Klaus (Jahrgang 1953) lernte früh, sich mit Sprache zu wehren.
So geriet der ausgebildete Historiker an den Journalismus, an das politische Pressesprechertum und - ach! - auch in die Werbung. Heute lebt er als ‘Gebrauchsschriftsteller’ und ‘Ghostwriter’ in Bremen, er verfasst Selbstdarstellungen, Reden, Editorials etc., wozu er den Kunden Worte verleiht.
Seit September 2007 schreibt er außerdem für medienlese.com.
Klaus ist erreichbar unter

Alle 96 Artikel von Klaus Jarchow auf medienlese.com:
Behaupten, Beglaubigen und Sinngeben: In unserer losen Serie über Deutschlands Alphajournalisten widmen wir uns heute FAZ-Herausgeber und Feuilleton-Chef Frank Schirrmacher.
![Frank Schirrmacher (Bild [M] Keystone)](http://medienlese.com/wp-content/2008/03/frankschirrmacher200.png)
Frank Schirrmacher: Methusalem-Komplex? (Bild [M] Keystone)
Schon die Einleitung Frank Schirrmachers zur FAZ-Serie über Kognitionsforschung hat es faustdick hinter den Ohren. Mit Recht hat Malte Dahlgrün im Dummy-Blog, einem immer höchst lesenswerten Patenprojekt von Oliver Gehrs’ Zeitschrift, sofort Laut gegeben . Der Impuls war richtig, nur hat er dabei in meinen Augen noch nicht voll auf die Zwölf getroffen.
Natürlich lässt sich das ebenso nervtötende wie unvermeidliche Geraune und Bedeutungshubern des FAZ-Mannes kritisieren, im Kern aber geht es um etwas anderes: Um die Frage, ob Wissenschaftsjournalismus mit journalistischen Mitteln vom Fortschritt der Wissenschaft berichten soll, oder ob die Wissenschaft die steilen Thesen des journalistischen Feuilletons mit ihrer Autorität bunt drapieren soll. Für letzteres steht Frank Schirrmacher.
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Dieses Wort hat es in sich. Wer den Begriff Contentlieferanten verwendet, degradiert Autoren nicht selten zu bloßen Erfüllungsgehilfen seiner Anzeigenabteilung.
Content? (Bild Keystone)
Irgendwann in den 90er-Jahren ging es los: Statt von ‘Medieninhalten‘ sprachen Menschen, die sich als besonders hip und nerdig verstanden, plötzlich vom ‘Content’ eines Mediums, womit sie die Text-, Sprach- und Bildinhalte meinten. Und aus Blogs und Wikis wurden ‘Content Management Systeme‘.
Gut - könnte man sagen - das kennen wir ja: Das ist die überdrehte Sprache einer technischen Avantgarde, die sich kein Butterbrot mehr in den Rachen stopfen kann, ohne lauthals von ‘Fingerfood’ zu schwätzen. Dann aber kam das Marketing dahergeschlendert, jene geldnasigen Schnüffels mit den flinken Augen also, die hier, in der Neusprachlichkeit, lukrative Geschäftsmodelle witterten. Denn jedes Wort, das wissen sie schließlich am besten, verändert die Welt. Daher ihr unaufhörliches, marketing-typisches Neu-Babbelonisch, ‘damit nicht gleich ersichtlich sei, wo irgendein Profit dabei‘.
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Zitat oder Plagiat: Mit wenig Aufwand wird aus dem geborgten Satz ein eigenes Werk. In der Wissenschaft wird das geahndet – und im Journalismus?

Zitat pfui, Plagiat hui
Ein Ende des BVG-Streiks ist nicht in Sicht, nun droht Berlin auch noch ein Ausstand im öffentlichen Dienst. – Geben Sie’s ruhig zu: Das haben Sie gleich gewusst, dass ich ein ganz übler Plagiator bin. Ich mieser Abschreiberling habe diesen hochbedeutenden ersten Satz aus einem Artikel der Berliner Zeitung vom 14.3.2007 schlicht geklaut. Dieser, mein erster Satz war nichts als ein übles Plagiat.
