SP-Experten beim Blick

Ronnie Grob, 23. Januar 2007 um 16.52 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Der Blick rechnet heute auf Seite 3 aus, was passieren würde, wenn ein FDP-Vorschlag, die Bundessteuer abzuschaffen, umgesetzt würde. Es kommt heraus, dass die tiefen Einkommen dabei verlieren würden. So weit, so gut. Wenn der kleine Mann verliert, kann das eine grosse Boulevardzeitung nicht kalt lassen.

Nur rechnet das der Blick nicht selbst aus, sondern lässt das ausrechnen. Und zwar von SP-Steuerexperte Matthias Manz. So steht es jedenfalls im Blick. Journalist Simon Spengler schreibt:

Für BLICK hat SP-Steuerexperte Matthias Manz nachgerechnet, was das konkret für verschiedene Einkommensklassen bedeutet.

Richtig, denn sieht man sich die Medienmitteilungen der SP Schweiz an, dann findet man dort fast den ganzen Artikel wieder.

Wer nun meint, wenigstens die Grafik zum Beitrag sei von der Zeitung selbst erstellt, sieht sich getäuscht. Sie ist von der SP-Homepage und nur leicht modifiziert. Zum Vergleich beide Grafiken:

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Superschweizer dank DRS3

Ronnie Grob, 23. Januar 2007 um 14.29 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

“Deutsche in der Schweiz” ist ein beliebtes und oft verwendetes Thema von Journalisten südlich und nördlich des Rheins (siehe hier und hier). Diese Woche widmet das Schweizer Radio DRS3 einem integrationswilligen Deutschen namens Clemens kulturelle Hilfestellung. Die Serie dauert noch bis Freitag und heisst “Clemens wird Schweizer“.

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Klapper-Meitli Keira Knightley

Ronnie Grob, 23. Januar 2007 um 11.18 Uhr, 55 Kommentare Kommentare

Man entschuldige den Titel, aber mir ist der über Stunden im Kopf rumgesponnen, als ich ihn gelesen habe und vielleicht kann ich so diese zweifelhafte Freude jemandem weitergeben. Für alle deutschsprachigen Leser: “Meitli” gleich “Mädchen”. Erfunden hat den griffigen Text die Schweizer Boulevardzeitung Blick am 17.01.2007 auf Seite 20:

Keira Knightley im Bikini
Keira Knightley im Bikini am Strand auf Hawaii, «Blick» vom 17. Januar

Gut eine Woche später titelt Blick Online: “Keira klagt wegen Magersucht-Lüge” und schreibt darin, dass Keira Knightley das englische Boulevard-Blatt Daily Mail verklagt hat. Aufgrund von Paparazzi-Bildern unterstellte ihr die Zeitung Essstörungen. Blick Online schreibt:

«Fluch der Karibik»-Star Keira Knightley hat die britische Zeitung «Daily Mail» verklagt, weil diese in einem Artikel angedeutet hatte, dass die 21-jährige wegen ihrer angeblichen Ess-Störung gelogen haben soll. Laut der «BBC» veröffentlichte das Blatt ein Bild der Schauspielerin am Strand mit Anmerkungen über ihr Gewicht und einer Geschichte über ein Mädchen, das an Magersucht starb. Knightley will nun vor Gericht klarstellen, dass sie keine Lügnerin ist.

Der Blick schreibt nichts über ein Mädchen, das an Magersucht starb. Er schreibt aber auch nicht, dass die gleichen Bilder mit dem gleichen Anspielungen auf Essstörungen in der eigenen Zeitung erschienen sind. Der Verdacht, dass die Story abgeschrieben und entschärft wurde, liegt jedoch nahe. Müsste man Frau Knightley nahelegen, ihre Klage auszuweiten?

Der von etablierten Medien gegen Weblogs oft ausgesprochene Vorwurf ist ja, dass Blogs nur voneinander abschreiben. Wenn es auch oft so ist - man kann ihn zurückgeben. Heute titelt der Blick nämlich über zwei Bildern und einem Kurztext auf Seite 17: “Stoibers Sturz bald als Film”. Das konnte man bereits am 21.01.2007 in der Bild am Sonntag lesen. Und wie das Bildblog schreibt, kann man sowas alle zwei Jahre.

