Klaus (Jahrgang 1953) lernte früh, sich mit Sprache zu wehren.
So geriet der ausgebildete Historiker an den Journalismus, an das politische Pressesprechertum und - ach! - auch in die Werbung. Heute lebt er als ‘Gebrauchsschriftsteller’ und ‘Ghostwriter’ in Bremen, er verfasst Selbstdarstellungen, Reden, Editorials etc., wozu er den Kunden Worte verleiht.
Seit September 2007 schreibt er außerdem für medienlese.com.
Klaus ist erreichbar unter

Alle 96 Artikel von Klaus Jarchow auf medienlese.com:
Derivate: Das Gold vor Augen (Keystone)
Gelegentlich ist schon die Wortwurzel erhellend: ‚Derivare‘ bedeutet im Lateinischen ‚ableiten‘, ‚abfließen lassen‘ oder ‚etwas auf jemand anderen abwälzen‘. Den privaten Anlegern, deren ersparte Werte in den letzten Tagen auf den Deponien des internationalen Bankwesens zu Kompost zerfallen sind, denen kann dies semantische Wissen leider nichts mehr nutzen, jetzt, wo ihr Vermögen dahingeflossen ist.
Festhalten aber lässt sich an dieser Stelle, wie artistisch die Banken mit Euphemismen und mit unverständlichen Begriffen alle Risiken verniedlicht haben und den Flohzirkus ihrer Produkte als Rennstall zum Reichtum ‚aufhübschten‘. Nicht nur, aber auch, indem sie ihre Wettscheine auf den Hochsicherheit suggerierenden Namen eines zertifizierten ‚Zertifikats‘ getauft haben: ‘Certum facere’ - auch das kann höchst doppeldeutig ’sicher machen’ heißen, aber auch ‘in Sicherheit wiegen’ …
» weiterlesen
In Deutschlands Wahrheitsindustrie kläffen die Wachhunde immer noch aus Leibeskräften. Zur Vorgeschichte: Vor einiger Zeit hatte der Münsteraner Kommunikationsprofessor und Konstruktivist Klaus Merten auf einer Fachtagung des Weißwäscher-Gewerbes verkündet, dass alle Kommunikation der Erzeugung von Wirklichkeiten diene und dass sie insofern auch niemals wahrheitsdienlich sein könne, weil die Wahrheit notwendigerweise immer eine Kategorie des Lügners sei - womit er bloß den Systemtheoretiker Heinz von Foerster paraphrasierte. Merten vertrat damit gewissermaßen die forschungstheoretisch avancierte Position in der Kommunikationstheorie, die von ihren Anhängern schon ein wenig mehr Gehirnschmalz verlangt. Jetzt hat dieser Professor Merten dafür nachträglich von den lernunwilligen Verbandsfürsten eine kräftige Watschen erhalten:
» weiterlesen
Nicht die Blogs sind in der Krise, aber die Krise ist überall in den Blogs. Hier eine Zusammenstellung virtueller Klorollen, die sich mit dem derzeitigen Finanzdesaster auseinandersetzen.

(M, iStockPhoto)
1. Der Spiegelfechter: Natürlich führt in Deutschland zunächst kein Weg am ‘Spiegelfechter‘ vorbei, dann, wenn es um eine dezidierte (wirtschafts-)politische Berichterstattung in der Blogosphäre geht. Solch einen Artikel zum Thema ‘isländischer Staatsbankrott’ suchen wir beispielsweise in ganz Holzhausen vergebens. Der Mann ist dabei kein Linker, auch kein Kapitalismuskritiker oder so etwas, er arbeitet an verantwortlicher Stelle für ein kommunales Unternehmen mit beiden Beinen im Marktgeschehen - er ist eben einfach nur anders: Indem er bspw. Argumenten bis zu ihren Quellen nachsteigt, statt sie einfach nur bei den Kollegen abzuschreiben. Oft genug sind dort dann gar keine seriositätshaltigen Quellen mehr zu finden. Kurzum - ein gepflegter Anti-Mainstream gewissermaßen, ein Vademecum für den großen Überdruss des gebildeten Lesers an den journalistischen Klippschulen von ‘Holzhausen’…
» weiterlesen
Was schreiben die ideologischen Leitmedien des Neoliberalismus? Die Richtung, in der ihre Schreiber jetzt das untergehende Schiff zu verlassen trachten, ist ganz unterschiedlich …
Die Financial Times Deutschland, die Frankfurter Allgemeine und Die Welt durfte man mit Fug und Recht allesamt als ideologische Schlachtschiffe des Neoliberalismus in Deutschland bezeichnen. Ganz unterschiedlich aber ist die Richtung, in der ihre Schreiber jetzt das untergehende Schiff zu verlassen trachten.
