht ordentlich streiten und füllen stattdessen lieber oberlehrerhaft die Wikipedia: Lustvoll watscht der Spiegel die Blogosphäre ab.
Gerade klingt der Blogger-Blues etwas ab, da kommt der Spiegel und tritt nochmal kräftig nach. Auf drei Seiten widmet sich die aktuelle Ausgabe der deutschen Blogosphäre. Das Urteil ist vernichtend: Es fehle an Relevanz, politische Blogs seien “so gut wie nicht vorhanden”, Blogs würden kaum wahrgenommen. Der Teaser gibt die Stoßrichtung vor:
Deutsche Online-Schreiber haben ein Problem entdeckt: sich selbst. Im Vergleich zu ihren US-Kollegen fehlt es ihnen an Macht und Bedeutung, um die öffentliche Debatte mitzubestimmen. Die meisten sind unpolitisch und rechthaberisch, selbstbezogen und unprofessionell.
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Der Blog-Blues geht um, wer sich umdreht oder lacht … Aber geht er wirklich um? Oder ist das nur ein subjektiver Eindruck? Die Zahlen hingegen zeigen deutlich in eine Richtung.
Vom “Blogblues” ist viel die Rede. Google zählt immerhin schon 100.000 Treffer zu diesem Begriff. Auch ich schrieb vor einiger Zeit über das Phänomen der Blogmüdigkeit bei unseren Granden. Es mag ferner sein, dass die Zahlen der ‘Kommerz-Blogger’ zurückgehen, dass ‘die Erwartungen der Wirtschaft massiv enttäuscht’ wurden. Von einem generellen Rückgang der Bloggeria zu sprechen, das aber ist zumindest fahrlässig. (Findet auch der Zahlenmeister der deutschen Blogosphäre im Interview auf medienlese.com.) Nur weil sich der Koch die Finger verbrannt hat, ist nicht notwendigerweise das Essen schlecht.
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Da sind sie wieder: Neon und Zeit feiern Weblogs in ihren aktuellen Ausgaben. Die Zeit mit einer Deutschlandkarte der Blogcharts, die Neon mit einer Bestenliste.
Das Zeit-Magazin Leben zeigt all jene Blogs aus den deutschen Blogcharts, die sich geographisch in Deutschland verorten lassen. Kaum überraschend: Viele erfolgreiche Blogs werden in großen Städten geschrieben, absoluter Spitzenreiter ist Berlin, die Hochburg der urbanen Penner und prekär Kreativen.
Von Deutschland in die weite Welt: In der Juli-Ausgabe des “Generationenblatts” Neon werden gleich die “55 besten Blogs der Welt” gepriesen. Obwohl: Die Favoriten der Neon-Redaktion kommen vor allem aus Deutschland (24), den USA (19) und Großbritannien (7). Außerdem mager vertreten sind Spanien, Schweden, Frankreich, Kanada, Österreich und Japan – die “55 besten Blogs der Welt” sind eine ganz schön deutsch-amerikanische Angelegenheit.
Drei Nickeligkeiten:
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Schluss mit dem Meta-Blogging: Thilo Baum verabschiedet sich aus der Blogosphäre, das richtige Leben “ist draußen”. Er empfiehlt, “sich nicht mehr als 30 Minuten täglich mit Blogs zu befassen”.
Manchmal genügen Zufallsfunde, um eine Auseinandersetzung auf den Punkt zu bringen. Wie zum Beispiel den schwelenden Konflikt zwischen Journalisten und Bloggern. Mit der Nase darauf gestoßen hat mich Lanu, die seit Monaten ihre These unterfüttert, dass Journalisten keine Blogger seien. Und dann verlinkte sie das Abschiedsposting von Thilo Baum, seines Zeichens “Trainer / Coach / Journalist”. Überzeugter Journalist sogar …
Der Thilo Baum studierte – laut Selbstauskunft – Theaterwissenschaften und Publizistik. Seither nennt er sich “Kommunikationswissenschaftler und Journalist”. Woraufhin er sich erst einmal längere Zeit ‘auf dem Boulevard’ tummelte, u.a. bei B.Z. und Berliner Kurier. In jüngster Zeit hat er sich dann selbständig gemacht, zusammen mit einem Partner in der ‘Luftfabrik’ … (”Kschhh - Namenswitze sind doch verboten!” – “Aber wenn er sich den Namen doch selber ausgedacht hat …” – “Hör auf damit!”).
Seit dem März 2005 führte Thilo Baum ein Blog, aber ‘eher nebenbei’, das er jetzt mit einem letzten öffentlichen Beitrag und einem Rant gegen die gesamte Blogosphäre wieder auf Stand-By-Betrieb zurückfuhr. Woraufhin sich in den Kommentaren eine kurze, aber heftige Diskussion anschloss, die für Thilo Baum so ausging, wie das Eröffnungsspiel der EM für die Schweiz: Er wird wohl ein ‘Blogger der Herzen’ – aber nur für Journalistenkollegen.
