Peter Sennhauser (41) war schon lange online, bevor das World Wide Web die Medienwelt auf den Kopf zu stellen begann. Als Lokaljournalist in der Region Basel, Parlamentsberichterstatter beim Berner “Bund” und Ressortleiter “E-World” der Wirtschaftszeitung “Cash” interessierte er sich genauso für politische Konsequenzen und gesellschaftliche Auswirkungen der Digitalisierung wie als Vollblut-Geek für technisches Spielzeug.
Seit 2004 lebt und arbeitet Peter in San Francisco am Eingang zum Silicon Valley. Seit März 2007 ist er als vollamtlicher Chefredaktor von Blogwerk verantwortlich für alle Blogs.
Peter ist erreichbar unter

Alle 101 Artikel von Peter Sennhauser auf medienlese.com:
Die vierte Macht?
Kurzserie: Was unterscheidet Blogging von Journalismus? Weshalb beklagen sich Blogger, von den Medien nicht ernst genommen zu werden? Welche Wechselwirkungen bestehen?
Der Einfluss des Internet auf die Gesellschaft wird häufig mit dem des Buchdrucks verglichen. Beides hat den Zugang zu Wissen radikal verändert.
Das Internet hat die erste Revolution um mehr als eine Dimension erweitert: Es ermöglicht jedermann den Zugang zur “Öffentlichkeit” von beiden Seiten. Wir sind keine “Lesen-” Kultur mehr, sondern eine “Schreiben und Lesen-Kultur”, wie es Lawrence Lessig ausdrückt (unbedingt empfehlenswert: Sein Buch “Freie Kultur”).
Wir haben nicht nur plötzlich auf Knopfdruck Zugriff zum Weltwissen und können uns Minuten nach einem Ereignis bereits die ersten Videos darüber auf Youtube angucken. Plötzlich sind wir alle Verleger, Redaktoren, Filmverleiher oder Analysten. Wenn ich mich hier auf Blogger und Journalisten konzentriere, dann nimmt das Internet den Medienleuten einen Teil ihrer “Gatekeeper”-Funktion weg und verleiht ein bisschen was davon allen, die Lust haben, ein Blog zu schreiben.
Die “Vierte Macht” ist plötzlich mächtiger, aber sie liegt nicht mehr in den Händen einiger weniger. “Macht” wird in diesem Zusammenhang mit “Öffentlichkeit” gleichgesetzt: Wer Zugang zu “den Massen” hat, kann sie für eine Sache mobilisieren.
Und hier liegt das Missverständnis. Die eigentliche “Macht” lag nämlich schon immer bei “den Massen” und nicht bei jenen, die als Gatekeeper funktionierten. Nur weil jemand die Menge an “Öffentlichkeit” beeinflussen kann, das eine Sache hat, heisst das noch lange nicht, dass er auch kontrolliert, was das Publikum damit anfängt. » weiterlesen
Wer Ultimaten stellt, hat sie gefälligst einzuhalten
Kurzserie: Was unterscheidet Blogging von Journalismus? Weshalb beklagen sich Blogger, von den Medien nicht ernst genommen zu werden? Welche Wechselwirkungen bestehen?
Der Mann empört sich über die “unreflektierte Weise”, in der ein Radiobeitrag angeblich Sexualität diskutiert, er regt sich auf über die “Pornografisierung des Alltags” und “Doppelmoral” und unterstellt dem Journalisten, die traditionelle Zweierbeziehung herabzuwürdigen. Er verlangt eine Antwort des Radioredaktors und erklärt, er werde diese in seinem Blog veröffentlichen.
Der Radioredaktor nimmt sich die Zeit für eine ausführliche Antwort und schickt sie dem Blogger. Er wartet einen, zwei, drei Tage auf die Publikation, dann versucht er, einen Kommentar zum Blog zu setzen - nur um festzustellen, dass die Kommentarfunktion des Blogs gesperrt ist.