Wolfgang Münchau ist Associate Editor der Financial Times und gründete Anfang des Jahrtausends die Financial Times Deutschland mit. Er vertraut primär auf das sprichwörtlich kurze Gedächtnis des Publikums. So, wenn er behauptet, dass er als untrügliches Finanzorakel die große Krise immer schon geweissagt habe. Dass er nur ihre Heftigkeit unterschätzt habe:
» weiterlesen
Wehe dem, der noch ohne Popup-Blocker durch das Internet surft: Er wird mit Werbung zugeblinkt und vollgemüllt. Wer hingegen ohne Reklame surft, wird trotzdem als “Klick” gezählt. Damit gerät die Währung ins Wanken.
Popup-Werbehölle (Wikipedia)
Wie ist das eigentlich? Wie Hunderttausende anderer Internetnutzer auch, verwende ich längst einen AdBlocker, scharf gemacht dank einer wohlsortierten und stets aktualisierten Liste mit besonders nervtötenden Anbietern, die dann - von mir unbemerkt - beim Laden schon einen Tritt in den Mors erhalten. So kann ich halbwegs sicher sein, bei meinen Ausflügen ins Netz nicht auf das zu stoßen, was mir grundlegend die Laune verdirbt, was immer nur penetrant nach Aufmerksamkeit geiert und zu diesem Zweck dämlich herumblinkt und wie ein Flummiball über den Monitor springt - und mir dabei doch stets nur die freie Aussicht aufs Internet verstellt.
So dysfunktional nämlich ist unverlangte Werbung - und zwar in jeder Form: Sie vergrault diejenigen, die sie vorgibt, ‘gewinnen’ zu wollen. Aus meiner Perspektive habe ich mich mit meinem Adblocker nur aus berechtigtem Eigeninteresse gegen Unmassen von Info-Müll gewehrt.
» weiterlesen
Notfall (bsabarnowl, CC-Lizenz)
Ralf Schwartz ist kein Journalist. Und auch kein Blogger. Er ist ‘Wirtschaftswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Marketing und Strategische Unternehmensplanung‘, der über Blogger und Journalisten einfach mal nachgedacht hat - gleich in sechs ‘Dimensionen’ und mit einem putzigen Resultat. Immerhin erfahren wir etwas mehr über den Blick der Wirtschaft auf die Medien.
Schwartz denkt von der Marke her. Das heißt, ihm ordnet sich die Welt - um auch mal abstrakt zu formulieren - ‘in medial zu unterstützenden Umsatz- und Imageansprüchen interessierter Anbieter von Waren’. Schließlich hat Ralf Schwartz vom Tierfutter über die Mundpflege bis hin zu Sportschuhen ein weites Spektrum von Konsumgütern auf dem Markt etabliert. Arbeitet Ralf Schwartz ‘für sich’ die Unterschiede zwischen Journalismus und Blogs heraus, dann werden wir diese, seine Marktverankerung immer im Hinterkopf behalten müssen. Zu diesem Text aus der Sicht des ‘Anzeigenkunden’:
» weiterlesen: Hat die mittelmäßige Journaille selber schuld?
Robin Meyer-Lucht hatte 2007 natürlich völlig recht, als er - im Gegensatz zur vereinten Verlegerschaft - die Öffentlich-Rechtlichen vollumfänglich im Internet vertreten sehen wollte. Ob er sich allerdings unter der gleichfalls geforderten Kontrolle so etwas vorstellte, wie es noch heute in dieser Babyklappe des ZDF abläuft, das wage ich dann doch zu bezweifeln:
“Die Doku-Soap erzählt von bewegenden, glücklichen und aufregenden Momenten rund um die Geburt - Geschichten über Frauen und Männer, die sich auf das Abenteuer Kind einlassen.”
Seit einigen Jahren schon featured der Sender das Sendeformat der ‘Babystation’ - mit anderen Worten, er wirbt dank elternaffiner ‘Homestories’ und mit niedlichen Babybildchen für das Perinatalzentrum der privaten Asklepios-Klinik in Hamburg-Altona. Allen voran und immer vor Ort “ZDF-Reporter” Christopher Butt, ein Dienstleister für freundlich-mundgerechte Interviews, journalistisches Talmi und verbalen Glasperlenhandel.
