Klaus Jarchow

Klaus JarchowKlaus (Jahrgang 1953) lernte früh, sich mit Sprache zu wehren.

So geriet der ausgebildete Historiker an den Journalismus, an das politische Pressesprechertum und - ach! - auch in die Werbung. Heute lebt er als ‘Gebrauchsschriftsteller’ und ‘Ghostwriter’ in Bremen, er verfasst Selbstdarstellungen, Reden, Editorials etc., wozu er den Kunden Worte verleiht.

Seit September 2007 schreibt er außerdem für medienlese.com.

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Alle 104 Artikel von Klaus Jarchow auf medienlese.com:

Sind Blogs eigentlich links?

Klaus Jarchow, 21. Mai 2008 um 13.00 Uhr, 29 Kommentare Kommentare

Wenn es eines Beispiels für das Böse der Blogosphäre bedarf, muss regelmäßig ‘Politically Incorrect’ herhalten. Man könnte meinen, Bloghausen sei ein brauner Sumpf - die Frage sollte aber besser heißen: Sind Blogs eigentlich links?

Wenn man den Berichterstattern der Holzmedien trauen darf, gilt: Blogs sind die Heimstatt aller Kryptofaschisten und notorischen Wortmüllproduzenten, die in den Löchern des spießbürgerlichen Vorurteilswesens auf fette Beute lauern, während sie, die gebenedeiten Redakteure, wie Engel über jenem dahinduftenden Mordor tief unter ihnen schweben. Wenn sich allerdings jemand wirklich auskennt, lautet die Antwort anders.

Mit Parteipolitik hat die Blogosphäre dabei wenig zu tun. Von welcher Partei auch immer, es gibt meines Wissens bisher nirgendwo ein ernstzunehmendes Parteiblog in Bloghausen. Bezeichnenderweise. Und Angela Merkels Vlog-Versuche gleichen - recht betrachtet - eher einem Anbiederungsversuch an eine wahlstrategisch bedeutsame Zielgruppe, deshalb, weil ‘man das medienpolitisch jetzt auch so macht’, keineswegs aber ist es eine mediale Großtat unter der virtuellen Zirkuskuppel.

In den Augen der Blogger - Bizziniss-, SEO- und PR-Blogger bleiben vorläufig mal außen vor - steht auf der einen Seite so etwas wie ‘die dunkle Macht’. Und ihr gegenüber, nämlich im virtuellen Auenland auf der grünen Wiese, da finden wir die Jungs und Deerns mit den Lichtschwertern - nämlich die Guten, auch Blogger genannt. Ob der Gegner dann Schäuble, Westerwelle, Lafontaine oder Johannes B. Kerner heißt, ist dabei ziemlich humpe. Man nennt das, was ‘böse’ oder ‘dunkel’ scheint, erst einmal ‘rechts’. In Wirklichkeit ist es meist schlicht ‘oben’. Denn Blogger sind eben ziemlich egalitär und anti-elitär, wenn sie nicht gerade elitär sind …

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Serie auf medienlese.com:
Unsere Alphajournalisten

Klaus Jarchow, 20. Mai 2008 um 11.02 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Florian Rötzer: Mein Alpha Romeo!
Der Deutsche Online-Journalismus wäre ohne Telepolis kaum denkbar. Nur leider verliert sich auch Chef Rötzer, der Alphajournalist des New-Media-Zeitalters, bisweilen im Zahlen- und Faktenwirrwarr. (22. April 2008)

Frank A. Meyer: Lilliput putt ?
Wunschwelt-Blasen eines Linkspopulisten: Unser loser Streifzug durch die Welt der Alphajournalisten führt uns diesmal zu Frank A. Meyer, Chefpublizist bei Ringier. (11. April 2008)

Hallelujah: Schirrmacher macht uns ein Föjetong
Behaupten, Beglaubigen und Sinngeben: In unserer losen Serie über Deutschlands Alphajournalisten widmen wir uns heute FAZ-Herausgeber und Feuilleton-Chef Frank Schirrmacher. (23. März 2008)

Zehn Regeln für angehende Musterpatrioten: Mach mir den Matussek!
Der Matthias Matussek, frischerkorener Ex-Kulturchef des Spiegel, ist bekanntlich der Erfinder des Neo-Patriotismus … Zehn Regeln, um es in fünf Minuten zum Musterpatrioten zu bringen. (23. Februar 2008)

