Klaus Jarchow

Klaus JarchowKlaus (Jahrgang 1953) lernte früh, sich mit Sprache zu wehren.

So geriet der ausgebildete Historiker an den Journalismus, an das politische Pressesprechertum und - ach! - auch in die Werbung. Heute lebt er als ‘Gebrauchsschriftsteller’ und ‘Ghostwriter’ in Bremen, er verfasst Selbstdarstellungen, Reden, Editorials etc., wozu er den Kunden Worte verleiht.

Seit September 2007 schreibt er außerdem für medienlese.com.

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Alle 96 Artikel von Klaus Jarchow auf medienlese.com:

Lokaljournalismus:
Das Nichtgeschriebene

Klaus Jarchow, 10. September 2008 um 10.26 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Lokalpresse ohne Publikum? (pixelstoiber, CC-Lizenz)

Wenn der moderne Qualitätsjournalismus sich unter anderem dadurch auszeichnet, dass alle das Gleiche schreiben, dass es risikobehaftete Themen gar nicht mehr ins Blatt schaffen, dann fällt es schwer, darüber zu diskutieren. Wie soll man über etwas reden, was doch nirgends schwarz auf weiß zu lesen stand? Die Menschen sind ohne Lokalberichterstattung aufs Gerücht zurückgeworfen. Manchmal gibt es Löcher in diesem medialen Paravent, die einen Blick auf die kommunikativen Folgeprobleme freigeben.

Die taz, die ich hiermit ausdrücklich vom Vorwurf des modernen Qualitätsjournalismus ausnehme, die berichtet am 2. September über eine Lesereise vierer Journalisten durch die schwäbische Provinz. Das Quartett hatte kurzerhand seine gesammelten Filz- und Korruptionsgeschichten, die es nicht mehr in die Tagespresse schafften, zu einem Buch gebündelt, mit dem sie jetzt über die Städte und Dörfer im Reiche Oettinger tingeln.

Was diesen Bericht von einer Lesereise so einzigartig macht?

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Korrespondenten:
Die Blindheit der Alteingesessenen

Klaus Jarchow, 7. September 2008 um 14.25 Uhr, 12 Kommentare Kommentare

Im Kern ist es schon eine interessante Debatte, die der Thomas Knüwer dort angestoßen hat: Ob der Leser besser informiert sei, wenn eine Zeitung einen Korrespondenten vor Ort habe? Ich komme zu einem ähnlichen Ergebnis wie er - dass nämlich diese Wesen oft nur gut für Spesen seien - aber aus anderen Gründen. Denn es ist vor allem die Macht der Gewohnheit, die das afrikanische oder amerikanische Auge der Redaktion über kurz oder lang blind machen wird. Und damit unnütz.

Was erfahre ich als Leser denn mehr, wenn ‘Halbamerikaner’ wie der Gabor Steingart oder der Dieter Degler mir etwas vordenken? Meist sind es doch die üblichen Philosphokastereien darüber, ob der McCain nicht schon ein wenig zu alt für den Job sei, mit den üblichen Querverweisen auf Konrad Adenauer, worüber ich vom heimischen Schreibtisch aus genauso schön hätte sinnieren können. Oder aber ich hätte einfach den Fernseher eingeschaltet, um vom heimischen Ohrensessel aus beim Anblick des Republikaner-Konvents zu solchen Erkenntnissen zu gelangen:
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Boulevardisierung:
Ich nenne es Schweinejournalismus

Klaus Jarchow, 3. September 2008 um 11.21 Uhr, 13 Kommentare Kommentare

(squacco, Roadsidepictures, CC-Lizenz)

Schweinejournalismus ist ein Wort, das ich zunächst strikt privat verwendete. In der Öffentlichkeit ist es üblicher, von der ‘Boulevardisierung des Journalismus’ zu reden. Dieser honorige Ausdruck trifft aber nicht den Punkt, er wickelt die Faust, die endlich mal auf den Tisch hauen müsste, unnötigerweise in Watte.

In der Regel geht es beim ‘Schweinejournalismus’ darum, dass jemand mit einer vorgefassten Story im Kopf sich ein paar wohlgewählte Fakten passend recherchiert, um dann den Balg seiner erfundenen Geschichte damit zu stopfen. Er hat sich sich seine Vorurteile sozusagen selbst bestätigt. Anzutreffen ist dies Verfahren längst bei privaten und öffentlich-rechtlichen Medien gleichermaßen.

