Peter Sennhauser

Peter SennhauserPeter Sennhauser (41) war schon lange online, bevor das World Wide Web die Medienwelt auf den Kopf zu stellen begann. Als Lokaljournalist in der Region Basel, Parlamentsberichterstatter beim Berner “Bund” und Ressortleiter “E-World” der Wirtschaftszeitung “Cash” interessierte er sich genauso für politische Konsequenzen und gesellschaftliche Auswirkungen der Digitalisierung wie als Vollblut-Geek für technisches Spielzeug.

Seit 2004 lebt und arbeitet Peter in San Francisco am Eingang zum Silicon Valley. Seit März 2007 ist er als vollamtlicher Chefredaktor von Blogwerk verantwortlich für alle Blogs.

Peter ist erreichbar unter

 

Alle 101 Artikel von Peter Sennhauser auf medienlese.com:

Maulwurf-Reporterin muss fliehen

Peter Sennhauser, 5. August 2007 um 11.38 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Nicht sonderlich raffiniert stellte sich eine Produzentin der Sendung “Dateline” des US-Networks NBC an der Hacker-Konferenz “Defcon” in Las Vegas an: Sie wollte inkognito recherchieren, wurde enttarnt und musste in einer dramatischen Szene fliehen.

So können Karrieren enden: Wer mit wallraff’schen Methoden vorgehen will, sollte sich gut tarnen - und sich vielleicht als Objekt seiner Undercover-Aktion nicht unbedingt die besten Hacker der Welt aussuchen. Sonst kann es sein, dass sich die Kameras ihm zuwenden und er (oder vielmehr sie) zum Gespött der Welt wird.

Michelle Madigan, eine associate Produzentin von NBCs “Aufdeck”-Sendung “Dateline” (berühmt-berüchtigt für Lockvogel-Aktionen mit als Kindern auftretenden Chatteilnehmern, die Pädophile in Häuser locken, wo sie vor laufender Kamera zuerst interviewt und dann verhaftet werden), wollte an der in Las Vegas stattfindenden “Defcon”-Hacker-Konferenz einen Beitrag über die Verbandelung von Regierungsagenten mit der Hackerszene recherchieren.

» weiterlesen

Bei Scoop:
Sprachwechsel

Peter Sennhauser, 4. August 2007 um 11.19 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Wenn inmitten einer rein schwedischen Webseite ein einziger Artikel auf Englisch publiziert wird, wissen die Leser: Das ist ein internationaler Scoop. Im Mutterhaus IDG hat man begriffen, dass Primeurs in der vorherrschenden Websprache vermarktet werden müssen.

cs1

Die Stockholmer Firma Medison hat mit der Ankündigung eines Notebook-Computers für rund 150$ oder 100? internationales Aufsehen und Skepsis erregt. Am Freitag hat sie mit einer Pressekonferenz nachgedoppelt und dabei kaum Glaubwürdigkeit gewonnen - jedenfalls laut Online-Artikel der schwedischen Zeitschrift “Computer Sweden” (CS). Das wissen wir nicht, weil wir schwedisch verstehen, sondern weil CS den Text als einzigen auf ihrer Webseite auf Englisch publiziert hat - zwischen Schlagzeilen wie “Sex vägar till succé” und “Med storebror i fickan” und ausgestattet mit dem üblichen Kommentarfeld und der Einladung “Senaste Kommentarer
Bli först att tycka till om denna artikel!”.

Das Vorgehen macht durchaus Sinn, zumal anzunehmen ist, dass die Webmaster des Blattes clever genug sind, die Story automatisch nur den Surfern mit ausländischen IP-Adressen auf Englisch anzuzeigen. Bezeichnenderweise führt die Geschichte die Hitliste der “Mest läst just nu”-Artikel an:

» weiterlesen

Sennhausers Filmereien

Peter Sennhauser, 1. August 2007 um 9.17 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Irgendwie kommt der Film in der Blogosphäre viel zu kurz. Deswegen ausnahmsweise mal ein bisschen Vettern- (oder viel mehr Brüdern-) Wirtschaft. Aus aktuellem Anlass: Im Tessin geht grade das internationale Filmfestival von Locarno über die Leinwände.