Helmut Markwort: Es gibt nichts Gutes, außer Litotes
Fingerfood für Mittelständler: Focus-Chefredakteur Helmut Markwort schreibt ein öffentliches Tagebuch. In seinem aktuellen Kommentar zur Prügel-Attacke auf einen Rentner in der Münchner U-Bahn spielt er virtuos mit den Fakten. (5. Januar 2008)

Hans-Ulrich Jörges: Im Zauberreich der Alphajournalisten
Wer für ein großes Medium Kolumnen und Editorials schreibt, der darf sich mit Fug und Recht zu den Alphajournalisten zählen. So auch Hans-Ulrich Jörges, Sielwärter und Zwischenrufer beim Stern. Erster Teil unserer losen Folge über Alphajournalisten. (26. Dezember 2007)

Leserbriefe:
Mit Hass gekocht

Klaus Jarchow, 17. Mai 2008 um 10.58 Uhr, 21 Kommentare Kommentare

Wenn im Internet die Hasssuppe überkocht, werden gern die ‘Netizens’ und Blogger in Sippenhaft genommen – dabei sind es meist Kleinrentner und publizistische Gartenzwerge am Zaun zur Netzwelt. Ein offener Brief an Jens Jessen, Feuilleton-Chef der Zeit.

Also, Jens Jessen, ich sympathisierte damals mit Ihnen ja durchaus in der Sache, als Sie, immerhin Feuilletonchef der Zeit, sich nach dem Angriff auf einen Rentner in der Münchner U-Bahn einer Meute aufs Lynchmobben gestimmter Berufskollegen mit einer höchst abweichenden Meinung in den Weg stellten. Ob dieser Videokommentar allerdings klug war, ist eine zweite Frage.

Dass sich daraufhin eine Horde wildgewordener Kleinrentner bei Ihnen im Online-Forum austoben würde, das war abzusehen. Sie allerdings schoben die Verantwortung für deren Verbalinjurien ohne nähere Begründung den ‘Netizens’ zu, den eingeborenen Netzbewohnern also, und nicht jenen Kleingärtnern und Kleingeistern am Rande des Dschungels.

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Anschlag auf Roma in Italien:
Wenn die Medien versagen

Klaus Jarchow, 16. Mai 2008 um 11.33 Uhr, 24 Kommentare Kommentare

Ein aufgebrachter Mob fackelt eine Nomadensiedlung ab – wer sich aus deutschen Medien informiert, könnte bei einigen Meldungen auf die wahnwitzige Idee kommen: Recht so.

Löscharbeiten in Ponticelli bei Neapel (Bild Keystone/Ciro Fusco)‘Die Aufgabe der Medien ist es, Ereignisse begreiflich zu machen, die Hintergründe zu erhellen und zur Aufklärung und zur Völkerverständigung beizutragen’ — Leider, liebe Zuhörer, müssen wir an dieser Stelle unseren Bericht von den Festreden auf dem Bundespresseball unterbrechen. Die Wirklichkeit brennt uns auf den Nägeln und sie sieht anders aus …

So glaubt in Neapel derzeit ein abergläubischer, aufgehetzter Mob fest daran, dass die bösen Roma den ganzen Tag lang kleine Kinder entführen würden, vermutlich deshalb, weil dieses Verbrechervolk an den eigenen Kindern nicht genug hat. Dieser Pöbel ist so fest von seiner fixen Idee überzeugt, wie es einst unsere seligen Antisemiten von ihrem Wahn waren, dass Juden Brunnen vergiften und geschlachtete Säuglinge zu leckeren Matze-Plätzchen verbacken. Folgerichtig fackeln diese neapolitanischen Protofaschisten, legitimiert allein durch ihren Köhlerglauben, ganze Roma-Siedlungen ab - und Berlusconi und die italienische Presse von rechts bis links klatscht zu den brutalen Ereignissen Beifall und macht - zappzerapp! - die Opfer auch noch zu Tätern, indem sie die Pogrome zum Anlass nimmt, unter dem Asylantenpack mal richtig aufzuräumen. Was aber machen unsere Medien derweil - hier, wo alles doch ganz anders ist?

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Sechsmal um den Blog:
Genie, Edelweiß und Wahnsinn

Klaus Jarchow, 12. Mai 2008 um 17.42 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

medienlese.com unterwegs in der Blogosphäre. Weg vom Boulevard der Massen, hin zu den Mikromedien. Nächster Halt: Die literarische Szene Bloghausens.