» weiterlesen
Mal Terrorhelfer, mal mutmaßlicher Unterstützer: Der Stern hat nicht viel zu schreiben über Ömer Ö. - und tut es trotzdem.
Früher hätte ein Journalist geschrieben, der Verhaftete sei dieser oder jener Tat “verdächtig”. Aber in Zeiten von Al Qaida erlebte das Wörtchen “mutmaßlich” seine unausweichliche Renaissance. Jedenfalls stößt es mir immer öfter auf, dort, wo alle kollektiv im Nebel eines Muslimismus der strikten Observanz herumstochern. Mit ihm lässt sich eine Urteilsvorwegnahme suggerieren, ein Verdacht hat sich mit dessen semantischer Hilfe immer schon bestätigt. Wie im Falle eines gewissen Türken, den das BKA mit Hilfe des Stern baut, weil dem Verdächtigen Ömer Ö. wohl radikalislamische Ideen in seinem krausen Kopf herumspuken.
“Mutmaßlicher al-Qaida-Helfer verhaftet” - mit dieser Schlagzeile in Bezug auf die Intentionen des Mannes erfreut uns das Hamburger Magazin von seinem Affenfelsen hinab, dort, wo die Redaktion vor den Augen des erstaunten Publikums allwöchentlich den Eiertanz zwischen altem Anspruch und Sensationsbegierde vollführt. Das, was in der Headline noch ‘mutmaßlich’ hieß, also einen minimalen Restbestand des ‘In dubio pro reo’ enthielt, das ist ratzfatz in der Subhead dann zur vollendeten Tat gediehen: “Schwäbischer Terrorhelfer” heißt es dort schlicht, so als wären alle Akten schon geschlossen.
» weiterlesen
Markt, Sprache und Irland, Polemik und mehr - medienlese.com auf Entdeckungsreise in der Blogosphäre, auf der Suche nach den Früchten im Dschungel.
Auch diesmal gilt es, wieder einen weiten Bogen um die ‘üblichen Verdächtigen’ zu schlagen, um so die Vielfalt und die Möglichkeiten der deutschen Blogosphäre auszuloten, die immer mehr einem wachsenden Dschungel gleicht. Aber einem solchen aus Obstbäumen mit Früchten von hohem Nähr- oder zumindest doch Unterhaltungswert.
Kritik an der Marktwirtschaft in Zeiten der Bankenkrise? Das können doch nur diese ebenso unverantwortlichen wie retardierten ‘Linksblogger’ sein, die jetzt mal wieder ein wenig Wasser unter ihren eigentlich längst schon gestrandeten Kiel bekommen. - Nö, muss gar nicht sein: Da gibt es zum Beispiel das
Weissgarnix-Blog, dessen Macher selbst höchst wirtschafts- und börsenaffin sind. Vielleicht malen sie ja deshalb die Zukunft derzeit schwarz in schwarz. Höchst unterhaltsam jedenfalls, wenn man ’schwarze Serien’ mag und mal etwas anderes als die interessierten Berufsoptimisten von der
Financial Times lesen möchte. Informativer ist es noch dazu.
» weiterlesen
Ob es Beispiele für wirklich gelungenen Lokaljournalismus gibt? Aber natürlich - man muss nur wissen, wo man suchen soll.
‘Wo bleibt das Positive?‘ - dieser alten Frage aller Kritikaster an Erich Kästner will ich mich natürlich auch stellen, nachdem ich
diese Buhrufe für mein Gemecker über bestimmte Formen des Lokaljournalismus einstecken musste.
Der Fall Michelle ist noch in frischer Erinnerung - das nehme ich einfach mal an: Ein kleines Mädchen wurde in einem Stadtteil von Leipzig entführt und später ermordet aufgefunden, der Mörder ist flüchtig. Es finden große Demos gegen Kinderschänder statt, angeführt von schwarzweißroten Fahnen mit einschlägiger Symbolik über einem Meer von Glatzen; auch für alle Privatmedien ist dort in Reudnitz für eine Woche Hochsaison, kein Anwohner kommt unbefragt davon, ohne dass ihm ein Mikrofon unter die Nase gehalten würde zur Absonderung lynchjustiziabler Meinungen. So weit, so gut, so altgewohnt.
» weiterlesen