Dmax:
Männersender spielt mit Muskeln

Felix Disselhoff, 19. August 2008 09:16 Uhr, 13 Kommentare Kommentare

Der selbsternannte Männersender Dmax mausert sich trotz schwieriger Zielgruppe zum Quotengaranten. Nach nur zwei Jahren am deutschen Fernsehmarkt eine ordentliche Leistung. Kein Wunder, bei diesen Sendungen …

“Dmax. Fernsehen für die tollsten Menschen. Männer.” Und was wollen Männer? Die drei großen Fs: Frauen, Fußball, Filme. Und wenn dem wirklich so wäre, hätte Katja Hofem-Best ein wirklich schlechtes Jahr gehabt. Die Frau in der Führungsriege des Männer-Senders hat aber jeden Grund, sich zu freuen. Dmax hat trotz teils starker öffentlich-rechtlicher Konkurrenz mit der Fußball-Europameisterschaft im Juni und Juli mit 1,3 Prozent bei der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen die besten Marktanteile der jungen Sendergeschichte eingefahren.

Unerwarteter Erfolg

Als sich das US-Mutterhaus Discovery 2006 entschloss, seinen ersten Free TV-Ableger weltweit ausgerechnet in Deutschland zu starten, wo Launches abseits der großen Sendergruppen keinen großen Erfolg hatten, hatte man mit einem solchen Erfolg nicht gerechnet. Mit über einem Prozent Marktanteil hat Dmax aber in kurzer Zeit das erreicht, was andere Spartensender wie Tele 5 oder Das Vierte seit Jahren versuchen: eine Zielgruppe mit dem passenden Programm zu versorgen. Der Dmax-Leitspruch: “Fernsehen für die tollsten Menschen der Welt.”

Die Programmpalette macht eines klar. Männer wollen anscheinend Dokutainment. Und das gibt es vom großen Bruder Discovery Channel frei Haus. medienlese.com hat ganz subjektiv die drei besten Formate ausgesucht:

Anthony Bourdain - Eine Frage des Geschmacks

Amerikaner französischer Herkunft, Journalist, Bestseller-Autor und im Hauptberuf Küchenchef. Nach mehreren Stationen in den renommierten Küchen des Big Apple führt das Allroundtalent nun seit zehn Jahren die Brasserie „Les Halles” in New York. Für Dmax taucht Bourdain ein in fremde Kulturen, besucht fremde Länder und testet fremde Küchen. Fazit: Nicht nur geeinget für Verfechter des guten Geschmacks.

American Chopper: Motoren, Stress und echte Männerliebe. Sie fluchen und schreien. Nebenbei bauen sie Höllenmaschinen abseits jeder Straßenzulassung. In Orange County, 130 Kilometer von New York entfernt, konstruieren Paul Teutul Sr. und sein Sohn Paul Chopper, die ihresgleichen suchen. Schnauzbart und Tätowierungen gehören genauso zum Alltag der Teutuls, wie der Hang zum Beleidigtsein. In “American Chopper” sind Motorräder eigentlich Nebensache. Fazit: Weit mehr als nur Blechebiegen.

Die Ludolfs: Vier Brüder aufm Schrottplatz

Und genau darum geht`s. Entdeckt hatte die vier Brüder Peter, Uwe, Manni und Günter ursprünglich der SWR. Erst Dmax produzierte eine ganze Fernsehserie mit den Ludolfs. An Neujahr 2008 sendete einen 24-stündigen Ludolf-Marathon, in dem 27 Folgen ausgestrahlt wurden. Mittlerweile flimmert die vierte Staffel über deutsche Mattscheiben. Die Ludolfs. Das ist “Warten auf Godot”, gepaart mit irrsinnigen Dialogen und einem Hauch Psychatrie. Fazit: Der auf Zelluloid gebannte gruppenpsychologische Feldversuch.

Doch eine Sache macht mich wirklich stutzig: Bei einer Umfrage auf der Dmax-Homepage, ob Männer die besten Männer der Welt sind, stimmten nur 78 Prozent mit Ja. Selbsthass und Komplexe in der Zielgruppe. Am Programm liegt es nicht.

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13 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Brenrhad

    schrieb am 19. August 2008 um 12:04 Uhr (#)

    Bourdain ist Kult, da stimm ich zu. Der macht genau die Küchengänge in China, die ich niemals machen würde. Wer Kulturen übers Essen kennenlernen will, der braucht Übersetzer wie Anthony.

    Ludolfs? Da schalt ich um. Punkt.

    Chopper? So langsam bietet die Serie nichts neues mehr, immer Zeitdruck und Rumgeblöcke, die Bikes sind wirklich Nebensache.