U-Bahn Alexanderplatz (Bild Keystone)Dies ist die zweite Folge unserer kleinen Reise durch die entlegeneren Winkel und schrofferen Klippen der Blogosphäre. Sechs Blogs, die man als Ausgangspunkt zu weiteren Expeditionen ins Innere des virtuellen Kontinents und zu den Quellen des Nihil verwenden mag. Los geht’s!

Ein guter Ausgangspunkt, um per Blogroll die ‘literarische Szene’ Bloghausens kennenzulernen, ist das Berliner Blog hor.de. Viele der Gedichte dort sind wohl ‘maschinell’, also unter Zuhilfenahme irgendwelcher Algorithmen, erstellt worden, aber die meisten der anderswo hochbedeutsam ‘auf Pösie’ getrimmten Gedicht-Websites schlägt das Ergebnis trotzdem allemal:

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Viel Feuilleton, wenig Feuilletonisten

Klaus Jarchow, 11. Mai 2008 um 10.36 Uhr, 14 Kommentare Kommentare

Eine Theaterkritik macht noch kein Feuilleton: Was sich heute hinter diesem Ressort versteckt, ist oft genug ein Ramschladen journalistischer Versicherungsschäden.

Eine Theaterkritik macht noch kein Feuilleton (Bild Keystone)Es ist so ein Wort, bei dem ich mich ständig vertippe: Feuilleton. Alle großen Zeitungen sind voll davon, doch im Innern ist immer nur wenig Feuilleton zu finden: Diese impressionistisch hingehauchten ‘Blättchen’ vom Baum des Lebens sind fast völlig verschwunden. Woran liegt’s?

Hauptsächlich wohl an einem Missverständnis. Bloße Kritik ist noch lange kein Feuilleton. Stellt eine Zeitung also die Buchrezensionen, die Theaterkritik, die Vernissagen-Berichte und die Reportagen aus der Belgrader Dancefloor-Szene unter den Schriftbalken ‘Feuilleton’, dann hat sie wohl der Pop-Literatur und allen möglichen anderen Absolventen der Geisteswissenschaften eine mediale Heimat gegeben, sie hat aber noch lange kein Feuilleton geschaffen. Genrebewusstere Zeitungen schreiben daher auch ‘Kultur’, ‘Theater’, ‘Wissenschaft’, ‘Reisen’ oder ‘Modernes Leben’ über ihre entsprechenden Spalten. Mit anderen Worten: Aus vier Seiten DNA-Code wird im Leben kein echtes Feuilleton.

Theodor Lessing, einer der wenigen wirklichen Feuilletonisten, die wir in Deutschland kannten, schrieb selbstbewusst, weil er beides konnte:

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Wellness-Texte ohne Substanz:
Hilfe, die Fluffies kommen!

Klaus Jarchow, 7. Mai 2008 um 16.26 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Sie bereiten nur Schaumspeisen zu: Die Fluffies, anzutreffen vor allem in der PR-Branche. Sie schreiben Sabbersätze mit scheinbarer Plausibilität, wollen bloß keinem weh tun und haben stets ihre Karriere im Blick.

Coffee
Mit Schaum kennen sich die Fluffies aus (Bild journeyscoffee)

Bei mir im Lehrgang war er der Sympathiko - mit viel Schlag bei den Frauen. Buchstäblich jede und jeder mochte ihn: “Genau das ist mein Problem“, gestand er mir dann auf der Abschlussfeier als gegen Mitternacht der Alkoholpegel die Promillegrenze durchbrach: “Jeder schätzt mich. Ich bin rundum beliebt, und ich stoße nirgends auf Kritik oder Ablehnung. Weißt du eigentlich, wie schlimm das ist?” Dabei heulte er dann fast. “Was manche Leute für Probleme haben“, dachte ich und erinnerte mich an Goethe: “Ein Lump, wer keine Feinde hat!“. Dann spielte ich aus pädagogischer Verantwortung solange den großen Tröster, bis ich jemanden fand, an den ich den Patienten weiterreichen konnte.

Seither aber fällt mir dieser Typus auf, den ich für mich ‘Fluffy’ nenne, nach dem amerikanischen Wort für ‘Schaumspeise’. Besonders in den Public Relations sind die Fluffies allgegenwärtig - und sie werden auch immer zeittypischer.

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Politikjournalismus:
Wer ist denn hier apolitisch?

Klaus Jarchow, 28. April 2008 um 12.49 Uhr, 18 Kommentare Kommentare

Politik. Die Leser wenden sich mit Grauen ab – doch warum nur? Liegt es an der Mediendemokratie, in der Berichterstattung und Politik nicht mehr voneinander trennbar sind? Ein Erklärungsversuch.

