Politiker offline:
Zugeknöpfte Kandidaten

Markus Kirchsteiger, 28. September 2008 10:14 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Österreich wählt - doch von einem Online-Wahlkampf, wie er gerade in Amerika erfolgreich geführt wird, keine Spur. Stattdessen gaben sich die Spitzenkandidaten im Internet eher zugeknöpft.

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Dass österreichische Politiker überhaupt bloggen, darf man als Novum sehen. Bislang gab es nur wenige bloggende Politiker im Alpenland. Allein einige Internet-Begeisterte aus den hinteren Reihen und vor allem auf kommunaler Ebene entdeckten Weblogs als praktisches, direktes und authentisches Kommunikationsmittel. Immerhin ein paar davon gibt es, die durchwegs gut gemacht waren. Sie wurden ständig aktualisiert, und die Blogger reagierten auf Kommentare von Lesern.

Medien bringen Politiker zum Bloggen

Die zahlreichen Politiker-Blogs, die vor den Nationalratswahlen online gingen, zeigen nur wenig von dieser Dialogbereitschaft. Ohnehin betreibt keiner der Spitzenkandidaten der im Parlament vertretenen Parteien ein eigenes Weblog. Diese Lücke wollen einige Medien wie oe24.at oder profil füllen, indem sie bekannten Politikern eine Plattform zum Bloggen bieten. Obwohl Blogger-Neulinge also nur mehr Texte einstellen müssten, machte sich ein Großteil der Spitzenkandidaten nicht einmal diese Mühe.

Dafür entdeckten deren Stellvertreter, sowie zahlreiche Minister der zerbrochenen Koalition und die Frontmänner und –frauen der Kleinparteien (die noch nicht im Parlament vertreten sind) diese Blogplattformen als politische Spielwiese. So werden auf wahlblog.profil.at mitunter auch heftige Spitzen und gehässige Kommentare gegen die Mitbewerber und ihre Ideen abgefeuert.

Vernetzen und entfalten im sozialen Netzwerk

Auch zur innerparteilichen Vernetzung haben Politiker das Internet als geeignetes Medium entdeckt. Nach dem Vorbild sozialer Netzwerke ging zu Jahresbeginn die Plattform campa.at online, wo sich Mitglieder und Anhänger der Sozialdemokratischen Partei (SPÖ) laut eigenem Werbeslogan „vernetzen und entfalten“ sollen. Jedes registrierte Mitglied bekommt eine Profilseite, kann ein Weblog schreiben, in einem Diskussionsforum mitmischen und Fotos hochladen. Vorbild für campa.at war übrigens das große Schwesternportal der deutschen Sozialdemokraten meinespd.net.

Von so einer Diskussionplattform sind die politischen Mitbewerber in Österreich noch weit entfernt. Bei den Grünen gibt es gerade mal ein Portal, das alle grünen Blogs bündelt. Bei der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) fristen Blogger noch ein Schattendasein. Immerhin hat die ÖVP zu ihren letzten Parteitagen österreichische Blogger eingeladen. Und als sich die Partei am vergangenen Wochenende auf einer mit Pomp und Paukenschlag inszenierten Klausur auf die letzte Wahlkampfwoche einstimmte, gab es einen Live-Blog mit Fotos und Videos.

Keine Angst mehr vor dem Bloggen

Nach der Nationalratswahl am heutigen Sonntag ist für die Politiker vorerst nicht nur wieder Schluss mit den persönlichen Wahlkampf-Auftritten. Auch die Blogs auf oe24.at und bei profil werden dann nicht mehr mit Content bestückt. Vielleicht hat ja der Eine oder die Andere Gefallen am Bloggen gefunden und die unbegründete Angst davor verloren.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. Katha

    schrieb am 28. September 2008 um 19:35 Uhr (#)

    Eine durchaus positive Entwicklung in Österreich. Ich gehe davon aus, dass sich die politischen Akteure in Deutschland bis zu den Bundestagwahlen im nächsten Herbst Blogs zuwenden werden. Große Sprünge sind aber meiner Meinung nach in Deutschland nicht zu erwarten.

    http://www.schafott.net/2008/09/internet-statt-marktplatz-demokratie-20/


1 Trackback

  1. Politiker offline: Zugeknöpfte Kandidaten
    (28. September 2008 11:12)

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