    Besser: Overhaulin. Auch seeehr amerikanisch, und die Schrei-und-Schluchz-Orgien am Schluß sind sicher unter Kanone. Was aber an den Kisten alles gemacht wird, die Ideen und die Tricks: Hochachtung.

    DMAX wär für mich noch besser, wenn mein TechniSat-Recorder den Schedule geladen hätte. Dann würd ich weniger verpassen weil meine Angetraute die Mattscheibe mit Pilcher et.al. okkupiert.

  2. oliver

    schrieb am 19. August 2008 um 12:17 Uhr (#)

    Ich will ja nicht behaupten, dass hier jemand abgeschrieben hat. Aber der Einstieg dieses Beitrags erinnert mich doch recht stark an einen Artikel, der am Montag im “Tagesspiegel erschienen ist. Den hier:

  3. oliver

    schrieb am 19. August 2008 um 12:17 Uhr (#)
  4. Felix Disselhoff

    schrieb am 19. August 2008 um 12:36 Uhr (#)

    Die Ludolfs sind einfach verrückt. Chip Foose ist einfach unglaublich. Der zieht sich mit seinen Kreationen fast durch jedes Dmax-Format. Die deutschen Formate, z.B. “Der Checker” passen dann irgendwie überhaupt nicht ins Programm. Da geht`s vor allem ums Sparen, wo doch woanders die Dollars nur so verbrannt werden

  5. Felix Disselhoff

    schrieb am 19. August 2008 um 12:43 Uhr (#)

    @ oliver: abgeschrieben hab ich nicht. ein stück über dmax wollte ich schon vor einem monat machen. da hat es sich aber nicht angeboten. und fakten sind nun mal fakten. die muss man nicht vom tagesspiegel abschreiben. die bekommt man aus den pressemitteilungen des senders. auch, wenn harte fakten und pressemitteilungen manchmal nicht miteinander vereinbar sind. dass frau hofem-best immer noch geschäftsführerin ist, dafür kann ich leider auch nichts. und dass männern nachgesagt wird, nur fußball und frauen im kopf zu haben, ist ebenfalls nichts neues. und ja. gelesen habe ich den artikel. aber so funktioniert journalismus auch. du schaust dir an, was produziert wird, und bekommst neue ideen. siehst ja auch, dass ich mit der meinung des tagesspiegels auseinander gehe.

  6. oliver

    schrieb am 19. August 2008 um 13:03 Uhr (#)

    Wollte Dir auch gar nichts unterstellen…

  7. Erik

    schrieb am 19. August 2008 um 15:00 Uhr (#)

    Anthony Bourdain ist kult!!! Lege euch dringend beide Bücher von Ihm ans Herz. Besonders das erste hat mich an meine Zeit als Koch erinnert…

  8. max

    schrieb am 19. August 2008 um 15:31 Uhr (#)

    Wohl auch der einzige deutsche Fernsehsender der mal in Top Gear aufgetaucht ist.
    D-Motor der bessere low-budget-top-gear-rip-off mal verglichen mir dem unsäglichen Grip von rtl2 hat immerhin die Chuzpe und Kontakte (Sabine Schmitz) sich dem Altmeister Clarkson persönlich zu stellen. Der Budget-Unterschied ist zwar immens aber immerhin mal ein frischer Ansatz mit Persönlichkeit.

    http://videos.streetfire.net/video/DMotor-vs-Top-Gear_175244.htm hier mal bei 3:30.

  9. XiongShui

    schrieb am 19. August 2008 um 18:34 Uhr (#)

    Witzig, über DMax hatten wir schon vor drei Wochen einen Artikel (wer Interesse hat: http://buettchenbunt.de/dmax)

  10. Chris

    schrieb am 19. August 2008 um 21:14 Uhr (#)

    Und wann schaffen es die Clowns mal endlich in echtem 16:9 zu senden?

  11. matze

    schrieb am 19. August 2008 um 23:35 Uhr (#)

    tut mir leid. aber wenn es einen sender gibt, den ich nicht mag, dann ist das DMAX. das ist doch nicht mehr als die fernsehgewordene FHM…

  12. Felix Disselhoff

    schrieb am 19. August 2008 um 23:40 Uhr (#)

    Das Video ist großartig. Ohne Worte

  13. Geisterfahrer

    schrieb am 22. August 2008 um 00:03 Uhr (#)

    Ja das wünsch ich mir auch das DMAX zukünfig in 16:9 sendet. Sendungen wie Die Ludolfs werden in 16:9 produziert aber trotzdem sendet DMAX nicht im 16:9 Format.


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