Mein cineastisch geschädigter Bruder Michael (nein, das auf dem Bild ist jemand anders, der sich verkleidet hat - © Warner Bros), der beim Schweizer Radio DRS seinen Lebensunterhalt mit dem verdient, was er seit dem achten Geburtstag am meisten getan hat - im Kino zu sitzen -, hat ein Filmblog lanciert.

Hier gibt’s nicht nur Besprechungen von neuen Hollywoodschwarten und Indie-Fundstücken, sondern auch Nachrufe auf Ingmar Bergman, Michaelangelo Antonioni, Stücke aus der Schweizer Filmpolitik oder ganz einfach Geschmacklosigkeiten eines Korrespondenten am Festival von Cannes (am Mittelmeer? Du meine Güte). Oder Ankündigungen kommender Web-Link-Wellen.

Immer wieder stecken auch Audioschnipsel in den Blogeinträgen - immerhin wird hier das visuelle Medium Film von einem Mitarbeiter eines Audio-Mediums behandelt. Und wer’s gleich ganz ohne Buchstaben (allerdings in Hochdeutsch versetzt mit Schwyyzertüütsch) haben will, kann sich den Filmpodcast von DRS runterziehen.

Sennhausers Filmblog
Filmpodcast von Radio DRS

Don Alphonso :
“Nicht pauschalisiert”

Peter Sennhauser, 15. Juli 2007 um 9.34 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

In der Kommentarspalte schon ausführlich abgehandelt, hier nochmals die “Berichtigung”, wie sie auch die Sonntagszeitung auf Rainer Meyers Intervention hin abgedruckt hat, zum Text “Schwätzer gegen Wadenbeisser” (online noch ohne die Korrektur des Namens und die Entgegnung von Don Alphonso):

“BERICHTIGUNG

In dem Artikel «Schwätzer gegen Wadenbeisser» in der Ausgabe vom 8. Juli berichtete die SonntagsZeitung, der in der deutschen BloggerSzene als «Don Alphonso» bekannte Journalist Rainer Meyer (im Artikel fälschlicherweise als Meier geschrieben) habe seine Standeskollegen pauschal als «zynische Dreckschweine» bezeichnet. Meyer legt Wert auf die Feststellung, dass er diese Betitelung nicht pauschal an alle Journalisten gerichtet, sondern im Zusammenhang mit käuflichen Medizinjournalisten verwendet habe.”

Das Aus für Webradios

Peter Sennhauser, 13. Juli 2007 um 9.07 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Seit gestern ist das Webradio in den USA akut vom Aussterben bedroht: Extreme Tantiemenforderungen der Musikindustrie machen die grösste Plattform für unbekannte Künstler kaputt.

Ein Appellationsgericht für den District of Columbia in den USA hat gestern die Berufung verschiedener Web-Radio-Organisationen sowie des National Public Radio (NPR) gegen extreme Erhöhungen der Sendetantiemen für kommerzielle Musik durch das “Copyright Royalty Board” abgelehnt. Damit würden ab Sonntag die Gebühren für das öffentliche Abspielen von geschützten Musikstücken (wozu das Webcasting auch gehört) um bis zu 1200 Prozent teurer, und das teilweise rückwirkend. Webradios müssten ausserdem 500 Dollar pauschaler Jahresgebühr bezahlen. Die Anpassungen wurden initiiert von SoundExchange, einer Organisation der Musikindustrie.

Nach Ansicht der Webcaster würde das den Untergang zahlreicher kleiner Webcasting-Betriebe bedeuten, die derzeit rund 7 Millionen Zuhörer via Internet meist mit Sparten-Musikprogramme bedienen.

Die grössten Musikdienste wie Yahoo, Pandora und andere, schreibt die Washington Post, könnten sich die Gebühren zwar problemlos leisten. Viele der kleinen Stationen und Hunderte von Hobby-Discjockeyes müssten ihren Laden dichtmachen - oder haben das schon getan.