Hätte ich ihn allerdings wie folgt geschrieben, dann wäre er kein Plagiat mehr gewesen: “Ein Ende des BVG-Streiks ist nicht in Sicht, nun droht Berlin auch noch ein Ausstand im öffentlichen Dienst (BZ)”. Joho, was so ein paar Anführungsstriche mit Quellenangabe doch ausmachen! Das war jetzt nur noch ein Zitat. Was wiederum nicht nur erlaubt ist, was sogar als ein Beitrag zur Kultur gilt:
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Für die Medienmoguln bei Spiegel Online soll der Beck jetzt endlich den Schröder machen. Also schreiben sie sich den ersehnten Abflug herbei. Wie so etwas geht?
Zunächst ist man sich für keine hanebüchene Headline zu schade:
‘SPD stürzt ab - nur noch 20 Prozent’
Kein Mensch weiß zunächst, woher sie solche Zahlen für diese Headline überhaupt bezogen haben. Denn die Fakten lauten selbst beim eingangs erwähnten Zeugen Forsa etwas anders. Was man auch gleich darunter ins Lead schreibt, woraus wir wiederum messerscharf schließen, für wie schlau man bei Spiegel Online die Leser hält:
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Wenn ich behaupte, dass ein Blick in die Geschichte erhellend sein kann, schaut mich eine aufs Hier und Heute gepolte Zeitgenossenschaft zumeist an, als wäre ich der Flatulenz verdächtig. Mancher vermutet sogar einen Guido-Knopp-Komplex bei mir. Dabei liegt es mir fern, in den Farbfilmen des Führers zu wühlen oder Bomberstaffeln hintereinander zu montieren. Ich will an dieser Stelle auch weiter zurück als der Guido, bis zum Sommer 1789, zur großen Französischen Revolution.
Damals reiste einer der ersten deutschen Auslandskorrespondenten, Johann Heinrich Campe, zusammen mit Wilhelm Humboldt ins revolutionäre Paris, wo beide am 4. August 1789 eintrafen, also knapp drei Wochen nach dem Sturm auf die Bastille. Campes ‘Briefe aus Paris’, deren erste Nummern noch im gleichen Jahr im ‘Braunschweigischen Journal’ erschienen, prägten das Bild, das sich die Deutschen von den umstürzlerischen Vorgängen in der Kulturhauptstadt Europas machten, wie keine andere publizistische Quelle; zugleich begründeten seine Texte ein neues Genre: Heine, Börne, Gutzkow, Laube … viele Schriftsteller werden sich in der Folge an ‘Briefen aus Paris’ versuchen, auch um Campes Erfolg zu wiederholen. Der ‘Auslandskorrespondent’ war geboren, auch wenn er damals noch Reiseschriftsteller hieß.
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Voller narzisstischer Kränkungen ist das journalistische Leben, nur der Anlass wechselt: Früher schrieb man mit Herzblut die tollsten Leitartikel – tags darauf war alles Schnee von gestern: Vergessen, vergangen, vorüber, so sah es aus im Leben eines Reporters. Seine grandiosen Texte waren Blätter im Wind.
Dieser trostlose Zustand hat sich noch verschlechtert: Gehörte dem Journalisten früher die Aktualität immerhin für 24 Stunden, so ist inzwischen nichts so alt wie die Zeitung von heute: “If you don’t read a newspaper, you’re never a day behind.”
Quasi zur Kompensation der Kränkung durch diesen unaufhörlichen Sturz alles Schaffens in den Orkus gab und gibt es das Ritual der allmorgendlichen Redaktionskonferenz, wo die Schreiber, einer Ministerrunde gleich, mit bedeutungsvollem Gesicht über dem Seitenplan des kommenden Tages brüten. Als müssten sie, Karl Kraus zum Trotz, die Welt durch schwarze Magie erretten. Meist setzt am Kabinettstisch ‘die Politik’ sich für die Titelzeile durch, nur zur Buchmesse oder aus Anlass einer WM dürfen auch ‘die Kultur’ oder ‘der Sport’ mal einen Hit in den Charts platzieren.
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Der Matthias Matussek, frischerkorener Ex-Kulturchef des Spiegel, ist bekanntlich der Erfinder des Neo-Patriotismus: “Matthias Matussek (* 9. März 1954 in Münster) ist ein deutscher Journalist und Publizist, der durch seinen streitbaren Konservatismus und Patriotismus für Aufsehen sorgt“.
