Die Wirtschaftskrise kommt ungebremst in den Anzeigenabteilungen der Verlage an. Nachrichten über entlassene Mitarbeiter oder eingestellte Titel werden mittlerweile im Tagesrhythmus verkündet. Jetzt hat es auch die Park Avenue erwischt.
Keine wirtschaftliche Zukunft: Das nennt der Verlag Gruner und Jahr (G+J) als Grund für das Ende seines Gesellschaftsmagazins. Park Avenue war 2005 in Erwartung der deutschen Vanity Fair gestartet worden und schwankte - ähnlich wie das Konkurrenzmagazin - heftig zwischen biederem Klatsch und dem eigentlichen Anspruch des “Premiumsegments”.
Wenn sich der politische Mainstream nach einigen Jahren in ein Rinnsal aus kaltem Kaffee verwandelt hat, dann sind plötzlich rückblickend Einsichten möglich, welche die aufgeblähten Selbstgewissheiten vormals Zeitgemäßer uns bisher verstellten. Jetzt, nach dem großen Kladderadatsch der Finanzkrise, verdunsten wieder mal alte Überzeugungen wie Frühnebel in der Sonne. Mir öffneten sich gestern die Augen, als ich - um abgelagerte Prophetien zu prüfen - in einem Buch blätterte, das vor zwei Jahren den ominösen ‘neuen Patriotismus’ in der Bundesrepublik begründete: Es geht um Matthias Matusseks‘Wir Deutschen’. In ihm sprang Matussek in einem lockeren Flicflac über den großen Auschwitz-Graben hinweg, um uns die attraktiveren Postkartenmotive der deutschen Geschichte vor Augen zu führen. Auf dass sich die toitsche Brust selbstbewusst wieder weiten möge.
Das Fernsehen beeinflusst das Ergebnis von politischen Wahlen: Ein ernster Vorwurf, eine sachliche Diskussion mit den Herren Graupner und Müller-Meisenbach aus der Politik.
Die Printverlage glauben, sie handeln schlau, wenn sie Journalismus online vernachlässigen. Doch die Klickibunti-Strategie führt geradewegs in die Zerstörung ehemals stolzer Marken.
Wir haben uns daran gewöhnt. Unter dem Druck der Werbewirtschaft rennen die werbetreibenden Online-Teilnehmer Messgrössen nach, die zwar die aufgenötigten Klicks (Page Impressions) und die SEO-Investitionen (Unique Visitors) ausweisen, aber nichts über die Zufriedenheit der Leser oder die Qualität des Dargebotenen aussagen. Doch man kann es drehen und wenden, wie man will, zurzeit sind das die Anforderungen, denen auch diese Website unterworfen ist.
Die Strategie der meisten Printverlage lautet darum so: “Weil wir online nicht so viel Geld verdienen, wie wir das offline über Jahre gemacht haben, investieren wir dort nur in das Nötigste.” Und das Nötigste erscheint den Meisten, den Anschluss nicht zu verlieren an die, die bei den Messgrössen die Nase vorn haben. Derweil verdienen sie mit ihrem Kerngeschäft, dem Verkaufen von Anzeigen neben redaktionellem Inhalt auf gedrucktem Papier, immer weniger Geld.
Kampagne mit Stofftier: Es liegt schweigend herum – und soll den Wert der Zeitung transparent machen. Aber wie bloss soll das mit den aktuellen Kampagnen gelingen?
Handelt es sich bei einem Grossteil der Leser von pnp.de, dem Onlineauftritt der Passauer Neuen Presse, um Kinder? Es muss so sein, denn anders kann man sich den Auftritt der “Zeitungsente” Paula Print nicht erklären (Video auf pnp.de, 15 Minuten).
Wohlfühl-Heft mit grünen Themen: Das Schweizer Magazin Gruen setzt auf Ökologie und Ethik. Gesucht wird ein umweltbewusster Lebensstil – ohne mahnenden Zeigefinger.
Sanfte Medizin, sexy Mode aus Biostoffen und umweltschützende Hollywood-Stars: Das Schweizer Magazin Gruen wendet sich an die vielgepriesene Zielgruppe der Lohas. Diese Liebhaber eines nachhaltigen und gesunden Lebensstils (”Lifestyle of Health and Sustainability”) geben ihr in überdurchschnittlicher Menge vorhandenes Geld für gute Qualität aus, wollen das Richtige tun, die Umwelt retten – aber nicht auf Fortschritt und lustvollen Konsum verzichten. Klar, dass solche Leute Kaufratgeber brauchen, Orientierung im Produkt-Dschungel. Was in Deutschland nicht recht funktionieren mochte – Burdas Ivy kam über zwei Testausgaben nicht hinaus – wird nun in der Schweiz versucht: Mit ecoLife und Gruen suchen gleich zwei grüne Magazine umweltbewusste Käufer. Die erste Ausgabe von Ringiers Gruen haben wir uns näher angeschaut:
Schlammschlacht per Pressemitteilung: Erst feuert der Herausgeber den Chefredakteur, jetzt schmeißt die Redaktion hin. Krise beim Face-Magazin – nach nur drei Ausgaben.
