Peter Sennhauser (41) war schon lange online, bevor das World Wide Web die Medienwelt auf den Kopf zu stellen begann. Als Lokaljournalist in der Region Basel, Parlamentsberichterstatter beim Berner “Bund” und Ressortleiter “E-World” der Wirtschaftszeitung “Cash” interessierte er sich genauso für politische Konsequenzen und gesellschaftliche Auswirkungen der Digitalisierung wie als Vollblut-Geek für technisches Spielzeug.
Seit 2004 lebt und arbeitet Peter in San Francisco am Eingang zum Silicon Valley. Seit März 2007 ist er als vollamtlicher Chefredaktor von Blogwerk verantwortlich für alle Blogs.
Peter ist erreichbar unter

Alle 101 Artikel von Peter Sennhauser auf medienlese.com:
Grad eben hat Tamedia dem Schweizer Nachrichtenmagazin “Facts” den Stecker rausgezogen, da kündigt Geschäftsleiter Martin Kall eine neue Zeitung seines Verlags an, “noch in diesem Jahr.”
Nachdem er der “NZZ am Sonntag” im Interview diesen Happen hingeworfen hat, stellt er dann aber auf stur:
“Ein neues Gratisblatt?”
“Es ist zu früh für weitere Auskünfte.”
Ach so. Aber nicht zu früh, mal alle zum Spekulieren zu bringen. Gut gemacht, Herr Kall!
Mit einem TV-Sender und einer grossen Gratiszeitung ist diese Rechnung schon mal aufgegangen: Konkurrenzprodukt ankündigen, bis die andern vor Angst klein beigeben (Beim TV-Sender hat das etwas länger gedauert als bei der Gratiszeitung, für welche eine grosse Redaktion eine Nullnummer basteln durfte und dann, nachdem der Konkurrent in die Knie gezwungen wurde, noch vor dem ersten Druckgang aufgelöst wurde).
Auf wen hat man es denn diesmal abgesehen?
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In den USA schrammen viele namhafte Blätter dicht an der Grenze zur Gratispublikation. Auflage ist alles, aber ganz gratis darf man offenbar nicht sein.

Gleich vorneweg: Ich habe (noch) nicht recherchiert, wie es sich in den USA genau verhält mit Auflage und Beglaubigung ebendieser - aber als Leser fällt mir der Abopreis-Krieg hierzulande auf.
Kaum eine Zeitschrift oder eine Zeitung, die mir nicht Rabatte auf einem Abo anbietet, welche bisweilen die Frage aufwerfen, warum man mich überhaupt noch mit einer Rechnung belästigt und mir nicht einfach die Publikation zustellt. Der New Yorker, eine überaus erfreuliche Postille, die wöchentlich mit einem Füllhorn an journalistischen Glanzleistungen und hervorragend recherchierten und geschriebenen Texten gefällt, ist da trotz “78 %” Einsparung noch recht konservativ, immerhin kostet mich das Abo einen spürbaren Betrag.
Andere gehen da viel weiter:
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Nach der Schliessung von Facts gibt es in der Schweiz noch nicht einmal mehr ein Produkt mit dem Potential, den Bedarf nach qualitativ hochwertigem Hintergrund-Journalismus zu decken. Vielleicht ist der Markt dafür wirklich zu klein. Dagegen spricht die offensichtliche Lust der Deutschen Verleger, sich den reich garnierten Inseratekuchen einzuverleiben.

Im Augenblick ist der grosse Gewinner in der helvetischen Medienlandschaft der Ex-Tamedia-Journalist Roger Köppel mit der auf strengen Rechtskurs getrimmten “Weltwoche” - und das, nachdem den Facts-Mitarbeitern jahrelang gesagt worden war, dass sich alles ändern werde, wenn nur eines der Wochenblätter den Kampf um die Leser aufgebe - was mit Ringiers Entscheid zur Schliessung von Cash vor rund drei Wochen passiert ist.
Das ist doppelt ironisch, indem ausgerechnet Köppels Blatt, das ständig den freien Markt predigt, von den “wirtschaftlichen Zwängen” Ringiers oder dem “Shareholder-Value” einer Tamedia weitgehend befreit ist - stehen hinter ihm doch Financiers, denen mehr an einem politischen Sprachrohr als an einem blühenden Verlagshaus liegt.