Der Neo-Patriotismus war eine zugkräftige Medienmasche, die recht einträglich lief, damals, als viele unserer inzwischen manchmal recht gnadenbrötlerischen Alphajournalisten jeden besseren Leitartikel mit schwarzrotgüldenen Fähnchen tapezierten und über ein neues deutsches Selbstverständnis jubelten, das endlich - anders als sie - ganz ohne Komplexe sei. Wer also in ihre Fußstapfen treten möchte, wem der Sinn nach Anbiederung an den patriotischen Zeitgeist oder auch nur nach einer karriereförderlichen CDU-Mitgliedschaft steht, dem mag meine Hilfestellung gerade recht kommen.
Da der Herr Matussek in den letzten Monaten vor allem via Videoblog zum Volk zu sprechen pflegt, wobei er die Schriftform arg vernachlässigt, habe ich sein bekanntes Deutschlandradio-Interview, wo er dem Jürgen Liminski seinen neuen Patriotismus am sinnfälligsten erläuterte, als Vorlage für diese Lehrstunde genommen. Ich werde mich dabei bemühen, nicht nur möglichst anschaulich, sondern auch recht freundlich zu schreiben, da der Matthias Matussek ein stadtbekannter Choleriker und Kollerer ist, und mir am Ende sonst ein Leides täte.
Hier also zehn Regeln, um es in fünf Minuten zum Musterpatrioten zu bringen:
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Nur noch Stillstand, Selbstzerfleischung, Langeweile, Werbemüll? Statt jetzt frustriert den Blog-Blues zu schieben lohnt es sich, auf Trüffelsuche durch die Blogosphäre zu ziehen.
Kaum ist beim Bastian Sick und den anderen Sprachnörglern der Glamour verflogen, stürmen die nächsten Misanthropen die Bühne von Blogville. Das, was der Don A. dort schreibt, ist dabei nur ein Beispiel von vielen: In der kleinen Bloggeria Alemania hat die Zeit der Selbstzerfleischung begonnen, der Virus der Sinnfragen grassiert und viele geben sich hemmungslos der Melancholie mit dem Gestus von digital Desillusionierten hin, die stirnlockenwerfend den Zwergwuchs und das viele Mittelmaß beklagen. Allerdings handelt es sich um einen gefühlten Zustand, keinen faktischen. Hier der Jammer in extenso:
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Wenn sich Blogger und Journalisten ineinander verbeißen, dann kommt er mit Sicherheit irgendwann: der wechselseitige Vorwurf der ‘Selbstreferentialität’.

Wir beziehen uns auf uns
Der Schreiber der FAZ mokiert sich dann über ‘den Blogger, der einen anderen Blogger beim Filmen filmt’ - und er vergisst beim Lachen darüber das parallele Phänomen im eigenen Beritt, wo die BILD-Zeitung für den Abdruck von Frank Schirrmachers hessischer FAZ-Wahlhilfe in ihrem Blatt zwei Seiten freiräumt, wo also der eine Journalist dem anderen Journalisten beim Veröffentlichen noch mehr Öffentlichkeit verschafft. Woraufhin die Blogger nach Herzenslust daherpolemisieren und sich wiederum über die Selbstreferentialität des alten Mediensystems lustig machen. Was die getroffenen Journalisten lauthals zetern lässt, weil ihre ‘Selbstreferentialität’ doch angeblich ‘Seriosität’ und ‘öffentliche Verantwortung’ heißt. Manche sagen dazu allerdings auch ‘Kampagne’. Kurzum: Ohne Selbstreferentialität läuft heute nichts mehr - noch nicht einmal auf Journalistenschulen.
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Das eitrig-düstere Zerrbild netzferner Journalisten und die Sehnsucht nach Kommunikation unter Gleichen.
Journalisten kommen mir manchmal vor, als hätten sie alle einen Knick in der Flinte, wenn sie kollektiv auf den Waldrand des Web 2.0 losballern und dabei Nachbars Dackel erlegen. Deshalb zum tausendstenmal, auch wenn ihr’s ewig nicht glauben wollt: Blogger sind (anfangs) nur selten Journalisten, sie wollen (anfangs) mit euren Medien gar nichts zu tun haben, eher im Gegenteil, und sie schreiben (anfangs) aus ganz anderen Motiven. Da ihnen (später) die Unvermeidlichkeit eures mediencircensischen Treibens bewusst wird, lassen sie sich - nolens volens - dann ein Stück weit darauf ein. Beispiel gefällig?
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