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Kleine Lektion zum Unterschied zwischen “Augenschein” und “Berichterstattung”
Deutliche Worte eines irakreisenden US-Politikers: Nach drei Tagen in Bagdad weiss Ron Nehring, Vizepräsident der kalifornischen Republikaner bereits, welch verzerrte Sicht der Dinge die seit Monaten oder Jahren “eingebetteten” Journalisten dem US-Volk präsentieren.
Nehring nach einem Besuch im Parlament:
“Alle, die ich getroffen habe sind gute Leute, ehrlich daran interessiert, ein neues Land für eine neue Generation zu bauen. Das unterscheidet sich stark von dem, was wir im TV sehen, wo üblicherweise die Spaltung der Gesellschaft und die Schwierigkeiten bessere Einschaltquoten garantieren als Berichte über Fortschritt.”
Der übliche journalistische Terminus für Reiseberichtlein ohne tiefer gehende Recherche heisst “Augenschein”. Journalisten kennzeichnen damit transparenterweise Kurzreportagen im Bewusstsein, dass oberflächliche Eindrücke interessant, aber häufig weit von der Realität entfernt sind.
Drei Tage nach seiner Medienschelte steckt Nehring in Bagdad im Chaos fest und fängt an, Quoten zu bolzen:
“Seit meiner Ankunft hier am letzten Sonntag ist mein Gepäck verloren gegangen, Autobomben sind ausserhalb des Gebäudes explodiert wo ich referierte, Mörserfeuer war immer wieder zu hören, Flüge wurden abgesagt, und jetzt herrscht sogar Unklarheit darüber, wann ich überhaupt die Möglichkeit haben werde, nach Kalifornien zurückzukehren.”
Letzteres hat den wackeren Politiker wohl seine positive Sicht kurzfristig einbüssen lassen. Inzwischen ist Nehring aber gemäss LA Times auf dem Weg nach Hause.
Heute-Chefredaktor Bernhard Weissberg weilt in den USA - und plaudert Geheimnisse aus.
Die globalisierte Welt ist klein. Und die Klimaerwärmung ist global. Das ist die grossartige Erkenntnis von “heute”-Chefredaktor Bernhard Weissberg anlässlich einer USA-Reise. In seinem Beitrag von Welt auf dem “Heute”-Blog erfahren wir, dass Herr Weissberg in Chicago weilt, mit dem Immigration-Officer geplaudert hat, von einer Limo abgeholt wurde (oha!) und Lara, Kalle und Mauro kennengelernt hat.
Eigentlich handelt es sich ja um eine Studienreise des Weltverbands der Zeitungen über “Trends bei Zeitungen und im Internet”. Aber über diesen Kram wird ja schon soooo viel geschrieben.
Da sind Flughafenerlebnisse weit spannender. Dabei müsste Herr Weissberg für gewinnbringende Erkenntnisse “bei Zeitungen und im Internet” gar nicht so weit reisen. Eine Tramfahrt zur Konkurrenz am Stauffacher oder einfach nur ein Blick ins Blättchen ergäbe zweckdienliche Hinweise. 20 Minuten sucht originelle Gratisblogger im Publikum.
Vielleicht sollte “heute” das auch tun.
“Kramer”-Darsteller Michael Richards verliert sich in rassistischen Angriffen in einem Club in LA. Jerry Seinfeld nutzt seinen Auftritt bei Letterman, um Richards eine Chance für eine öffentliche Entschuldigung zu geben.
Sieht aus wie eine tragische Geschichte mit einer Prise wahrer Freundschaft: Nachdem Michael Richards, besser bekannt als “Cosmo Kramer” aus der Kult-TV-Serie “Seinfeld”, in einem Comedy Club in Los Angeles vollkommen ausflippte und sein Publikum als “Niggers” und “Motherfuckers” beschimpfte, opferte Jerry Seinfeld seinen zufällig für den Tag danach angesetzten Auftritt bei Late-Night-Star David Letterman, um Richards via Satellitenschaltung Gelegenheit für eine Entschuldigung zu geben.