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Nach Börsenschluss kam die Einladung zur “Mitarbeiterversammlung”, und aus der Ahnung wurde Gewissheit: Facts macht dicht. Der Verlag stellt der Redaktion trotz deren “Gegenvorschlagsrecht” keine Zahlen zur Verfügung. Ein Insiderbericht zu den Abläufen.
Bereits an der morgendlichen Sitzung, sagt ein Mitglied der Facts-Redaktion, sei irgendwie die Ahnung aufgekommen, dass dies der Tag X ist, an dem Einstellung von “Facts” verkündet werde.
In den vergangenen Tagen hatte die Redaktion von der “Bereichsleiterin Zeitschriften”, Uli Rubner, offenbar mehrfach per Email eine Aussprache zu den anderswo vermeldeten Gesprächen mit dem deutschen “Spiegel” über eine Kooperation verlangt und die Antwort erhalten, zu Gerüchten nehme sie nicht Stellung, es werde zu gegebener Zeit Informationen geben.
Im Laufe des Tages hätten sich die Anzeichen gemehrt, dass etwas im Gange sei, sagt unsere Quelle. Zuerst habe sich wie ein Lauffeuer die Information verbreitet, dass die Inserenten von “Facts” über Veränderungen informiert worden seien, dann, dass der “Tages-Anzeiger”, das Flaggschiff der Tamedia, angehalten worden sei, sechzig Zeilen auf der Front frei zu halten - damit, sagt unsere Facts-Informantin, sei die Sache am frühen Nachmittag intern gegessen gewesen.
Die Gewissheit kam nach Börsenschluss um 17.30, als zu einer Mitarbeiterversammlung eingeladen wurde.
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Weitere Neuerung auf medienlese.com: Nach der “Aktuellen Diskussion”, den “populärsten” und “ähnlichen Artikeln” bietet das Blogwerk-Blog jetzt auch einen bequemen Weg, interessante Artikel an Bekannte weiterzugeben.

Wir Blogwerker ruhen keine Sekunde, das Lesevergnügen und die Bequemlichkeit unseres Publikums zu verbessern, zermartern unsere Hirne und programmieren in wochenlanger Arbeit downloaden immer wieder praktische Zusätze für unsere Software “Wordpress”.
Der neuste Coup ist dieser kleine Briefumschlag am Anfang und am Ende jedes Postings - ein Klick darauf macht die schnelle und einfache Weiterleitung eines Artikels an einen Bekannten oder eine Bekannte möglich, der/die sich für das Thema interessiert - oder gleich an alle fünf (so viele Mailadressen können auf einmal eingegeben werden). Und das dürft ihr gerne mit all unseren Texten machen (jeweils im Abstand von acht Minuten pro Mail, denn als Spammer wollen wir nicht verschrieen werden).
Es ist dies die jüngste Neuerung auf medienlese.com, nachdem wir vor einigen Wochen schon die etwas schwerfällige Liste der “Neusten Kommentare” durch die weitaus übersichtlichere Version “Aktuelle Diskussionen” ersetzt haben, die - nebenstehend rechts - anzeigt, welche Beiträge am heftigsten kommentiert werden, und mit verblassenden Namen der Autoren auf das Alter der Rückmeldungen verweist.
Ausserdem haben wir - auch das dürfte den wenigsten aufmerksamen Lesern und Leserinnen entgangen sein - die “populärsten Artikel” aufgelistet. Auch wenn Hitparaden die Tendenz haben, sich selber zu befruchten und die “top ten” deswegen kaum mehr wegzukriegen sind: In diesem Fall sollte das nicht passieren, weil die Liste auf die letzten dreissig Tage beschränkt ist (oder vielmehr auf den laufenden Monat, was etwas unpraktisch ist und was wir auf die letzten dreissig Tage anzupassen versuchen. Kann noch etwas dauern.)
Ausserdem haben wir an jedes Posting die drei nächstverwandten Artikel angehängt, die - zumindest nach Ansicht der Software, welche die Auswahl trifft - mit dem behandelten Thema des Textes zusammenhängen. Die Treffsicherheit lässt vielleicht manchmal noch zu wünschen übrig. Aber auch das hoffen wir mit der Zeit fein zu justieren.
