6 vor 9:
Demut, Freischützentum, Reich-Ranicki

Ronnie Grob, 20. November 2008 08:54 Uhr, 13 Kommentare Kommentare

1. Interview mit Marcel Reich-Ranicki
(cicero.de, Christine Eichel)
“Ich stimme zu, das war keine originelle Äußerung von mir. Nur – keiner hat gewagt, es zu sagen, daher (lacht) diese ungeheure Aufregung! Dabei wissen wir doch: Die Intellektuellen werden vom Fernsehen ignoriert, bagatellisiert, vernachlässigt, deshalb ist das Programm so schlecht.”

2. “Brotlose Künstler”
(blogmedien.de)
“Geringe Einkommen, zunehmende Ausbeutung und schlechtes Image - ein Traumberuf sieht anders aus. Wer heute noch Journalist werden will, braucht vor allem viel Idealismus und große Bescheidenheit, wenn es um eigene Ansprüche geht.”

3. “Von hier aus regierst Du die Welt”
(neues-deutschland.de, Hanno Harnisch)
“David Montgomery hat den Aufsichtsratsvorsitz bei der Heuschrecke Mecom abgegeben.”

4. “Sind 75 Jahre Weltwoche genug?”
(weltwoche.ch)
Die Weltwoche wird 75 Jahre alt, feiert sich mit einem neuen Web-Auftritt und lässt sich gratulieren. Der Bitte nachgekommen ist zum Beispiel der ehemalige Chefredakteur der NZZ, Hugo Bütler: “Seit dem unsäglichen Kotau Köppels vor der SVP – ihr Parteipräsident Maurer wurde uns als ‘letzter Staatsmann’ angepriesen – hat die Weltwoche doch wieder etwas mehr Denkselbständigkeit gewonnen. Es gibt aber nach wie vor einen Überschuss an intellektuellem Freischützentum von Autoren, die sich kreuz und quer in der Landschaft dort positionieren, von wo sich auf einen gerade erkorenen Gegner am besten feuern lässt. Aber daneben stösst man auch auf viel Interessantes und gut Recherchiertes, das man als Leser nicht missen möchte. Unser Land verdient klärende Debatten zwischen kontroversen Standpunkten und Milieus.”

5. “Bundesrat Schmid und die Rolle der Medien”
(nzz.ch, ras.)
Rainer Stadler konstatiert in der Debatte Schmid, dass es keinen Grund gibt, dass Journalisten pikiert auf Angriffe reagieren, denn schliesslich würden sie selbst fast täglich Personen angreifen: “Deren Urteile sind manchmal geradezu erbarmungslos, manchmal auch verächtlich. Man zweifelt, wie gut Medienschaffende solche Zuschreibungen selber ertragen würden. Ein bisschen Demut würde niemandem schaden.”

6. Bild-Blattkritik mit Broder (und Kerner)
(bild.de, Video, 17:12 Minuten)
Henryk M. Broder und Johannes B. Kerner sitzen bei Kai D. Diekmann im kuschligen Bild D. Büro und plaudern miteinander über die neuste Ausgabe.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Anmerkung: Gegenüber einer früheren Version wurde ein Link (3.) ausgetauscht, da übersehen wurde, dass dieser Text von September stammt.

» Mehr lesen: Bild (13), Henryk M. Broder (2), Johannes B. Kerner (3), Kai Diekmann (11), Marcel Reich-Ranicki (6), Rainer Stadler (2), Weltwoche (31)

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13 Kommentare zu diesem Artikel

  1. mds

    schrieb am 20. November 2008 um 10:42 Uhr (#)

    5. “Bundesrat Schmid und die Rolle der Medien”
    (nzz.ch, ras.)
    Rainer Stadler konstatiert in der Debatte Schmid, dass es keinen Grund gibt, dass Journalisten pikiert auf Angriffe reagieren, denn schliesslich würden sie selbst fast täglich Personen angreifen: “Deren Urteile sind manchmal geradezu erbarmungslos, manchmal auch verächtlich. Man zweifelt, wie gut Medienschaffende solche Zuschreibungen selber ertragen würden. Ein bisschen Demut würde niemandem schaden.”

    … das Offenlegen von Interessen(konflikten) würde Rainer Stalder auch nicht schaden.

  2. mds

    schrieb am 20. November 2008 um 10:43 Uhr (#)

    (Ähmmm, Stadler, nicht Stalder natürlich!)