Bundespressekonferenz
Bundespressekonferenz in Berlin: Danach ins Borchardt? (Bild Keystone)

Das Publikum ist der ideale Sündenbock: Schleicht der Mime ohne Beifall von der Bühne, dann hat natürlich die dumpfe Zuhörerschaft schuld, weil diesem Denkpöbel dort draußen vor dem Orchestergraben doch jedes Organ für die wahre Kunst fehlt.

Ähnlich ist es, wenn der vereinigten Verlegerschaft die jungen Leser wegbrechen: Natürlich ist dann die abnehmende Lesefähigkeit verantwortlich. Bleiben immer mehr Wähler zu Hause, angesichts der Nichtwahl, die ihnen geblieben ist, dann holt der Kommentator die ‘Politikverdrossenheit’ als ‘medialen Mülleimer’ aus dem Schrank. Wenn ferner Leser die Einheitsberichterstattung im Politteil ihrer Zeitung nicht mehr goutieren, wenn sie deren Ansicht einfach nicht mehr teilen und den Abverkauf einstellen, dann haben sie ein demokratisches Defizit. Sagt jedenfalls Jürgen Habermas. So einfach ist das, wenn man es sich einfach macht. Die Schuld aber beim Schauspieler zu suchen, käme niemandem unter unseren ‘terrible simplificateurs’ jemals in den Sinn.

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Florian Rötzer:
Mein Alpha Romeo!

Klaus Jarchow, 22. April 2008 um 10.40 Uhr, 12 Kommentare Kommentare

Der Deutsche Online-Journalismus wäre ohne Telepolis kaum denkbar. Nur leider verliert sich auch Chef Rötzer, der Alphajournalist des New-Media-Zeitalters, bisweilen im Zahlen- und Faktenwirrwarr.

Mir ist es verhältnismäßig egal, ob jemand meine politische Positionen teilt. Davon hängt Sympathie nicht ab. So gingen mir die steilen Thesen eines Matthias Bröckers zu Nine-Eleven am Mors vorbei, unterhaltsam waren seine Telepolis-Artikel allemal. So wie ein dicker Abenteuerroman von Sir John Retcliffe, der wiederum ein ultrakonservativer Kotzbrocken aus dem 19. Jahrhundert war, aber ganz ähnlich wie Bröckers vollgestopft mit hanebüchener Weltverschwörung. Was in meinen Augen bei beiden verzeihlich ist, denn sie können schreiben: der rechte Retcliffe wie auch der linke Matthias Bröckers. Und darum geht es letztlich im Buchstabengewerbe.

Bekanntlich ist das Portal Telepolis aus dem Heise-Verlag das Flaggschiff des deutschen Online-Journalismus. Als virtuelle Artikelabwurfstelle für schreibende Nerds und andere Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine vertritt Telepolis eine geopolitisch antihegemoniale und innenpolitisch eine dezidiert altliberale Position, so in etwa, als wäre ein Gerhart Baum noch immer für Datenschutzfragen zuständig. Politisch ist Telepolis mir daher recht sympathisch.

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Nationale Initiative Printmedien:
Schlechte Medizin

Klaus Jarchow, 18. April 2008 um 11.32 Uhr, 15 Kommentare Kommentare

Schuld ist nur die doofe Jugend: Den Leitmedien laufen die Leser weg. Jetzt sollen die Nichtleser mit einer Kampagne zum richtigen Medium geführt werden. Nur wer zeigt den Printmedien den Weg zu potentiellen Lesern?

Zeitungsleser der Zukunft? (Bild KEYSTONE/Photolibrary.com/LISA BATTAGLENE)
Bitte immer schön Zeitung lesen (Bild Keystone)

Miese Argumente treiben mich die Wände hoch. Vor allem dann, wenn sie aus jenem Bereich kommen, wo Tausende von intelligenten Menschen eine ‘Medienlandschaft’ formen. So fiel am 17. April der Startschuss für die ‘Nationale Initiative Printmedien’, von der hier die Rede sein soll. Den Hintergrund bilden die sattsam bekannten Veränderungen dieser Medienlandschaft: vor allem das unübersehbare Baumsterben dort und die Ausbreitung gelber Steppe, wo einst grüne Weiden lagen.

Der Schirmherr der Veranstaltung, der Kulturstaatsminister Bernd Neumann erläuterte uns Sinn und Zweck der Veranstaltung folgendermaßen:

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