Ole Reißmann (Jahrgang 1983) ist in Großhansdorf bei Hamburg aufgewachsen und hat an der Universität Bremen Politikwissenschaft gelernt.
Zurzeit studiert er Journalismus an der Hamburg Media School. Er hat in schon in einigen (großen) Redaktionen in Hamburg, Berlin und München mitgearbeitet und arbeitet als freier Journalist. Seit August 2007 schreibt er für medienlese.com, im Dezember wurde er verantwortlicher Redaktor.
Ole ist erreichbar unter

Alle 285 Artikel von Ole Reißmann auf medienlese.com:
Wir blicken zurück und präsentieren Euch zum Jahresabschluss die bestgeklickten Texte und heißesten Diskussionen. Außerdem haben wir im Verlauf des Jahres einige Zeitschriften getestet und Bücher gelesen. Und “in Listen” machen wir auch…
Die bestgeklickten Medienlese-Texte 2007
- Klapper-Meitli Keira Knightley
Die Schweizer Boulevardzeitung Blick bescherte uns mit dieser Bildunterschrift - die uns Anlass zu Kritik gab - Klickrekorde.
- Die 50 besten Zitate übers Internet
Wir haben in den Archiven gekramt und dokumentiert, was Politiker, Journalisten und Unternehmer zum Internet sagen… Nichts für schwache Nerven!
- Kai-Diekmann-Fotoroman in der Titanic
Penis. Penis. Penis.
- Beat Breu narrt Tele Züri mit PR-Aktion
Breu macht Schleichwerbung für Wunder-Wässerchen - und später stellt sich auch noch heraus, dass es sich eher um Natronlauge als um einen Jungbrunnen handelt.
- “Das Schweigen der Quandts”
Ohne Ankündigung lief eines Abends diese Dokumention im Ersten. Wir waren wenige Stunden zuvor auf der Premiere beim Hamburger Filmfest.
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Nicht schon wieder “Citizen Kane”: Fünf garantiert gute Filme über Journalisten und Journalismus und Hinweise auf vier Kandidaten, die es (noch) nicht auf die Liste geschafft haben.

1. The Insider (1999)
Reporter Bergman überredet einen Insider der Zigaretten-Industrie in der CBS-Sendung “60 Minutes” auszupacken. Erst gibt es Ärger mit dem mächtigen Konzern, dann mit den Managern des Fernsehsenders: “Are you a businessman? Or are you a news man?” Ein ruhiger, bedrückender Film in Doku-Optik. Al Pacino und Russel Crowe spielen fantastisch, Michael Mann führte Regie. Dazu Musik von Lisa Gerrard, Pieter Bourke und Massive Attack. Hier ein Trailer.
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Über die Tagesschau-Kritik von Walter van Rossum berichtet heute die Frankfurter Rundschau (Hans-Hermann Kotte: “Diese Suppe soll die Welt sein?”):
“Tagesshow” lautet der Titel des neuen Buches, das auf einem Hörfunk-Feature des Deutschlandfunks beruht und das ähnlich lustig ist wie die “Christiansen”- Schelte.
Und obwohl Chefredakteur Uwe Vorkötter unlängst ankündigte, die Frankfurter Rundschau werde “auch im Netz in eine andere Dimension wachsen”, fehlt leider der Hinweis auf die Internet-Seite des Deutschlandfunks. Im Info-Kasten wird einzig das Buch erwähnt, leider nicht die Radiosendung. Beim Deutschlandfunk gibt es das Hörfunk-Feature als MP3 (41 Minuten) und als Manuskript. Denn was Hans-Hermann Kotte schreibt, klingt interessant:
Und so poltert van Rossum los, kritisiert die “Simulation demokratischer Öffentlichkeit” und “irre Sprachregelungen” im “Premiumbereich der Affirmation”.
Im Tagesschau-Blog poltert Kai Gniffke zurück. “Sollte ich jetzt noch was Inhaltliches zu dem Feature schreiben? Ach was – lesen Sie selbst. Es tut richtig weh.” Dem können wir uns nur anschließen. Van Rossums Polemik hilft, eine Haltung zur “Tagesschau” und ihrer Rolle anzunehmen. Ob man dabei der Kritik ganz oder auch nur in Teilen folgt, ist dabei erstmal egal.
Süddeutsche verkauft, Kiewel gefeuert, erste Pin-Töchter insolvent und Zeit-Archiv geöffnet
Verkauft: Die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH) übernimmt weitere Anteile am Süddeutschen Verlag und damit der Süddeutschen Zeitung. Ende Februar 2008 soll die SWMH 81,25 Prozent am Verlag und damit am “Marktführer unter den überregionalen Zeitungen” (Tagesspiegel) besitzen. Zur SWMH gehören diverse Regionalzeitungen. “Nur der ungleich bekanntere Axel-Springer-Verlag bedient Tag für Tag mehr Leser in Deutschland”, schreibt Georg Merck in der FAS. Dort gibt es auch eine vereinfachte Darstellung der Beteiligungsverhältnisse, mehr über die SWMH beim Manager Magazin.
Gefeuert: ZDF und MDR trennen sich von Moderatorin Andrea Kiewel, nachdem ein PR-Vertrag mit der Firma Weight Watchers bekannt wurde. Bereits seit 2001, so der Spiegel, sei Kiewel im Dienst der Gewichtsabnehmer unterwegs. Die Zusammenarbeit habe sie aber später ihrem Arbeitgeber verschwiegen, so auch einen Vertrag vom November 2006. Ihre Botschaft von Diät-Erfolgen brachte sie unter anderem in den Sendungen “Kerner” und “Riverboat” unter. Im Januar warb sie auch in der Sendung “Lafer! Lichter! Lecker!”, das ZDF sendete versehentlich am Donnerstag eine Wiederholung. Als wäre das nicht schon peinlich genug, muss Kiewel nun ertragen, wie die Bild-Zeitung über sie und ihr Privatleben herzieht (kein Link, deswegen).
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Global mit Monocle, verliebt in Dummy, überrascht von Vnity Fr und auf Zeitreise mit Mare: Jetzt um Weihnachten könnte man, um Familie und Freunde zu besuchen, womöglich eine längere Zugreise vor sich haben. “Jetzt ‘ne Zeitschrift” - aber welche? Vier Vorschläge.