Stewart Butterfield entschuldigt sich für Flickrs Vorgehen und sein Schweigen - und liefert den Hack zur Umgehung der Zensur.

Aus dem Blog von Flickr-Sprecherin Heather Champ: Die Europa-Reise des Flickr-Teams ist von der fröhlichen Lancierungsparty zur endlosen Telefonkonferenz verkommen.
Stewart Butterfield, der Gründer der von Yahoo übernommenen Foto-Webseite Flickr, hat sich endlich zur Kontroverse rund um die “Zensur” der Fotoseite für deutschsprachige Kunden verlauten lassen. Fazit: Wir hören Euch zu, aber wir können derzeit leider nichts Substantielles zur Diskussion beitragen. Und: Schweizer und Österreicher können auf eine neue Yahoo-ID ausweichen…
“Wir haben nichts verlauten lassen, weil wir bis zum jetzigen Zeitpunkt nichts Substantielles anzukündigen oder Neues zu sagen haben. Wir könnten regelmässig posten, um zu sagen, dass es “nichts Neues” gibt, aber ich zweifle daran, dass das etwas helfen würde.
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Kolumnist und Ex-Cash-Produzent Martin «Hauzi» Hauzenberger liefert drüben im Medienspiegel einen Einblick in die Vorgänge bei Teilschliessungen des Blattes zu früheren Zeiten.
Er warnt in der Rubrik «Mediensatz» vor dem, was er «ein Stück Betroffenheitsjournalismus» nennt, und erzählt dann von der Abschaffung der CASH-Produktion: Jener Abteilung von Textschmieden, die heute noch bei grösseren Wochenzeitungen und Magazinen Texte veredeln, auf den Punkt bringen, Titel setzen etc. und für deren häufig sehr gelungene Spitzen Cash berühmt und für die gelegentlichen Schüsse übers Ziel hinaus wohl auch berüchtigt war; nicht zuletzt derer die Wochen-Wirtschaftszeitung aber in den 90ern im Zusammenspiel mit aufgewecktem Journalismus dafür gesorgt hatte, dass auf den Wirtschaftsressorts der Tageszeitungen bald ein frischer Wind wehte, Kapazitäten aufgestockt und verstaubte Zahlenbeigereien durch engagierteren Journalismus ersetzt wurde.
Hauzis Augenzeugenbericht:
Das Ende der Produktion war schon ein Jahr zuvor geplant gewesen, und man hatte sich dafür ein Beraterbüro angelacht, das die Abläufe in der Zeitung untersuchte und, oh Wunder, zum Schluss kam, die Produktion könne problemlos abgeschafft werden. Bei der entscheidenden Sitzung fragte der damalige stellvertetende Chefredaktor, ob ihm die externen Berater kurz definieren könnten, was die Produzenten bei «Cash» für eine Funktion hätten. Die teuren Analysten wussten es nicht zu sagen. Sie verfassten anschliessend einen neuen Bericht, in dem die Produktion als USP, als Stärke, von Cash dargestellt wurde. Ein Jahr später wurde sie trotzdem abgeschafft, und Chefredaktor Dirk Schütz hielt kurz darauf fest, die Redaktion mache jetzt mit weniger Leuten ein besseres «Cash».
Hauzenberger tönt auch an, dass solche Umstände der Qualität der Arbeit nicht wirklich zuträglich sind und die letzten Ausgaben der Wochenzeitung die Moral der Truppe wohl widerspiegeln dürften.
Ich möchte dem mein eigenes Stück Betroffenheitsjournalismus anhängen. Ich war damals auch dabei, und kurz vor- oder nach der Schliessung der Produktion (ich bin im Moment zu faul müde, nachzugucken) wurde auch der Kulturteil aufgelöst (zu dem das von mir verantwortete E-World gehörte, das aber noch ein bisschen weiterexistieren durfte). Und was die vier betroffenen Kolleginnen und Kollegen zum letzten Erscheinen ihres Bundes - nach der offiziellen Kündigung -ablieferten, durfte sich sehen lassen: Eine von vorne bis hinten sorgfältig aufgebaute Sammlung von Artikeln, Aufsätzen und Analysen zum Stichwort “Ende”, war es ein hochwertiges «Extrablatt». Eine trotzig-stilvolle Abschiedsvorstellung.