Swissair-Prozess livegebloggt

Ronnie Grob, 23. Januar 2007 um 9.49 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Gleich allen hiesigen Medien informiert auch das Schweizer Fernsehen täglich aus der Stadthalle Bülach, wo noch bis zum 09.03.2007 der Zusammenbruch der Swissair juristisch aufgearbeitet wird. Wie Tagesschau-Chefredaktor Ueli Haldimann in seinem Blog schreibt, wird die Berichterstattung einerseits durch einen vor dem Gerichtssaal rumlungernden “Prozessbeobachter” mit Kameramann durchgeführt, der Einschätzungen und Interviews macht, andererseits durch eine im Gerichtssaal sitzende Journalistin, die mit einem Laptop ausgestattet ist (der online ist!) und das Geschehen und die Aussagen protokolliert (Übersicht hier).

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6 vor 9

Ronnie Grob, 23. Januar 2007 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

PR-Attacke auf die Bloggerwelt (+ +)
(taz.de, Lisa Rank)
Für Außenstehende ist das Universum der Netztagebuch-Schreiber schwer durchschaubar. Nur Werber haben die User der “Blogosphäre” längst als Zielgruppe entdeckt.

Die Jagd nach dem Publikum (+)
(focus.de)
Das Internet stellt Medien erneut vor eine große Herausforderung. Verlage und Sender müssen ihre Position auch gegen Blogs und Videoplattformen verteidigen.

Der Besserwisser
(faz.net, Roland Lindner)
Sein Online-Lexikon kennt jeder. Jetzt will der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales mit einer neuen Mitmach-Suchmaschine Google angreifen - und endlich Geld verdienen.

Erfolg ist der Feind
(sueddeutsche.de, Bernd Graff und Hans-Jürgen Jakobs)
Nicholas Negroponte ist einer der Vordenker der Digitalen Revolution. Sein Buch “Being Digital” gilt als Bestseller. Derzeit macht mit dem 100-Dollar-Laptop für die Dritte Welt von sich reden. Im Interview spricht er über den den Wert von Informationen.und zieht Bilanz darüber, was geworden ist aus der Revolution.

Die Vernetzten
(berlinonline.de, Jakob Schlandt)
Digitalpionier Tim O’Reilly über das Web 2.0, kollektive und künstliche Intelligenz und das Herunterladen von echten Stühlen aus dem Internet.

Warum eine chinesische Firma einen deutschen Blogger verklagt
(welt.de, Johnny Erling)
Der Fall ist obskur: Ein chinesischer LKW-Hersteller verklagt einen Berliner Blogger - weil der über angeblichen Produktklau berichtet hatte. Jetzt soll der Deutsche nach China fliegen und sich dort vor einem Gericht verantworten. WELT.de ließ sich das harte Vorgehen von der chinesischen Firma erklären.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

Moral und Technik

Ronnie Grob, 22. Januar 2007 um 14.57 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Heute haben wir zwei Texte über Web 2.0 verlinkt, auf die wir nun näher eingehen.

Gero von Randow warnt im Text “Leben im Netz” zwar vor Weltflucht und unbekümmerter Preisgabe der Privatspähre, sieht aber ein, dass sich das Leben geändert hat und etwas Elementares, er zieht als Vergleich die Markt- und Versammlungsplätze der Antike herbei, seine zeitgenössische Form gefunden hat. Er thematisiert die Befürchtungen, die jedem neuen Medium entgegenschlagen und nimmt dabei die Einführung der Schrift, der Zeitungen und der Telefone als Beispiel.

Während Gero von Randow durchscheinen lässt, dass das Web 2.0 auch gute Seiten haben könnte, sieht Rudolf Maresch, Autor, Publizist und Kritiker, übrigens pünktlich zum einjährigen Jubiläum der “Klowände im Internet“, im Text “Die Bühnen des Mobs und der Wichtigtuer” kaum positives.

Dabei ist er selbst längst im Web 2.0 angekommen. Unter rudolf-maresch.de/index.php findet sich ein ganz normales Blog, in dem sogar kommentiert werden darf. Dort werden aktuelle Mainstreamthemen wie der Fall Seehofer besprochen, es werden Leser auf wunderschöne Interviews aufmerksam gemacht und wie wir alle kämpft auch er gegen Kommentarspam. Er teilt sogar seinen (wie ich meine guten) Musikgeschmack mit der Welt.

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6 vor 9

Ronnie Grob, 22. Januar 2007 um 8.54 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Leben im Netz
(zeit.de, Gero von Randow)
Viele reden von Web 2.0. Aber noch haben nicht alle bemerkt, wie ein neues Medium die Welt verändert.