Wie eine Seifenoper stellt sich die Krise beim Face-Magazin derzeit Außenstehenden dar, Herausgeber und Redaktion fetzen sich öffentlich per Pressemitteilung. Überraschend gab Herausgeber Mike Kuhlmey Ende Oktober die Kündigung von Chefredakteur Johannes Finke bekannt – da sind gerade erst drei Ausgaben des Popkultur-Magazins erschienen. “Wir sind betroffen und enttäuscht aber entschlossen, den guten Start des Face Magazin durch nichts und niemanden gefährden zu lassen. Herr Finke hat, durch verschiedene und gravierende Fehltritte, die fristlose Kündigung letztlich selbst herbeigeführt und wird jetzt mit den Folgen leben müssen”, so Kulmey in der Pressemitteilung, die der Branchendienst DWDL.de damals zitierte.
Das neue Aussehen von Zoomer.de entspricht praktisch einem Entwurf, über den die Nutzer der Nachrichten-Community im Sommer abstimmen konnten – und über den die Web-Gemeinde lästerte.
Was waren wir Anfang Juli erschrocken, als die Redaktion von Zoomer.de die Nutzer über ein neues Design abstimmen ließ. Eines der beiden Konzepte wurde jetzt umgesetzt. Damals schrieben wir: “Die Anordnung der weiteren Elemente auch nur zu beschreiben fällt schwer, so konzeptlos wirkt sie. Gibt es hier überhaupt irgendein Raster? Ist die Lesbarkeit einer Überschrift überhaupt ein Kriterium gewesen?”
Für eine Handvoll Euro: Bloggerjobs.de, eine Stellenbörse für Online-Schreiber, steht zum Verkauf. Die Seite sei einfach zu erfolgreich, schreibt Gründer Andreas Gerads im Blog – nun fehle ihm die Zeit für das Projekt.
Die “Stellen”-börse Bloggerjobs.de steht zum Verkauf, wie Gründer Andreas Gerads im Blog mitteilt. Gerads hat nicht mehr genug Zeit für die Seite – was den Umkehrschluss nahe legt, dass sich die ganze Chose schlicht nicht lohnt. Dabei schreibt Gerads selber von “positiven Vorzeichen”, darunter “im Schnitt täglich ein neues Job-Angebot” und “sehr zufriedene und professionelle ‘Kunden’”. Immerhin 15.000 Seitenaufrufe konnte Bloggerjobs.de im vergangenen Monat verzeichnen, nun wartet er auf finanzielle Angebote für die Übernahme der “starken Domain” mit ihren “stabilen monatlichen Werbeerlösen”.
Frauenversteher, Ruhrbarone, Blog-Blog: Nachdem die letzte Folge sich auf Blogs kaprizierte, die zum Thema Finanzkrise schreiben, geht es in dieser Folge wieder höchst bunt und unfokussiert zu, so wie es der Blogosphäre am besten entspricht.
1. Methusalem Kino: Da hätten wir - erstens - das Methusalem Kino< des Herrn Bruzard, der manchmal wochenlang schweigt, dann wieder die Frequenz hochfährt, immer aber höchst unterhaltsam ist, zum Beispiel dann, wenn er seine subjektive Meinung über die Redeweise von Frauen unters geneigte Volk streut, bevor er unweigerlich vom Knöcksgen aufs Stöcksgen kommt: » weiterlesen
Die Wirtschaftskrise kommt ungebremst in den Anzeigenabteilungen der Verlage an. Nachrichten über entlassene Mitarbeiter oder eingestellte Titel werden mittlerweile im Tagesrhythmus verkündet. Jetzt hat es auch die Park Avenue erwischt. » weiterlesen
Hans-Jürgen Jakobs beleuchtet mit einem Buch Probleme bei sueddeutsche.de, Ueli Haldimann will sich vom Tages-Anzeiger nichts vorschreiben lassen und "die Bild-Zeitung führt sich auf, als ob ihr die Bundesrepublik gehört". Die Presseschau. » weiterlesen
Nach dem großen Kladderadatsch der Finanzkrise verdunsten wieder mal alte Überzeugungen wie Frühnebel in der Sonne – Zeit, Matthias Matusseks Buch "Wir Deutschen" erneut zu lesen. » weiterlesen