Klaus (Jahrgang 1953) lernte früh, sich mit Sprache zu wehren.
So geriet der ausgebildete Historiker an den Journalismus, an das politische Pressesprechertum und - ach! - auch in die Werbung. Heute lebt er als ‘Gebrauchsschriftsteller’ und ‘Ghostwriter’ in Bremen, er verfasst Selbstdarstellungen, Reden, Editorials etc., wozu er den Kunden Worte verleiht.
Seit September 2007 schreibt er außerdem für medienlese.com.
Klaus ist erreichbar unter

Alle 104 Artikel von Klaus Jarchow auf medienlese.com:
Fingerfood für Mittelständler: Focus-Chefredakteur Helmut Markwort schreibt ein öffentliches Tagebuch. In seinem aktuellen Kommentar zur Prügel-Attacke auf einen Rentner in der Münchner U-Bahn spielt er virtuos mit den Fakten.
Focus-Chef Helmut Markwort auf dem Münchner Mediengipfel ‘04 (Bild: Keystone)
“Auf jeder Feier begegnest du dem Meier!” - dieser Satz wäre für einen Betroffenen nicht gerade schmeichelhaft. “Keine Feier ohne Meier!” aber, das ist - ganz abgesehen vom werblicheren Schmiss - schon ein anderer Schuh: Aus Meier, dem Unvermeidlichen, wurde Meier, der Unverzichtbare. Verantwortlich dafür ist die ‘Litotes’ oder die ‘doppelte Verneinung’.
Allerdings kann diese Redepirouette auch eine ganze Menge Blödsinn anrichten, weil sie ‘wahre Verhältnisse’ durch ihre logische Kreisbewegung verwirrt, obwohl sie nach den zwei Negationen wieder auf dem gleichen Punkt zu landen scheint.
Hier ein konstruiertes Beispiel aus der spekulativen Geschichtsschreibung: “Ohne den Führer gäbe es keine demokratische Bundesrepublik”.
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“Du sollst nicht ironisieren!” - sobald es um den ‘uneigentlichen Sprachgebrauch’ geht, sind sich alle Journalisten einig, zusammen mit Wolf Schneider: Die Ironie gehört allenfalls in die Glosse, besser aber in die Gosse.
Obwohl doch der Pöbel dort unten, nach der festen Überzeugung der Pressevertreter, diese Ironie gar nicht goutieren könne. Denn die Ironie sei im Grunde wiederum viel zu chic für Proletenhände. Der Leser merkt’s - bei solchen Vorurteilen über ‘Ironie’ gibt es viel zu hinterfragen.
Zwei Faktoren bestimmen in meinen Augen die journalistische Aversion gegen die Ironie: 1. eine notorische Überheblichkeit dem Publikum gegenüber und 2. eine ebenso große Unkenntnis über Spielformen und Intentionen der Ironie. Konsens herrscht unter Ironieverächtern allenfalls darüber, dass die Ironie ‘das Gegenteil dessen, was jemand meine’ zum Ausdruck bringt.
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Wer für ein großes Medium Kolumnen und Editorials schreibt, der darf sich mit Fug und Recht zu den Alphajournalisten zählen. So auch Hans-Ulrich Jörges, Sielwärter und Zwischenrufer beim Stern. Erster Teil unserer losen Folge über Alphajournalisten.
Jörges Fans, die sich allwöchentlich zu Hunderten, vielleicht sogar Tausenden, vor dem Internet-Portal seines Magazins drängen, müssen dort allerdings eine strenge Inquisition über sich ergehen lassen. Der Verlag will erst einmal Adresse und Bankverbindung wissen, bevor sie zu den Quellen politischer Weisheit vordringen dürfen. Ein Hans-Ulrich Jörges bleibt Paid Content: Ihn gibt’s nur am Stück für einen Euro.
Medienlese bietet seinen Lesern aus Anlass des Weihnachtsfestes Gelegenheit, einmal einen echten “Zwischenruf” auch ohne Obolus kennenzulernen. Wir haben höchstselbst eine Printausgabe des Stern (Nr. 52/2007) am Kiosk erstanden, um unseren Lesern im Detail zu zeigen, wie wahrer Qualitätsjournalismus sich zum wahren Wort verhält.
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Im Online-Journalismus gelten andere Regeln: Leser müssen angefixt und begeistert werden – und das muss nicht der Niedergang des Qualitätsjournalismus sein. Nur müssen Journalisten sich wieder als Autoren begreifen und nicht bloß als Content-Lieferanten. Klaus Jarchow gibt Hilfe zur Schriftstellung.