Harte Zeiten für “Time”
(spiegel.de, Frank Patalong)
Time” macht brutale Einschnitte. Um sich fit für die Zeit des digitalen Publishings zu machen, setzt das Verlagshaus fast 200 Redakteure vor die Tür, 50 allein bei “Time” selbst. Es geht um mehr als nur um Rationalisierungen: Das US-Verlagshaus verändert seine Arbeitsweise von Grund auf.

Der Sternenjäger
(faz.net, Johanna Adorján)
Von Marlon Brando verprügelt, von Jackie Kennedy verklagt, von Andy Warhol verehrt: Ein Besuch bei Ron Galella, dem berüchtigtsten aller Paparazzi.

Die Bühnen des Mobs und der Wichtigtuer
(telepolis.de, Rudolf Maresch)
Die digitale Revolution entlässt ihre Kinder ins Mitmach-Web.

Von Web 2.0 zu Musik 2.0
(heute.de, Patrick T. Neumann)
Mitmachportale als Chance für krisengeschüttelte Musikbranche.

Weshalb die Zürcher SVP Radio 24 nicht an der Albisgüetli-Tagung haben wollte
(blogs.radio24.ch, Christoph Brunner)
Bericht eines Lokalradioreporters, der erst nach längeren Diskussionen zu einer politischen Veranstaltung Zutritt erhält.

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Klage wegen Rassendiskriminierung gegen die Weltwoche

Ronnie Grob, 20. Januar 2007 um 17.56 Uhr, 13 Kommentare Kommentare

Wie die NZZ heute berichtet, hat die Surselva romontscha, ein Verein für die Erhaltung und Förderung der rätoromanischen Sprache und Kultur, bekanntgegeben, nächste Woche bei der Zürcher Staatsanwaltschaft gegen die Weltwoche und ihren Autor Urs Paul Engeler Klage einzureichen.

Grund dafür ist dieser Artikel, in dem Engeler konstatiert, dass rätoromanisch nicht mehr die vierte, sondern unterdessen die zehnte Landessprache der Schweiz ist. Er attestiert den rund 35′000 diese als erste Sprache Sprechenden bzw. ihren Vertretern (0.48% der Bevölkerung) Subventionsjagd und prophezeit, die Fördergelder würden die aussterbende Sprache noch überleben.

Im Lead zum Artikel werden die Worte “räuberisch” und “erpresserisch” verwendet, was die Surselva romontscha als ein Verstoss gegen das Schweizer Antirassismusgesetz sieht.

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6 vor 9

Ronnie Grob, 19. Januar 2007 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Schlagzeilen für die Scheinwelt
(nzz.ch, set.)
Nach Unternehmen wie Adidas, IBM und Toyota bauen nun erste Medienhäuser virtuelle Niederlassungen in der Welt des Online-Spiels «Second Life». Bei den Aktivitäten von Firmen wie Reuters oder dem Axel-Springer-Verlag verwischen sich die Grenzen zwischen realer und fiktiver Welt. Die Präsenz hat den Effekt einer PR-Aktion.

«Zeitungen sind etwas anderes als Hamburger»
(bilanz.ch, Stefan Barmettler)
Seit Jahresanfang gehört die BILANZ zum Portefeuille von Axel Springer. Der Vorstandsvorsitzende, Mathias Döpfner, über die Grundwerte des grössten deutschen Verlags, dessen Auslandsengagements und Übervater Axel Springer.

Gut so
(freitag.de, Martin Böttger)
Muss Fernsehen denn wie Fußball sein?

“Die Quelle schweigt”
(fr-online.de, Volker Mazassek)
Wenn ein Sender wie ProSieben sich an der Historie versucht, wird es schon mal unfreiwillig komisch.

Standhafte Reporter im Sturm
(sf.tv, Video, 0:59 Minuten)
Viele europäische Fernsehstationen haben ihre Korrespondenten mitten aus dem Sturm ins Studio zugeschaltet. 10vor10 zeigt, wie die Reporter gegen die Sturmböen ankämpfen.

The last word
(nytimes.com, Video, 2:29 Minuten)
“Hi, I’m Art Buchwald and I just died”

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Blick Online erhält gefälschte Leserbriefe

Ronnie Grob, 18. Januar 2007 um 11.30 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Auf Seite 8 berichtet der Blick heute über ein Mail, das am Dienstagnachmittag um 15:04 Uhr auf der Onlineredaktion eintraf. Der Absender: ciriaco.sforza at fcl.ch. Inhalt: ein geharnischter Leserbrief “mit bitterbösen Worten” an Blick Online, in dem sich ein Ciriaco Sforza “über die jüngste Berichterstattung zu seiner Person beklagt”.

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