  3. Rainer Stadler

    schrieb am 20. November 2008 um 16:03 Uhr (#)

    Welches mutige Wesen versteckt sich hinter mds?
    Ich muss das Wesen jedenfalls enttäuschen, ich habe keine Interessenkonflikte offenzulegen, weil es keine gibt.

  4. Peter Sennhauser

    schrieb am 20. November 2008 um 19:54 Uhr (#)

    mds, ich bin mit Rainer Stadler einer Meinung. Deine Andeutung wird hier sonst irgendwie zur Realsatire, findest Du nicht?

  5. mds

    schrieb am 20. November 2008 um 20:06 Uhr (#)

    Welches mutige Wesen versteckt sich hinter mds?

    Lesetipp: http://www.ch.ch/private/00085/00091/00499/00500/index.html?lang=de – Abschnit «Schutzmassnahmen gegen Internet-Spione».

  6. mds

    schrieb am 20. November 2008 um 20:07 Uhr (#)

    Ich muss das Wesen jedenfalls enttäuschen, ich habe keine Interessenkonflikte offenzulegen, weil es keine gibt.

    Danke, gut zu wissen – beispielsweise vor dem Hintergrund eines aktuellen Blogeintrages von Klaus Stöhlker:

    http://www.stoehlker.ch/weblog/2008/11/19/mittwoch-die-demut-bewegung-breitet-sich-aus/

    (via http://blogdessennamenmansichnichtmerkenkann.wordpress.com/2008/11/20/braucht-die-schweiz-ein-%C2%ABrudel-observatorium%C2%BB/)

  7. mds

    schrieb am 20. November 2008 um 20:29 Uhr (#)

    mds, ich bin mit Rainer Stadler einer Meinung. Deine Andeutung wird hier sonst irgendwie zur Realsatire, findest Du nicht?

    Zur Sicherheit habe ich bei Wikipedia die Bedeutung von «Realsatire» nachgeschlagen: Als Realsatire bezeichnet man umgangssprachlich Ereignisse und Vorgänge, die so absurd erscheinen, dass selbst ihre nüchterne Beschreibung bereits Züge einer Satire trägt.

    Pseudonymes Kommentieren als Realsatire? Interessenkonflikte bei Journalisten als Realsatire? Die Forderung nach der Offenlegung von Interessenkonflikten als Realsatire?

  8. Matthias

    schrieb am 20. November 2008 um 22:18 Uhr (#)

    Bitte nicht schon wieder die Realnamenposse! Das hatten wir doch erst grad - mit eher peinlichen Ergebnissen und einem datenschützerisch äusserst fragwürdigen Ausrutscher! Oder wollt ihr schon wieder nach bloss 100 Kommentaren die Bude dicht machen?

    Ausserdem gibt der mds nur wieder, was der eher weniger anonyme Stoehlker in seinem Blog geschrieben hat. Wozu also den messenger shooten statt einfach den Stoehlker direkt anzugehen?

    Abgesehen davon scheint mir ein ‘Medien-Observatorium’ eher unsinnig; es gibt ja bereits einen Presserat, der für solche Aufgaben prädestiniert wäre. Oder wurde der aufgelöst?

  9. Peter Sennhauser

    schrieb am 20. November 2008 um 23:52 Uhr (#)

    @Matthias: Ich bin ganz persönlich der Meinung, dass, wer jemand anderem namentlich an den Karren fahren will, das gefälligst ebenfalls namentlich zu tun hat. Meinetwegen kann man eine anonyme Meinung haben, aber anonyme persönliche Angriffe halte ich für unlauter. Wir reden hier nicht von Peinlichkeiten in andern Plattformen, sondern ganz konkret von dem, was bei uns auf medienlese.com grade passiert und Thema dieses Postings war.

    Wenn mds Stöhlker gleich zitieren würde, könnte man davon ausgehen, dass er Messenger spielt, aber wenn er das erst im vierten von seinen bisher fünf Kommentaren tut, erhebt er sich selber vom Messenger zum Ankläger. Der Kunstgriff der vielsagend- auslassenden Feststellung ohne Nennung [edit: stilistische Korrektur] der Quelle der Vermutungen (sorry, ich lese Stöhlker nicht täglich) wirkt dabei nicht grade so, als ob es um eine neutrale Aufforderung zur Stellungnahme an Stadler ginge.

