Ole Reißmann (Jahrgang 1983) ist in Großhansdorf bei Hamburg aufgewachsen und hat an der Universität Bremen Politikwissenschaft gelernt.
Zurzeit studiert er Journalismus an der Hamburg Media School. Er hat in schon in einigen (großen) Redaktionen in Hamburg, Berlin und München mitgearbeitet und arbeitet als freier Journalist. Seit August 2007 schreibt er für medienlese.com, im Dezember wurde er verantwortlicher Redaktor.
Ole ist erreichbar unter
Alle 249 Artikel von Ole Reißmann auf medienlese.com:
Keine Nachrichten: In Griechenland streiken landesweit Journalisten. Sie protestieren damit gegen die Reform der Rentenkassen. Nach einem Gesetz der konservativen Regierung, das bereits Anfang des Jahres verabschiedet wurde, werden seit dem heutigen Mittwoch defizitäre Kassen mit profitablen zusammengelegt. Dreiviertel der rund 150 griechischen Rentenkassen schreibt rote Zahlen – die der Journalisten gehört nicht dazu.
Deswegen befinden sich die Journalisten in Griechenland seit heute Morgen um fünf Uhr im Streik. Statt Nachrichten werden in Radio und Fernsehen Musik, Filme und Videoclips gesendet, berichtet der österreichische Standard. Auch im Internet gibt es demnach heute keine Nachrichten. In Folge des Streiks erscheinen am morgigen Donnerstag außerdem keine Zeitungen.
Ohne Google geht es nicht: Nachrichtenseiten machen viele Klicks, weil sie bei Suchergebnissen weit oben auftauchen. Maßgeblich dafür ist Googles Pagerank – der gerade wieder neu vergeben wurde.
Immer diese Rankings! Länge, Größe, Links – und jetzt auch noch Pagerank. Ja, denn für Nachrichtenseiten ist dieser Wert von großer Bedeutung. Mit dem Pagerank, einem errechneten Wert zwischen 0 und 10, misst Google die Bedeutung einer Seite. Je mehr Links von relevanten Seiten auf eine Seite verweisen, desto wichtiger ist sie. Andersherum vererbt eine relevante Seite durch das Setzen eines Links ihren Pagerank. Über die tatsächliche Qualität einer Nachrichtenseite lässt damit also nichts aussagen.
Aber der Pagerank spielt unter den rund 200 Kriterien, nach denen Google eine Seite bewertet, eine maßgebliche Rolle bei der Platzierung einer Seite in den Suchergebnissen. Grob gesagt: Je besser der Pagerank, desto weiter oben steht das Ergebnis. Deswegen ist der Pagerank von Bedeutung, denn viele Klicks machen Nachrichtenseiten mit Benutzern, die über eine Suchmaschine auf ihre Seiten kommen. Weswegen einiger Aufwand betrieben wird, damit Suchmaschinen richtig gefüttert werden.
Während andere Online-Nachrichtendienste noch den chaotischen Montag – Bayern, Banken, Österreich – sortieren, ist auf Bild.de schon Feierabend: Sex, wohin das Auge giert. Konsequent am Leser ausgerichtet zeigt Bild.de, was Vati wirklich interessiert.
Der Kommentar zum Montag, eingesungen von Sonnendeck-Popbarde und Bachmann-Preisträger PeterLicht. Über die Auswirkungen der Finanzkrise auf das Web – ohnehin der Zeitung Zukunft – haben unsere Kollegen auf netzwertig.com schon vor ein paar Tagen nachgedacht.
Am 6. Oktober ist es soweit: Die Magazine Publishers of America küren in acht Kategorien das Cover des Jahres. Die 27 Finalisten stehen jetzt schon fest.
Unter anderem ist der New Yorker mit “Eliot Spitzer’s Brain” nominiert in den Kategorien “Cover of the Year” und “Best Coverline”. Der Gouverneur von New York trat am 17. März zurück, nachdem bekannt geworden war, dass er die Dienste eines Callgirl-Rings in Anspruch genommen hatte. Auf der Konferenz des Verbands im San Francisco werden die Gewinner bekannt gegeben.
Die aktuelle Ausgabe des Gesellschaftsmagazin Dummy, angeführt von Spiegel-Komplex-Autor und Blattschuss-Blogger Oliver Gehrs, heißt nicht “Neger”, sondern “Schwarze”. Denn die Idee, das nächste Heft so zu nennen, wurde schon früh auf der Internetseite angekündigt. Woraufhin ein kleiner Proteststurm losbrach und der Redaktion “Rassismus, Aufwiegelei, Ignoranz, politischer Amoklauf und sonst was” vorgeworfen wurde, wie es im Editorial heißt. Man wolle niemandem “schon vor dem Lesen vergraulen”.
Das mittlerweile eingestellter Schweizer Nachrichtenmagazin Facts hatte im August 2003 weniger Bedenken bei der Titelwahl. Was natürlich an der Schweiz liegen kann – oder an der mangelnden User-Beteiligung. Hätten die nur mal vorher nachgefragt und abgewogen: Fallen wir auf und brechen ein Tabu, oder nehmen wir doch lieber Rücksicht?