Das Zeitungsmachen roch früher nach Guttapercha und Fixogum. Überall standen die braunen Flaschen mit dem dicken verklebten Pinsel herum, aus dem Fotosatz trafen die Artikel in meterlanger Spaghettiform ein, die an den Layouttischen zu Spalten zusammengeschnitten und aufgeklebt wurden - und dann kam natürlich in der letzten Minute immer diese dicke Anzeige von Javaanse Jongens herein. Die sollte ausgerechnet auf die Doppelseite, die gerade für Repro und Druck zusammengefriemelt worden war. Schon musste wieder ein Artikel dran glauben: Er wurde erbarmungslos zusammengeschnibbelt. Und wehe, der Schreiber quakte!
In solchen antiken Arbeitszusammenhängen haben viele journalistische Schreibregeln ihren Ursprung, die heute noch gelehrt werden wie die zehn Gebote, obwohl sie Online keinen Sinn mehr machen. “Ein Text muss von hinten her zu kürzen sein“, lautet eine dieser Weisheiten. Deshalb habe sein Inhalt vom Wichtigen zum eher Unwichtigen fortzuschreiten. Ja, wieso und warum denn? Diese Regel bedeutet letztlich doch nur, dass ein Text immer langweiliger wird, je länger der Leser ihn liest.
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Schon wieder einer, dem ein gnädiger Gott die Stimme gab, zu sagen, wie’s ihm ums Herz ist. FAZ-Autor Jürgen Kaube, Pauschalreisender in Sachen Netzkritik, fordert in der Überschrift seines Artikels das, was er in diesem Fall leider nicht durchhielt: sachlich zu bleiben.
Beim Gebarme über den ‘Verlust der Fairness‘, über die ‘ungewaschene Subjektivität‘ von ‘Anti-Journalisten‘, die sich aufführen, als seien sie ‘am Tresen zu Hause‘, wäre unsereiner doch mal gespannt, zu erfahren, wo, an wem und auch an was er diesen Tatbestand einer unaufhörlichen Schmähkritik konkret verortet, die er wild daherschmähend anderen vorwirft. Ein einziges Zitat nur, mit Link oder Quellennachweis natürlich, das sollte doch einen Qualitätsjournalisten nicht überfordern. Darüber ließe sich anhand des (Kon-)Textes dann auch reden.
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Wieder einer, der die Karawane des Web 2.0 verbellt. “Ungewaschene Massen” sieht Dr. Bernd Graff, Vize-Chef von sueddeutsche.de und damit Verbreiter einer der skurrilsten deutschen Klickstrecken im Internet, in das elitäre Residuum des Hochjournalistentums einmarschieren, um dort mit dem billigen Parfumduft “prätentiöser Mittelmäßigkeit” alles vollzustänkern.

Ist das Internet nur voller Narren? (Bild: Keystone)
Ich könnte das jetzt zur üblichen “Klowand-Literatur” großmedialer Überheblichkeitsmogule zählen, andere ihm die verdiente Antwort geben lassen, was sie hier oder hier oder hier bereits tun, wenn es nicht ein paar unterbelichtete Aspekte im Text dieses vormals selbst schon Netzgescheiterten gäbe, die einer Klarstellung bedürfen. So schreibt Graff:
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Die Heldenschar unserer Alphajournalisten führt Schaukämpfe auf: Überall sehen sie unrasierte Alt-68er lauern und Gutmenschen heucheln, überall werden unseren Einserabiturienten Stöcke in den Weg geworfen. Nach Steuerermäßigungen, Privatisierungen und Hartz IV seien wesentliche Reformen immer noch blockiert, die ganze Republik sei wie vernagelt, vor allem durch uneinsichtige Bürokraten, während ein gutes, leider aber irregeleitetes Volk im Grunde nichts sehnsüchtiger wünsche, als die Umsetzung dessen, was die medialen Sonntagsschüler als Pioniere des einzig wahren Fortschritts tagtäglich fordern. Vermutlich liegt ja deshalb die Linkspartei in der Wählergunst inzwischen überall im zweistelligen Bereich …
In welcher Republik leben diese Menschen bloß? Hätten sie sich nicht in ihrem selbstbestätigenden Verlagsbunker vergraben, wo der Döpfner das bekräftigt, was der Degler beklagt, und der Diekmann zu erspähen meint, was der Aust befürchtet, dann müsste diesen neokonservativen Meinungsführern doch endlich mal auffallen, dass alle diskursiven Kommandohöhen dieser Gesellschaft nicht von 68ern und Rotfrontkämpfern besetzt sind, sondern spätestens seit den frühen 90er Jahren von ihnen höchstselbst. Dass sie seither eine solche Herde von ‘Experten’ durchs mediale Dorf getrieben haben - Kirchhoff, Merz, Sinn, Hartz, Miegel usw. - dass das kleine Wort ‘Reform’ zu einer Hassvokabel im Volk wurde. Dass sie selbst inzwischen so überaltert und rentennah sind, dass sie bereits wieder abserviert werden, wie jüngst der Aust oder der Matussek. Wobei sie in ihrem Wahn sich unverdrossen als ‘kommende Männer’ und ‘ewige Kronprinzen’ betrachten. Kurzum: Es ist einfach albern …
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Journalisten sind Anwälte der Aufklärung, Retter der Entrechteten, Vermittler des Komplexen, Sprachrohre derer, die sonst gar keine Stimme hätten. - - - Ja, Pustekuchen!