Nicht nur Zeitungen verkaufen ihre Titelseite, auch Magazine können dem Lockruf des Geldes nicht widerstehen: Die aktuelle Ausgabe der Vnity Fr, ähm, Vanity Fair ist mit einem doppelten Cover versehen. Die erste Seite mit ihren fehlenden Vokalen ist Teil einer Werbekampagne von BMW, die so einen neuen Flitzer bewerben. Das Wort “Anzeige” sucht man vergeblich. Das Heft, es trägt die “Nr. 1 / 20. Dezember 2007″, kostet dafür nur einen Anstands-Euro. Kurz nach Neujahr erscheint dann wohl “Nr. 2 / 3. Januar 2008″, die Nummerierung verstehe, wer will. Genug der Nickeligkeiten, denn der Jahresrückblick hat, wie versprochen, wirklich gute und schöne Bilder. Manchmal sind Überschriften etwas arg gewollt (”Bock auf Block!” zum Cruise-Film “Valkyrie”, “Titanische Gefühle” zur “MS Explorer”-Havarie, “Hart, aber Blair”), dafür gibt es die wichtigen visuellen Momente der Zeitschrift in einer Ausgabe gesammelt und die anderen können auf den Speicher oder zu Ebay gestellt werden.
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Die Konkurrenz ist weit abgeschlagen: Spiegel Online verzeichnete im November 2007 durchschnittlich 1811 Visits pro Minute, bei der Netzeitung sind es nur 58.
So unsinnig diese Zahlenspielerei auch sein mag: Sie verdeutlicht den enormen Abstand der Online-Angebote. Wie weit abgeschlagen die Konkurrenz ist, lässt sich am besten mit einer Grafik zeigen. Die Daten dazu kommen von der IVW, die nicht nur die Auflage von Printprodukten zählt, sondern auch die Nutzung von Internet-Angeboten misst. Die beiden maßgeblichen Werte sind Visits und Page Impressions. Ein Visit ist ein “zusammenhängender Nutzungsvorgang”, während dem eine oder mehrere Seiten abgerufen werden (das sind die Page Impressions).

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Informationen gibt’s kostenlos bei den Öffentlich-rechtlichen, für Unterhaltung muss bei den Privatsendern Geld gelassen werden.

