Neuer Journalismus:
Offenheit macht verletzlich

Klaus Jarchow, 9. Dezember 2008 um 13.37 Uhr, 22 Kommentare Kommentare

Rau, aber herzlich: Die Leser, einst unbekannte Wesen, kommentieren, mailen, bloggen zurück. Von Journalisten erwarten sie nichts weniger als Antworten.

Weltwoche-Redaktion: Vorsicht, die Leser kommen (Keystone)

Als Thomas Knüwer und der Handelsblatt-Kollege Iwersen sich auf Indiskretion Ehrensache in die Wolle kriegten, da “freute” sich keinesfalls die gesamte Blogosphäre, wie es die Süddeutsche mit etwas Häme vermeldete. Bei diesem verbalen Schlagabtausch zweier Journalisten machten die anwesenden Vertreter der Presse, die dort in den Kommentarspalten scharfen Senf fingerdick auf die Wurst schmierten, erstmals konkrete Erfahrungen mit der geheimnisvollen und sagenumwitterten Dialogstruktur des Netzes. Erfahrungen, die allen ihren Kollegen demnächst bevorstehen – zumindest dann, wenn sie auch nach der Printkrise noch im Geschäft sein wollen. Denn wer ins Netz gehen will, der muss auch Netzkultur lernen: When in Rome, do as the Romans do … » weiterlesen

6 vor 9:
Russland, News 1, Reisejournalismus

Ronnie Grob, 9. Dezember 2008 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

1. “Von Geschäftsreisen und Reisegeschäften”
(bildblog.de, Clarissa)
In der Adventszeit beschäftigt sich das Bildblog nicht nur mit der Bild, sondern auch mal mit anderen Publikationen, zum Beispiel mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Im Fokus ist ein Fall von Reise-Journalismus, wie er auch in anderen Zeitungen oft zu lesen ist, “kein Einzelfall”.

2. “News1.ch: No News, aber etwas Social Dingsbums”
(medienspiegel.ch, Martin Hitz)
“Seit einigen Wochen ist ‘News1‘, der ‘Google News’-Killer der Schweizer Regionalverleger, in einer registrierungspflichtigen Betaversion zugänglich. Dass kaum jemand darüber berichtet, ist irgendwie verständlich, denn noch lässt einen das Angebot ziemlich ratlos zurück.”

3. “Russland: Sterben für die Pressefreiheit”
(ardmediathek.de, Video, 6:41 Minuten, Stephan Stuchlik)
“Es gibt nur noch wenige mutige Journalisten in Russland - und die riskieren alles. In Moskau wird derzeit der Mord an der Journalistin Politowskaja vor Gericht verhandelt. Derweil kämpfen die Ärzte um das Leben von Michail Beketow. Der kritische Umweltjournalist hatte sich mit seinen Recherchen mächtige Feinde gemacht und wurde brutal überfallen. Eine Spurensuche, wenige Tage vor dem 60. Jahrestag der UN-Menschenrechtserklärung.” (Protokoll des Beitrags)

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Deutschland und die Schweiz:
Nachsitzen in der Alpenschule

Ronnie Grob, 8. Dezember 2008 um 12.50 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Von Schweizern lernen, schlägt die Zeit vor. Sich von Deutschen nicht ausnutzen lassen, warnt der SonntagsBlick. Das Verhältnis der beiden Länder ist medialer Dauerbrenner.


Immer diese Deutschen, immer diese Schweizer: Endlos beschäftigt die Medien das Verhältnis der beiden Nachbarländer. Dieser Tage zu beobachten im SonntagsBlick und in der Zeit. Die Hamburger Wochenzeitung schreibt, was die Schweizer besser können und fragt, was Deutsche lernen können. Zum Auftakt der neuen Schweiz-Seiten gibt es ein ganzes Dossier mit Texten von Moritz Leuenberger und Iris Radisch. Urs Willimann und Peer Teuwsen bitten in “Die Alpenschule“.

» weiterlesen: Hefte raus, Klassenarbeit!

6 vor 9:
WAZ, Redakteurspflege, TV 3.0

Ronnie Grob, 8. Dezember 2008 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

1. “Überwiegend Enttäuschung: Kündigungen nicht vom Tisch”
(medienmoral-nrw.de)
Das “Blog zur Situation bei WAZ, NRZ, WR und WP” berichtet von einer Betriebsversammlung. Interessant dabei die Kommentare, in denen sich offenbar viele Mitarbeiter, ein Grossteil davon anonym, zur Lage äussern: “Die Betriebsversammlung war ENTTÄUSCHEND, bei jeder noch so lächerlich anberaumten Pressekonferenz sind mehr Neuigkeiten zu erfahren.” - “Nun also zeigen die Rendite-Jäger im WAZ-Konzern offen die häßliche Fratze des Kapitalismus.” - “Ich habe bislang geglaubt, als alleinerziehende Mutter mit zwei unterhaltspflichtigen Kindern und 23 Berufsjahren im WAZ-Konzern genug Sozialpunkte gesammelt zu haben, um mir keine Gedanken über einen Rauswurf machen zu müssen…”

2. “Zahlen zur geplanten WAZ-Axt”
(pottblog.de, Jens Matheuszik)
Auch Jens Matheuszik berichtet über die Veranstaltung: “Dem Pottblog liegen einige Informationen vor, wie sie in der Betriebsversammlung anscheinend mitgeteilt worden sind.”