Ein besonders krankes Beispiel, veranstaltet von einigen Kollegen Journalisten Schreiberlingen bei “RTL Explosiv”, stellt Stefan Niggemeier zur Zeit in seinem Blog an den Pranger. Es ging in diesem RTL-Beitrag um das ewig aktuelle Thema der ‘bekanntlich’ an jeder Ecke lauernden Kinderschänder, die immer für die höchst erwünschte Quote gut sind. Obwohl gesellschaftlich die Zahl der Fälle von Gewalterfahrungen von Kindern seit Jahrzehnten rückläufig ist, steigt gegenläufig dazu die journalistische Berichterstattung über dies Thema unaufhörlich an:

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Journalistenphrasen - Eine Einführung

Klaus Jarchow, 28. August 2008 um 11.09 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Warum können eigentlich Journalisten nicht so reden, dass ihr Publikum sie auch versteht? Mühsam bimsen sie sich in den Redaktionen eine diplomatisch verklausulierte Fremdsprache bei, die der arglose Bürger am Frühstückstisch erst mühsam rückinterpretieren muss. Dabei könnte alles ganz einfach sein, wie es diese kleine Übersetzungshilfe beweist:

Journalistisch: ‘[XYZ] hat [irgendetwas] scharf kritisiert’.
Alltagssprachlich: ‘[XYZ] maulte noch ein wenig herum.’

Journalistisch: ‘[Irgendetwas] sei keine leichte Entscheidung gewesen
Alltagssprachlich: ‘Nächtelang hätten sie sich vorher die Kante gegeben’.

Journalistisch: ‘[XYZ] werde das Thema … zum Gegenstand … machen’.
Alltagsprachlich: ‘[XYZ] will sich mit dem Thema jetzt selbst profilieren’.

Journalistisch: ‘[XYZ] strukturiert sein Geschäft um‘.

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Mainstreaming media:
Wozu Herausgeber?

Klaus Jarchow, 25. August 2008 um 19.20 Uhr, 26 Kommentare Kommentare

Chefredakteure und Herausgeber waren einst die Wächter über die Qualität des Printprodukts. Online übernehmen diesen Job aber die Leser - wozu also brauchts den “Editor” noch?

Wenn Jeff Jarvis mit dem Finger schnickt, dann sind die Medienseiten der Zeitungen meist voll mit dem angetippten Thema. Diesmal, bei der Frage, weshalb es zukünftig noch Herausgeber bzw. Chefredakteure für eine Zeitung geben müsse, blieb es merkwürdig ruhig im deutschen Blätterwald. Das muss dann wohl an den Herausgebern liegen …

Der Tenor von Jeff Jarvis’ Artikel lag auf der folgender Linie: Der Chefredakteur oder ‘Editor’ sorge üblicherweise dafür, dass der Themenmix stimme, dass keine lästigen Klagen zu erwarten seien, dass die vorgegebene redaktionelle Linie eingehalten würde, dass keine stilistischen Böcke geschossen werden - und er kontrolliere zudem, ob eine Geschichte auch ‘ausrecherchiert’ sei.

Die meisten dieser Funktionen - so Jarvis - würden aber online inzwischen die Mitglieder der Community erledigen, durch die dialogische Struktur der neuen Medien forme sich jeder seiner Artikel wie von selber ‘rund’, wenn man den Thread hinzurechne: “Die Berichterstattung wandelt sich vom Produkt zum Prozess”. Also könne man - angesichts der redaktionellen Sparzwänge - doch als erstes die Position des Herausgebers oder Chefredakteurs abschaffen - und seine Funktion durch einen ‘Community organizer’ ersetzen.

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PR = Journalismus minus X

Klaus Jarchow, 21. August 2008 um 11.38 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Nicht in der sprachlichen Qualität liegt der Unterschied zwischen PR und Journalismus. Er liegt vielfach noch nicht mal in dem, was gesagt wird - sondern in dem, was nicht gesagt wird.

Vorn ist alles weiss. (key)

Wer irgendwo die regionale oder nationale Wirtschaft ankurbeln will, der gründet vielleicht eine kleine Gesellschaft und stattet sie mit Geld für ihre Pressearbeit aus. Denn sonst könnte diese Gesellschaft ihren Satzungszweck ja nicht erfüllen. Dann lädt der Verein - neben anderem Allotria - auch geneigte Journalisten ein, um sein mehr oder minder sittliches Anliegen mit deren Hilfe in die Öffentlichkeit zu tragen. Die vor Ort nach Strich und Faden verwöhnten Edelfedern wiederum berichten zumeist höchst freundschaftlich über ihre generösen Gastgeber. Dieser Vorgang in seiner klassischen Form heißt nach allgemeiner Übereinkunft Public Relations - bzw. ‘eine Hand wäscht die andere’. Oder aber - weil Latein noch vornehmer klingt: Do ut des. Spitze Zungen sprechen von der ‘Schnittchen-Kultur’.

