Wired lässt bloggen:
Kaufman für die Nerd-Nische

Ole Reißmann, 6. September 2008 11:59 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Film im Film im Film – bei Drehbuchautor Charlie Kaufman gerät das Spiel mit den Realitäten stets durcheinander. Jetzt schreibt ein Journalist darüber, dass er ein Profil über Kaufman schreibt.

(Keystone, M)

Der kongeniale Filmemacher Charlie Kaufman (Being John Malkovich, Adaptation, Eternal Sunshine of the Spotless Mind) will sich nicht fotografieren lassen – schreibt Journalist Jason Tanz in seinem Blog “Storyboard”. Das könnte ein ernstes Problem werden. Tanz schreibt ein Kaufman-Profil für die amerikanische Zeitschrift Wired, dort setzt man auf opulente Optik. Jetzt muss eine kreative Lösung her – Fortsetzung folgt, im Produktionstagebuch zum Artikel.

Dass Tanz für seine Geschichte überhaupt die Unterstützung von Kaufman erhält, ist schon eine Sensation für sich: Charlie Kaufmann gibt eigentlich keine Interviews und hält sich von der Öffentlichkeit fern. Aber er hat einen neuen Film gemacht, erstmals als Autor und Regisseur. Erste Kritiken sind durchwachsen, Wired-Mitarbeiter haben nach einer Pressevorführung ernste Sorgen um den kommerziellen Erfolg von “Synecdoche”. Kaufman, so das Kalkül, muss etwas für seinen Film tun. Muss mit Journalisten reden. Mit Wired.

All das lässt sich auf “Storyboard” nachlesen. Eigentlich eine nette Idee, Journalistenschüler und Journalistikstudenten auf der ganzen Welt werden von ihren Profs gezwungen werden, das Blog zu lesen – ätzt US-Branchenblog Gawker. So nett die Idee ist, sie hat einen Haken: Am 3. September stellt Tanz das Auftragsschreiben ins Blog – mit dem er nun offiziell beauftragt ist, die Geschichte zu schreiben. Deadline ist der 27. August.

Schreibblockade in dem Film Adaptation (Keystone)

Das Blog erzählt retrospektiv.

Jedenfalls bis hierhin. Das Ende steht also wohl schon fest, der Artikel wird erscheinen. Was alles den Weg in die Öffentlichkeit findet, ist sorgsam nachträglich ausgewählt. Also kein Blick hinter die Kulissen, stattdessen eine schöne Geschichte. Damit ist Tanz dann wieder ganz bei Kaufman. Da weiß man ja auch nie so genau, was jetzt noch echt ist und was schon wieder Fiktion.

Vielleicht, Sen-sa-tion, können wir mit ihm sogar, Oh-mein-Gott, in einen Supermarkt gehen! Essen kaufen. Was wird er nur essen?

Kein wörtliches Zitat, aber in die Richtung geht es. Allerdings schreibt das nicht Tanz, sondern seine betreuende Redakteurin. Die Geschichte hinter der Geschichte ist für Medien-Nerds trotzdem interessant, weil das “pitchen” des Artikels beschrieben wird: von der Idee zum Vorschlag zum Auftrag zum Storyboard zum Artikel. Tag für Tag.

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