Basler Zeitung:
“Weniger Seiten auf hohem Niveau”
“Dünner, besser, provokativer” soll die Basler Zeitung werden – schöne Worte für ein Sparprogramm, das die Zeitung dünner, schlechter, langweiliger zurücklassen wird.
“Die Situation ist ungemütlich”
“Wir werden uns von Kollegen trennen müssen”
“Die ‘Basler Zeitung’ vom Herbst 2009 wird nicht mehr die ‘Basler Zeitung’ von heute sein.”
Erste Schritte wurden bereits eingeläutet. Einem Reportage-Autor wurde die Zusammenarbeit gekündigt, freie Mitarbeiter kriegen kaum neue Aufträge, verschiedene Stellen werden nicht mehr neu besetzt, generell herrscht ein Stellen-Stopp.
Im lesenswerten Bericht auf Onlinereports stösst man auch auf diese, sehr überdenkenswerte Passage:
Die neu struktierte BaZ werde “weniger Seiten auf hohem Niveau” bieten. Geering ist sich bewusst, dass Auflage und Leserschaft weiter sinken werden, aber er glaubt daran, “dass ein Publikum bereit ist, für ein tägliches intelligentes Hilfsmittel einen Preis zu bezahlen”.
Also eine Basler Zeitung mit mehr niveaulosen Seiten? Was zu einem weiteren Sinken der Auflage und Leserschaft führen wird? Oder habe ich da etwas falsch verstanden?
Ich finde es nur erstaunlich, wie luzide Geering den eigenen Untergang vorhersieht und begleitet. Die Probleme werden eingesehen …
“Jeder Text muss den Anspruch erfüllen, einen Mehrwert zu bieten. Einfach einen andern Agenturtext zu schreiben, das geht nicht mehr. Wer für eine Zeitung zahlt, soll ein Privileg haben.”
… und doch handelt man anders. Denn was soll eine massiv verkleinerte Redaktion denn machen ausser dem Abarbeiten von Agenturmeldungen?
Dazu auch ein kurzes Video-Statement von Matthias Geering auf onlinereports.ch (schweizer Dialekt, 1:47 Minuten).
» Mehr lesen: Basler Zeitung (4), Zeitungskrise (4)
» Weitere Artikel der Kategorie "News" lesen
» Nächster Artikel: Sparpläne: WAZ-Gruppe denkt an dpa-Verzicht
» Älterer Artikel: Zukunft der Zeitung: Internet und einmal pro Woche
» Drucken
» Merken/E-Mail
3 Kommentare zu diesem Artikel
Diesen Artikel kommentieren
Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

neuerdings.com
medienlese.com
imgriff.com
fokussiert.com
netzwertig.com
gamgea.com



Artikel per RSS
martin
interessante einsichten in basel!
grundsätzlich könnte ja “weniger ist mehr” durchaus der richtige weg sein, den ihr heute ja auch in einer etwas anderen form schon beim christian science monitor angesprochen habt. aber wenn dann natürlich gleich ein stellenabbau und ähnlich die folge sind, dann verpufft frei gewordene energie durch weniger seiten natürlich wieder, wie schon angemerkt wurde. schade!
gerade das zitat des chefredaktors, dass jeder text einen mehrwert bieten muss, sollte auch so umgesetzt werden. dann hat man nämlich wirklich mehr als nur ein kostenpflichtiges 20 minuten!
offenbar reagiert die print-branche langsam aber sicher mit verschiedenen schritten auf die entwicklungen. nur wird aber leider immer noch deutlich an den interessen von kunden vorbeihantiert!
David Bauer
“Weniger Seiten auf hohem Niveau” ist natürlich etwas unglücklich zweideutig. Was Geering sicher meinte, ist, dass die BAZ in Zukunft weniger Seiten haben werde, aber diese auf hohem Niveau. Was indirekt ein Eingeständnis ist, dass heute ein hohes Niveau nicht über alle Seiten gehalten werden kann.
Das Problem wird sein: Wenn man gleichzeitig Zeitung und Belegschaft schrumpft, fehlt die Manpower, um die Qualität wirklich anzuheben. Eine regionale Tageszeitung wie die Basler Zeitung muss sich wohl grundlegender verändern, um die Kurve zu kriegen.
Jean-Claude
“Weniger Seiten, aber auf hohem Niveau”.
Das klingt gut und scheint die richtige Strategie zu sein. Aber ich halte es für einen grundsätzlichen Denkfehler zu glauben, man könne höheres Niveau mit deutlich weniger Leuten schaffen. Vielleicht mit anderen Leuten, aber nicht mit einer geschrumpften , jedenfalls nicht wesentlich billigeren Crew. Diese paar “andern Leute” sind dann womöglich eben etwas teurer.
Wer “Niveau” will, kann überall sparen, aber nicht an den Leuten, auf die es letztlich bei einer Zeitung drauf ankommt: jene, die ganz vorn den “Gring” (schweizerisch für Kopf) hinhalten.
“Niveau” fliegt einem nicht einfach zu. Man hat es auch noch nicht, wenn man im Verwaltungsrat beschliesst: Ab dato haben wir’s.
Das ist ungeheur harte, zähe Knochenarbeit mit langem Atem, gerade im Lokal- und Regionalbereich, der im Aufwand häufig unterschätzt wird. Teures, hoch professionelles Handwerk ist da gefragt.
Leute die auch ausserhalb ihres Computers recherchieren wollen (und auch die Zeit dafür kriegen; das kostet echt Geld!), die gut und originell schreiben können, die Mut haben, auch noch zuverlässig sind und vielleicht sogar ein wenig Erfahrung und vertiefte Fachkenntnis mitbringen - und die nicht um 18 Uhr zu Frau / Mann, Kind und Goldhamster nach Hause müssen.
Und das alles für ziemlich wenig Geld, wenn man das Einstiegsgehalt eines Jungbankers ohne Erfahrung danebensetzt….
Wenn du die Leute hast, umso besser. Sonst such sie erst mal. Und dann red wieder über “Niveau”, Monsieur le rédacteur en chef.