Und noch’n Gedicht:
Als Dank an meine Leser
Mein Getöse
in der medienlese
fanden einige Käse,
manche gar böse,
doch dieses Gewese
war, sehn se,
nur das ‘Frühchen’
einer medialen Genese.
Verstehn se?
Klaus (Jahrgang 1953) lernte früh, sich mit Sprache zu wehren.
So geriet der ausgebildete Historiker an den Journalismus, an das politische Pressesprechertum und – ach! – auch in die Werbung. Heute lebt er als ‘Gebrauchsschriftsteller’ und ‘Ghostwriter’ in Bremen, er verfasst Selbstdarstellungen, Reden, Editorials etc., wozu er den Kunden Worte verleiht.
Seit September 2007 schreibt er außerdem für medienlese.com.
Alle 119 Artikel von Klaus Jarchow auf medienlese.com:
Mein Getöse
in der medienlese
fanden einige Käse,
manche gar böse,
doch dieses Gewese
war, sehn se,
nur das ‘Frühchen’
einer medialen Genese.
Verstehn se?
Dass dem Handelsblatt-Boss Bernd Ziesemer hier endlich mal die Hutschnur platzte, als er an die Heerscharen ahnungsloser Marketing-Fuzzies in den Verlagshäusern dachte, die mit immer mehr schlappem Allerwelts-Content immer mehr Auflage machen möchten, statt mit immer mehr Aufklärung, das verstehe ich gut. Denn die Quelle allen medialen Elends ist auf den Verlagsetagen zu suchen. Dass der Kaiser dort nackt durch die Gänge läuft, das darf man aber schon nicht mehr sagen. Denn bekanntlich erreichen diese Renditejäger seit Jahren doch nur das blanke Gegenteil: Sie drehen – unterstützt von todessüchtigen Verlegern – faktisch an den holzmedialen Schlachtschiffen die Ventile auf. Doch alle Welt aber glaubt mal wieder den Cagliostros …
Ersatzhandelnd prügelte der Herr Ziesemer dann reflexhaft auf die ‘Dumm-Blogger’ ein, die aber faktisch mit dem hausinternen Lemmingzug auf den holzmedialen Verlagsetagen nichts zu tun haben. Hier schafft sich Ziesemers Text einen Popanz:
Ein Wechsel der Persönlichkeit, ein Leben als ‘Felix Krull’, als inszenierte Abfolge von Personenpersonen – das ist nicht länger möglich, weil die Vergangenheit immer schon an der nächsten Abzweigung zur Zukunft steht und dich von dort komplizenhaft angrinst. Zuletzt musste dies jene RTL-Jungreporterin erfahren, die von ihrem Sender in Winnenden ins Feuer geworfen und gewissermaßen ‘verheizt’ wurde. Sie zeigte sich dieser Situation nicht gewachsen – “Chaos vom Feinsten” – und wurde so unfreiwillig zum Symbol des empathiefreien Umgangs privater Medien mit den Quoten-Sensationen des Schreckens.
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“Es geht um den Aufstand eines um Hipness bemühten Lebensstils von digital natives gegen ein System, das selbst in seinen namhaftesten Qualitätsprodukten manchmal nicht mehr vermitteln kann, wo die intellektuelle Latte liegt und der Unterschied zwischen einer professionellen und einer amateurhaften Äußerung. Die im Namen radikaler Demokratie gegen die Autorität der Institutionen aufbegehrende Blogosphäre mit ihren in der Masse entpolitisierten, zumeist pseudonymen Existenzen hat da leichtes Spiel”. (Quelle)
Halten wir fest – selbst der professionelle Kollege Dotzauer kann nicht umhin, ein systemisches Totalversagen der Presse festzustellen (’kann nicht mehr vermitteln’). Er nimmt sich aber daraufhin nicht die schreibende Zunft oder die werte Verlegerschaft zur Brust, er prügelt lieber auf den Boten aus der Blogosphäre ein, den er ‘unpolitisch’ und ‘pseudonym’ nennt. Dieser depperte Vorwurf der ‘Anonymität’ aus einer selbst zumeist namenlosen Journalistenschar heraus ist hier schon oft genug glossiert worden. In diesem Fall mag daher der Hinweis auf die Kritik von Jules van der Ley an diesem journalistischen Dauerlutscher genügen. Bleibt die Frage: Wer ist denn hier apolitisch?
Mit zuletzt drei Postings im Monat bei knapp 40 Autoren war das media coffee blog sicherlich kein Durchlauferhitzer unserer Informationsgesellschaft. Trotzdem ist es schade, dass dieses Projekt der news aktuell/dpa-Gruppe eingestellt wird. Zukünftig wird das Blog nur noch “eine Begleitseite für die Offline-Veranstaltungsreihe gleichen Namens sein“.
An den Streit zwischen Voluntaristen (”Es geschieht, was ich will“) und Deterministen (”Mir geschieht, was ‘es’ will“) fühlte ich mich erinnert, als ich diese Einlassung von Frank A. Meyer im Sonntag las, die Ronnie hier bereits aufgespießt hat:
Jedem Menschen gestehen wir einen Set an politischen und sozialen Grundüberzeugungen zu – natürlich auch Journalisten. Diese Überzeugungen wiederum formen das, was wir Persönlichkeit oder Charakter nennen.