» weiterlesen

Der Fürst aus Crunchistan

Peter Sennhauser, 10. Juli 2007 um 7.56 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Macht der Blogger im Silicon Valley ist gross. Und ihr Selbstbewusstsein ist es auch. Vor allem das der Cruncher von Ober-Startup-Macher Michael Arrington, der angeblich stolz ist darauf, dass CEOs in Tränen ausbrechen, wenn er ihnen am Telefon erklärt, dass er sie nicht in seinem Blog erwähnen wird.

Jetzt kündet sein Schreiberknecht John Biggs auf Techcrunch einen Trip nach Ungarn an - und lädt ganz unverfroren “Ungarische folks, die etwas vorzuzeigen haben” ein, sich mit ihm zu treffen - ebenso wie “Sponsoren und/oder Giveaways”, was immer das genau heissen mag.

“Dies gesagt”, fährt der Abgesandte des Königs fort, “Hier ist, was ich erwarte: Das iPhone macht seinen Weg gen Warschau während wir reden, und ich bring eins mit zum herumzeigen und drüber diskutieren. Dann reden wir über den Ungarischen Markt, dann drinken wir ziemlich viel.” … ” Wenn wir genügend Sponsoren finden, könnten wir sogar etwas Alkohol und Gutscheine für anderes ausgeben - also kreuzt die Finger. “

Und der Gesandte fährt fort: “Ich nähere mich dem ganzen eindeutig aus der Gadget-Ecke, aber wenn ihr irgendwelche Web 2.0-Ideen habt, bin ich gern bereit, sie aufs Tapet zu bringen. Der nächste Stop ist Warschau, also schickt mir sofort eine Email, wenn ihr in Warschau seid. Ich mache vielleicht auch Berlin und/oder Prag, wenn wir genügend Interesse haben.”

Und Sponsoren, nicht zu vergessen. Ach ja, und wer den “booze” ausgibt, der kriegt vielleicht eine Extra-Erwähnung in Techcrunch.

Die rasenden Jäger und Sammler sind unterwegs. Und sie recherchieren ganz heftig.

Schwätzer gegen Wadenbeisser

Peter Sennhauser, 8. Juli 2007 um 7.24 Uhr, 13 Kommentare Kommentare

Die Schweizer “Sonntags Zeitung” hat mich gebeten, eine Betrachtung über das Verhältnis zwischen Bloggern und Journalisten im deutschsprachigen Raum zu schreiben. Nach rund zwei Jahren als Blogger und gut zwanzig als Journalist kann ich es nur mit “gespannt” beschreiben. Das verwundert mich umso mehr, als es in den USA längst zu einer Symbiose geworden ist.

Der Text ist drüben im vollen Wortlaut zu finden.

Er hat keins.

Peter Sennhauser, 2. Juli 2007 um 0.17 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Steffan Heuer lebt in San Francisco. Er ist Wirtschafts- und Hightech-Korrespondent des Edel-Business-Magazins “Brandeins” (disclaimer: Er ist zudem ein Freund von mir).

Vor Wochen hat er - unter dem Titel “Die Schnittstelle” - einen äusserst klugen Text darüber verfasst, worin Apples Erfolgsgeheimnis besteht.

Das Fazit ist einfach und verdeutlicht sich derzeit auf unangenehme Weise: Apple ist erfolgreich, weil die Firma ihren Kunden die Freiheit wegnimmt. Denn Freiheit geht einher mit der Qual der Wahl, und wenns um Technik geht, wollen die Leute nicht wählen, sondern mit den Geräten arbeiten. Im Tausch gegen ihre Freiheit erhalten sie Geräte und Programme, die zwar weniger können als andere, aber dafür einfach funktionieren.

Dazu gibts derzeit im iPhone ein sehr prominentes Beispiel.