3. “SPD will Zeitungs-Abo von der Steuer absetzen”
(lumma.de, Nico Lumma)
“Ah ja. Das ist ja eine sehr zukunftsweisende Sicht der Dinge. 500 Millionen Euro pro Jahr soll der Spaß kosten, damit die Verlage für ihre Versäumnisse der letzten mindestens 10 Jahre nicht zu sehr vom Markt bestraft werden? Ich glaube ja nachwievor nicht daran, dass das Trägermedium über die Qualität des Journalismus entscheidet, also sehe ich nicht, warum Tageszeitungsabos jetzt von der Steuer abgesetzt werden sollten.”

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Noam Chomsky:
“Die Schule erzieht zur Dummheit”

Ole Reißmann, 7. Dezember 2008 um 19.54 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Bahnbrechender Linguist, polarisierender Intellektueller: Der amerikanische Sprachwissenschaftler und Globalisierungskritiker Noam Chomsky wird 80 Jahre alt.

Protest als Aufgabe: Noam Chomsky (Keystone)

Spätestens seine Kritik an der amerikanischen Außenpolitik nach dem 11. September und die Rolle der Massenmedien machten ihn auch in Deutschland zu einem beachteten Vertreter der intellektuellen Linken: Noam Chomsky. Als politischer Aktivist gilt er der globalisierungskritischen Bewegung als Vordenker. Als Wissenschaftler hat er eine ganze Disziplin auf den Kopf gestellt, als er mit seiner Theorie einer angeborenen Sprachfähigkeit zu einem der bedeutendsten Linguisten des 20. Jahrhunderts wurde. Heute wird “der meistzitierte Außenseiter der Welt” (Netzeitung) 80 Jahre alt, und der einzige Beitrag, den unser Leser mds auf medienlese.com zu Chomsky finden kann, ist aus dem Jahr 2007. So geht’s natürlich nicht. Zum Glück hat der britische Komiker Sacha Baron Cohen in seiner Rolle als Ali G mit der “Stimme der Linken (Tagesspiegel) ein Interview geführt, das es auf YouTube gibt: » weiterlesen

Wochenrückblick:
Wir sind alle Reporter

Ole Reißmann, 7. Dezember 2008 um 17.41 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Politiker als Terroristen, Mitarbeiter als “Minderleister” und Überwachung als Leserjournalismus in unserem Rückblick auf die 49. Kalenderwoche.

Aktuelles Cover, historisches Fahndungsplakat
Aktuelles Cover, historisches Fahndungsplakat

Zwischen Provokation und Geschmacklosigkeit: Anlässlich der Bundesrats-Ersatzwahl am kommenden Mittwoch stellt die Weltwoche ein Fahndungsplakat auf dem Cover nach. Angeprangert sind zehn Politiker, die etwas gegen Ueli Maurer und Christoph Blocher im Bundesrat haben – und deshalb “Verschwörer gegen die Schweiz” sind und von der Weltwoche reichlich hysterisch optisch in eine Reihe mit anarchistischen Gewalttätern gerückt werden. » weiterlesen

Audio im Netz:
Ton fürs Internet

Ole Reißmann, 5. Dezember 2008 um 12.47 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Voll auf die Ohren: Vorschläge für den Einsatz von Audio im Netz. Im ersten Teil: Warum nur Jingles, wieso Interviews, bessere Podcasts und Musik nie ohne Musik.


Neulich habe ich mich hier gefragt “Radio im Internet – aber warum?”. Anlass war ein kurzer Radiobeitrag auf einer nachrichtlichen Seite, für dessen Inhalt ich mich interessiert habe. Nur das Format hat mich abgeschreckt. Deswegen hier eine erste noch eher subjektive Sammlung, wann Audio im Internet eine gute Idee ist. Später soll daraus einmal eine Liste mit nützlichen Tipps werden – doch bis dahin freue ich mich über Kommentare und Anmerkungen. » weiterlesen

6 vor 9:
Medienkrise, Alpenschule, Teheran

Ronnie Grob, 5. Dezember 2008 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

1. “Hauptproblem Einfallslosigkeit”
(freitag.de, Klaus Raab)
Klaus Raab glaubt nicht, dass die Wirtschaftskrise verantwortlich ist für die Medienkrise: “Das Hauptproblem der Branche ist nicht die drohende Anzeigenflaute, sondern die Einfallslosigkeit. In Zeiten, in denen man mit neuen Ideen Geld verdienen und nebenbei auch noch publizistisch gewinnen könnte, entwerten Unternehmen ihre Publikationen, indem sie diese austauschbar machen. Erstaunlich viele Verlagsobere ruhen sich darauf aus, dass die Wirtschaftskrise sie angeblich zu Kürzungen zwingt. Statt aber die Produkte zu verbessern, die sie verkaufen wollen, tragen die Verlagschefs dazu bei, deren Substanz zu zerstören. Die Krise ist für sie eine Möglichkeit, Fehlentscheidungen zu treffen - und damit davonzukommen.”