Während das Publikum anfänglich ob Richards’ ungelenkem “mea culpa” (”Ich bin kein Rassist, das ist das Entsetzliche an dem Vorfall - meine Auftritte sind meist ausser Kontrolle, ich arbeite viel aus dem Stegreif”) noch lachte, wurde binnen Sekunden die Tragik des Moments klar, als Seinfeld darum bat, nicht zu lachen. Am Ende der Schaltung sagte Letterman gezwungen locker: “Ok, der Tag ist gelaufen, jetzt können wir eigentlich heimgehen”, und trifft den Punkt damit, obwohl die Show erst begonnen hat: Die Stimmung ist hin.
Zwei Dinge sind offensichtlich: Richards ist erledigt und kämpft um den Rest seiner Karriere, und Seinfeld bricht die Regeln Hollywoods.
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Rupert Murdoch hat O.J. Simpsons Buch “Wenn ich es getan habe” gestoppt: Die gedruckten Exemplare werden vernichtet.

Der Medienmogul hat sich öffentlich bei den Hinterbliebenen von O.J. Simpsons ermordeten Ex-Frau und ihrem Liebhaber entschuldigt für den Schmerz, den ihnen die Ankündigung des Geständnis-Buchs bereitet habe. Simpsons Buch “If I did it” war in der Buchhitparade auf Amazon.com als Vorverkauf bis auf Platz 13 vorgerückt. Amazon bezeichnet das Werk derzeit als “nicht lieferbar”, fordert die Kundschaft aber auf, die Webseite regelmässig zu konsultieren, für den Fall, dass das Buch wieder erhältlich würde.
Die Rechte für das Werk liegen nämlich nicht bei Murdochs News Corp, sondern bei der Skandalverlegerin Judith Regan und ihrer Firma Regan Books.
Das “Interview”, das Regan persönlich mit O.J. geführt hatte und welches kommende Woche auf Fox’ Netzwerk von TV-Stationen hätte ausgestrahlt werden sollen, ist ebenfalls zurückgezogen worden: Über 200 mit Fox verknüpfte lokale TV-Stationen hatten entschieden, an Stelle des Skandal-Gesprächs andere Sendungen auszustrahlen.
Allerdings ist kaum daran zu zweifeln, dass das Interview auf irgendeinem Kabelkanal und kurz darauf auf Youtube auftauchen wird. Und mit ebensolcher Sicherheit wird das Buch demnächst im Internet - oder einzelne Exemplare zu exorbitanten Preisen auf Ebay - auftauchen werden.
[Nachtrag: Die Begeisterten Kommentare auf Fox' Webseite sind an Ironie kaum zu übertreffen. Ein Zuschauer erklärt: "Ich habe jahrelang versucht, meine linken Freunde davon zu überzeugen, dass Fox ein echt ausgewogener Sender ist - jetzt habe ich den Beweis, dass bei Euch intelligente Leute arbeiten! Danke!" Kein Komiker der Latenight-Shows von Leno über Letterman bis zu Craig Ferguson auf den andern Networks konnte sich den Scherz sparen, dass es fast so unmoralisch ist von Fox, Kapital aus dem Rückzug zu schlagen, wie es für Simpson gewesen wäre, aus dem Geständnis-Buch Gewinn zu erzielen. Letterman: "Das Interview hätte den Titel getragen: "Wenn ich es gewesen wäre, hätte ich es so getan", und Fox erklärt jetzt, "Wenn wir das Interview ausgestrahlt hätten, hätte es so ausgesehen..."]
Der Ex-Schauspieler, der seine Frau nicht ermordet hat, lässt sich über sein Buch “Falls ich es getan hätte” interviewen.