Also druckt das Schweizer “Magazin” aus eben diesem Anlass den Brandeins-Text in seiner aktuellen Ausgabe nach. Allerdings mit dem vielsagenden Titel “Ich habe was, was Du nicht hast”. Das trifft zwar nicht den Kern des Texts, aber den Kern des Hypes.

Amüsantes Detail:

» weiterlesen

…und jetzt der “Bund”?

Peter Sennhauser, 26. Juni 2007 um 13.20 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Hiobsbotschaft für die Kollegen und Kolleginnen vom Berner “Bund”:

Der Bund Verlag, der die Zeitung Der Bund herausgibt, geht zu 100 Prozent an die Espace Media Groupe über. Die NZZ-Gruppe verkauft Ihre Minderheitsbeteiligung von 40 Prozent.

Das meldet Persönlich.com. Vor drei Tagen habe ich mit einem ehemaligen Bund-Kollegen das Schicksal der Berner Qualitätszeitung diskutiert, und er meinte, solange die NZZ ein Interesse an einer möglichen Lokalzeitungsschiene von St. Gallen nach Bern weiter verfolge, passiere dem Blatt nichts.

Und schon wird weitergepflügt in der Schweizer Medienlandschaft. Inwiefern der “Bund” ins Konzept der neuen Alleinbesitzerin Tamedia passt, die mit der grossen “Berner Zeitung” und dem Tagesanzeiger Synergien sucht, kann sich jeder selber ausrechnen.

Und es folgen die üblichen Sätze:

“Es gab keine Verkaufsverhandlungen der Tamedia oder der Espace Groupe mit der Freie Presse Holding”, erklärt Sprecher Christoph Zimmer gegenüber “persoenlich.com”, “wir bedauern, dass die NZZ mit diesem Schritt zusätzliche Verunsicherung schafft.?

Die Espace will nach eigenen Angaben das Berner Modell mit den beiden Zeitungen Berner Zeitung und Der Bund auch im Rahmen der neuen Aktionärsverhältnisse unter den gleichen wirtschaftlichen und publizistischen Kriterien weiterführen. An der operativen Führung der Bund Verlag AG, die bereits bisher in der alleinigen Verantwortung der Espace lag, ändere sich nichts.

Wir schreiben den 26. Juni 2007.

«Das Magazin» stellt sich der Revolution

Peter Sennhauser, 26. Juni 2007 um 12.21 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

“Die Revolution, die keine war” ist ein Aufsatz von Guido Mingels im Magazin überschrieben (erschienen 2005, neu aufgelegt im Online-Magazin 2007). Er rechnet ab mit “15 Jahren Internet” und provoziert heute mehr als vor zwei Jahren.

Mingels’ Fazit: Das Internet ist nur ein Werkzeug. Gesellschaft und Politik sind weitgehend unberührt. Nur der Konsum ist noch bequemer geworden.

Wie wahr. Es ist genau wie mit der Erfindung des Verbrennungsmotors. Nichts hat sich geändert, die Bauern haben lediglich die Pferde durch Traktoren ersetzt…

Es ist mehr als ein Detailfehler des Texts, dass 2005 nicht das Internet, sondern das Web knapp 15 Jahre alt war: Wer nur an der Oberfläche guckt, wird den Golfstrom im Ozean nicht erkennen.

Wir Journalisten sind dafür verantwortlich, dass die Menschheit Neuerungen noch immer genau gleich begegnet wie vor Jahrhunderten: Mit anfänglich völlig überrissenen Erwartungen, einer mittelfristigen Enttäuschung und einer langfristig tauben Blindheit für die wahren Umwälzungen - und ihre Folgen. Nur so sind Behauptungen zu erklären wie jene, der Buchdruck, die Elektrifizierung oder das Automobil habe die Welt nicht massgeblich verändert.

Veränderungen kommen IMMER später als wir glauben, und sie sind IMMER stärker als wir erwarten. Das sagt der renommierteste (und bescheidenste) Zukunftsforscher im Silicon Valley, Paul Saffo.

» weiterlesen

 
slug blogoscoop