Magazin-Projekt blank:
Netzwelt auf Papier

Markus Kirchsteiger, 12. August 2008 11:03 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Wie mobile Kommunikation unseren Alltag und unser Leben verändert, ergründet blank, das Magazin für Medienkultur. Die studentische Zeitschrift gibt es im Netz und auf Papier.

Was passiert mit uns in einer Welt, wo wir ständig erreichbar sind und ein kurzer Blick auf StudiVZ oder Facebook mehr über das Gegenüber verrät, als wir selbst in mehrstündigen Gesprächen herausgefunden hätten? Das beleuchten die Autoren, Studenten des Grazer Studiengangs Journalismus und Unternehmenskommunikation, ausführlich in blank. So finden sich neben kuriosen Neuigkeiten aus den Weiten des Webs und Spaßgeschichten (Wie vernichte ich mein altes Handy am effektivsten) viele Texte, Reportagen und Interviews über das Leben in dieser neuen Welt.

Im Selbstversuch ergründet einer der Autoren beispielsweise, wie man eine Woche ohne digitale Medien wie Handy, Computer, Internet und TV auskommt. Auch die Erfahrungen dieser analogen Woche hat Michael Neumayr auf einer Schreibmaschine festgehalten. Und plötzlich fühlt man als Leser besorgt mit und wird sich der eigenen Abhängigkeit von unseren digitalen Spielzeugen bewusst. Denn eine Welt ohne Technik heißt:

Keine Scannerkassen, kein Bankomat und nur ein analoger Wecker darf mich aufwecken.

Obwohl das Experiment auf den ersten Blick zum Scheitern verurteilt scheint: ein analoges Leben ist möglich:

Glaub mir, es geht! Es gibt sie noch: die kleinen Läden und Bauernmärkte, wo alles noch analog funktioniert. Sogar die Waage ist da oft noch von der alten Schule.

Das Gegenteil davon, sich nämlich allein auf digitale Medien zu verlassen, scheint hingegen noch nicht möglich- zumindest in Graz. Das Handy als Geldbörse versagt kläglich. Auch die Suche nach offenen Wlan-Netzen in der Stadt ist von wenig Erfolg gekrönt: Freien Internetzugang ohne Konsumzwang fanden die Autoren nur am Vorplatz einer Parteizentrale.

Wie nahe Österreich schon am totalen Überwachungsstaat ist, illustriert eine Geschichte über die neuen Abhörmöglichkeiten der Exekutive. Handyortung und IMSI-Catcher sind zwar kein Neuland für jene, die die Debatten zum dazugehörigen Gesetzesbeschluss verfolgt haben. Warum dieses Thema hierzulande kaum öffentliche Proteste und Reaktionen auf sich gezogen hat, bleibt dennoch rätselhaft. Und wäre eine interessante Story gewesen, die man gerne in blank gelesen hätte.

So gibt es auch noch Entwicklungspotenzial für das Magazin. Viele gute Ansätze für Geschichten sind bereits vorhanden, einige außerdem sehr gut umgesetzt, wie eine Reportage von Susanne Puller über illegalen Handy-Handel in einem Grazer Gefängnis zeigt. Das Thema wirkt nicht nur originell, der Text zeichnet auch ein authentisches und spannungsvolles Bild und das Layout vermittelt jene düstere Stimmung, die zum Alltag hinter Gittern ideal passt.

Diesen Weg mit einem reinen Online-Magazin weiterzugehen: das wäre eine Bereicherung für die deutschsprachige Medienlandschaft. Und ein Produkt, das sich sicherlich eines vielleicht zahlenmäßig kleinen, aber feinen Publikums erfreuen könnte.

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