Journalisten sind zumeist anonyme Schreiberlinge, die ohne Namensangabe in einem bürokratischen Kauderwelsch, das sie ‘objektivitäts- und faktenorientierte Schreibweise’ nennen, interessegeleitete Thesen zu Papier bringen, wofür sie sich alljährlich auf zahllosen Medienevents wechselseitig lobhudeln dürfen.
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Distanz kann so erhellend sein: Gestern saß ich mit meinem Onkel zusammen, der eine ziemlich bewegte Vergangenheit als Polit-Hippie hinter sich hat. Irgendwann, als wir uns diskursiv in die Haare gerieten, holte er ein altes, verstaubtes Buch aus dem Regal: Es ist von einem gewissen Jerry Rubin, nennt sich ‘Do it!’ und schildert die Unruhen 1968 in Chicago während des Parteitages der amerikanischen Demokraten aus Sicht der ‘Yippies’, der radikalsten Gruppe unter all den kiffenden ‘Revolutionären’ und Sexmaniacs, die in dieser Zeit der Provokation und der absolut gesetzten Devianz jung waren.
“Das Buch lag damals in jeder besseren WG auf dem Klo“, sagte mein Onkel, “auf einem Stapel mit Gilbert Shelton und dem ‘Medizinrad‘. Die erste Ausgabe trug das chinesisch-revolutionäre Gelbrot des März-Verlages, meine Ausgabe hier ist ein Nachdruck aus dem Trikont-Verlag“. Heute, sagte mein Onkel, halte er nicht mehr viel von den Puffmais-Ansätzen solcher Spontanrevolutionäre, spannend aber sei es, die Medienstrategien dieser Gruppen zu verfolgen, die damals virtuos und voller Innovationsfreude eingesetzt wurden, die so aber heute einfach nicht mehr umsetzbar wären.

“Wir alle setzten damals voll und ganz auf das Bild, das wir boten. Wer lange Haare trug, war revolutionär, der Afghan-Mantel und das bestickte Stirnband machten dich zum Staatsfeind“, sagte mein Onkel: “Kaum jemand macht sich heute noch einen Begriff davon, wie neu und wirkungsvoll das Fernsehen damals war, tagelang diskutierten wir über irgendetwas, was wir GESEHEN hatten“. Oder in Jerry Rubins Worten ‘himself’: “Das Medium ist nicht ‘neutral’. Die Gegenwart einer Kamera verwandelt eine Revolution, macht uns zu Helden. Wir riskieren mehr, wenn die Presse da ist, weil wir wissen, daß dann all unser Unternehmungen innerhalb von Stunden der ganzen Welt bekannt sein werden“.
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… überfordert mich intellektuell. Wie überhaupt das ewige Internet-Bashing, das unsere Alpha-Journalisten betreiben. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass sie Johann-ohne-Land-Gefühle entwickeln. Natürlich verlieren durch den Zuwachs der Online-Medien die Holzmedien kontinuierlich an Relevanz. Deshalb aber wahllos mit dem Knüppel der Pauschalisierung herumzudräuen, wie der FAZ-Herausgeber in seinem Hausmedium und dann in der ‘Süddeutschen Zeitung’, das lässt mich am Qualitätsjournalismus zweifeln, an dessen Hagiographie sie doch alle wie ein emsiges Kaffeekränzchen häkeln.
Wenn ich über Journalisten oder Medien schreibe, dann sage ich - wie auch in diesem Fall - ‘Frank Schirrmacher’ oder auch mal pauschaler die ‘FAZ’, aber ich sage nicht ‘die Zeitungen’ oder ‘die Journalisten’. So viel Konzilianz und Differenzierungsvermögen fallen vice versa wiederum einem Frank Schirrmacher schwer, obwohl er doch just den Jacob-Grimm-Preis für deutsche Sprache erhielt und er sich auch deshalb hier zu Wort meldet.
In schöner Regelmäßigkeit ist in seinem Text von DEM “World Wide Web”, DEM “Internet” oder DEN “Blogs” die Rede, von einer furchtbaren, gleichgeschalteten, namenlosen Welt voller Dreck und Schlamm. Ein medialer Sumpf, wo das analphabetische “Nicht- oder Fastnichtmehrlesen” regiert, wo “pornographischer und gewalttätiger Extremismus” aus allen Löchern quillt, wo auch immer er, der große Qualitätsjournalist, seine Sonde in den Morast bohrt:
“Wir riskieren die wenigen Kinder, die unsere Gesellschaft in Zeiten des demographischen Wandels hat, mit seelischem Extremismus zu programmieren - wenn wir nicht bald eine Debatte über pornographische und kriminelle Inhalte im Internet beginnen.
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