Am 30. November soll OJ Simpsons Buch in den Handel kommen (”If I did it”), und bereits spekuliert Amerika, was den des Mordes freigesprochenen Sportler / Schauspieler dazu bewogen haben könnte, ein derart konfuses Buch zu veröffentlichen.
Die eine Hälfte ist überzeugt, dass der Mann ganz einfach spinnt. Die andere denkt, er sei nicht ganz richtig im Kopf. Und alle bestellen sofort online.
OJ’s Werk liegt in diesem Moment auf Rang 32 der Verkaufsliste von Amazon.com - ausschliesslich via Vorbestellungen - passend zwischen einem Ehe-Ratgeber und einem Kochbuch.
Schlimmer noch als das Buch scheint aber das einzige Interview, das der gesellschaftlich geächtete Simpson dem TV-Sender Fox (aus dem Hause Murdoch) gewährte. Befragt wird er darin übrigens von Judith Regan. Sie ist - was für ein Zufall! - die Herausgeberin des Buchs. Bunt vor Neid, springt die Regenbogenpresse mit Hasstiraden auf ihren Frontseiten auf den rollenden Mega-Verkaufszug auf.
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Hier findet sich ein eher uninspirierter Zusammenschnitt der letzten dreihundertsiebenunsechzig Macworlds, anlässlich derer Steve Jobs auf der Bühne “Boom!” sagte.
“rmoisescot” hat sich einen Haufen Arbeit gemacht, aber irgendwie erreicht das youtube-Filmchen einfach nicht die Dichte, den Rythmus und den Witz der Kürzest-Fassung des Hollywood-Kultfilms “the Big Lebowski”.
Unbedingt empfehlenswert (abgesehen von ein paar nicht jugendfreien Ausdrücken. Genau genommen, einem einzigen.) 134 Sekunden pures Vergnügen, hervorragend editiert.
Heisse Titelgeschichte des virtuellen Reuter-Büros in Second Life: Ein Programm vernichtet reale Werte in der Cyberwelt.
Grosse Aufregung in der virtuellen Welt der MUD (Multi-User-Dimension) “Second Life”, die erst kürzlich nach einem New York Times Artikel in allen (realen) Blättern als das nächste grosse Ding gefeiert wird: Die Parallel-Ökonomie, in der täglich für hunderttausende von US-Dollars nicht existierende Ländereien und Gegenstände gehandelt werden, hat ein Krebsgeschwür. Ein OpenSource-Programm erlaubt es, jegliche Gegenstände in der Cyberwelt zu kopieren, wie das (reale) Reuters-Büro in der virtuellen Welt berichtet. Das ist deshalb äusserst problematisch, weil das “Spiel” tatsächlich eine Art Parallelwelt darstellt, in der mit echtem Geld virtuelle Dinge gehandelt werden, die andere erschaffen haben.
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Die Völkerverbindende Wirkung von Blogs - und Werbung
Na also: Google Ads auf medienlese.com Verbinden West mit Ost. Nebenstehendes Inserat ziert jedenfalls heute unsere Seite, und ein Klick darauf führt zur Blogging-Serviceseite von blog.6rb.com, die arabisch sprechenden Kolleginnen und Kollegen Blogs in einer rechts-nach-links- Umgebung anbietet.
Ein Blick auf die Seite durch Googles Übersetzungsdienst fördert zu Tage, dass die Themen im orient auch nicht anders sind als bei uns.
Aber die blumige Sprache scheint für ein Computerprogramm doch ein bisschen zu viel zu sein, jedenfalls lautet die Beschreibung des Service in Googles Übersetzung so:
Code is a special page you a service by presenting a brutally easily registration and obtaining the name given you this way
blog.6rb.com/YOUBlog.6rb.com/YOU
Kleine Stolpersteine mal ausgenommen, das ist doch durchaus verständlich, wenn auch nicht brutal easy. Langsam wird es Zeit, Al-Jazeeras Webpage täglich via den Google-Babelfish anzugucken. Ronnie, das wär was für 6vor9…?