Das ist genau der Moment, in dem einige Unbeirrbare gegen eine vermeintliche “politische Korrektheit” schimpfen, Rücksicht als Schwäche umdefinieren und dabei auf die Regeln eines friedlichen Zusammenlebens pfeifen:
Sie sind genau. Sie arbeiten gewissenhaft. Sie erschaffen Realität. Sie sind Fact Checkers. Dan Beers hat über die heimlichen Helden des Journalismus einen Kurzfilm gemacht – mit Bill Murray in einer Nebenrolle. In “Fact Checkers Unit” wird aus dem tristen Büroalltag der Dokumentare und Rechercheure ein Job für knallharte Ermittler im Außeneinsatz. Wie die Kollegen von “CSI” machen sich die knallharten Checker in schwarzen Blousons mit gelbem “FCU”-Aufdruck an die Arbeit. An einer Straßenecke wartet schon ihr geheimer Informant mit exklusiven Fakten …
Unzählige Blogger revolutionieren den amerikanischen Wahlkampf: Im aktuellen Spiegel beschreibt Klaus Brinkbäumer, wie The Huffington Post und Co. den Politikern die Hoheit über ihre Kampagnen nehmen. In “Der Sieg der Straße” (Seite 117–123) erklärt Brinkbäumer, wie die Huffington Post fast so mächtig wie die Washington Post werden konnte – und dass sich die Nachrichtenzyklen mit dem Internet grundlegend gewandelt haben. Früher habe es noch zwei routinierte Runden Schlagabtausch aus Meldung, Dementi und Diskussion pro Woche gegeben – jetzt gebe es schon zwölf. Pro Stunde.
Der amerikanische Autor David Foster Wallace hat sich am Freitagabend in seiner Wohnung selbst umgebracht, berichtet die LA Times. Seine Frau fand ihn demnach gegen halb zehn Uhr und verständigte die Polizei. Wallace wurde 46 Jahre alt. Neben Büchern, sein bekanntestes ist das epische “Infinite Jest”, schrieb er Essays und Texte für verschiedene Magazine. Kritiker bewunderten seine Kreativität und Energie, stellten ihn in eine Reihe mit Thomas Pynchon und John Irving. Eine Sammlung mit seinen Beobachtungen erschien 1997 unter dem Titel “A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again”, das Buch trägt den Titel seiner legendären detailversessenen Reportage von einer Kreuzfahrt. Seit 2002 war Wallace am Pomona College und unterrichtete kreatives Schreiben.
Warum Googles digitales Zeitungsarchiv praktisch ist, den Verlagen nicht wirklich schadet – sondern schon eher der Gesellschaft, die plötzlich nicht mehr vergessen kann.
Die 20-jährge Eve hat einen Schaukelstuhl mitgehen lassen – und wurde dafür zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach drei Monaten kommt sie frei, ein Foto zeigt sie bei ihrer Entlassung. Schluchzend, die Hand vor dem Mund.
Das war im April 1974, die St. Petersburg Times berichtete. Mit Angabe des vollen Namens. Bisher verstaubte diese Nachrichte in Zeitungsarchiven, entweder im gebundenen Sammelband oder auf Mikrofilm. Jetzt steht die Information im Netz, Google scannt alte Zeitungen ein und macht sich im Volltext durchsuchbar. Marissa Mayer, Google-Vizepräsidentin, stellte das Projekt auf einer Konferenz in den USA vor, und alle sind schon ganz aufgeregt.
Ein Albtraum. Aber nicht für die Zeitungsverleger, die sich entscheiden können, ob sie mitmachen. (Früher oder später machen dann natürlich so viele mit, dass sich Verlage in der Defensive befinden und quasi gezwungen werden … noch ist es nicht soweit, und mein Punkt ist ein anderer:) Eve kann sich nicht entscheiden. Bisher gerieten solche Jugendsünden – wenn es denn nur eine war – wieder in Vergessenheit. Eine Resozialisierung war möglich. Ein Fehler gemacht, mit dem Gesetz in Konflikt geraten, einen einsamen 5-Dollar-Schaukelstuhl mitgenommen: Dumm gelaufen.
Unbequeme Analyse: Kredit wurden der amerikanischen Mittelschicht nicht bloß aufgedrängt – sie gierte förmlich danach, wie Welt Online vom Soziologenkongress berichtet. » weiterlesen
Ein Magazin auf der etwas angestrengten Jagd nach einem Zufall, der nicht nur zufällig, sondern auch noch global und human sein soll. Wir testen den Humanglobalen Zufall. » weiterlesen
Esel und Elefant bieten sich auf der aktuellen Ausgabe des New Yorker die Stirn – die beiden Maskottchen der beiden großen Parteien könnten einem Kinderbuch entsprungen sein. » weiterlesen