Warum nur sehen Microsofts Produkte häufig so viel schlechter aus als die von Apple, was genau macht denn eigentlich den Reiz der Geräte aus, der Verpackungen, des ganzen “Look And Feel”, das es schafft, eine Gemeinde beinahe Jobs-höriger Kunden Jünger hinter sich zu vereinen?
Dieses Video zeigt eindrücklich, woran’s liegt (der dreiminütige Streifen ist selbst ein absolutes Meisterwerk und macht virtuosen Gebrauch von einer überaus lustigen Musik und dem nicht minder lustigen Trendsprech von Werbern und Marketingmenschen. “Ich würde sagen, das hat Regalpräsenz”, zum Beispiel.) Es wird einem multitalentierten Coder, Webdesigner und Typographen namens Patrick Corcoran zugeschrieben. Und meiner Meinung nach müsste es in den Pflichtkanon eines jeden Design- oder Marketinglehrgangs aufgenommen werden.
Na klar:
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Im Auftrag seines Herrchens schiesst Mr. Lee Fotoreportagen seiner Tagesabläufe. Dem Kater gelingen sensationelle Dokumentationen. Es ist Katzen-Bürgerjournalismus der Extraklasse.
Ein Tag im Leben einer deutschen Katze - was gibt es spannenderes, als herauszufinden, was unsere zweitbesten Freunde auf ihren Ausflügen jeweils so treiben?
Dank Mr. Lee, dem schleichenden Katzen- Reporter, wissen wir es jetzt.
Sie sitzen unter Autos und warten auf bessere Zeiten. Sie hängen mit andern Mietzen ab oder gockeln gegen Mitbewerber an. Sie schleichen in Nachbars Garage, erkunden gelandete UFOs und lassen sich von Gartenschläuchen und echten Schlangen erschrecken.
Mr. Lee steht unter Vertrag von Jürgen Perthold. Er ist bereits mindestens der zweite Kater, der sich journalistischer Tätigkeit verschrieben hat: In Los Angeles schiesst «Squeaky» bereits seit 2006 gar ganze Videofilme seiner Ausflüge. Dass die wirken wie LSD-Trips ist kaum der Fehler der Katze.
Mr. Lees Bilder allerdings erfüllen gewisse künstlerische Ansprüche, weshalb wir uns zu einer Publikation durchgerungen haben. Das ganze Portfolio ist auf Jürgen Pertholds Webseite zu finden, die es dank der spektakulären, poetischen und teils fotografisch bemerkenswerten Bilder binnen weniger Tage zu Weltruhm gebracht hat.
Durchaus verdient, wie wir finden:
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Der Texaner Ron Paul ist der republikanische Aussenseiter im US-Wahlkampf. Der Kriegsgegner wird von den Medien systematisch totgeschwiegen - und vom Publikum favorisiert.
Er ist gegen eine Rolle der USA als Weltpolizei, er hat gegen den Krieg gestimmt, er sieht die Gründe für 9/11 nicht im Kampf der Kulturen, sondern in der amerikanischen Aussenpolitik, und ob Schwule in der Armee akzeptiert werden müssten, diese Frage stelle sich für ihn gar nicht: Laut Verfassung müssten alle Menschen die gleichen Rechte haben - Punkt. Der Texaner Ron Paul ist der Querschläger unter den republikanischen Präsidentschaftsanwärtern. Die Partei und Fox News bezeichnen ihn als verkappten Demokraten, das Publikum sieht in ihm den Gewinner der 1. und der 2. Debatte der konservativen Anwärter auf die Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2008.
Vor allem aber wird Paul von einigen Massenmedien anscheinend systematisch totgeschwiegen. Nach ABC und Murdochs MySpace hat jetzt auch die TV-Kette CNN Hunderte von Kommentaren für den unbequemen Kongressabgeordneten einfach gelöscht - weil offenbar der Redaktion die Publikums-Abstimmung nicht in den Kram passte.
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