Abgenutzt:
Sommerloch und -löcher
Alle im Urlaub: Diverse “Sommerlöcher” geistern durch die Schlagzeilen. Mal fällt wer rein, dann soll es gestopft werden, mitunter brodelt es sogar. Eine sommerliche Presseschau.
“Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat gestern einen großen Topf Spaghetti gekocht.” Der erste Satz eines Berichts auf Welt Online. Unter der Überschrift “Gurkenraspeln im Sommerloch” wird fleißig Süßholz geraspelt – dazu Tomaten und Gurken für oder gegen dicke Kinder.
Bundesrat Moritz Leuenberger versucht’s erst gar nicht mit Inhalt. Er münzt gleich das Phänomen auf sich: “Ich bin das Sommerloch”, zitiert ihn der Tages-Anzeiger. “Ihr sollt kein anderes Sommerloch haben neben mir”, hat er dann aber doch nicht gesagt. Also weiter :
Agenturen und Experten streiten ums Sommerloch
Die große Tageszeitung für Ulm, den Alb-Donau Kreis und den Kreis Neu Ulm – richtig, die Südwest Presse – berichtet unter der Überschrift “Agenturen melden kleines Sommerloch” allerdings nicht von Herrn Leuenberger oder von der medialen Großwetterlage, sondern nur vom “typischen Sommereffekt auf dem Arbeitsmarkt”.
Das Erklären übernimmt Medienexperte Norbert Bolz im Interview auf Welt Online. Das Medien-Phänomen Sommerloch sei “ein deutsches Spezifikum, aber eigentlich leicht zu erklären”. Alle im Urlaub. Ach so ist das!
Oder doch nicht? Die Allgemeine Zeitung Bad Kreuznach hat das “Zeitungsmonster Kruschel” losgeschickt, das “geheimnisvolle Sommerloch” zu finden. Es liegt, wer hätte es gedacht, gleich in der Nähe von Bad Kreuznach und hat rund 430 Einwohner. Laut Handelsblatt brodelt es dort im Sommerloch.
Heiß, heißer, brandgefährlich
Noch heißer geht es nur in Bremen zu: Der Terminredakteur der taz Bremen kommt mächtig ins Schwitzen: “Trotz Sommerloch” gibt es dort drei Konzerte, die angekündigt werden können. Emerging Global City! Das neue Prag ist Ljubljana, dabei ist Ljubljana doch nur Bremen vor drei Jahren.
Zu heiß? Im ehemaligen Regierungsbunker, empfiehlt das Online-Magazin für Bonn und Umgebung rhein:raum, liegt die Temperatur bei lockeren 12 Grad Celsius: “Kleine Fluchten aus dem Sommerloch.” Wir fliehen also vor dem Sommer- ins Bunkerloch? Wie entzückend.
Dabei ist das Sommerloch brandgefährlich, da sollte man nicht drin “herumbuddeln” wie es die ZDF-Nachrichtensendung “Heute” dem Finanzminister anlastet. Steinbrück will, “Freier Fall ins Sommerloch”, nämlich “Reiche schröpfen”. Das geht natürlich nicht. “Stopf das Sommerloch!”, wird die Jugend zur Hilfe verdonnert: Europas Jugendseite CHiLLi.cc nennt ein paar Kulturtipps im Raum Österreich für alle, denen “Koks zu teuer und Alkohol nicht exquisit genug ist”.
Preisverdächtiges Füllmaterial
Schön zuschütten: “Füllen Sie das Sommerloch mit Werbung”, rät das Businessportal B2B Deutschland dem Mittelstand. Schließlich leiden Redakteure unter dem Sommerloch, das ist die “Chance für Sie, in die Zeitung zu kommen”. Natürlich nicht mit einer Anzeige – die “auch noch bezahlt werden muss” – sondern “im Rahmen eines redaktionellen Beitrags”. Einfach Kontakt aufnehmen und Verständnis signalisieren “nach dem Motto ‘Gemeinsam leiden im Sommerloch’”. Aua. Wir fangen schonmal an.
Immer noch mehr: Weimars regionaler Fernsehsender Salve.tv vergibt Ende September den “Sommerloch Award 2008″. Teilnehmen dürfen “Medien und Menschen”, verliehen wird der Preis für das beste Sommerloch-Thema von der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Dagmar Berghoff. Drei Kategorien werden ausgezeichnet: Sommerloch im Handy-Film, Sommerloch im Privat-Film und Sommerloch im Regionalfernsehen.
Der August hat erst angefangen, da ist der “böse Lochfraß” schon nicht mehr zu übersehen.
Frei von Sommerlöchern jeglicher Art ist unser Rückblick auf interessante medienlese.com-Beiträge im Juli …
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