    @mds: Absurd wird es, wenn Stadler von seinen Journalistenkollegen verlangt, sich Vorwürfen zu stellen, und sich dafür von jemandem, der noch nicht mal seinen Namen offenlegt, vorwerfen lassen muss, dass er nicht offengelegt hat, was anderswo über ihn kolportiert und zugleich in einer Verkettung von “Unbestätigten Vermutungen” zu einem Brei von Unterstellungen aufgebauscht wurde.

    Offenlegung meiner Interessen: Ich bin an fairen Diskussionen und der Gleichbehandlung aller Betroffenen interessiert. Ich kenne weder Rainer Stadler, noch Klaus J. Stöhlker (oder wer immer dort schreibt) noch mds persönlich.

  10. mds

    schrieb am 23. November 2008 um 00:45 Uhr (#)

    @Peter Sennhauser:

    Rainer Stadler hat bislang den Hinweis von Klaus Stöhlker nicht dementiert, mehr weiss ich dazu momentan nicht. Aber vielleicht stammt obiger Kommentar ja auch nicht vom betroffenen Rainer Stadler, der pflegt ja schliesslich seine Texte mit einem Kürzel zu zeichnen …

    Für den Fall, dass Dir die Identifizierbarkeit von Benutzern, die kommentieren, wichtig ist, solltest Du als Chefredaktor von Blogwerk entsprechende Anreize schaffen. Man könnte beispielsweise die Kommentare von Benutzern, die sich identifiziert haben, mit einem Hinweis versehen – dann könnten all jene, die Inhalte über den Absender definieren und sich ärgern, wenn sie nicht auf den Mann spielen können, nur noch Kommentare von identifizierten Benutzern lesen.

  11. arnold maurer

    schrieb am 23. November 2008 um 04:14 Uhr (#)

    auf eine antwort von stadler sollte man keine grossen hoffnungen haben. nzz-leute schreiben nur in eine richtung. was leser schreiben wird ungelesen entsorgt. aber vielleicht macht stadler eine ausnahme!

    herr stadler, sagen sie doch mal, wieso sie noch nie etwas über das verhältnis zwischen medien und der bilderberg-gruppe geschrieben haben? liegt es vielleicht daran, dass ihr chef bei dieser illustren gruppe mitmacht?

    wen es interessiert: http://www.lobbycontrol.de/download/Message_Bilderberg.pdf

    keine interessenkonflikte? da lachen nicht nur die hühner!

  12. Peter Sennhauser

    schrieb am 23. November 2008 um 11:26 Uhr (#)

    @mds:

    dann könnten all jene, die Inhalte über den Absender definieren und sich ärgern, wenn sie nicht auf den Mann spielen können,

    Du sagst das, nachdem Du grade aufgrund eines Gerüchts (das selbst, wenn es wahr sein sollte, noch ziemlich belanglos ist, ausser für den Beirat werden erkleckliche Honorare bezahlt) auf den Mann Rainer Stadler gespielt hast.

    Wir kommen bisher mit unserer Regelung ganz gut über die Runden, wonach wir löschen, was beleidigend oder justiziabel ist. Das ändert nichts daran, dass ich persönlich auf ano- oder pseudonyme Anwürfe nicht reagieren würde und finde, wer austeilt, sollte Manns genug sein, das unter seinem Namen zu tun - ich rede hier von denen, die aus der Kommentarecke “auf Mann spielen”, was deutlich öfter vorkommt als umgekehrt. Ich kann Stadler (dessen Kürzel kein Pseudonym, weil im Impressum nachlesbar ist) keinen Vorwurf machen, dass er es gleich hält.

  13. mds

    schrieb am 25. November 2008 um 13:57 Uhr (#)

    @Peter Sennhauser: Ich verstehe, dass Du in dieser Angelegenheit Zurückhaltung üben musst – entsprechend verzichte ich gerne auf weitere Äusserungen zu Rainer A. Stadler.

    @arnold maurer: Interessant – tatsächlich findet sich im NZZ-Archiv gerade einmal ein magerer Hinweis auf die «Bilderberg-Konferenzen» … umgekehrt schreiben Journalisten generell äusserst selten über ihre Teilnahme an Konferenzen, die Leserschaft könnte ja ansonsten vermuten, es gäbe Interessenkonflikte … ;)


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