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Sechsmal um den Blog:
Kirchensumpf, ‘adult language’ und massive Phobien

Klaus Jarchow, 20. August 2008 um 12.29 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

medienlese.com auf Entdeckungsreise in der Blogosphäre, auf der Suche nach den Blogperlen.

Der rituelle Rundgang durch Blogville im Monat August: Ich bin immer wieder erstaunt, wie mühelos sich diese Rubrik doch füllt, wenn nicht nur gebannt auf die ‘Alphatiere’ starrt.

Weil mich jemand per Mail danach fragte: Mein Lieblings-Musikblog in deutscher Sprache ist und bleibt Slidetone - unter anderem deshalb, weil es dort eben nicht nur um Musik geht. Der Erzähler, selbst ein Saitenverbieger, wurde einst in CBGB-Wasser getauft, fiel dann wohl die Stooges hinunter und hat dementsprechend mit den Trällermiezen von MTV, mit dem glattgeschleckten Countrypolitan einer gleichgeschalteten Angestelltenkultur oder mit jeder Form von Deppen-Tekkno nicht das Geringste am Hut. Dafür aber gibt es eine beeindruckende Blogroll für weiterführende Expeditionen.

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Zoff bei Tanja-Anjas:
Lügen haben lange Beine

Klaus Jarchow, 13. August 2008 um 10.59 Uhr, 27 Kommentare Kommentare

Petra Sammer ist empört. Sie ist Geschäftsführerin bei einem ‘weltweiten Top-Ten-PR-Netzwerk’, bei der Münchner Ketchum GmbH, und sie will sich nicht nachsagen lassen, dass sie zu einer Berufsgruppe von Rosstäuschern gehöre:

Ganz klar und vollkommen unwissenschaftlich ausgedrückt: ich sehe Täuschung nicht als Teil unseres Berufes und ich hoffe, es gibt Kollegen und Kolleginnen, die diese Meinung teilen.”

Was aber war ihr bloß über die Leber gelaufen? Ganz einfach: Der Kommunikationswissenschaftler Klaus Merten war in Münster auf einem Treffen der Branche aufgetreten, um unter anderem dies zu verkünden: » weiterlesen

Senderstörung:
In-Formationen für Kulturpessimisten

Klaus Jarchow, 10. August 2008 um 12.18 Uhr, 10 Kommentare Kommentare

Angeblich waten wir Netzbewohner knietief durch den Info-Müll; alle Hypochonder tummeln sich jetzt im Netz, statt sich beim Arzt im Wartezimmer den Hintern platt zu sitzen; eine blanke Sklaverei ortet der Spiegel bei jenen Netz-Addicts, die es noch wagen, etwas anderes als Spiegel Online anzuklicken – kurzum: Es herrscht wieder mal High Noon im Dörflein unserer Kulturkritiker. Bald schon werden die ersten von ihnen als Netztherapeuten die Kassenzulassung beantragen. Dabei stimmt an ihrer Diagnose noch nicht einmal das Bild von Information …

Das Internet macht die Berufssparte der Kulturkritiker ganz wuschelig. Ihnen allen schwirrt der Kopf. Allen voran konstatiert Nicholas Carr, der ‘Neil Postman’ des Web 2.0, bei sich eine beginnende Web 2.0-Demenz:

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Journalistische Einfallslosigkeit:
Mehr Format wagen!

Klaus Jarchow, 7. August 2008 um 12.22 Uhr, 32 Kommentare Kommentare

Blogger werden belehrt, dass sie erst journalistischen Stilformen pauken möchten, bevor sie sich einzumischen wagen – dabei brauchen neue Medien neue Formate.

Ob Buchdruck, Rundfunk oder TV - neue Medien brauchen neue Formate. Kaum ein Satz erscheint einleuchtender. Und kaum ein Satz wird im Falle des Web 2.0 weniger befolgt. Blogger müssen sich hier von Journalisten im Netz belehren lassen, dass sie doch - bitteschön! - erst einmal die grundlegenden journalistischen Stilformen aus der Holzhausener Schule pauken möchten, bevor sie sich in den Diskurs der Granden einzumischen wagen. Insofern treffen jene Peitschenhiebe, die der Kollege Jakubetz dort in seinem JakBlog an die realitätsverweigernden ‘Angehörigen der Holzklasse’ austeilt, in meinen Augen einfach nur die Richtigen. Hier ein Auszug aus der Philippika:

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