2. “Wirtschaftskrise spielt keine entscheidende Rolle”
(tagesschau.de, Niels Nagel)
“Medienexperte” Horst Röper sieht das gleich: “Es sieht so aus, als ob die großen deutschen Verlage die Wirtschaftskrise zu einem guten Stück für ihre Zwecke instrumentalisieren.” Und: “Es handelt sich hierbei um strukturelle Probleme von Tageszeitungen.”

3. “‘DIE ZEIT’ und Deutschland in der Alpenschule Schweiz”
(swissinfo.ch, Gaby Ochsenbein)
“Am 4. Dezember ist DIE ZEIT erstmals mit einer eigenen Schweiz-Ausgabe erschienen. Zum Auftakt publiziert die Hamburger Wochenzeitung ein Dossier zum Thema ‘Was die Deutschen von den Schweizern lernen können’ – in 12 Lektionen.”

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Journalistenschwemme:
Wohin mit all den Entlassenen?

Klaus Jarchow, 4. Dezember 2008 um 10.21 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Angesichts von Jobabbau in Redaktionen sieht unser Autor schwarz: Weniger Mitarbeiter schaffen weniger Qualität – die Leser werden’s merken und Holzhausen den Rücken kehren.

Journalistenschwemme: Die verlegerische Heckenschere surrt (Keystone)

Über die Zahl der anstehenden Entlassungen im journalistischen Bereich ist viel und ausdauernd geredet worden. Auch hier. Zunächst wurde man, wegen der Übertragung des amerikanischen Vorlaufs auf deutsche Verhältnisse, als blöde Blogger-Unke bezeichnet, die nicht wisse, wie begehrt wahrer Qualitätsjournalismus doch sei. Inzwischen surrt flächendeckend die Heckenschere - in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich, eigentlich im gesamten westlichen Ausland. Bleibt die Frage: Wohin mit all den Journalisten?

Entlassen werden dort jetzt Menschen, die - um ein altbekanntes Bonmot zu zitieren - ihr Leben lang überlegt haben, welchen Beruf sie eigentlich genau verfehlten. Denn außerhalb des großen Medienzirkus gibt es nur wenige Einsatzgebiete für sie. Auch dürfen wir getrost davon ausgehen, dass die Verleger zunächst nicht ihre ‘besten Pferde im Stall’ mit Auflösungsverträgen und Abfindungen behelligen werden. Zunächst sind die kleinen Redaktionssoldaten dran, die wortarme Heerschar der dpa-Drapierer und Fertigsprachler. Wohin werden die gehen? » weiterlesen

6 vor 9:
Schmus, Vado, LED-Scheinwerfer

Ronnie Grob, 4. Dezember 2008 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

1. “Euphoriker sterben jung”
(zeit.de, Harald Martenstein)
Auch Harald Martenstein wird überrascht von der Medienkrise und erfährt bei der morgendlichen Zeitungslektüre, dass er seinen Job los ist. Aber es ist ja nur einer von vielen Jobs, denn er ist “breit aufgestellt”. Dass junge Journalisten sozusagen nur noch Zeitverträge erhalten, hält er für die vielleicht “menschenfreundlichere Variante” als das alte System der Festanstellung: “Der Unternehmer muss nicht darüber nachdenken, wen er kündigt und wen er behält. Es ergibt sich irgendwie automatisch. Der Gekündigte muss sich nicht sagen, dass er den Job verliert, weil er schlecht gearbeitet hat. Es gibt keine Schurken und keine Versager. Es gibt nur die Logik des Systems. Zeitvertrag, kurz im Betrieb, und du bist draußen.”

2. Interview mit Matthias Zuber und Thomas Franke
(bildjournalisten.djv-online.de, “Redaktion”)
Heute kommt die Kleinkamera “Vado” von Creative auf den Markt, eine Gemeinschaftsaktion der Boulevardzeitung Bild und des Lebensmittelhändlers “Lidl”. In einem langen Interview äussern sich zwei freie Journalisten über den Unterschied zwischen dieser Billigkamera und professionellem Equipment. Matthias Zuber: “Lustiges Teil, wird wohl bald noch mehr davon geben, aber, um ein halbwegs professionelles Produkt zu erstellen absolut ungenügend. Im Homevideo- und Experimentalfilmbereich hat das Teil sicher einen Sinn und kann inspirierend wirken.”

3. “Autojournalismus”
(bildblog.de, lupo)
“Der Autohersteller Audi ist begeistert von seinen neuen LED-Scheinwerfern und ihren Möglichkeiten. ‘Spiegel Online’ auch.”

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