Popkultur-Ausverkauf:
Radar-Magazin schafft’s nicht

Ole Reißmann, 27. Oktober 2008 11:30 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Ein Magazin weniger: Radar, der glitzernde Mix aus “Pop, Politics, Scandal, Style”, hat kein Geld mehr. Das Heft wird eingestellt, die Website verkauft – an einen Verlag, der nicht gerade für intelligente Unterhaltung bekannt ist.

Das amerikanische Popkulturheft Radar ist nach fünf Jahren endgültig gescheitert. Sämtlichen Angestellten von Magazin und Online-Auftritt soll bereits gekündigt sein, berichtet Gawker. Popkultur in Printform scheint derzeit nicht besonders gut anzukommen – trotz provozierendem, intelligenten und unterhaltsamen Inhalts, trotz ästhetisch hervorstechender Verpackung: Die amerikanische Gltzer-Mischung aus Tempo, Vanity Fair und Blond, die Popkultur für intelligente Leser präsentieren wollte, hat nicht funktioniert.

Das ist bedauerlich. Warum Michelle Obama den Wählern unheimlich ist, die 50 schlechtesten Colleges in den USA, die heißen Nachrichtensprecherinnen von NBC, der Preiskampf von Stars und Tabloid-Blättern um Baby-Photos, Tom Cruise und Scientology: Radar war eine wahre Wundertüte, doch im Gegensatz zur deutschen Wundertüte Stern mit einer jungen Zielgruppe, einem Fokus auf Medien und ironischem Tonfall.

Damit geht eine lange Leidensgeschichte zu Ende: Das Magazin für “Pop, Politics, Scandal, Style” erschien zunächst testweise im Jahr 2003 – ausgerechnet auf der Höhe der Anzeigenkrise. Mit Investoren im Rücken erschien Radar zwei Jahre später erneut – nach nur drei Ausgaben war allerdings wieder Schluss, auch wenn Themen und Texte begeistert aufgenommen wurden. Zu wenig Anzeigen.

Ein Jahr verbrachte Gründer und Chefredakteur Maer Roshan mit der Suche nach Geld, schließlich schien die Zukunft gesichert: Eine Investorengruppe wollte das Magazin wieder an den Kiosk bringen und die Finanzierung bis 2011 sichern. Im Februar 2007 ging es wieder los – die sechste Ausgabe von Radar erschien.

Die Website RadarOnline.com wurde von American Media gekauft und soll 2009 mit einer eigenen Redaktion neu gestartet werden. Bei dem Verlag erscheinen 16 Magazine, darunter die unerträglichen Klatschpostillen National Enquirer und Star und einige redaktionelle Umfelder für die Werbung von Muskelaufbaupräparaten.

Damit befindet sich das Web-Erbe von Radar bei einem Verlag, von dessen publizistischer Linie man sich absetzen wollte, dessen Produkte man mit beißendem Spott und ätzender Medienkritik bedachte (hier einfügen: Treppenwitz).

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