Stromberg, KDD, Thadeusz, Wallraff (Fotos: Sender)
Klickt man sich in der ZDF-Mediathek durch die vergangenen Tage, bietet sich immer ein ähnliches Bild: zehn bis 15 verpasste Sendungen können abgerufen werden, darunter mindestens vier Mal die Nachrichtensendung “heute”. Richtig Spaß macht das leider nicht, deswegen habe ich auch erst heute zufällig entdeckt, dass die Callcenter-Dokumentation “Bei Anruf: Abzocke” von Günter Wallraff (unser Fernsehtipp vom 11. Dezember: “Wallraff ruft an”) online in der Mediathek verfügbar ist. Nur direkt auf das Video verlinken klappt nicht, die interne Suchfunktion der Mediathek nach “Wallraff” muss also ran.
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Unser kleines vorweihnachtliches Gewinnspiel ist vorbei und wir haben einen Gewinner: Das Los fiel auf Armin Treitinger aus Theisseil. Er gab uns die richtige Antwort - am 5. Juni bekam der Tagesspiegel eine neue Internetseite - und wir schicken dafür das Gay Talese-Buch “Frank Sinatra ist erkältet” nach Theisseil.
Ab Frühjahr: Spiegel-Archiv wird kostenfrei
(DWDL.de, Uwe Mangel)
“Bezahlinhalte sind weiter auf dem absteigenden Ast - auch beim Spiegel. Dort wird das gesamte Archiv kostenfrei - und Bertelsmann-Lexika-Inhalte gibt’s noch dazu.”
NYTimes Surges, CNet Slumps
(TechCrunch, Erick Schonfeld)
“Ever since the NYTimes.com swept away the last remaining boulders of its subscription pay wall (aka Times Select) in mid-September, its traffic has been going through the roof.”
Eitrige Hitleritis
(taz, Helen Pidd)
“Vor kurzem hat gawker.com ein neuartiges Honorarsystem eingeführt. Die Funktionsweise: Je mehr Hits die Postings eines Redakteurs bekommen, desto besser wird er bezahlt. Die Zahl der online gestellten Texte spielt dabei keine Rolle mehr - genauso wenig wie deren Qualität.”
Medien verhalfen SVP zum Sieg
(Blick, num)
“Den Sieg bei den eidgenössischen Wahlen hat die SVP auch den Schweizer Medien zu verdanken. Diese schrieben nämlich die Partei zum Sieg.”
Wer sieht noch die Tagesthemen?
(FAZ, Michael Hanfeld)
Und jetzt alle: “Die Zeiten, in denen man die Tagesthemen gesehen haben muss, sind lange vorbei.” Oder auch: “Und denken wir nur an die quälend-allabendlichen Kommentare!”
Die Intimität des Lesens
(Miriam Meckel)
“Plötzlich sagte der Nachbar zu mir: ‘Wollen Sie mit mir lesen?’ Ich starrte ihn entgeistert an. ‘Wollen wir nicht zusammen eine Zeitung lesen?’, präzisierte er. ‘Es ist doch etwas eng hier.’ Ich war perplex. Ich war das noch nie gefragt worden. Wenn er gefragt hätte: ‘Wollen Sie mit mir schlafen?’, hätte ich das zwar unverschämt gefunden, aber immerhin doch irgendwie noch im Bereich des Möglichen. Aber zusammen LESEN?” (Tipp von David Bauer, 78s)
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.
Die Reportagen von Gay Talese sind legendär, genau beobachtet und brilliant erzählt. Seine Portraitierung Frank Sinatras, erschienen 1966 in Esquire, war Wegbereiter und Aushängeschild des New Journalism. Auf Deutsch ist eine Sammlung seiner Texte unter dem Titel “Frank Sinatra ist erkältet” erschienen. Wir verlosen ein Exemplar des Buchs.

Gay Talese in deutscher Übersetzung: “Frank Sinatra ist erkältet”
?Frank Sinatra has a cold? ist, so schreibt es Charles McGrath in der New York Times, ?possibly the most famous magazine profile ever written?. Obwohl Gay Talese Sinatra nur zweimal kurz zu Gesicht bekam, schrieb er eine ausführliche und wundervoll zu lesende Geschichte über den Star und seine Umgebung. Er kultivierte ?the fine art of hanging around?, hielt sich um Umfeld Sinatras auf, sprach mit dem persönlichen Umfeld, bemerkte kleine Details – und kleidete seine subjektiven Erfahrungen anschließend in schöne Sprache: ?Sinatra mit Schnupfen ist wie Picasso ohne Farbe, Ferrari ohne Sprit – nur schlimmer.?
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