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Leben im Netz, mit allen Konsequenzen: Die ehemaligen Gawker-Bloggerin Emily Gould berichtet im Magazin der New York Times. Überschrift der Selbstentblößung: “Exposed”.
Eine junge Bloggerin zieht nach New York City und fängt bei Gawker an – der erfolgreichen Mischung aus Branchendienst und Klatschpresse, garniert mit YouTube-Videos und persönlichen Fehden. Der Stil ist überheblich wie gnadenlos, die Geschichten banal, böse und mitunter auch brillant. Die Medienszene Manhattans jedenfalls liebt und liest Gawker. Die 24-jährige Emily Gould ist mitten drin, schreibt ein Dutzend Posts jeden Tag, hat Tausende Leser. Plötzlich interessieren sich Hunderte Menschen für ihr Privatleben, finden und kramen in den Archiven ihres privaten Blogs, werden persönlich. Und sie spielt mit – durchlebt Krisen, doch lebt weiter öffentlich online. Zwei Jahre später zieht sie ein deutliches Fazit und schreibt von ihren Zweifeln:
I had made my existence so public in such a strange way, and I wanted to take it all back, but in order to do that I?d have to destroy the entire Internet. If only I could! Google, YouTube, Gawker, Facebook, WordPress, all gone. I squeezed my eyes shut and prayed for an electromagnetic storm that would cancel out every mistake I?d ever made.
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Bloggen ist harte Arbeit – mit allen Risiken und Nebenwirkungen, inklusive Blogger-Burnout und Posting-Panik-Attacken. Schon werden zwei Todesfälle auf extremen Blog-Stress zurückgeführt.

Eine Fototapete hilft auch nicht (Bild Keystone)
Die New York Times widmet sich aktuell dem lebensbedrohlichen Sress, dem sich Blogger aussetzen: “In Web World of 24/7 Stress, Writers Blog Till They Drop.” Wer ein erfolgreiches, bekanntes Blog betreibe oder für eines arbeite, setze sich oftmals rund um die Uhr großem physischen und emotionalen Stress aus, heißt es im Artikel. Ausgestattet mit Blackberry und Notebook seien sie ständig auf der Suche nach bloggenswerten Nachrichten im Informations-Fluss. Haben sie schließlich etwas gefunden, heißt es auch noch schnell und originell sein – damit nicht ein anderer Blogger ein paar Millisekunden schneller ist und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Schreiben für Klicks kann anstrengend sein: Wer allein auf diesen Maßstab setzt, bekommt objektives Feedback in Echtzeit.
They work long hours, often to exhaustion. Many are paid by the piece ? not garments, but blog posts. This is the digital-era sweatshop. You may know it by a different name: home. [...] bloggers complain of weight loss or gain, sleep disorders, exhaustion and other maladies born of the nonstop strain of producing for a news and information cycle that is as always-on as the Internet.
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Nur noch Stillstand, Selbstzerfleischung, Langeweile, Werbemüll? Statt jetzt frustriert den Blog-Blues zu schieben lohnt es sich, auf Trüffelsuche durch die Blogosphäre zu ziehen.
Kaum ist beim Bastian Sick und den anderen Sprachnörglern der Glamour verflogen, stürmen die nächsten Misanthropen die Bühne von Blogville. Das, was der Don A. dort schreibt, ist dabei nur ein Beispiel von vielen: In der kleinen Bloggeria Alemania hat die Zeit der Selbstzerfleischung begonnen, der Virus der Sinnfragen grassiert und viele geben sich hemmungslos der Melancholie mit dem Gestus von digital Desillusionierten hin, die stirnlockenwerfend den Zwergwuchs und das viele Mittelmaß beklagen. Allerdings handelt es sich um einen gefühlten Zustand, keinen faktischen. Hier der Jammer in extenso:
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Von Klaus Jarchow
In der Blogosphäre herrscht derzeit ein merkwürdig melancholischer Ton, in dem sicherlich auch Enttäuschung mitschwingt. Jene frühlingsduftende Aufbruchsstimmung, welche die verbliebenen Hühneraugendoktoren des Web-Tuh-Oh noch immer unverdrossen auf Vorstandsetagen zu verbreiten suchen, um Bizziness-Blogs und Suchmaschinen-Optimierungsstrategien (SEO’s) zu verkaufen, die ist ‘bei Bloggers daheim’ gar nicht mehr anzutreffen.
Unter großer Anteilnahme der versammelten Webgemeinde schloss zunächst Dirk Olbertz seinen Blogscout, die einzige Ranking-Maschine, die Blogger selbst ernst nahmen. Er wolle, so Olbertz,
“den Blogbetreibern, die wirklich meinen, dass Quantität die Qualität aussticht und mit aller Macht versuchen, SEO mit Blogs machen zu wollen, keine Unterstützung bieten - sei sie auch noch so klein”.
Eine Kritik, die zu diesem Zeitpunkt auch schon bei selbstkritischeren ‘Search Engine Optimizern (SEO’s)’ angekommen war, die das Selbstmörderische ihres Tuns allmählich einzusehen begannen:
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